Gründung des MFG 2
Am 1. April 1958 begann die Geschichte des späteren Marinefliegergeschwaders 2. Der Verband hieß zunächst 2. Marine-Fliegergruppe und musste unter schwierigen Bedingungen aufgebaut werden: Das Personal befand sich teilweise noch in der Ausbildung, die vorgesehenen Flugzeuge waren noch nicht vollständig verfügbar und der geplante Standort Nordholz konnte noch nicht bezogen werden.
Ein neuer Verband für die Nordsee
Mit der Aufstellung der Bundesmarine ab 1956 entstanden auch wieder eigenständige deutsche Marinefliegerkräfte. Ihre Organisation orientierte sich an den Aufgabenräumen von Nord- und Ostsee. Während die 1. Marinefliegergruppe für den Ostseeraum vorgesehen war, sollte die 2. Marinefliegergruppe vor allem die Nordseeflanke abdecken.
Hinter dieser Aufteilung stand der Verteidigungsauftrag der jungen Bundesrepublik innerhalb der NATO. Die Marine benötigte fliegende Verbände für Aufklärung, Seekriegführung und später auch U-Boot-Jagd. Dafür reichte es nicht, lediglich Flugzeuge zu beschaffen. Es mussten zugleich Besatzungen ausgebildet, technische Dienste aufgebaut, Unterkünfte geschaffen und einsatzfähige Führungsstrukturen entwickelt werden.
Der Aufstellungsbefehl vom 26. Februar 1958
Die formale Grundlage bildete der Aufstellungsbefehl Nr. 77 – Marine des Bundesministeriums für Verteidigung vom 26. Februar 1958. Sein entscheidender Satz lautete:
„Die 2. Marine-Fliegergruppe – 2. MFlgGrp – ist ab 01.04.1958 aufzustellen.“
Damit war der 1. April 1958 als Gründungstag festgelegt. Mit der Durchführung wurde Fregattenkapitän Werner Klümper beauftragt. Er übernahm einen Verband, der anfangs weniger durch vorhandene Flugzeuge als durch Planungen, Ausbildungsaufträge und organisatorische Aufbauarbeit geprägt war.
Die Kernaufgaben der neuen Gruppe bestanden in der Herstellung und Erhaltung der personellen sowie materiellen Einsatzbereitschaft. Außerdem sollte sie die ihr unterstellten Marinefliegerstaffeln führen und einsetzen. Im Stammverband unterstand sie dem Kommando der Marineflieger; im Einsatz war eine Unterstellung unter die zuständigen Seebefehlshaber vorgesehen.
Provisorischer Beginn in Kiel-Holtenau
Als dauerhafter Standort war ursprünglich der Marinefliegerhorst Nordholz vorgesehen. Dort waren jedoch noch umfangreiche Baumaßnahmen notwendig. Deshalb begann die 2. Marine-Fliegergruppe zunächst in Kiel-Holtenau und sollte zusätzlich die Anlagen in Jagel nutzen, sobald diese bereitstanden.
Kommandeur und Gruppenstab nahmen ihre Arbeit in einer Baracke auf dem Marinefliegerhorst Kiel-Holtenau auf. Auch die Horststaffel musste improvisieren. Sie wurde im Unterkunftsbereich der Marine-Dienst- und Seenotgruppe untergebracht und von Kapitänleutnant Irmisch geführt.
Zu ihren ersten Aufgaben gehörten die Aufnahme neu kommandierter Soldaten, deren Weiterleitung an die vorgesehenen Teileinheiten, fachliche Aus- und Weiterbildung sowie Wach- und Arbeitsdienste. Die Gründung war damit zunächst vor allem eine organisatorische Leistung: Menschen, Material und Zuständigkeiten mussten zu einem funktionsfähigen Verband zusammengeführt werden.
