Flyout des MFG 2 – der letzte Flugtag in Eggebek
Am 18. Juni 2005 endete auf dem Marinefliegerhorst Eggebek der offizielle Flugbetrieb des Marinefliegergeschwaders 2. Der Flyout war zugleich Flugprogramm, Geschwadermusterung, letzter Familientag und Treffen ehemaliger Geschwaderangehöriger. Mit der letzten Landung eines Marine-Tornados und dem Abschiedsfunkspruch „Egmont, over and out“ schloss sich ein Kapitel, das 47 Jahre zuvor mit der Aufstellung der 2. Marine-Fliegergruppe begonnen hatte.
Der Flyout war jedoch noch nicht die formale Außerdienststellung des Verbandes. Zehn Tage später verließen die letzten beiden Tornados Eggebek; erst am 9. August 2005 wurde das MFG 2 offiziell außer Dienst gestellt. Diese drei Daten markieren unterschiedliche Schritte des Abschieds.
Kurz erklärt: Der Flyout am 18. Juni 2005 beendete den offiziellen Flugbetrieb. Am 28. Juni verließen die letzten beiden Tornados den Standort. Die formale Außerdienststellung des MFG 2 folgte am 9. August 2005.
Die wichtigsten Daten im Überblick
| Datum | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 21. Mai 2003 | Bekanntgabe der Auflösung | Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Feldt, gab während einer Geschwadermusterung die Auflösung des MFG 2 und die Schließung des Standortes Tarp/Eggebek zum 31. Dezember 2005 bekannt. |
| 11. März 2005 | Letzter Tornado-Flug des Flottillenkommandeurs | Flottillenkommandeur Flottillenadmiral Wolfgang Kalähne flog letztmals in der 45+12 – demselben Luftfahrzeug, mit dem er am 11. September 1986 die Tornado-Ära des MFG 2 mit eröffnet hatte. |
| 31. März 2005 | Ende des Simulatorbetriebs | Nach rund 19 Jahren und drei Monaten sowie ungefähr 10.000 dokumentierten Ausbildungsflügen wurde der Tornado-Simulator außer Betrieb genommen. |
| 11. Mai 2005 | Auszeichnung für Flugsicherheit | Das Geschwader erhielt eine Flugsicherheitsurkunde für drei Jahre unfallfreien Flugbetrieb. |
| 18. Juni 2005 | Flyout | Der offizielle Flugbetrieb des MFG 2 endete mit Flugprogramm, Static Display, Geschwadermusterung, Ehemaligentreffen und Hallenfest. |
| 21. Juni 2005 | Überführung der 43+55 | Der Marine-Tornado 43+55 wurde nach Nordholz überführt und dem Aeronauticum übergeben. |
| 28. Juni 2005 | Letzte Tornados verlassen Eggebek | Die 45+14 und die 45+02 starteten nach drei Abschiedsüberflügen in Richtung Nörvenich. |
| 9. August 2005 | Außerdienststellung | Kapitän zur See Gerhard Pichl gab das Kommando zurück; das MFG 2 wurde formal außer Dienst gestellt. |
| 1. Januar bis Ende Juni 2006 | Nachkommando | Ein Nachkommando setzte die Räumung des Standortes und die Materialabsteuerung fort. |
Warum das MFG 2 aufgelöst wurde
Die Auflösung des MFG 2 war Teil der Neuausrichtung der Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Krieges. Bereits im März 2003 erklärte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Deutschen Bundestages, dass die Luftwaffe die Tornados und den Auftrag des Marinefliegergeschwaders 2 übernehmen solle. Die Fähigkeit zur Seekriegführung aus der Luft sollte ausdrücklich erhalten bleiben, aber nicht länger in einem eigenen Marine-Jagdbomberverband organisiert werden.
Am 21. Mai 2003 wurde diese Planung für die Angehörigen des MFG 2 zur konkreten Gewissheit. Während einer Geschwadermusterung gab der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Feldt, die Auflösung des Geschwaders und die Schließung des Standortes Tarp/Eggebek zum Jahresende 2005 bekannt. Von diesem Zeitpunkt an musste der Verband zwei Aufgaben gleichzeitig bewältigen: den Flugbetrieb und die Einsatzbereitschaft so lange wie erforderlich aufrechterhalten und parallel Personal, Flugzeuge, Material und Fähigkeiten geordnet abgeben.
