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Fliegerhorst Eggebek

Der Fliegerhorst Eggebek war über vier Jahrzehnte das fliegerische Zentrum des Marinefliegergeschwaders 2. Von hier aus starteten zunächst Starfighter und später Tornados zu Ausbildungs-, Aufklärungs- und Einsatzflügen über Nord- und Ostsee. Für viele Angehörige der Marineflieger ist der Name Eggebek deshalb weit mehr als eine Ortsangabe: Er steht für einen Verband, einen besonderen militärischen Alltag und für die letzte große Epoche der strahlgetriebenen Kampfflugzeuge der Deutschen Marine.

Die Geschichte des Flugplatzes begann jedoch lange vor dem Einzug des MFG 2. Sie reicht vom militärischen Ausbau während des Zweiten Weltkriegs über die Nutzung durch die Luftwaffe der jungen Bundeswehr bis zur jahrzehntelangen Marinefliegerzeit. Nach der Schließung im Jahr 2005 wurde aus dem militärischen Areal schrittweise ein Energie- und Gewerbestandort.

Der Standort Eggebek und Tarp

Der eigentliche Flugplatz lag westlich der Gemeinde Eggebek zwischen Schleswig und Flensburg. Die Unterkünfte und ein großer Teil der Geschwaderführung befanden sich einige Kilometer entfernt in Tarp. Deshalb wurde der Standort im täglichen Sprachgebrauch häufig als Tarp/Eggebek bezeichnet.

Zum militärischen Komplex gehörten die Start- und Landebahn, Rollwege, Abstellflächen, technische Bereiche, Schutzbauten, Hallen, Flugsicherung und Feuerwehr sowie die Friedrich-Wilhelm-Lübke-Kaserne in Tarp. Flugplatz und Kaserne bildeten gemeinsam den Lebens- und Arbeitsraum des Geschwaders. Zeitweise arbeiteten dort mehr als 2.000 Soldaten und Zivilbeschäftigte.

KenndatumEinordnung
Bau des ersten Flugplatzesab 1938
FertigstellungJuli 1941
Neubau als NATO-Flugplatzab 1959
Indienststellung des Neubaus11. November 1960
Übernahme durch das MFG 2schrittweise ab September 1964
Offizielle Übergabe an die Marine12. März 1965
Beginn der Tornado-Ära11. September 1986
Außerdienststellung des MFG 29. August 2005
Ende des Bundeswehrstandorts1. Januar 2006

Der Flugplatz im Zweiten Weltkrieg

Mit dem Bau des damaligen Flugplatzes wurde 1938 begonnen. Nach seiner Fertigstellung im Juli 1941 nutzte ihn die Luftwaffe der Wehrmacht. Die ursprüngliche Anlage besaß drei annähernd dreiecksförmig angeordnete Start- und Landebahnen. Der Platz diente unter anderem dem Nachschubverkehr in Richtung Dänemark und Norwegen, der Ausbildung sowie als Einsatz- und Ausweichplatz.

In der Schlussphase des Krieges lagen unterschiedliche Verbände und Flugzeugtypen in Eggebek. Am 22. April 1945 griff die Royal Air Force den Flugplatz an. Nach Kriegsende wurden die militärischen Anlagen demilitarisiert; Teile des Geländes dienten anschließend wieder landwirtschaftlichen Zwecken.

Diese erste Phase ist von der späteren Bundeswehranlage zu unterscheiden. Der NATO-Flugplatz entstand ab 1959 in der Nähe des früheren Flugfeldes und erhielt eine neue, für schnelle Strahlflugzeuge geeignete Infrastruktur.

Neubeginn mit der Luftwaffe

Am 11. November 1960 wurde der neu errichtete Fliegerhorst durch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß offiziell in Dienst gestellt. Erster Verband am Standort war das Aufklärungsgeschwader 52 der Luftwaffe. Dessen RF-84F „Thunderflash“ nutzten Eggebek bis zum Herbst 1964 für die taktische Luftaufklärung.

Die räumliche Trennung zwischen dem Flugplatz in Eggebek und den Unterkünften in Tarp war kein Zufall. Bei vielen damaligen NATO-Flugplätzen lagen Kasernen- und Flugbetriebsbereiche voneinander entfernt. So sollten die personellen und fliegerischen Teile des Verbandes räumlich entzerrt werden.

Als das Aufklärungsgeschwader 52 nach Leck verlegte, wurde Eggebek für das Marinefliegergeschwader 2 frei. Für das MFG 2 endete damit eine jahrelange Folge provisorischer und wechselnder Standorte.

