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1970-05 – Professionalisierung, Jugendkultur und neue Horizonte

+egmont+ zeigt die Marineflieger zwischen Technik und gesellschaftlichem Wandel

Mit der fünften Ausgabe des Jahres 1970 wird besonders deutlich, dass die Entwicklung der Marineflieger nicht allein in neuen Flugzeugen oder Waffensystemen bestand.

Der technische Fortschritt veränderte ebenso die Ausbildung, die Kommunikation und die Anforderungen an das Personal.

Gleichzeitig veränderte sich die Gesellschaft außerhalb der Kasernen.

Junge Menschen stellten traditionelle Vorstellungen infrage. Neue Musik, neue Literatur und neue Lebensformen wurden diskutiert. Freizeit und Mobilität gewannen an Bedeutung.

Die Angehörigen des Marinefliegergeschwaders 2 standen damit nicht außerhalb dieser Entwicklungen.

Sie waren mittendrin.


+egmont+ hat seinen Platz im Geschwader gefunden

Die Redaktion zieht zu Beginn der Ausgabe selbst eine kleine Zwischenbilanz.

+egmont+ habe sich inzwischen etabliert. Die Zeitung sei im Geschwader bekannt geworden und werde zunehmend als fester Bestandteil des Standortlebens wahrgenommen.

Die Redaktion wollte den Kontakt zu den Lesern weiter ausbauen und dachte bereits über einen größeren Kreis hinaus.

Auch ehemalige Angehörige und Reservisten sollten die Möglichkeit erhalten, mit dem Geschwader verbunden zu bleiben. Selbst der Versand ins Ausland wurde angesprochen. Egmont 1970-05

Das zeigt eine interessante Entwicklung.

Aus einer zunächst neuen Geschwaderzeitung wurde zunehmend ein Bindeglied zwischen aktiven Soldaten, ehemaligen Angehörigen, Familien und dem Standort.


Personalentwicklung gehört zur Geschichte eines Verbandes

Mehrere Seiten widmen sich Beförderungen und Auszeichnungen.

Drei Offiziere werden beispielsweise zu Korvettenkapitänen befördert. Ihre bisherigen militärischen Werdegänge werden vorgestellt. Egmont 1970-05

Solche Meldungen erscheinen auf den ersten Blick wenig spektakulär.

Historisch sind sie dennoch wichtig.

Ein Verband entwickelt sich nicht nur durch neues Gerät.

Er entwickelt sich auch durch Menschen, die Erfahrungen sammeln, Verantwortung übernehmen und Führungsaufgaben übernehmen.

Karrieren innerhalb des Geschwaders zeigen deshalb zugleich, wie militärisches Wissen über Jahre hinweg innerhalb einer Organisation weitergegeben wurde.


Kommunikation vor dem digitalen Zeitalter

Besonders interessant ist der Bericht über die Fernschreibstelle.

Heute werden Informationen innerhalb weniger Sekunden digital übertragen.

1970 sah die militärische Kommunikation völlig anders aus.

Fernschreiber gehörten zu den zentralen Kommunikationsmitteln eines militärischen Verbandes. Nachrichten mussten aufgenommen, weitergeleitet und dokumentiert werden.

Der Beitrag beschreibt nicht nur die Technik, sondern auch den Alltag der dort eingesetzten Soldaten.

Dienstzeiten, Abläufe und die besondere Konzentration, die diese Tätigkeit verlangte, werden sichtbar. Egmont 1970-05


Informationen werden Teil der Einsatzbereitschaft

Damit lässt sich eine grundlegende Entwicklung erkennen.

Ein modernes Marinefliegergeschwader benötigte nicht nur Flugzeuge.

Es benötigte ebenso funktionierende Informationswege.

Befehle mussten übertragen werden.

Meldungen mussten die richtigen Stellen erreichen.

Informationen mussten zuverlässig dokumentiert werden.

Je komplexer der Verband wurde, desto wichtiger wurde Kommunikation.

Die Fernschreibstelle war deshalb kein Nebenschauplatz.

Sie war Teil des Systems, das den militärischen Betrieb überhaupt erst möglich machte.


Der technische Offizier wird zum Spezialisten

Einen besonders interessanten Einblick in die Professionalisierung bietet der Beitrag über die TAKLw.

Beschrieben wird die Ausbildung technischer Offiziere an der Technischen Akademie der Luftwaffe.

Der Artikel vermittelt, wie anspruchsvoll dieser Ausbildungsweg war.

Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathematik und weitere technische Fachgebiete gehörten zum Studium. Theorie und praktische Ausbildung mussten miteinander verbunden werden. Egmont 1970-05

Für die Marineflieger war diese Entwicklung von zentraler Bedeutung.

Moderne Kampfflugzeuge waren längst hochkomplexe technische Systeme.

Sie konnten nicht mehr allein aufgrund handwerklicher Erfahrung betrieben werden.


Aus dem Flugzeug wird ein technisches Gesamtsystem

Mit Flugzeugen wie der F-104G stiegen die Anforderungen an Wartung und technische Führung erheblich.

Triebwerk, Elektrik, Hydraulik, Avionik und Waffensysteme mussten miteinander funktionieren.

Technische Offiziere benötigten deshalb immer umfangreicheres Fachwissen.

Die Entwicklung der Marineflieger lässt sich an dieser Stelle besonders deutlich erkennen:

Je leistungsfähiger die Flugzeuge wurden, desto spezialisierter mussten die Menschen hinter ihnen werden.

Der moderne Marinefliegerverband wurde dadurch zunehmend zu einer technisch-wissenschaftlich geprägten Organisation.


Der Soldat bleibt trotzdem Mensch

Direkt neben ernsthaften Ausbildungsthemen findet sich eine humoristische Seite über angeblichen Personalmangel.

Solche Beiträge gehören zum Charakter von +egmont+.

Sie zeigen, dass der militärische Alltag nicht ausschließlich aus Auftrag, Ausbildung und Disziplin bestand.

Humor war ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft.

Dienstgrade, typische Situationen und kleine Probleme des Alltags wurden karikiert.

Gerade solche Texte geben heute einen besonders unmittelbaren Eindruck vom Leben innerhalb des Verbandes.


Motorsport begeistert den Standort

Auch Motorsport erhält in dieser Ausgabe viel Raum.

Ein Beitrag berichtet über Motorsportaktivitäten in Tarp, ein weiterer über ein internationales Sandbahnrennen in Jübek. Fotografien zeigen Fahrer, Motorräder und zahlreiche Zuschauer. Egmont 1970-05

Das Interesse überrascht nicht.

Technik, Geschwindigkeit und Wettbewerb besaßen eine natürliche Nähe zur Welt der Fliegerei.

Viele Angehörige technischer Verbände interessierten sich auch außerhalb des Dienstes für Fahrzeuge und Motoren.

Das Sandbahnrennen zeigt gleichzeitig, wie vielfältig das Freizeitangebot in der Region geworden war.


Schießsport zwischen Ausbildung und Freizeit

Auch der Schießsport wird behandelt.

Der Beitrag unterscheidet dabei deutlich zwischen dienstlichem Schießen und sportlichem Wettbewerb.

Beim Sportschießen stehen Konzentration, Training und Präzision im Mittelpunkt. Egmont 1970-05

Damit erscheint erneut ein Thema, das innerhalb der militärischen Gemeinschaft sowohl dienstliche als auch private Bezüge besitzen konnte.

Nicht alles, was Soldaten in ihrer Freizeit betrieben, war vollständig vom militärischen Alltag getrennt.


Eine neue Generation stellt Fragen

Den größten gesellschaftlichen Gegensatz der Ausgabe zeigt ein Beitrag mit der Überschrift:

„Ich habe die Jugendlichen Rebellen satt“

Der Text beschäftigt sich ausführlich mit der jungen Generation und den Konflikten zwischen Eltern, Studenten und Jugendlichen.

Diskutiert werden Autorität, Protest, gesellschaftliche Werte und die Frage, warum sich junge Menschen gegen etablierte Vorstellungen auflehnen. Egmont 1970-05

Für heutige Leser ist dieser Beitrag besonders interessant.

Er zeigt unmittelbar, wie stark der Generationenkonflikt um 1970 wahrgenommen wurde.


Die gesellschaftlichen Umbrüche erreichen die Marineflieger

Die späten 1960er-Jahre hatten gesellschaftliche Veränderungen ausgelöst, die 1970 längst nicht abgeschlossen waren.

Jugendliche stellten politische und gesellschaftliche Autoritäten infrage.

Mode und Musik änderten sich.

Neue Lebensformen wurden ausprobiert.

Auch Vorstellungen von Familie, Sexualität und persönlicher Freiheit veränderten sich.

Für eine militärische Organisation entstand daraus ein interessantes Spannungsfeld.

Das Militär beruhte auf Hierarchie, Befehl und Verbindlichkeit.

