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Vikings

Die „Vikings“ gehörten zu den bekanntesten Vorführteams der deutschen Marineflieger. Zwei F‑104G Starfighter des Marinefliegergeschwaders 2 flogen in enger Formation ein kurzes, präzise abgestimmtes Programm und präsentierten damit die fliegerischen Fähigkeiten des Verbandes weit über den Standort Eggebek hinaus. Ihre aktive Zeit war kurz, doch das Bild der beiden Starfighter in der blau-weiß-roten Abschiedslackierung wurde zu einem dauerhaften Symbol für das Ende der F‑104-Ära bei der Bundesmarine.

Ein Vorführteam aus dem Einsatzverband

Die Vikings waren keine eigenständige Staffel mit ausschließlich für Flugschauen abgestelltem Personal. Piloten, Techniker und Flugzeuge kamen aus dem regulären Betrieb des Marinefliegergeschwaders 2. Der Verband war auf dem Fliegerhorst Eggebek stationiert und setzte den Starfighter als Jagdbomber und Aufklärer ein. Zu seinen Hauptaufgaben gehörten die Seekriegführung aus der Luft, die Aufklärung und der Einsatz gegen Seeziele.

Diese Herkunft prägte auch die Vorführungen. Im Mittelpunkt stand nicht eine große Kunstflugformation, sondern ein Duo, das Geschwindigkeit, enge Abstimmung und die markante Silhouette der F‑104G miteinander verband. Das Programm musste neben dem normalen Einsatz- und Ausbildungsbetrieb vorbereitet werden. Jede Vorführung war daher auch eine Gemeinschaftsleistung der fliegenden und technischen Gruppen des Geschwaders.

Der Vorläufer von 1979

Bereits 1979 stellte das MFG 2 anlässlich eines Flugtages in Eggebek ein Starfighter-Duo zusammen. Schlechtes Wetter verhinderte dort die geplante Vorführung. Wenige Wochen später trat das Team beim International Air Tattoo in Greenham Common in Großbritannien auf. Als Formationsführer wird Korvettenkapitän Jürgen Tank genannt, als zweiter Pilot Kapitänleutnant Karsten Wichert.

Dieses Duo trug noch nicht dauerhaft den später bekannten Namen „Vikings“. Es zeigte jedoch, dass eine aus zwei F‑104G bestehende Formation das MFG 2 bei Flugtagen wirkungsvoll vertreten konnte. Die Erfahrungen bildeten die Grundlage für das spätere Demonstrationsteam.

Offizieller Beginn im Jahr 1983

Als offizielles Gründungsjahr der Vikings gilt 1983. Am 14. August präsentierte sich das Duo beim Flugtag in Eggebek erstmals unter diesem Namen vor der Öffentlichkeit. Die beiden Starfighter trugen zu diesem Zeitpunkt noch die reguläre graue Marine-Tarnlackierung.

Das zunächst rund acht Minuten lange Programm wurde später auf etwa zwölf Minuten erweitert. Entscheidend war nicht allein die Dauer, sondern die genaue zeitliche und räumliche Abstimmung. Bei hohen Geschwindigkeiten musste jede Kursänderung exakt vorbereitet werden. Der Formationsführer gab Flugweg und Tempo vor, während der zweite Pilot seine Position ständig über Sichtkontakt und kleinste Korrekturen hielt.

Der Name „Vikings“ passte sowohl zur norddeutschen Herkunft des Teams als auch zur maritimen Identität des Geschwaders. Er war international leicht verständlich und entwickelte sich schnell zu einem eigenständigen Erkennungszeichen der Marineflieger.

Warum zwei Starfighter genügten

Die F‑104 besaß eine außergewöhnlich schlanke Form, sehr kleine Tragflächen und ein hoch angebrachtes T‑Leitwerk. Schon ein einzelner Starfighter wirkte im schnellen Vorbeiflug eindrucksvoll. Zwei eng aufeinander abgestimmte Maschinen machten Geschwindigkeit und Linienführung noch deutlicher sichtbar.

Das Duo-Format bot mehrere Vorteile:

  • Die Zuschauer konnten beide Flugzeuge gut verfolgen.
  • Begegnungen und Formationswechsel wirkten auch ohne große Staffel dynamisch.
  • Der organisatorische Aufwand blieb geringer als bei einer mehrteiligen Kunstflugformation.
  • Das Programm ließ sich mit Luftfahrzeugen und Personal aus dem Einsatzverband durchführen.
  • Die charakteristische Form der F‑104 blieb aus nahezu jedem Blickwinkel erkennbar.

Die kleine Formation war damit kein Nachteil, sondern das eigentliche Markenzeichen der Vikings.

Ab 1984 zwei Teams

Der Erfolg der ersten Auftritte führte dazu, dass ab 1984 ein zweites Vikings-Duo zur Verfügung stand. Dadurch konnten die Marineflieger an verschiedenen Orten auftreten, ohne jede Veranstaltung mit derselben Besatzung und denselben Flugzeugen abdecken zu müssen.

Die Bezeichnung „Vikings“ stand somit nicht ausschließlich für zwei bestimmte Piloten oder zwei fest zugewiesene Maschinen. Sie bezeichnete das Vorführprogramm und die dafür qualifizierten Besatzungen des MFG 2. Über die Jahre wechselten beteiligte Piloten und eingesetzte Starfighter. Die Vorführungen blieben dennoch in Ablauf und Erscheinungsbild klar als Vikings-Programm erkennbar.

Diese Lösung entlastete den Einsatzbetrieb und erhöhte zugleich die Reichweite der Öffentlichkeitsarbeit. Das Team war auf Flugtagen im In- und Ausland zu sehen und machte das MFG 2 auch außerhalb militärischer Fachkreise bekannt.

