Außerdienststellung des MFG 2 – das Ende des Verbandes in Eggebek
Am 9. August 2005 wurde das Marinefliegergeschwader 2 auf dem Fliegerhorst Eggebek offiziell außer Dienst gestellt. Im Rahmen einer öffentlichen Geschwadermusterung mit anschließender Serenade gab der letzte Kommodore, Kapitän zur See Gerhard Pichl, das Kommando an Kapitän zur See Mathew zurück. Damit endete formal die 47-jährige Geschichte eines Verbandes, der am 1. April 1958 als 2. Marine-Fliegergruppe aufgestellt worden war.
Die Außerdienststellung war der letzte militärische Rechts- und Organisationsakt in einer längeren Abfolge. Der offizielle Flugbetrieb war bereits mit dem Flyout am 18. Juni beendet worden. Die letzten beiden Tornados hatten Eggebek am 28. Juni verlassen. Erst am 9. August hörte das MFG 2 auch als selbstständiger Verband auf zu bestehen.
Kurz erklärt: Der Flyout beendete am 18. Juni 2005 den offiziellen Flugbetrieb. Am 28. Juni verließen die letzten Tornados den Standort. Die öffentliche Musterung am 9. August markierte die formale Außerdienststellung des MFG 2.
Die wichtigsten Daten
| Datum | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1. April 1958 | Aufstellung der 2. Marine-Fliegergruppe | Beginn der späteren Geschichte des MFG 2 in Kiel-Holtenau. |
| 21. Mai 2003 | Auflösungsentscheidung bekannt gegeben | Der Inspekteur der Marine informierte das Geschwader über die geplante Auflösung und die Schließung des Standortes Tarp/Eggebek. |
| 18. Juni 2005 | Flyout | Der offizielle Flugbetrieb endete mit Flugprogramm, Musterung, Familientag, Ehemaligentreffen und Hallenfest. |
| 21. Juni 2005 | 43+55 nach Nordholz überführt | Der Marine-Tornado wurde dem Aeronauticum übergeben. |
| 28. Juni 2005 | Letzte Tornados verlassen Eggebek | Die 45+14 und 45+02 flogen nach drei Abschiedsüberflügen nach Nörvenich. |
| 9. August 2005 | Außerdienststellung | Das MFG 2 wurde bei einer öffentlichen Musterung formal außer Dienst gestellt. |
| 1. Januar 2006 | Nachkommando mit 209 Angehörigen | Die Räumung der Liegenschaft und die Absteuerung des restlichen Materials wurden fortgesetzt. |
| Ende Juni 2006 | Geplanter Abschluss der Abwicklung | Bis zu diesem Zeitpunkt sollten Räumung und Materialabgabe beendet sein. |
Eine politische Entscheidung von 2003
Die Außerdienststellung war die Folge der Neuausrichtung der Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Zahl der Tornados sollte deutlich reduziert und der Betrieb auf weniger Verbände konzentriert werden. In der Bundestagsdrucksache 15/532 erklärte die Bundesregierung bereits im März 2003, dass die Luftwaffe die Tornados und den Auftrag des Marinefliegergeschwaders 2 übernehmen solle. Die Fähigkeit zur Seekriegführung aus der Luft sollte dabei ausdrücklich erhalten bleiben.
Am 21. Mai 2003 wurde die Entscheidung im Geschwader bekannt gegeben. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Feldt, informierte die angetretenen Angehörigen über die vorgesehene Auflösung und die Schließung des Standortes Tarp/Eggebek zum Ende des Jahres 2005. Der Schleswig-Holsteinische Landtag hielt später fest, dass Eggebek wegen der absehbaren Folgen als besonders stark betroffener Konversionsstandort eingestuft worden war.
Von diesem Zeitpunkt an musste das MFG 2 zwei gegensätzliche Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Der militärische Auftrag und ein sicherer Flugbetrieb waren weiterhin zu gewährleisten, während Personal, Luftfahrzeuge, Material und Infrastruktur bereits schrittweise abgegeben wurden.
Die Geschwaderzeitung +egmont+ dokumentierte diese Situation 2003 aus der Perspektive des Verbandes. Kommodore Gerhard Pichl nannte Personalabbau, die Abgabe von Luftfahrzeugen, die Fortführung des Flugbetriebs und die Ausbildung von Luftwaffenbesatzungen als parallele Aufgaben. Ziel war es, den Auftragstransfer zur Luftwaffe und die Auflösung des Geschwaders geordnet abzuschließen.
