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1970-07 – Öffentlichkeit, Führung und neue Medien

+egmont+ zeigt ein Marinefliegergeschwader, das sich verändert

Mit der siebten Ausgabe des Jahres 1970 tritt eine Entwicklung besonders deutlich hervor:

Das Marinefliegergeschwader 2 wird sichtbarer.

Fernsehteams interessieren sich für den Flugbetrieb in Eggebek. Gesellschaftliche und politische Diskussionen finden Eingang in die Geschwaderzeitung. Neue Vorstellungen von Führung werden diskutiert. Fotografie, Fernsehen und moderne Kommunikation verändern die Wahrnehmung der Welt.

Gleichzeitig bleibt der Alltag erstaunlich vertraut.

Soldaten heiraten.

Kinder werden geboren.

Familien treffen sich auf dem Flugplatz.

Sportvereine entstehen.

Die Suche nach Freizeitangeboten beschäftigt die Menschen ebenso wie die Frage nach Kinderbetreuung.

Damit zeigt +egmont+ 1970-07 besonders deutlich, dass die Entwicklung der Marineflieger längst nicht mehr ausschließlich an Flugzeugen gemessen werden kann.

Der Wandel fand ebenso in den Köpfen der Menschen statt.


+egmont+ selbst wird erwachsen

Auch die Geschwaderzeitung befindet sich weiterhin in Entwicklung.

Die Redaktion blickt inzwischen auf mehrere Ausgaben zurück und spricht offen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Produktion.

Steigende Kosten machten einen höheren Verkaufspreis notwendig. Gleichzeitig appellierte die Redaktion an die Leser, sich weiterhin mit Beiträgen, Fotos, Leserbriefen und Hinweisen zu beteiligen.

Damit wird sichtbar, dass +egmont+ längst nicht mehr nur ein Experiment war.

Die Zeitung hatte sich etabliert.

Sie brauchte nun eine dauerhaft funktionierende Organisation.

Auch personell gab es Veränderungen in der Redaktion. Mitarbeiter wechselten, andere übernahmen zusätzliche Aufgaben.

Die Entwicklung der Zeitung spiegelte damit im Kleinen wider, was auch für das Geschwader galt:

Eine Organisation lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen.


Politik erreicht den Standort

Ein Beitrag berichtet über eine politische Informationsveranstaltung mit Gerhard Stoltenberg.

Diskutiert wurden wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Fragen, die Entwicklung der Region und außenpolitische Themen.

Bemerkenswert ist weniger die einzelne politische Position als die Tatsache, dass solche Diskussionen innerhalb des Umfeldes der Marineflieger ausdrücklich Raum erhielten.

Soldaten waren nicht lediglich Empfänger militärischer Befehle.

Sie waren Staatsbürger.

Sie interessierten sich für Wirtschaft, Politik und die Entwicklung ihres Landes.

Diese Verbindung zwischen militärischem Dienst und staatsbürgerlicher Bildung gehörte zunehmend zum Selbstverständnis der Bundeswehr.


Die Menschen wechseln – das Geschwader bleibt

Mehrere Seiten dokumentieren erneut Versetzungen, Abschiede und neue Dienstposten.

Offiziere verlassen das MFG 2.

Andere kehren zurück.

Neue Verantwortliche übernehmen Aufgaben in Staffeln und Stäben.

Solche Veränderungen wirken in einer Chronik zunächst unspektakulär.

Für einen militärischen Verband sind sie jedoch entscheidend.

Erfahrung wird weitergegeben.

Neue Ideen gelangen in die Einheiten.

Soldaten bringen Kenntnisse aus anderen Verbänden mit.

Andere nehmen ihre Erfahrungen aus Eggebek mit zu neuen Dienststellen.

Das Geschwader entwickelt sich dadurch kontinuierlich weiter.


Kameras auf dem Fliegerhorst

Besonders interessant ist eine Bildreportage über Fernsehaufnahmen in Eggebek.

Ein Team des Norddeutschen Rundfunks besucht den Flugplatz. Kameras werden aufgebaut, Flugzeuge positioniert und Starts sowie Abläufe gefilmt.

Damit verändert sich die Perspektive auf die Marineflieger.

Bisher hatten viele Menschen militärische Flugzeuge vor allem aus der Entfernung wahrgenommen.

Nun sollte das Fernsehen Einblicke liefern.

Die Marineflieger wurden zum Gegenstand öffentlicher Berichterstattung.


Öffentlichkeit wird Teil des militärischen Alltags

Diese Entwicklung sollte in den folgenden Jahrzehnten immer wichtiger werden.

Militärische Verbände konnten sich nicht mehr ausschließlich über interne Strukturen definieren.

Die Bevölkerung wollte wissen:

Was geschieht auf dem Flugplatz?