Das MFG 2 zieht nach Eggebek

Das Marinefliegergeschwader 2 war 1958 zunächst als 2. Marine-Fliegergruppe aufgestellt worden. Kiel-Holtenau, Jagel, Schleswig-See, Eckernförde und Nordholz gehörten zu den Stationen der Aufbauzeit. Nordholz war erst 1963 bezogen worden, erwies sich für die geplante Nutzung des F-104G Starfighter jedoch als ungeeignet: Die vorhandene Startbahn war für den neuen schnellen Jet nicht ausreichend dimensioniert.

Am 21. September 1964 traf ein Vorkommando des MFG 2 in Tarp/Eggebek ein. Nachdem das Aufklärungsgeschwader 52 nach Leck verlegt hatte, übernahm das MFG 2 am 2. November 1964 das Hausherrenrecht auf dem Fliegerhorst. Personal, Material und Dienststellen wurden in den folgenden Monaten aus Nordholz und den ausgelagerten Bereichen nach Schleswig-Holstein verlegt.

Die offizielle Übergabe des Fliegerhorstes von der Luftwaffe an die Marine fand am 12. März 1965 statt. Am 17. März landete der erste eigene F-104G Starfighter des Geschwaders in Eggebek. Ab dem 14. April wurde der reguläre Flugbetrieb mit dem neuen Muster aufgenommen. Damit begann die Phase, die den Standort mehr als zwei Jahrzehnte prägen sollte.

Eggebek in der Starfighter-Ära

Der F-104G Starfighter machte das MFG 2 zu einem modernen Jagdbomber- und Aufklärungsverband. In Eggebek waren sowohl Einsatz- als auch Ausbildungs-, Wartungs- und Unterstützungsbereiche konzentriert. Die Flugzeuge trainierten den schnellen Tiefflug, die maritime Aufklärung und den Angriff auf Seeziele. Später kam mit dem Flugkörper AS.34 Kormoran eine speziell für die Bekämpfung von Schiffen entwickelte Abstandswaffe hinzu.

Der Standort musste den hohen technischen Anforderungen des Starfighters angepasst werden. Wartung, Triebwerksdienst, Elektronik, Bewaffnung, Rettungswesen, Flugsicherung und Flugplatzverteidigung griffen eng ineinander. Der eigentliche Flugbetrieb war deshalb nur der sichtbare Teil eines weit größeren Systems aus Technik und Logistik.

Auch internationale Übungen und Austauschvorhaben gehörten zum Alltag. Das MFG 2 war fest in die NATO-Strukturen eingebunden und nutzte regelmäßig auswärtige Übungsplätze. Gleichzeitig prägten Flugtage, Geschwaderveranstaltungen und die Kontakte zu den umliegenden Gemeinden das Verhältnis zwischen dem Standort und der Region.

Besondere Bekanntheit erlangten die Vikings. Das Vorführteam des MFG 2 zeigte mit zwei Starfightern taktisch geprägte Formationsvorführungen. Die auffällig lackierten Maschinen wurden zu einem weithin sichtbaren Symbol für Eggebek und für die auslaufende Starfighter-Ära der Marineflieger.

Umbau für den Tornado

Mitte der 1980er-Jahre stand der nächste Systemwechsel bevor. Der Panavia Tornado sollte den Starfighter ablösen und die Fähigkeiten des Geschwaders bei Allwetterflug, Tiefflug, Aufklärung und Schiffsbekämpfung deutlich erweitern.

Für das neue Flugzeug mussten Startbahn und Rollwege erneuert und weitere Teile der Infrastruktur angepasst werden. Von März bis September 1986 ruhte deshalb der reguläre Flugbetrieb in Eggebek. Teile des MFG 2 wichen vorübergehend nach Jagel aus; die verbliebenen Starfighter wurden für die letzte Nutzungsphase nach Erding verlegt.

Am 11. September 1986 landeten die ersten Tornados des MFG 2 in Eggebek. Mit ihnen begann eine neue Epoche. Das zweisitzige, schwenkflügelige Kampfflugzeug war für schnelle Einsätze in niedriger Höhe und bei schwierigen Wetterbedingungen ausgelegt. Für die Marineflieger standen vor allem die Bekämpfung von Überwasserzielen, die taktische Aufklärung und später auch Aufgaben der Unterdrückung gegnerischer Radaranlagen im Mittelpunkt.

Eggebek wurde nun zu einem der wichtigsten Tornado-Standorte der Bundeswehr. Im täglichen Übungsbetrieb waren bis zu 10.000 Flugstunden im Jahr vorgesehen. Der hohe Aufwand machte den Fliegerhorst zu einem komplexen technischen Großbetrieb, in dem fliegende Besatzungen, Wartung, Waffenpersonal, Flugsicherung und zahlreiche Unterstützungsdienste zusammenarbeiteten.