Große Planung, kleine Anfangsstärke
Die Zielstruktur verdeutlicht die Größenordnung des Vorhabens. Für den vollständigen Aufbau waren 78 Offiziere sowie 821 Unteroffiziere und Mannschaften vorgesehen. Am Gründungstag standen tatsächlich nur 18 Offiziere, 93 Unteroffiziere und 85 Mannschaften zur Verfügung – insgesamt 196 Soldaten.
Der Verband begann somit mit weniger als einem Viertel seiner geplanten Personalstärke. Viele Flugzeugführer und Angehörige des technischen Dienstes befanden sich noch in der Ausbildung. Gleichzeitig mussten Dienstbetrieb, Bewachung, Versorgung und Verwaltung bereits funktionieren.
Die Aufstellungsplanung sah einen Gruppenstab und sechs Staffeln vor. Neben den fliegenden Einheiten waren technische, betriebliche und unterstützende Teile unverzichtbar. Erst ihr Zusammenspiel ermöglichte einen regelmäßigen und sicheren Flugbetrieb.
Die vorgesehenen Flugzeugmuster
Für die ersten Jahre waren vor allem britische Flugzeugtypen vorgesehen. Die Hawker Sea Hawk sollte Aufgaben als Jagdbomber und Aufklärungsflugzeug übernehmen. Die zweimotorige Fairey Gannet war für Aufklärung und U-Boot-Jagd bestimmt. Als Schul- und Verbindungsflugzeuge kamen die Fouga CM.170 Magister und die Piaggio P.149D hinzu.
Die Beschaffung und Einführung dieser Flugzeuge verlief parallel zum Aufbau des Personals. Besonders wichtig war die Unterstützung durch die britische Royal Navy. Deutsche Flugzeugführer und Techniker sammelten in Großbritannien Erfahrungen mit den neuen Mustern und mit den Verfahren einer modernen Marinefliegertruppe.
Der britische Einfluss zeigte sich nicht nur bei der Technik. Auch Ausbildung, Sicherheitskultur und der Betrieb eines fliegenden Marineverbandes orientierten sich in der frühen Phase stark an den Erfahrungen des NATO-Partners.
Der Flugbetrieb beginnt in Jagel
Am 1. September 1958 wurde in Jagel die 1. Staffel der 2. Marine-Fliegergruppe in Dienst gestellt. Obwohl sie für die Luftaufklärung vorgesehen war, diente sie anfangs vor allem der Ausbildung. Bereits am 30. September konnte die Staffel ihre Einsatzbereitschaft melden.
Zu diesem Zeitpunkt bestand ihr Flugzeugbestand aus:
- sechs Hawker Sea Hawk,
- zwei Fairey Gannet und
- drei Fouga Magister.
Diese Mischung zeigt den Übergangscharakter der Gründungsphase. Einsatzflugzeuge, Trainer und unterschiedliche Aufgabenbereiche wurden zusammengeführt, während der Verband seine endgültige Gliederung erst noch entwickeln musste.
Bis Februar 1959 wurden die Teile der Gruppe in Jagel zusammengezogen. Dort waren schließlich drei fliegende und drei nicht fliegende Staffeln vorgesehen. Doch auch dieser Zustand blieb nur vorläufig. Der Platz wurde gemeinsam mit weiteren Marinefliegerkräften genutzt und erwies sich bald als zu klein.
Zwischen Jagel, Schleswig-See und Nordholz
Noch 1959 verlegte die 2. Marine-Fliegergruppe deshalb auf den Stützpunkt Schleswig-See. Die neu gebildete Aufklärungsstaffel kehrte kurze Zeit später nach Jagel zurück. Der häufige Wechsel zwischen den Standorten war kein Zeichen fehlender Planung, sondern eine Folge des schnellen Aufbaus der Bundeswehr: Personal und Flugzeuge wuchsen schneller zu, als Infrastruktur bereitgestellt werden konnte.