Die Geschwaderzeitung +egmont+ dokumentierte diese Lage bereits 2003 aus der Innensicht. Kommodore Kapitän zur See Gerhard Pichl beschrieb den bevorstehenden Personalabbau, die Abgabe von Luftfahrzeugen und die gleichzeitige Sicherstellung des Flugbetriebs für die Flotte sowie der Ausbildung von Luftwaffenbesatzungen als eine außergewöhnliche Belastung. Zugleich formulierte er das Ziel, den Transfer des Aufgabenspektrums zur Luftwaffe und die Auflösung des Verbandes bis Ende 2005 geordnet abzuschließen.
Abschied in Etappen
Der Flyout war kein plötzliches Ende, sondern der sichtbarste Punkt eines über zwei Jahre vorbereiteten Auflösungsprozesses. Anfang 2005 waren viele Tornados, Soldaten und Techniker bereits an andere Verbände abgegeben oder für neue Verwendungen eingeplant. Ein zeitgenössischer Bericht der WELT nannte im Februar 2005 noch 23 in Eggebek verbliebene Tornados. Ein Teil der Besatzungen und etwa 80 Luftfahrzeugtechniker wechselten demnach zur Luftwaffe.
Die letzten Monate waren von Abschieden aus fast allen Bereichen des Geschwaders geprägt. Am 11. März absolvierte Flottillenkommandeur Flottillenadmiral Wolfgang Kalähne seinen letzten Tornado-Flug in der 45+12. Dieses Luftfahrzeug hatte für ihn eine besondere Bedeutung: Mit derselben Maschine war er am 11. September 1986 an der Eröffnung des Tornado-Flugbetriebs beim MFG 2 beteiligt gewesen.
Am 31. März endete der Betrieb des Tornado-Simulators. Nach den Angaben der Geschwaderchronik war er 19 Jahre und drei Monate genutzt worden; etwa 10.000 Ausbildungsflüge waren dort absolviert worden. Den letzten Simulatordurchgang flogen Kommodore Gerhard Pichl und sein Stellvertreter, Fregattenkapitän Joachim Schultz.
Dass der Verband trotz seiner Auflösung bis zuletzt einen kontrollierten Flugbetrieb führte, zeigt die am 11. Mai verliehene Flugsicherheitsurkunde: Sie würdigte drei Jahre unfallfreies Fliegen. Wenige Wochen später begann die unmittelbare Vorbereitung auf den Flyout.
Der 18. Juni 2005 in Eggebek
Der Flyout war der letzte große Flugtag des Marinefliegergeschwaders 2. Anders als bei einem gewöhnlichen Tag der offenen Tür stand nicht die Präsentation eines weiterhin bestehenden Verbandes im Mittelpunkt, sondern dessen bewusster Abschied. Angehörige des Geschwaders, ihre Familien, ehemalige Marineflieger, Gäste aus der Bundeswehr und Vertreter des öffentlichen Lebens kamen auf dem Fliegerhorst zusammen.
Nach der historischen Geschwaderchronik nahmen die letzten sechs der noch sieben vorhandenen Luftfahrzeuge am Flugprogramm teil. Ergänzt wurde es durch ein Static Display. Zum Tagesablauf gehörten außerdem die letzte Geschwadermusterung im Rahmen des Flugbetriebs, ein Ehemaligentreffen und ein abschließendes Fest in einer Halle. Damit verband die Veranstaltung militärisches Zeremoniell, fliegerische Vorführung und persönlichen Abschied.
Unter den ranghohen Gästen befanden sich der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Feldt, und der Stellvertreter des Befehlshabers der Flotte, Konteradmiral Hoch. Der letzte Kommodore des MFG 2, Kapitän zur See Gerhard Pichl, meldete dem stellvertretenden Kommandeur der Marinefliegerflottille, Kapitän zur See Mathew, die letzte Landung eines Marine-Tornados in Eggebek.
„Egmont, over and out“
Der Funkrufname des Eggebeker Towers lautete „Egmont“. Derselbe Name war seit 1970 eng mit der Geschwaderzeitung +egmont+ verbunden. Am Ende des Flyouts wurde dieser Rufname zur Abschiedsformel:
„Egmont, over and out.“
Der kurze Satz steht in der Geschwaderchronik am Ende des Eintrags zum 18. Juni 2005. Seine Wirkung beruht auf der doppelten Bedeutung. Im Funkverkehr markiert „out“ das Ende der Verbindung; für das MFG 2 bezeichnete der Spruch zugleich das Ende des eigenen Flugbetriebs in Eggebek. Dass der vertraute Tower-Rufname verwendet wurde, machte den Abschied besonders eng mit dem Standort und dem Alltag der dort stationierten Marineflieger verbunden.