Welche Aufgaben haben die Soldaten?

Warum wird geflogen?

Welche Technik wird eingesetzt?

Medien wurden damit zunehmend zu Vermittlern zwischen Bundeswehr und Gesellschaft.

Für einen Standort wie Eggebek war das besonders relevant.

Der Fluglärm war weithin hörbar.

Die Flugzeuge waren sichtbar.

Das Geschwader gehörte zur Region.

Öffentlichkeitsarbeit wurde deshalb zunehmend Teil des militärischen Alltags.


Ein Familienfest zwischen Flugzeugen und Kinderkarussell

Kaum ein Beitrag verdeutlicht die Verbindung zwischen Dienst und Privatleben besser als das Familienfest der EloWa-Staffel.

Kinderfahrzeuge, Spiele, Speisen und Unterhaltung stehen unmittelbar neben militärischer Technik.

Familien erhalten Einblicke in die Arbeitswelt der Soldaten.

Auch Ehefrauen können sehen, womit ihre Männer während des Dienstes beschäftigt sind.

Diese Veranstaltungen hatten eine wichtige soziale Funktion.

Der militärische Arbeitsplatz wurde für die Familie greifbar.

Aus einem abstrakten Begriff wie „Geschwader“ wurde ein Ort, den Ehepartner und Kinder selbst erleben konnten.


Der Flugplatz wird Teil des Familienlebens

Für viele Angehörige war der Dienst beim MFG 2 keine kurzfristige Station.

Familien lebten über Jahre in der Region.

Kinder wuchsen dort auf.

Freundschaften entstanden.

Damit verwischte die Trennung zwischen militärischem Standort und privatem Umfeld.

Ein Familienfest auf dem Flugplatz war deshalb weit mehr als Unterhaltung.

Es vermittelte Zugehörigkeit.

Die Familien wurden zumindest für einige Stunden Teil jener Welt, die den täglichen Arbeitsalltag der Soldaten bestimmte.


Sport schafft Gemeinschaft

Sport bleibt auch in der siebten Ausgabe ein wichtiges Thema.

Tischtennis, Schwimmen, Fußball, Handball und andere Disziplinen werden behandelt.

Besonders interessant ist die Entwicklung organisierter Freizeitangebote rund um Tarp.

Ein Motorsportclub Tarp wird gegründet.

Das zeigt, dass sich Freizeitaktivitäten zunehmend institutionalisierten.

Aus gemeinsamen Interessen entstanden Vereine.

Damit wuchs zugleich die Verbindung zwischen Soldaten und zivilem Umfeld.


Eine Sporthalle voller Leben

Die Überschrift „Sporthalle – total ausgebucht!“ sagt viel über die Bedeutung des Sports aus.

Fußball, Handball, Volleyball und andere Aktivitäten konkurrierten um Trainingszeiten.

Sport war damit kein Randthema.

Er gehörte fest zum Standortleben.

Für Soldaten erfüllte er mehrere Funktionen gleichzeitig:

körperliche Leistungsfähigkeit,

Wettbewerb,

Freizeitgestaltung

und Kameradschaft.

Vor allem aber brachte Sport Menschen zusammen, die im Dienst möglicherweise völlig unterschiedliche Aufgaben hatten.


Alkohol und Straßenverkehr werden zum gesellschaftlichen Problem

Ein ausführlicher Beitrag beschäftigt sich mit Alkohol am Steuer.

Die Botschaft ist deutlich:

Wer alkoholisiert fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern andere Menschen.

Dass +egmont+ diesem Thema mehrere Seiten widmet, zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft bereits mit den Folgen wachsender Motorisierung auseinandersetzte.

Autos gehörten zunehmend zum Alltag.

Soldaten waren mobil.

Viele wohnten außerhalb der militärischen Liegenschaften.

Damit stieg zugleich die Bedeutung der Verkehrssicherheit.


Freizeit braucht Initiative

Ein weiterer Beitrag beklagt die Schwierigkeiten, genügend Teilnehmer für Freizeitveranstaltungen im Soldatenheim zu finden.

Geplante Veranstaltungen konnten nur funktionieren, wenn sich auch Menschen beteiligten.

Das klingt banal.

Doch es zeigt eine wichtige Seite des Standortlebens.

Gemeinschaft entsteht nicht automatisch.

Sie benötigt Menschen, die organisieren.

Und sie benötigt Menschen, die teilnehmen.

Schon 1970 stellte sich damit eine Frage, die jede Gemeinschaft kennt:

Wie bringt man Menschen dazu, sich einzubringen?


Fernsehen verändert die Gesellschaft

Besonders zeittypisch ist die Auseinandersetzung mit dem Fernsehen.