Veränderungen nach dem Kalten Krieg

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts veränderten sich Auftrag und Umfang der Bundeswehr. Das Marinefliegergeschwader 1 in Jagel wurde Ende 1993 aufgelöst. Ein Teil seines Personals und seiner Tornados wechselte zum MFG 2 nach Eggebek. Das Geschwader verfügte nun über drei fliegende Staffeln: Zwei dienten vor allem dem Einsatzbetrieb, die dritte übernahm Aufgaben der taktischen Erstausbildung und Weiterbildung.

Obwohl die großräumige Landes- und Bündnisverteidigung an Bedeutung verlor, blieben maritime Aufklärung, Schiffsbekämpfung und die Bereitstellung einsatzbereiter Kräfte bestehen. Das MFG 2 beteiligte sich an multinationalen Übungen und passte seine Ausbildung den neuen Krisenreaktionsaufgaben der Bundeswehr an.

Für Tarp, Eggebek und die umliegenden Gemeinden blieb der Fliegerhorst zugleich ein bedeutender Arbeitgeber und ein soziales Zentrum. Viele Familien lebten über Generationen mit dem Geschwader. Vereine, Patenschaften, Veranstaltungen und persönliche Kontakte verbanden den militärischen Standort eng mit der Region.

Außerdienststellung und Ende des Flugbetriebs

Im Jahr 2003 entschied die Bundesregierung, die Marine-Jagdbomberkomponente aufzugeben. Die Luftwaffe sollte die verbliebenen Tornados und den Auftrag der Seekriegführung aus der Luft übernehmen. Für das MFG 2 und den Standort Eggebek bedeutete diese Entscheidung das Ende.

Im Juni 2005 verließen die letzten Tornados den Fliegerhorst. Am 9. August 2005 wurde das Marinefliegergeschwader 2 offiziell außer Dienst gestellt. Mit Ablauf des Jahres endete auch die militärische Nutzung des Bundeswehrstandorts. Nach rund 40 Jahren Marinefliegergeschichte verstummte der regelmäßige Flugbetrieb in Eggebek.

Die Schließung war nicht nur eine organisatorische Maßnahme. Sie bedeutete einen tiefen Einschnitt für die Beschäftigten, ihre Familien und die umliegenden Gemeinden. Gleichzeitig endete mit dem MFG 2 die Ära der landgestützten Marine-Jagdbomberverbände in Deutschland.

Vom Fliegerhorst zum Energie- und Gewerbepark

Nach dem Abzug der Bundeswehr begann die Konversion des weitläufigen Geländes. Hallen, Shelter, Verkehrsflächen und technische Gebäude wurden teilweise weitergenutzt, umgebaut oder zurückgebaut. Unternehmen siedelten sich in den ehemaligen militärischen Bereichen an.

Ein besonders sichtbarer Teil der Nachnutzung ist die Photovoltaikanlage. Sie wurde 2011 auf einer Fläche von rund 129 Hektar errichtet und gehörte bei ihrer Inbetriebnahme zu den leistungsstärksten Freiflächenanlagen der Welt. Windenergie, Biogas, Gewerbe und Forschungsprojekte ergänzen die zivile Nutzung. Große Teile der früheren Startbahn sind heute von Solarmodulen überbaut.

Trotz der Veränderungen bleibt die frühere Funktion des Geländes erkennbar. Der Tower, einzelne Schutzbauten, Hallen und die Struktur der Flugbetriebsflächen erinnern an den Marinefliegerhorst. Selbst der Name Egmont lebt weiter: Er war der Funkrufname des Towers und wurde zugleich zum Titel der Geschwaderzeitung des MFG 2.

Bedeutung des Fliegerhorsts Eggebek

Der Fliegerhorst Eggebek steht für mehrere Epochen deutscher Luftfahrt- und Militärgeschichte. Seine prägendste Phase war die Zeit als Heimat des MFG 2. Hier wurden Generationen von Marinefliegern ausgebildet, Flugzeuge gewartet und maritime Einsatzverfahren entwickelt. Starfighter und Tornado machten den Standort weit über Schleswig-Holstein hinaus bekannt.

Heute ist Eggebek kein aktiver Militärflugplatz mehr. Doch in den baulichen Spuren, in Archiven, in der Geschwaderzeitung +egmont+ und vor allem in den Erinnerungen ehemaliger Angehöriger bleibt der Standort lebendig. Für die Geschichte der deutschen Marineflieger gehört Tarp/Eggebek deshalb zu den zentralen Orten.

Quellen:

Stand: Oktober 2026

Autor: Stephan Struck