Nordholz blieb zunächst der vorgesehene Endstandort. Erst nach umfangreichen Ausbauarbeiten konnte der Verband 1963 dorthin verlegen. Die Einführung des Starfighters führte jedoch schon bald zu einem weiteren Standortwechsel, weil die Start- und Landebahn in Nordholz für das neue Muster nicht ausreichte. Ab 1963 begann die Verlegung nach Eggebek, das schließlich zur langjährigen Heimat des Geschwaders wurde.
Aus der Marinefliegergruppe wird das MFG 2
Am 1. August 1960 wurde die 2. Marine-Fliegergruppe im Zuge einer Neuordnung offiziell in Marinefliegergeschwader 2 umbenannt. Die spätere Bezeichnung MFG 2 darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Geschichte bereits am 1. April 1958 begann.
Die Umbenennung markierte den Abschluss der ersten organisatorischen Aufbauphase, nicht jedoch das Ende der Veränderungen. Aufgaben, Flugzeugmuster und Standorte wandelten sich in den folgenden Jahrzehnten mehrfach. Konstant blieb der Auftrag, maritime Operationen aus der Luft zu unterstützen.
Warum der 1. April 1958 entscheidend ist
Mehrere Daten können auf den ersten Blick als „Gründung“ erscheinen: der Aufstellungsbefehl vom 26. Februar, der Beginn am 1. April, die Indienststellung der ersten Staffel am 1. September oder die Umbenennung zum MFG 2 im August 1960. Historisch maßgeblich ist jedoch der 1. April 1958, weil der Aufstellungsbefehl diesen Tag ausdrücklich als Beginn der 2. Marine-Fliegergruppe festlegte.
Der Verband entstand nicht mit einem feierlichen Appell vor einer vollständig ausgerüsteten Flotte. Seine Geschichte begann in einer Baracke, mit knappem Personal, unfertigen Standorten und Flugzeugen, die sich teilweise noch in der Beschaffung befanden. Gerade diese schwierigen Voraussetzungen machen die Gründungsphase zu einem bedeutenden Kapitel der deutschen Marinefliegerei.
Zeitleiste der Gründungsphase
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 26. Februar 1958 | Der Aufstellungsbefehl Nr. 77 – Marine ordnet die Bildung der 2. Marine-Fliegergruppe an. |
| 1. April 1958 | Offizieller Gründungstag; Fregattenkapitän Werner Klümper beginnt mit dem Aufbau in Kiel-Holtenau. |
| 1. September 1958 | Die 1. Staffel wird in Jagel in Dienst gestellt. |
| 30. September 1958 | Die Staffel meldet ihre Einsatzbereitschaft. |
| Februar 1959 | Die Teile der Gruppe sind weitgehend in Jagel zusammengeführt. |
| 1959 | Wegen Platzmangels folgt die Verlegung nach Schleswig-See; Teile kehren später nach Jagel zurück. |
| 1. August 1960 | Umbenennung der 2. Marine-Fliegergruppe in Marinefliegergeschwader 2. |
Quellen:
Stand: Oktober 2026
- MFG2.de: „01.04.1958 Geschwadergründung“ – Aufstellungsbefehl, Personalstärke und Aufbauorganisation: https://mfg2.de/gruendung
- Marineflieger.de: „Marinefliegergeschwader 2“ – Entwicklung der 2. Marine-Fliegergruppe und spätere Geschichte des Verbandes: https://marineflieger.de/geschwader/mfg2
- MFG1.de: „Chronik der 1950er-Jahre“ – Aufbau des Kommandos der Marineflieger und zeitgeschichtlicher Zusammenhang: https://www.mfg1.de/Chronik/50er.htm
- Bundeswehr: „Im Nest der Kampfflieger – Jagel ist Hauptstandort während Air Defender 23“ – historische Einordnung des Fliegerhorsts Jagel: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/aktuelles/jagel-ist-hauptstandort-waehrend-air-defender-23-5634708
- Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: „Die Gründungsgeschichte der Bundeswehr“ – militärhistorischer Hintergrund des Aufbaus ab 1955: https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/zmg-2025-4-moellers-aufstellung-bundeswehr-6038742