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Flugunfälle des MFG 2

Die Geschichte des Marinefliegergeschwaders 2 ist eine Geschichte technischer Entwicklung, anspruchsvoller Ausbildung und jahrzehntelanger Einsatzbereitschaft. Sie ist aber auch mit schweren Flugunfällen, dem Verlust von Luftfahrzeugen und dem Tod von Besatzungsangehörigen verbunden. Diese Chronik dokumentiert die nachweisbaren Ereignisse vom ersten tödlichen Sea-Hawk-Unfall der 2. Marinefliegergruppe im Jahr 1959 bis zu den beiden Tornado-Unfällen im November 2001.

Die Aufstellung trennt bewusst zwischen zerstörten oder abgeschriebenen Luftfahrzeugen, reparablen Beschädigungen und Unfällen von MFG-2-Angehörigen auf Flugzeugen fremder Ausbildungsverbände. Eine einzige pauschale „Absturzsumme“ wäre irreführend: Historische Quellen verwenden Begriffe wie Flugunfall, Zwischenfall, Totalverlust und „damaged beyond repair“ nicht immer einheitlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Berücksichtigt werden die 2. Marinefliegergruppe, das 2. Marinefliegergeschwader und das spätere Marinefliegergeschwader 2.
  • Für die Starfighter-Ära lassen sich 32 dem MFG 2 zugeordnete Totalverluste oder wirtschaftliche Totalschäden belegen.
  • Die Geschwaderchronik nennt für das Ende des Starfighter-Flugbetriebs 13 tödlich verunglückte Piloten. Die Einzelereignisse umfassen außerdem Todesopfer in anderen beteiligten Flugzeugen und am Boden.
  • Für die Tornado-Ära sind fünf zerstörte MFG-2-Maschinen, ein weiterer nicht mehr in den regulären Flugbetrieb zurückgekehrter Unfallrumpf sowie eine schwere, aber nicht als Totalverlust belegte Bauchlandung dokumentiert.
  • Nicht jeder schwere Zwischenfall führte zum Verlust des Flugzeugs. Solche Fälle werden gesondert aufgeführt.
  • Wo öffentliche Quellen zu Kennzeichen, Ursache oder Schadensgrad voneinander abweichen, nennt die Chronik nur den gesicherten Kern und kennzeichnet die verbleibende Unsicherheit.

Was in dieser Chronik als Unfall gilt

Die interne Geschwaderchronik benutzt „Flugunfall“ auch für Ereignisse, bei denen ein Flugzeug beschädigt wurde und die Besatzung unverletzt blieb. Internationale Datenbanken unterscheiden dagegen meist zwischen zerstört, schwer beschädigt und repariert. Für diese Seite gelten deshalb drei Kategorien:

  1. Totalverlust oder wirtschaftlicher Totalschaden: Das Luftfahrzeug wurde zerstört, abgeschrieben oder nicht mehr in den regulären Flugbetrieb zurückgeführt.
  2. Schwerer Zwischenfall ohne belegten Totalverlust: Das Luftfahrzeug wurde beschädigt, konnte aber repariert werden oder sein endgültiger Status ist öffentlich nicht eindeutig belegt.
  3. Personenbezogener MFG-2-Unfall: Ein Angehöriger des Geschwaders verunglückte während Ausbildung oder Dienst auf einem Flugzeug, das nicht zum Bestand des MFG 2 gehörte.

Die frühen Jahre: Sea Hawk, Fouga Magister, Gannet und Piaggio

In den Aufbaujahren flog der Verband mehrere sehr unterschiedliche Muster. Ausbildung, Aufklärung und U-Boot-Jagd mussten parallel aufgebaut werden, während Personal und Einheiten mehrfach den Standort wechselten. Die zeitgenössische Geschwaderchronik enthält in dieser Phase sowohl Totalverluste als auch reparable Beschädigungen.