Die dokumentierten Besatzungen
Eine Bildlegende der Geschwaderchronik nennt zwölf Angehörige im Zusammenhang mit dem Flyout: Korvettenkapitän Jöns, Korvettenkapitän Dern, Korvettenkapitän Hug, Fregattenkapitän Schultz, Korvettenkapitän Oertel-Heldt, Kapitänleutnant Roschinski, Korvettenkapitän Boysen, Korvettenkapitän Rein, Fregattenkapitän Jehn, Kapitän zur See Pichl, Korvettenkapitän Friemel und Korvettenkapitän Beckers.
Als Display-Crew sind Fregattenkapitän Jehn und Korvettenkapitän Beckers ausdrücklich bezeichnet. Die Bildunterschrift ordnet die übrigen Namen der abgebildeten Gruppe zu, erlaubt jedoch keine zweifelsfreie Zuordnung jedes Einzelnen zu einem bestimmten Flugzeug oder Programmpunkt. Deshalb sollte sie nicht als vollständige Besatzungsliste einzelner Missionen gelesen werden.
Warum am 18. Juni noch nicht der letzte Tornado abflog
In Darstellungen zur Auflösung des MFG 2 werden der Flyout und der Abflug der letzten Maschinen gelegentlich zusammengezogen. Tatsächlich lagen zehn Tage dazwischen. Der 18. Juni war der letzte offizielle Flugtag des Geschwaders. Danach waren noch Überführungsflüge notwendig.
Am 21. Juni brachten Kapitän zur See Gerhard Pichl und sein Stellvertreter Fregattenkapitän Joachim Schultz die 43+55 nach Nordholz. Dort wurde der Tornado dem Aeronauticum übergeben. Für Schultz war dies nach der Geschwaderchronik zugleich der letzte Flug seiner aktiven fliegerischen Laufbahn.
Am frühen Morgen des 28. Juni verließen schließlich die 45+14 und die 45+02 den Fliegerhorst Eggebek. Zahlreiche Geschwaderangehörige sowie Medienvertreter verfolgten den Start. Nach drei Überflügen über dem bisherigen Heimatflugplatz nahmen beide Tornados Kurs auf Nörvenich. Die Chronik vermerkt, dass eine Maschine dort an den Feierlichkeiten zur millionsten Tornado-Flugstunde teilnahm. Gerhard Pichl führte eines der beiden Luftfahrzeuge; für ihn war es der letzte Tornado-Flug.
Damit endete die physische Präsenz der aktiven Tornados des MFG 2 in Eggebek. Der Verband bestand organisatorisch jedoch noch mehrere Wochen weiter.
Außerdienststellung am 9. August 2005
Die formale Außerdienststellung erfolgte am 9. August 2005. Bei einer öffentlichen Musterung mit anschließendem Serenadeprogramm gab Kapitän zur See Gerhard Pichl das Kommando an Kapitän zur See Mathew zurück. Unter den Gästen befand sich auch der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Nolting.
Pichl war der 14. und letzte Kommodore des MFG 2. Die Geschwaderchronik schließt die aktive Geschichte des Verbandes mit einer Gesamtluftfahrzeugzeit von 352.509 Stunden und 55 Minuten ab. Diese Zahl umfasst die über 47 Jahre erflogene Zeit der unterschiedlichen Luftfahrzeugmuster des Geschwaders und darf nicht mit den allein auf dem Tornado erflogenen Stunden verwechselt werden.
Mit der Außerdienststellung war die praktische Abwicklung noch nicht abgeschlossen. Ein Nachkommando unter Führung von Fregattenkapitän Peddinghaus übernahm die Räumung des Standortes und die weitere Materialabsteuerung. Die Chronik nennt ab dem 1. Januar 2006 eine Stärke von 209 Angehörigen und eine Tätigkeit bis Ende Juni 2006.
Was von Auftrag und Standort blieb
Mit dem MFG 2 endete 2005 die Ära der landgestützten strahlgetriebenen Kampfflugzeuge der Deutschen Marine. Der militärische Auftrag verschwand jedoch nicht vollständig. Die Luftwaffe übernahm die Fähigkeit zur Seekriegführung aus der Luft. Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr bestätigt, dass das damalige Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ diese Fähigkeit 2005 vom aufgelösten MFG 2 übernahm.
Für Tarp, Eggebek und die umliegenden Gemeinden bedeutete die Schließung weit mehr als eine militärische Umgliederung. Der Fliegerhorst war über Jahrzehnte Arbeitgeber, Ausbildungsort und sozialer Mittelpunkt gewesen. Nach dem Abzug der Bundeswehr begann die Konversion des mehr als 400 Hektar großen Geländes. Heute werden Teile der früheren Infrastruktur als Energie- und Gewerbepark genutzt; große Flächen des ehemaligen Flugplatzes tragen Photovoltaikanlagen. Tower, Hallen, Shelter und die Grundstruktur des Areals erinnern weiterhin an die militärische Vergangenheit.