Viele junge Soldaten kamen jedoch aus einer Gesellschaft, in der genau solche Autoritäten zunehmend diskutiert wurden.


Jack Kerouac und die Gegenkultur

Wie weit sich die Redaktion auf neue kulturelle Strömungen einließ, zeigt ein weiterer Beitrag über Jack Kerouac und sein Buch On the Road.

Der Text beschäftigt sich mit Beatniks, Freiheit, Reisen und einem Lebensgefühl außerhalb traditioneller gesellschaftlicher Strukturen. Egmont 1970-05

Für eine Geschwaderzeitung ist das bemerkenswert.

Zwischen militärischer Ausbildung und technischen Fachartikeln findet sich damit Literatur über eine Bewegung, die bewusst Distanz zu gesellschaftlichen Konventionen suchte.

+egmont+ bildet dadurch nicht nur den Dienstbetrieb ab.

Die Zeitung zeigt, welche Gedanken und kulturellen Entwicklungen die Menschen beschäftigten.


Marinegeschichte bleibt Teil der Identität

Neben moderner Jugendkultur blickt die Ausgabe gleichzeitig weit zurück.

Ein mehrseitiger Beitrag beschäftigt sich mit Günther Lütjens, einem deutschen Marineoffizier und späteren Admiral.

Die Darstellung führt in die Geschichte der Kriegsmarine und zur Bismarck. Egmont 1970-05

Diese Mischung ist charakteristisch für die damalige Zeit.

Auf der einen Seite standen modernste Kampfflugzeuge.

Auf der anderen Seite beschäftigten sich die Angehörigen der Marine weiterhin mit ihrer maritimen Vergangenheit.

Für die Bundeswehr bedeutete diese Auseinandersetzung zugleich die schwierige Frage, wie militärische Geschichte und Tradition bewertet werden sollten.


Fotografie wird technisches Hobby

Auch die Reihe zur Fotografie wird fortgeführt.

Diesmal steht die Schärfentiefe im Mittelpunkt.

Diagramme erläutern Zusammenhänge zwischen Objektiv, Brennweite, Entfernung und Blende. Egmont 1970-05

Heute übernimmt eine Digitalkamera viele dieser Entscheidungen automatisch.

1970 verlangte Fotografie deutlich mehr technisches Verständnis.

Dass solche Themen ausführlich in +egmont+ behandelt wurden, zeigt erneut die technische Neugier innerhalb der Leserschaft.


Der Blick geht bis zu den Sternen

Die Ausgabe öffnet den Horizont sogar noch weiter.

Unter der Überschrift „Planetarium“ beginnt eine astronomische Reihe.

Planeten, Sonne, Atmosphäre und die Stellung der Erde im Sonnensystem werden erläutert. Egmont 1970-05

Nur ein Jahr nach der ersten Mondlandung war Raumfahrt ein beherrschendes technisches Thema.

Für Menschen, die beruflich mit Luftfahrt beschäftigt waren, dürfte der Blick in den Weltraum eine besondere Faszination besessen haben.

Die Grenzen dessen, was technisch möglich erschien, verschoben sich in dieser Zeit enorm schnell.


Olympia 1972 bleibt ein Zukunftsthema

Auch die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1972 wird weiter begleitet.

Neben dem Sport selbst behandelt der Beitrag diesmal stärker das kulturelle Rahmenprogramm.

Internationale Künstler, Musik und Theater sollten die Spiele begleiten. Egmont 1970-05

Damit wird deutlich, wie sehr Olympia damals als internationales Zukunftsprojekt wahrgenommen wurde.

Die Spiele sollten ein modernes Deutschland präsentieren.

Für die Menschen des Jahres 1970 lag dieses Ereignis noch vor ihnen.


Psychologie hält Einzug in den Alltag

Ein weiterer Beitrag behandelt die Körpersprache.

Gestik, Haltung und räumliche Distanz zwischen Menschen werden erklärt.

Heute erscheinen solche Themen selbstverständlich.

1970 waren sie für viele Leser vergleichsweise neu.

Der Artikel zeigt, dass psychologische Erkenntnisse zunehmend Eingang in populäre Medien fanden. Egmont 1970-05

Auch dies gehört zum gesellschaftlichen Wandel:

Nicht nur Technik wurde genauer untersucht.

Auch menschliches Verhalten wurde zunehmend systematisch betrachtet.


Wie fliegt eigentlich ein Hubschrauber?