DatumLuftfahrzeugOrt und AblaufFolgen und Einordnung
14. Januar 1959Hawker Sea Hawk, Kennzeichen nicht gesichertAbsturz über beziehungsweise bei JagelDer Pilot kam ums Leben. Er war der erste tödlich verunglückte Flugzeugführer des damaligen Verbandes. Das Kennzeichen wird in den ausgewerteten Quellen nicht genannt.
29. August 1961Fouga CM.170R Magister SC-602Wasserberührung während eines Ausbildungsfluges nahe Schleimünde, anschließend AbsturzBeide Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Die Bestandsliste führt SC-602 als beschädigt und anschließend zum Luftparkregiment 2 abgegeben; deshalb wird das Flugzeug hier nicht ohne Vorbehalt als Totalverlust gezählt.
17. Juni 1962Fairey Gannet, Kennzeichen nicht gesichertBeim Start in Jagel knickte das Bugfahrwerk einFlugzeug beschädigt; Pilot und Besatzung unverletzt. Kein belegter Totalverlust.
27. September 1962Zwei Sea Hawk Mk 100, VB+121 und VB+128Zusammenstoß im Anflug auf JagelBeide Piloten kamen ums Leben; beide Flugzeuge wurden abgeschrieben.
9. Juli 1963Hawker Sea Hawk, Kennzeichen nicht gesichertBauchlandung auf einer eingeschäumten Landebahn in Nordholz, nachdem sich das Fahrwerk nicht sicher ausfahren ließPilot des MFG 1 unverletzt; Flugzeug nur leicht beschädigt. Die Geschwaderchronik führt das Ereignis als ersten Flugunfall in Nordholz.
17. Dezember 1963Hawker Sea Hawk des MFG 2, Kennzeichen nicht zweifelsfrei belegtAbsturz nahe Jagel aus damals ungeklärter UrsacheDer Pilot gehörte zum MFG 1 und kam ums Leben. Öffentliche Bestandslisten erlauben keine zweifelsfreie Zuordnung eines Kennzeichens; deshalb wird kein Kennzeichen ergänzt.
9. Juni 1964Sea Hawk Mk 101 RB+370Beim Formationsstart in Nordholz von der Startbahn abgekommen; das Flugzeug kam schwer beschädigt und brennend zum StillstandPilot unverletzt; Flugzeug abgeschrieben.
3. September 1964Piaggio P.149D, Kennzeichen nicht gesichertBeim Start in Aalborg knickte das Bugfahrwerk einFlugzeug beschädigt; Pilot unverletzt. Kein belegter Totalverlust.
19. Oktober 1965Fouga CM.170R Magister, Kennzeichen nicht gesichertBauchlandung nach einem NachtflugBeide Flugzeugführer unverletzt; Flugzeug beschädigt. Kein belegter Totalverlust.

Ein MFG-2-Personenverlust in der Ausbildung

Am 16. April 1965 kam der Kommandeur der Fliegenden Gruppe des MFG 2 bei einem F-104G-Unfall nahe der Luke Air Force Base in Arizona ums Leben. Die Maschine mit der US-Kennung 62-12312 gehörte zum amerikanischen Ausbildungsverband 4510th Combat Crew Training Wing und nicht zum Flugzeugbestand des MFG 2. Der Unfall gehört daher zur Personalgeschichte des Geschwaders, darf aber nicht als Verlust eines MFG-2-Luftfahrzeugs gezählt werden. Die Geschwaderchronik beschreibt einen Triebwerksausfall unmittelbar nach dem Start; die Starfighter-Fachliste nennt dagegen den Verlust der Kontrolle bei nicht vollständig verriegeltem Kabinendach. Ohne öffentlich zugänglichen amtlichen Untersuchungsbericht bleibt diese Ursachenfrage offen.

Die Starfighter-Ära: 32 nachgewiesene Verluste

Die F-104G und RF-104G prägten das MFG 2 von 1965 bis 1987. Geflogen wurden schnelle Tiefflug-, Aufklärungs-, Schieß- und maritime Angriffsprofile. Die vollständige deutsche Starfighter-Verlustliste weist dem MFG 2 insgesamt 32 zerstörte oder nicht mehr wirtschaftlich reparierbare Flugzeuge zu. Die folgende Tabelle übernimmt Datum, Kennzeichen und Muster aus dieser Fachliste und gleicht den Ablauf mit der Geschwaderchronik ab.