Die letzten Monate des MFG 2
Anfang 2005 war die Auflösung im täglichen Dienst deutlich sichtbar. Ein zeitgenössischer Bericht der WELT nannte im Februar noch 23 in Eggebek verbliebene Tornados. Viele Luftfahrzeuge wurden an Luftwaffenverbände abgegeben, andere ausgemustert oder für Museen vorgesehen. Rund zwei Dutzend Piloten und Waffensystemoffiziere sowie etwa 80 Luftfahrzeugtechniker wechselten nach dieser Quelle zur Luftwaffe.
Die Personalstärke am Standort ging erheblich zurück. Gleichzeitig mussten die verbliebenen Angehörigen den Flugbetrieb, die technische Betreuung, die Materialabgabe und die organisatorische Auflösung bewältigen. Die Auflösung war deshalb kein einzelner Verwaltungsakt, sondern ein über Jahre vorbereiteter Prozess.
Am 18. Juni 2005 setzte der Flyout den sichtbaren Schlusspunkt unter den offiziellen Flugbetrieb. Die letzten sechs von sieben noch vorhandenen Luftfahrzeugen nahmen nach der Geschwaderchronik am Flugprogramm teil. Nach der letzten Landung eines Marine-Tornados endete die Funkverbindung mit den Worten:
„Egmont, over and out.“
Drei Tage später überführten Gerhard Pichl und sein Stellvertreter, Fregattenkapitän Joachim Schultz, den Tornado 43+55 nach Nordholz. Dort wurde er dem Aeronauticum übergeben. Für Schultz war diese Überführung zugleich der letzte Flug.
Am 28. Juni starteten die 45+14 und 45+02 als letzte Tornados des Geschwaders von Eggebek. Vor zahlreichen Geschwaderangehörigen und Medienvertretern flogen sie drei Abschiedsrunden über ihrem bisherigen Heimatflugplatz und nahmen anschließend Kurs auf Nörvenich. Gerhard Pichl überführte eine der beiden Maschinen selbst und absolvierte damit seinen letzten Tornado-Flug.
Die öffentliche Musterung am 9. August 2005
Am 9. August folgte die formale Außerdienststellung. Die Geschwaderchronik beschreibt eine öffentliche Musterung mit anschließender Serenade. Dabei gab Kapitän zur See Gerhard Pichl das Kommando über das Marinefliegergeschwader 2 an Kapitän zur See Mathew, den stellvertretenden Kommandeur der Flottille der Marineflieger, zurück.
An der Musterung nahmen der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Nolting, sowie Vertreter der Bundeswehr, der Politik und der Öffentlichkeit teil. Die Anwesenheit ziviler Gäste verdeutlichte, dass nicht nur ein militärischer Verband aufgelöst wurde. Das MFG 2 war über Jahrzehnte ein prägender Arbeitgeber und gesellschaftlicher Bezugspunkt für Tarp, Eggebek und die umliegenden Gemeinden gewesen.
Mit der Kommandorückgabe endete die Befehlsgewalt des Kommodore über einen selbstständigen Verband. Anders als beim Flyout stand am 9. August nicht mehr das Fliegen im Mittelpunkt. Die Tornados waren bereits abgegeben, der reguläre Flugbetrieb eingestellt und die Staffeln weitgehend abgewickelt. Die Zeremonie bestätigte nun den organisatorischen Abschluss.
Gerhard Pichl wechselte anschließend nach den Angaben der Geschwaderchronik in eine neue Verwendung nach Athen. Die Chronik bezeichnet ihn als 14. Kommodore des MFG 2.
Warum andere Quellen Gerhard Pichl teilweise als 15. Verbandsführer nennen
Bei der Zählung der Kommandeure gibt es eine erklärbare Abweichung. Die Geschwaderchronik führt Gerhard Pichl als 14. Kommodore. Einige öffentliche Übersichten zählen dagegen sämtliche Leiter seit der Aufstellung der 2. Marine-Fliegergruppe mit und kommen auf 15 Verbandsführer.
Der Unterschied entsteht durch die Anfangsphase: Fregattenkapitän Werner Klümper führte zunächst die 2. Marine-Fliegergruppe, bevor die Verbandsstruktur an die Geschwaderorganisation angepasst und die Dienststellung des Kommodore eingeführt wurde. Für die Bezeichnung „Kommodore des MFG 2“ folgt dieser Beitrag der internen Geschwaderchronik. Für eine übergreifende Liste aller Verbandsführer kann dagegen die höhere Zahl verwendet werden.