Präzision begann am Boden

Ein Vorführflug dauerte nur wenige Minuten, seine Vorbereitung jedoch wesentlich länger. Die Piloten mussten das Programm gemeinsam planen, jede Position besprechen und Alternativen für veränderte Wetterbedingungen festlegen. Flughöhe, Sicht, Wolkenuntergrenze und Wind entschieden darüber, welche Teile sicher gezeigt werden konnten.

Ebenso wichtig war die technische Vorbereitung. Die F‑104G war ein leistungsstarkes, aber anspruchsvolles Waffensystem. Triebwerk, Flugsteuerung, Hydraulik, Fahrwerk, Schleudersitz und die zahlreichen Bordsysteme mussten zuverlässig funktionieren. Hinzu kamen Betankung, Fremdkörperkontrolle, Startvorbereitung und die Kontrolle nach dem Flug.

Die Vikings zeigten daher nicht nur die Leistung zweier Piloten. Hinter jedem Auftritt standen die Erfahrung und Sorgfalt der Techniker, Prüfer und Bodenmannschaften des MFG 2.

Die Nordamerika-Tour 1986

Ein Höhepunkt der Teamgeschichte war die Nordamerika-Tour im August 1986. Die Vikings traten in den Vereinigten Staaten und Kanada auf und repräsentierten dort die deutschen Marineflieger in der letzten Phase des Starfighter-Betriebs.

Eine solche Verlegung verlangte deutlich mehr als den eigentlichen Vorführflug. Flugroute, Zwischenlandungen, Wetter, Ersatzteile, technische Unterstützung und die Versorgung der Maschinen mussten über große Entfernungen koordiniert werden. Zugleich traf das Team in Nordamerika auf ein Publikum, das den Starfighter und seine Geschichte sehr gut kannte.

Die Reise wurde zu einem internationalen Abschied des Musters. Beim MFG 2 stand der Wechsel auf den Panavia Tornado bereits unmittelbar bevor.

Die blau-weiß-rote Abschiedslackierung

Nach der Rückkehr aus Nordamerika erhielten zwei Starfighter eine auffällige Sonderlackierung. Blau, Weiß und Rot entsprachen den Landesfarben Schleswig-Holsteins und verwiesen damit auf die Heimat des MFG 2. Die Kennungen 26+63 und 26+72 wurden besonders eng mit dem letzten Erscheinungsbild der Vikings verbunden.

Die Lackierung betonte die schlanke Form der F‑104: Blau lag über dem oberen Rumpf, ein breites weißes Feld verlief entlang der Mitte und Rot markierte die Unterseite. Hoheitszeichen und Marinekennzeichnung blieben sichtbar. Im Vergleich zur grauen Einsatzlackierung waren die Maschinen dadurch schon aus großer Entfernung eindeutig zu erkennen.

In dieser Farbgebung absolvierten die Vikings nur noch wenige Auftritte. Gerade die kurze Einsatzzeit machte die Sonderlackierung später zu einem der bekanntesten Marineflieger-Designs der 1980er-Jahre.

Abschied vom Starfighter

Am 11. September 1986 verabschiedete das MFG 2 den Starfighter offiziell und leitete den Übergang auf den Panavia Tornado ein. Für das Demonstrationsteam folgten noch einige letzte Auftritte. Die endgültige Vorführung fand am 27. September 1986 in Neuburg an der Donau statt.

Damit endete die Geschichte der Vikings nach nur wenigen Jahren. Ihr Ende war nicht Folge mangelnden Erfolgs, sondern Teil des Generationswechsels beim MFG 2. Der Tornado übernahm die Aufgaben der F‑104 und prägte anschließend fast zwei Jahrzehnte lang das Geschwader in Eggebek.

Die erhaltenen Erinnerungsstücke

Mehrere Starfighter erinnern heute an die Marinefliegerzeit und an die Vikings. Dabei muss zwischen Originalflugzeugen, später umlackierten Ausstellungsstücken und Nachbildungen unterschieden werden.

Im Technik Museum Speyer wird beispielsweise eine F‑104G mit der Kennung 26+63 und in Vikings-Farben gezeigt. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Ausstellungsstück um die frühere 22+01, die später als 26+63 lackiert wurde. Es ist somit ein historisches Luftfahrzeug in einer Erinnerungsbemalung, nicht die ursprüngliche Vikings-Maschine mit dieser Kennung.

Die F‑104G 26+72 blieb ebenfalls erhalten und wurde erneut in der blau-weiß-roten Farbgebung restauriert. Solche Exponate halten die Erinnerung an das Team sichtbar, verlangen bei der historischen Einordnung aber einen genauen Blick auf Werknummer, ursprüngliche Kennung und spätere Restaurierung.

Warum die Vikings bis heute in Erinnerung bleiben

Die Vikings verbinden mehrere Kapitel der Marinefliegergeschichte: den Starfighter, den Standort Eggebek, die internationale Zusammenarbeit und den Übergang zum Tornado. Zugleich stehen sie für eine Zeit, in der ein Einsatzgeschwader seine Fähigkeiten mit eigenen Flugzeugen und eigenem Personal unmittelbar vor einem großen Publikum zeigte.

Ihr bleibender Eindruck entstand aus der Konzentration auf das Wesentliche. Zwei Starfighter, eine präzise Formation und ein klarer maritimer Bezug genügten, um ein unverwechselbares Bild zu schaffen. Die blau-weiß-rote Lackierung wurde erst ganz am Ende eingeführt – doch gerade sie machte die Vikings zu einer Ikone des MFG 2.

Quellen:

Stand: Oktober 2026

Autor: Stephan Struck