Nr.DatumKennzeichen / MusterAblaufFolgen
110. Mai 1966VB+240, F-104GKollision mit der MFG-1-F-104G VB+115 über der Nordsee, rund 30 Seemeilen nordwestlich von Texel, beim Einflug in SeenebelBeide Piloten kamen ums Leben; der MFG-2-Pilot hatte sich noch mit dem Schleudersitz gerettet. Beide Flugzeuge zerstört.
228. April 1967VB+205, RF-104GVogelschlag und Triebwerksausfall im Tiefflug bei Bad MeinbergPilot rettete sich unverletzt. Ein Kind am Boden wurde durch Trümmer tödlich verletzt. Flugzeug zerstört.
321. Mai 196821+08, RF-104GRäumliche Desorientierung bei schlechtem Wetter im Tiefflug nahe SilberstedtPilot tödlich verunglückt; Flugzeug zerstört.
418. September 196823+04, F-104GWasserberührung im Seetiefflug im Kattegat bei AnholtPilot katapultierte sich, wurde gerettet, erlag jedoch später seinen Verletzungen. Flugzeug zerstört.
512. Dezember 196823+10, F-104GAbsturz in die Nordsee nahe Helgoland; die Fachliste nennt Vogelschlag, die Geschwaderchronik lässt die Ursache offenPilot verließ die Maschine, ertrank jedoch und blieb vermisst. Flugzeug zerstört.
610. März 197021+28, RF-104GRäumliche Desorientierung während eines bodengeführten Instrumentenanflugs auf EggebekPilot tödlich verunglückt; Flugzeug zerstört.
72. Juni 197021+12, RF-104GAusfall von Bugradsteuerung und Bremsen bei der Landung in EggebekPilot unverletzt; wirtschaftlicher Totalschaden.
85. März 197127+78, TF-104GBodenberührung im Tiefflug bei Syke nahe BassumBeide Insassen kamen ums Leben; Flugzeug zerstört.
923. März 197123+14, F-104GBlitzschlag und Triebwerksausfall im Instrumentenanflug auf DecimomannuPilot rettete sich mit dem Schleudersitz; Flugzeug zerstört.
1019. August 197123+13, F-104GBodenbrand bei einem Systemtest in Eggebek nach dem Abwurf eines AußentanksKeine Personenschäden; Flugzeug abgeschrieben.
1114. Oktober 197121+10, RF-104GRäumliche Desorientierung bei starkem Regen im Anflug auf den Schießplatz Capo FrascaPilot tödlich verunglückt; Flugzeug zerstört.
1216. Februar 197226+59, F-104GBoden- beziehungsweise Wasserberührung während eines Schießeinsatzes auf dem Übungsplatz TerschellingPilot tödlich verunglückt; Flugzeug zerstört.
1319. Februar 197426+64, F-104GTriebwerksausfall durch Fremdkörperschaden nach einem Querschläger beim Schießen auf TerschellingPilot rettete sich mit dem Schleudersitz; Flugzeug zerstört.
1417. April 197426+71, F-104GKontrollverlust bei LuftkampfmanövernPilot katapultierte sich, kam jedoch bei der Landung mit beschädigtem Fallschirm ums Leben. Flugzeug zerstört.
1522. August 197524+35, RF-104GKollision mit der MFG-1-F-104G 22+75 nahe EiderstedtMFG-2-Pilot rettete sich; der Pilot der MFG-1-Maschine kam ums Leben. Beide Flugzeuge zerstört.
1615. März 197626+73, F-104GVogelschlag und Triebwerksausfall bei St. Peter-OrdingPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
1719. April 197721+14, RF-104GVogelschlag und Triebwerksausfall im Seetiefflug nahe Møn in DänemarkPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
182. Juni 197726+77, F-104GWasserberührung während eines Schießeinsatzes auf TerschellingPilot tödlich verunglückt; Flugzeug zerstört.
1918. August 197821+20, RF-104GVogelschlag und Schubverlust im Tiefflug östlich von HelgolandPilot rettete sich unverletzt und wurde kurz darauf geborgen; Flugzeug zerstört.
2019. September 197823+08, F-104GVogelschlag im Seetiefflug im Kattegat bei AnholtPilot rettete sich unverletzt und wurde von einem Handelsschiff aufgenommen; Flugzeug zerstört.
217. Dezember 197823+11, F-104G, für Aufklärung modifiziertVogelschlag und Triebwerksausfall im Anflug auf EggebekPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
226. September 197927+99, TF-104GProbleme mit der Flugsteuerung über der Lüneburger HeideBeide Insassen retteten sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
239. November 197923+20, F-104GKontrollverlust während eines Loopings bei HaselundPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
2426. August 198126+68, F-104GVogelschlag und Triebwerksausfall beim Schießen auf dem Übungsplatz Oksbøl in DänemarkPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
257. Mai 198227+92, TF-104GWasserberührung im Seetiefflug nahe Læsø in DänemarkBeide Insassen katapultierten sich, kamen jedoch ums Leben. Flugzeug zerstört.
267. Juli 198226+62, F-104GKontrollverlust beim Einleiten eines simulierten Bombenangriffs auf Capo FrascaPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
273. November 198226+55, F-104GVerdichterabriss und Triebwerksausfall im Seetiefflug über dem KattegatPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
2810. Juli 198423+18, F-104GUnbeabsichtigte Rollbewegung beim Formationsstart in EggebekPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
2917. Oktober 198423+16, F-104G, für Aufklärung modifiziertKollision mit dem Mast eines Schnellbootes bei einem simulierten AngriffPilot tödlich verunglückt; Flugzeug zerstört.
308. Februar 198521+27, RF-104GVogelschlag und Triebwerksausfall im Seetiefflug nahe BornholmPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug zerstört.
3118. Februar 198526+70, F-104GKollision mit einer zweisitzigen Harrier T.4 der Royal Air Force im Tiefflug nahe Versmold/GüterslohMFG-2-Pilot und Harrier-Pilot retteten sich; der britische Fluglehrer kam ums Leben. Beide Flugzeuge zerstört.
3227. März 198521+18, RF-104GTriebwerksausfall nach dem Abschuss eines AS.30-Flugkörpers nahe HelgolandPilot rettete sich unverletzt; Flugzeug stürzte in die Nordsee.