Für die Geschichte der Marineflieger besonders interessant ist schließlich ein technischer Beitrag über Hubschrauber.

Unter der Überschrift „Rotationen“ wird erklärt, wie Rotoren Auftrieb erzeugen und wie ein Hubschrauber gesteuert wird.

Drehzahl, Blattbewegung und aerodynamische Vorgänge werden in verständlicher Form dargestellt. Egmont 1970-05

Dieser Beitrag zeigt eine weitere Seite der Marinefliegerei.

Sie bestand nicht nur aus schnellen Kampfflugzeugen.

Hubschrauber entwickelten sich zu einem immer wichtigeren Bestandteil maritimer Luftoperationen.


Zwei völlig unterschiedliche Arten des Fliegens

Kampfflugzeug und Hubschrauber könnten kaum unterschiedlicher erscheinen.

Das eine benötigt Geschwindigkeit und Vorwärtsbewegung.

Das andere erzeugt seinen Auftrieb über rotierende Tragflächen.

Für die Marine bedeuteten beide Systeme jedoch neue Möglichkeiten.

Hubschrauber konnten von Schiffen aus eingesetzt werden und Aufgaben übernehmen, für die klassische Flächenflugzeuge ungeeignet waren.

Damit wurde die Marinefliegerei immer vielseitiger.


Was bewegte die Menschen 1970?

Die fünfte Ausgabe von +egmont+ liefert darauf eine ungewöhnlich breite Antwort.

Die Menschen beschäftigten sich mit:

technischer Ausbildung,

militärischer Kommunikation,

Karriere und Beförderung,

Motorsport,

Fotografie,

Sport,

Astronomie,

Literatur,

Psychologie

und der Frage, warum die junge Generation die Gesellschaft verändern wollte.

Gerade diese Vielfalt ist entscheidend.

Die Angehörigen des MFG 2 waren nicht ausschließlich Soldaten.

Sie waren Teil ihrer Zeit.


Die Marineflieger professionalisieren sich

Aus militärhistorischer Sicht lässt sich in dieser Ausgabe eine Entwicklung besonders deutlich erkennen:

Spezialisierung wird immer wichtiger.

Ein moderner Marinefliegerverband benötigte hochqualifizierte Techniker.

Kommunikationspersonal musste komplexe Informationswege beherrschen.

Offiziere erhielten immer anspruchsvollere technische Ausbildung.

Besatzungen mussten unterschiedliche Fluggeräte und Systeme verstehen.

Die Marineflieger entwickelten sich damit immer weiter von einer klassischen militärischen Fliegereinheit zu einer hoch spezialisierten technischen Organisation.


Gleichzeitig verändert sich die Welt um sie herum

Doch dieselben Soldaten erlebten gleichzeitig eine Gesellschaft, in der sich traditionelle Vorstellungen veränderten.

Die junge Generation forderte neue Freiheiten.

Neue Literatur und Musik entstanden.

Reisen wurden selbstverständlicher.

Technisches Wissen wurde populärer.

Die Raumfahrt eröffnete völlig neue Horizonte.

Genau diese Gleichzeitigkeit macht +egmont+ 1970-05 so interessant.

Während die Marineflieger ihre technische Professionalität weiter ausbauten, änderte sich auch die Gesellschaft, aus der ihre Soldaten kamen.


1970-05 – Technik allein erzählt nicht die ganze Geschichte

Wer Marinefliegergeschichte ausschließlich anhand von Flugzeugmustern betrachtet, würde viele dieser Entwicklungen übersehen.

Die F-104G gehörte weiterhin zum Alltag des Geschwaders.

Doch hinter ihr standen Menschen.

Menschen, die technische Lehrgänge besuchten.

Menschen, die Fernschreiber bedienten.

Menschen, die über Jugendkultur diskutierten.

Menschen, die Motorräder, Fotografie und Astronomie interessant fanden.

Und Menschen, die nach Dienstschluss dieselben gesellschaftlichen Veränderungen erlebten wie Millionen andere Bundesbürger.

Deshalb ist +egmont+ so wertvoll.

Die Zeitschrift dokumentiert nicht nur was die Marineflieger taten.

Sie zeigt ebenso,

was die Marineflieger bewegte.

Quellenhinweis:

Dieser Beitrag basiert auf zeitgenössischen Ausgaben der Geschwaderzeitung +egmont+ des Marinefliegergeschwaders 2.
Die historischen Originalausgaben befinden sich, als PDF-Datei, im privaten Archiv und werden nicht online veröffentlicht.