352.509 Stunden und 55 Minuten
Die Geschwaderchronik schließt den Eintrag zur Außerdienststellung mit 352.509 Stunden und 55 Minuten Gesamtluftfahrzeugzeit. Die Angabe umfasst die über 47 Jahre erflogene Zeit der unterschiedlichen Luftfahrzeugmuster des Verbandes. Sie darf nicht mit den ausschließlich auf dem Tornado erflogenen Stunden verwechselt werden.
In diesen Gesamtwert flossen mehrere fliegerische Epochen ein. Zu den vom Verband eingesetzten Mustern gehörten unter anderem Hawker Sea Hawk, Fairey Gannet, Fouga Magister, Piaggio P.149, F-104G und RF-104G Starfighter sowie ab 1986 der Panavia Tornado. Die Zahl dokumentiert daher nicht nur die Leistung eines Waffensystems, sondern die gesamte Entwicklung des Geschwaders von den Aufbaujahren bis zum Ende der Marine-Jetfliegerei.
Die Arbeit war nach dem 9. August nicht beendet
Die Außerdienststellung beendete den Verband, aber nicht sofort sämtliche Arbeiten am Standort. Material musste erfasst und abgegeben, Gebäude mussten geräumt und die Liegenschaft für die Rückgabe vorbereitet werden.
Nach der Geschwaderchronik übernahm ein Nachkommando unter Führung von Fregattenkapitän Peddinghaus diese Aufgaben. Ab dem 1. Januar 2006 sollte es eine Stärke von 209 Angehörigen haben. Die Räumung und die Absteuerung des verbliebenen Materials waren bis spätestens Ende Juni 2006 abzuschließen.
Diese Angabe passt zu den damaligen Konversionsplanungen des Landes Schleswig-Holstein. Das Land ging 2004 davon aus, dass die Liegenschaft etwa Mitte 2006 für eine zivile Nachnutzung verfügbar werden könnte. Damit ist auch die häufige Verwechslung verschiedener Enddaten erklärbar: Das MFG 2 war seit dem 9. August 2005 außer Dienst, die reguläre militärische Nutzung des Standortes lief zum Jahreswechsel aus, die praktische Abwicklung dauerte jedoch bis 2006 an.
Der Auftrag blieb erhalten
Mit der Außerdienststellung des MFG 2 endete die Ära der landgestützten strahlgetriebenen Kampfflugzeuge der Deutschen Marine. Die Fähigkeit zur Seekriegführung aus der Luft wurde jedoch nicht ersatzlos aufgegeben.
Die Luftwaffe übernahm Personal, Tornados und Aufgabenanteile. Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr bestätigt, dass das damalige Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ die Seekriegführung aus der Luft im Jahr 2005 vom aufgelösten MFG 2 übernahm. Damit blieb die Fähigkeit innerhalb der Bundeswehr bestehen, wechselte aber die Teilstreitkraft und den verantwortlichen Verband.
Für viele ehemalige Angehörige war dieser Übergang dennoch eine deutliche Zäsur. Auftrag und Technik konnten übertragen werden; die Identität eines über Jahrzehnte gewachsenen Marinefliegerverbandes ließ sich nicht in gleicher Weise fortführen.
Auswirkungen auf Tarp und Eggebek
Der Standort hatte zeitweise mehr als 2.000 Soldaten und Zivilbeschäftigte umfasst. Kaserne, Flugplatz, Vereine, Patenschaften und persönliche Beziehungen verbanden das Geschwader eng mit der Region. Entsprechend groß waren die Sorgen um Arbeitsplätze, Kaufkraft und die Zukunft der militärischen Liegenschaften.
Nach dem Abzug begann die Konversion des mehr als 400 Hektar großen Flugplatzgeländes. Ehemalige Hallen, Shelter und Verkehrsflächen erhielten neue Nutzungen. Große Teile der Startbahn wurden später mit Photovoltaikanlagen überbaut; weitere Flächen dienen heute Gewerbe, Energiegewinnung und Forschung.
Der NDR beschrieb den früheren Standort rückblickend als ein „Dorf vor dem Dorf“. Dieser Ausdruck verdeutlicht, dass die Außerdienststellung weit über eine militärische Strukturentscheidung hinausging. Für die Region endete ein Alltag, der seit den 1960er-Jahren von Starts, Landungen, Schichtbetrieb und tausenden Beschäftigten geprägt worden war.