Was die Starfighter-Liste zeigt

Die Ereignisse lassen sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Belegt sind unter anderem Vogelschläge, Fremdkörperschäden, Triebwerks- und Steuerungsprobleme, Kollisionen, räumliche Desorientierung sowie Boden- oder Wasserberührungen im Tief- und Schießflug. Mehrere Piloten überlebten nur durch den Schleudersitz; zugleich gab es Unfälle, bei denen der Rettungsausstieg selbst nicht mehr zum Überleben führte.

Die Geschwaderchronik bilanziert zum Ende des Starfighter-Flugbetriebs am 26. Mai 1987 insgesamt 13 tödlich verunglückte Piloten des Verbandes. Die oben aufgeführten 32 Luftfahrzeugverluste umfassen außerdem zwei Doppelsitzer, Todesopfer in kollidierenden Fremdflugzeugen und das 1967 am Boden getötete Kind. Diese Gruppen dürfen statistisch nicht miteinander vermischt werden.

Schwerer Starfighter-Zwischenfall ohne Verlust des Flugzeugs

Am 23. Mai 1984 berührte eine F-104G beim Schießen auf ein Schleppziel mit dem Heck die Ostsee. Teile des Hecks wurden herausgerissen, dennoch gewann das Flugzeug wieder Höhe und konnte sicher in Eggebek landen. Die Geschwaderchronik bezeichnet das Ereignis ausdrücklich als „Beinahe-Flugunfall“. Weil die Maschine nicht verloren ging, erscheint sie nicht in der Liste der 32 Verluste.

Die Tornado-Ära: Unfälle von 1993 bis 2001

Der Tornado-Flugbetrieb begann beim MFG 2 im September 1986. Das zweisitzige Waffensystem brachte leistungsfähigere Navigation, Geländefolgeflug und eine modernere Rettungsausstattung, doch Tiefflug, Nachtflug, Schießbetrieb und Flugvorführungen blieben anspruchsvoll. Für das MFG 2 sind sieben schwere Ereignisse eindeutig nachweisbar.