Auch die Erinnerung an das Geschwader blieb erhalten. Der Tornado 43+55 steht im Aeronauticum in Nordholz. Historische Dokumente, Fotografien, persönliche Sammlungen, die Geschwaderchronik und die Ausgaben von +egmont+ bewahren die Perspektive der Menschen, die in Tarp und Eggebek dienten.
Bedeutung des Flyouts
Der Flyout war weder nur eine Flugschau noch bereits die Auflösung des Geschwaders. Er war der bewusst gesetzte Schlusspunkt des fliegerischen Dienstes. Die sechs eingesetzten Luftfahrzeuge, die letzte Landung, das Antreten des Verbandes und der Abschiedsfunkspruch machten aus einem organisatorischen Vorgang ein gemeinsames historisches Ereignis.
Gerade die Abfolge der letzten Wochen zeigt, wie viele Ebenen ein militärischer Abschied besitzt: Zuerst endet der regelmäßige Flugbetrieb, dann werden die letzten Luftfahrzeuge abgegeben, anschließend wird der Verband formal außer Dienst gestellt und schließlich räumt ein Nachkommando den Standort. Der 18. Juni 2005 blieb als jener Tag in Erinnerung, an dem das MFG 2 ein letztes Mal als fliegender Verband vor Angehörigen, Ehemaligen und Gästen auftrat.
Häufige Fragen zum Flyout des MFG 2
Wann fand der Flyout des MFG 2 statt?
Der Flyout fand am Samstag, dem 18. Juni 2005, auf dem Marinefliegerhorst Eggebek statt. An diesem Tag wurde der offizielle Flugbetrieb des Geschwaders beendet.
War der Flyout zugleich die Außerdienststellung?
Nein. Der Flyout beendete den offiziellen Flugbetrieb. Die formale Außerdienststellung des Marinefliegergeschwaders 2 erfolgte am 9. August 2005.
Welche Tornados verließen Eggebek zuletzt?
Die 45+14 und die 45+02 waren die letzten beiden Tornados des MFG 2, die Eggebek am 28. Juni 2005 in Richtung Nörvenich verließen.
Was geschah mit der 43+55?
Die 43+55 wurde am 21. Juni 2005 nach Nordholz überführt. Sie gehört heute zu den Großexponaten des Aeronauticums.
Was bedeutete „Egmont“?
„Egmont“ war der Funkrufname des Towers in Eggebek. Der Name wurde außerdem für die Geschwaderzeitung +egmont+ verwendet.
Wer übernahm den maritimen Tornado-Auftrag?
Die Fähigkeit zur Seekriegführung aus der Luft wurde 2005 an die Luftwaffe übertragen. Das damalige Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ in Schleswig-Jagel übernahm diesen Auftrag.
Quellen:
Stand: Oktober 2026
Historische Quellen aus dem privaten Archiv
- Geschwaderchronik des Marinefliegergeschwaders 2, insbesondere die Einträge vom 11. März, 31. März, 11. Mai, 18. Juni, 21. Juni, 28. Juni und 9. August 2005, S. 659–671 der vorliegenden PDF-Fassung.
- +egmont+, Ausgabe 2003-05, insbesondere das Vorwort des Kommodore und die Chronikeinträge zur personellen Auflösung und zur Übergabe des Aufgabenspektrums.
Die historischen Originaldateien befinden sich im privaten Archiv. Sie werden nicht online veröffentlicht und deshalb nicht öffentlich verlinkt.
Öffentlich zugängliche Quellen
- Marineflieger.de: Geschwaderchronik MFG 2
- Deutscher Bundestag, Drucksache 15/532 vom 11. März 2003
- Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: Militärgeschichtliche Sammlung Taktisches Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“
- WELT: Das langsame Aus der Tornados in Eggebek
- Amt Eggebek: Konversion Flugplatz Eggebek
- Aeronauticum: Großexponate im Detail
- NDR: Flugplatz Eggebek – Das Gewerbegebiet auf der Tornado-Startbahn
Quellenhinweis
Dieser Beitrag basiert auf der historischen Geschwaderchronik des Marinefliegergeschwaders 2 und ergänzend auf einer zeitgenössischen Ausgabe der Geschwaderzeitung +egmont+.
Die historischen Originalausgaben befinden sich als PDF-Dateien im privaten Archiv und werden nicht online veröffentlicht.