Was von der Außerdienststellung bleibt
Der 9. August 2005 steht für das formale Ende des Marinefliegergeschwaders 2. Der Tag beendet eine Abfolge, die mit der politischen Entscheidung von 2003 begonnen hatte und über Personalabbau, Flugzeugabgaben, den Flyout und die letzten Überführungsflüge bis zur öffentlichen Musterung führte.
Die Außerdienststellung war zugleich Abschluss und Übergang. Ein Geschwader verschwand, der maritime Tornado-Auftrag ging an die Luftwaffe, und aus dem Marinefliegerhorst entwickelte sich schrittweise ein ziviler Energie- und Gewerbestandort. Die Erinnerung an das MFG 2 blieb in Museen, Chroniken, privaten Sammlungen, den Ausgaben von +egmont+ und in der Gemeinschaft ehemaliger Angehöriger erhalten.
Häufige Fragen zur Außerdienststellung des MFG 2
Wann wurde das MFG 2 offiziell außer Dienst gestellt?
Die offizielle Außerdienststellung erfolgte am 9. August 2005 auf dem Fliegerhorst Eggebek.
War der Flyout bereits die Außerdienststellung?
Nein. Der Flyout am 18. Juni 2005 beendete den offiziellen Flugbetrieb. Die formale Außerdienststellung des Verbandes erfolgte erst am 9. August.
Wer war der letzte Kommodore des MFG 2?
Kapitän zur See Gerhard Pichl war der letzte Kommodore. Er führte den Verband seit Dezember 2001 bis zur Außerdienststellung.
An wen wurde das Kommando zurückgegeben?
Gerhard Pichl gab das Kommando an Kapitän zur See Mathew, den stellvertretenden Kommandeur der Flottille der Marineflieger, zurück.
Welche Tornados verließen Eggebek zuletzt?
Die Tornados 45+14 und 45+02 verließen Eggebek am 28. Juni 2005 als letzte Maschinen des Geschwaders.
Was geschah nach der Außerdienststellung?
Ein Nachkommando setzte die Räumung der Liegenschaft und die Abgabe des restlichen Materials fort. Diese Arbeiten sollten spätestens Ende Juni 2006 abgeschlossen sein.
Wer übernahm den Auftrag des MFG 2?
Die Luftwaffe übernahm die Fähigkeit zur Seekriegführung aus der Luft. Verantwortlicher Verband wurde das damalige Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ in Schleswig-Jagel.
Quellen:
Stand: Oktober 2026
Historische Quellen aus dem privaten Archiv
- Geschwaderchronik des Marinefliegergeschwaders 2, insbesondere S. 665–671 der vorliegenden PDF-Fassung mit den Einträgen vom 18., 21. und 28. Juni sowie 9. August 2005.
- +egmont+, Ausgabe 2003-05, insbesondere das Vorwort des Kommodore und die Chronikeinträge zur personellen Auflösung und zur Übertragung des Aufgabenspektrums.
Die historischen Originaldateien befinden sich im privaten Archiv. Sie werden nicht online veröffentlicht und deshalb nicht öffentlich verlinkt.
Öffentlich zugängliche Quellen
- https://marineflieger.de/geschwader/mfg2/geschwaderchronik
- https://marineflieger.de/geschwader/mfg2
- https://dserver.bundestag.de/btd/15/005/1500532.pdf
- https://zms.bundeswehr.de/de/zmsbw-kanal-forschung-und-bildung/museums-und-sammlungsverbund-der-bundeswehr/militaergeschichtliche-sammlung-taktlwg-51-5491256
- https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl15/umdrucke/5100/umdruck-15-5191.pdf
- https://www.welt.de/print-welt/article423120/Das-langsame-Aus-der-Tornados-in-Eggebek.html
- https://www.amteggebek.de/aktuelles/herzlich-willkommen/wirtschaft/konversion-flugplatz-eggebek
- https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/Flugplatz-Eggebek-Das-Gewerbegebiet-auf-der-Tornado-Startbahn,eggebek114.html
- https://www.wings-aviation.ch/38-Marineflieger/4-Sqn/MFG-2/MFG-2.htm
Quellenhinweis
Dieser Beitrag basiert auf der historischen Geschwaderchronik des Marinefliegergeschwaders 2 und ergänzend auf einer zeitgenössischen Ausgabe der Geschwaderzeitung +egmont+.
Die historischen Originalausgaben befinden sich als PDF-Dateien im privaten Archiv und werden nicht online veröffentlicht.