DatumKennzeichenOrt und AblaufFolgen und Einordnung
7. September 199345+58Absturz in der Eckernförder Bucht bei simulierten Angriffen auf SchnellbootePilot und Waffensystemoffizier kamen ums Leben. Flugzeug zerstört. Die genaue Unfallursache ist in den ausgewerteten öffentlichen Quellen nicht abschließend dokumentiert.
24. August 199645+32Kollision mit dem Luftwaffen-Tornado 44+67 während der Tiefflugausbildung rund 130 Kilometer westlich von Goose Bay, KanadaDer MFG-2-Pilot kam ums Leben; der MFG-2-Waffensystemoffizier sowie die beiden Insassen des anderen Tornados überlebten. Beide Flugzeuge zerstört.
12. September 199745+15Bauchlandung in Aarhus-Tirstrup nach einem Touch-and-Go; das Fahrwerk war nicht ausgefahrenBeide Besatzungsmitglieder unverletzt; Flugzeug erheblich beschädigt. Ein Totalverlust ist nicht belegt, daher gesonderte Einordnung.
20. Januar 199845+26Bei einem Nacht-Ausbildungsflug auf dem Rückweg von einem niederländischen Übungsgebiet brachen gegen 20 Uhr Funk- und Radarkontakt ab. Die Suche konzentrierte sich auf das See- und Wattgebiet westlich von Borkum bis RottumerplaatBeide Besatzungsmitglieder blieben vermisst und gelten als ums Leben gekommen. Der Crashrecorder wurde geborgen, das Wrack trotz intensiver Suche jedoch nicht gefunden. Ursache nicht abschließend öffentlich belegt.
22. August 199845+48Kontrollverlust während einer Flugvorführung beim Familientag des MFG 2; Absturz nahe JerrishoeBeide Besatzungsmitglieder retteten sich mit dem Schleudersitz und blieben unverletzt. Flugzeug zerstört.
8. November 200144+51Beidseitiger Triebwerksausfall beim Schießeinsatz auf dem niederländischen Übungsplatz Vlieland, nach den zeitgenössischen Geschwaderquellen höchstwahrscheinlich durch Vogelschlag verursachtBeide Besatzungsmitglieder retteten sich unverletzt. Flugzeug zerstört.
20. November 200145+27Kurz nach dem Abheben schlug das Flugzeug wieder auf die Startbahn in Eggebek auf. Das Bugfahrwerk knickte ein, die Miniature Detonating Cord sprengte das Kabinendach, und die Maschine kam in der Fanganlage zum StillstandBeide Besatzungsmitglieder unverletzt. Das Flugzeug kehrte nicht in den regulären Flugbetrieb zurück und wurde als Lehrflugzeug verwendet. Der öffentliche ASN-Eintrag nennt einen Fehler im Flugsteuerungssystem SPILS; ohne frei zugänglichen amtlichen Bericht bleibt diese Detailangabe unter Vorbehalt.

Warum Unfallzahlen ohne Definition täuschen

Eine Quelle kann ein beschädigtes Flugzeug als „Unfall“ führen, während eine andere nur abgeschriebene Maschinen zählt. Auch die Zuordnung zum Geschwader ist nicht immer gleichbedeutend mit der Zugehörigkeit der Besatzung: 1963 flog ein MFG-1-Pilot eine Sea Hawk des MFG 2; 1965 starb ein MFG-2-Offizier in einem amerikanischen Ausbildungsflugzeug; 1975 und 1985 waren Flugzeuge anderer Verbände an Kollisionen beteiligt.

Aus demselben Grund ist die häufig zitierte Zahl von Marine-Tornado-Verlusten nicht automatisch eine MFG-2-Zahl. Vor der Auflösung des MFG 1 gingen auch dort Tornados verloren. Der Luftwaffen-Tornado 46+42, der am 9. Dezember 2004 bei Kaufering abstürzte, gehörte zum Jagdbombergeschwader 32 und ist ebenfalls kein MFG-2-Unfall.

Die belastbarste Darstellung ist deshalb die Ereignisliste mit Kennzeichen, Verband, Schadensgrad und Besatzungsfolge – nicht eine isolierte Gesamtsumme.

Flugsicherheit als Lernprozess

Die Chronik zeigt zugleich, wie technische und organisatorische Sicherheit weiterentwickelt wurde. Verbesserte Schleudersitze, standardisierte Instrumentenverfahren, systematische Vogelschlagprävention, Flugdaten- und Unfallauswertung sowie eine immer engere Verzahnung von Flugbetrieb und Technik erhöhten die Überlebenschancen. Dennoch blieb besonders der schnelle Tief- und Seetiefflug ein Bereich mit sehr kleinen Fehlertoleranzen.

Dass zahlreiche Besatzungen schwere technische Ausfälle und Kollisionen überlebten, war das Ergebnis von Ausbildung, Rettungssystemen und schneller Hilfe. Jeder tödliche Unfall erinnert jedoch daran, dass die Einsatzbereitschaft des Geschwaders einen hohen menschlichen Preis forderte. Eine historische Unfallchronik sollte deshalb weder dramatisieren noch anonymisieren, sondern Ereignisse nachvollziehbar und quellenkritisch dokumentieren.

Quellenprüfung und offene Punkte

Für diese Rekonstruktion wurden die interne Geschwaderchronik, zeitgenössische Berichte, Flugzeugbestandslisten und spezialisierte Unfalldatenbanken gegeneinander geprüft. Dabei ergaben sich folgende Bewertungen:

QuelleVerwendeter InhaltBewertung
Geschwaderchronik MFG 2Daten, Orte, Besatzungsfolgen, geschwaderinterne EinordnungZentrale interne Quelle mit unmittelbarem Verbandsbezug; nennt bei frühen Ereignissen jedoch nicht immer Kennzeichen oder technischen Endstatus.
Geschwaderzeitung +egmont+Ausgabe 1996-05 bestätigt die Kollision bei Goose Bay; die Ausgaben 1998-01, 1998-02 und 1998-06 dokumentieren Besatzung, Suche und Rückblick zum Verlust von 45+26 sowie den reparablen Unfall beim Familientag; Ausgabe 2001-06 dokumentiert beide November-UnfälleZeitgenössische private Archivquelle. Die Hefte liegen als Bildscans vor und wurden für die Prüfung per OCR erschlossen. Angaben wurden nur übernommen, wenn sie mit weiteren Quellen übereinstimmen. Keine öffentlichen Downloadlinks.
NAS EggebekEinheitsbezeichnungen, Stationierungszeiten, frühe Flugzeugbestände und AbschreibungenSehr wertvoll für Kennzeichen und Bestandswege; private luftfahrthistorische Dokumentation, keine amtliche Unfalluntersuchung.
916 StarfighterVollständige deutsche F-104-Verlustliste mit Datum, Kennzeichen, Muster und KurzbeschreibungUmfassende, quellenbasierte Fachliste; der Betreiber weist selbst darauf hin, dass Korrekturen möglich sind. Angaben wurden mit der Geschwaderchronik abgeglichen.
Aviation Safety NetworkTornado-Kennzeichen, Betreiber, Schadensgrad und KurzablaufGeeignet zur unabhängigen Registerkontrolle; nutzergestützte Sekundärdatenbank, kein Ersatz für einen amtlichen Untersuchungsbericht.
FLUG REVUEÜbersicht deutscher Militärflugunfälle 1996 bis 2016Unabhängiger publizistischer Abgleich für die späten Tornado-Ereignisse.
WELT, Januar 1998Zeitgenössische Berichte zur Suche nach 45+26 und den beiden VermisstenZeitnahe Pressequelle; dokumentiert Suchverlauf und damaligen Kenntnisstand, nicht die endgültige Unfallursache.
„German Crash Data“Tornado-Kennzeichen, Verluststatus und KurzangabenSpezialisierte Zusammenstellung; hilfreich zum Abgleich, aber keine amtliche Primärquelle.
Öffentliche Listen militärischer ZwischenfälleOrientierung und Gegenkontrolle einzelner DatenNur ergänzend verwendet. Bei Abweichungen hatten Geschwaderchronik, zeitgenössische Berichte und musterbezogene Fachlisten Vorrang.

Nicht abschließend öffentlich geklärt sind insbesondere das Kennzeichen der Sea Hawk vom 14. Januar 1959, das Kennzeichen einzelner reparabler Frühereignisse sowie die amtlich festgestellte Ursache der Tornado-Verluste 45+58 und 45+26. Solche Lücken werden nicht durch Vermutungen gefüllt.

Quellen:

Stand: Oktober 2026

Autor: Stephan Struck