Ein Beitrag beschäftigt sich kritisch mit dem Fernsehprogramm und der Darstellung von Sexualität und gesellschaftlichen Tabus.

Unabhängig von der damaligen Bewertung zeigt der Artikel eine tiefgreifende Veränderung.

Fernsehen war zu einem wichtigen Massenmedium geworden.

Was im Fernsehen gezeigt wurde, erreichte Millionen Menschen gleichzeitig.

Damit entstanden neue gesellschaftliche Diskussionen über Moral, Freiheit, Zensur und die Verantwortung der Medien.

Auch die Angehörigen des MFG 2 führten diese Debatten.


Marineflieger leben nicht außerhalb ihrer Zeit

Solche Beiträge sind für die historische Reihe besonders wertvoll.

Sie zeigen, dass die Menschen im Geschwader keineswegs ausschließlich über Flugzeuge, NATO oder militärische Ausbildung diskutierten.

Sie beschäftigten sich mit denselben gesellschaftlichen Veränderungen wie andere Menschen in der Bundesrepublik.

Fernsehen.

Jugendkultur.

Politik.

Familie.

Mobilität.

Freizeit.

Die Uniform änderte daran nichts.


Westeuropäische Kontakte

Auch die europäische Zusammenarbeit wird erneut thematisiert.

Ein Beitrag beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich.

Gerade vor dem Hintergrund der damaligen Veränderungen innerhalb der NATO war das Verhältnis beider Staaten von großer Bedeutung.

Für die Marineflieger war internationale Zusammenarbeit längst praktische Realität.

Ausbildung, Übungen und Verfahren verbanden die deutschen Streitkräfte immer stärker mit ihren Partnern.

Damit erhielt die politische Annäherung Europas auch eine militärische Dimension.


Photokina 1970 – Technik für jedermann

Die Photokina 1970 erhält einen ausführlichen Bericht.

Neue Kameras, Filmformate, Blitzgeräte und technische Entwicklungen werden vorgestellt.

Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich die Fotografie veränderte.

Kameras wurden kompakter.

Automatische Funktionen nahmen zu.

Elektronik hielt Einzug.

Technik, die wenige Jahre zuvor noch Spezialisten vorbehalten war, wurde zunehmend für private Nutzer verfügbar.


Automatisierung beginnt im Kleinen

Diese Entwicklung passt auffallend gut zur technischen Welt der Marineflieger.

Auch dort übernahmen immer mehr Systeme Aufgaben, die zuvor manuell ausgeführt werden mussten.

In der Fotografie regelten Geräte zunehmend Belichtung und Blitzlicht.

In militärischen Flugzeugen übernahmen elektronische Systeme Navigation, Sensorik und andere Aufgaben.

Der grundsätzliche Trend war derselbe:

Technik wurde komplexer – ihre Bedienung gleichzeitig zunehmend automatisiert.


Die Bundeswehr als Bildungsraum

Ein bemerkenswerter Beitrag beschäftigt sich mit Büchern und Bibliotheken in der Bundeswehr.

Vorgestellt werden unterschiedliche Bibliothekstypen und ihr Zweck.

Auch das MFG 2 verfügte über eine eigene Truppenbücherei.

Das zeigt einen Aspekt des militärischen Lebens, der in historischen Darstellungen häufig kaum Beachtung findet.

Soldaten sollten nicht ausschließlich militärisch ausgebildet werden.

Bildung, Information und Weiterbildung gehörten ebenfalls dazu.


Bücher gegen die Informationsflut

Besonders interessant ist die damalige Auseinandersetzung mit der wachsenden Informationsmenge.

Schon 1970 wurde darüber diskutiert, dass Menschen nicht sämtliche verfügbaren Informationen aufnehmen können.

Bücher sollten dabei helfen, Themen gründlicher und strukturierter zu erschließen.

Aus heutiger Sicht wirkt diese Diskussion erstaunlich aktuell.

Die Medien haben sich verändert.

Das Problem ist geblieben.


Wenn der Starfighter Auto fährt

Eine außergewöhnliche Bildseite zeigt den Transport eines Starfighters auf einem Tieflader durch das Treenetal.

Das Kampfflugzeug, das normalerweise mit hoher Geschwindigkeit am Himmel zu sehen war, bewegt sich plötzlich auf der Straße.

Solche Bilder machen deutlich, welcher logistische Aufwand hinter militärischer Luftfahrt stand.

Flugzeuge mussten nicht nur geflogen werden.

Sie mussten gewartet, bewegt und gegebenenfalls auf dem Landweg transportiert werden können.

Auch dies gehörte zum Alltag eines Marinefliegerverbandes.


Tradition im Spiegel ihrer Zeit

Ein weiterer historischer Beitrag beschäftigt sich mit Erwin Rommel.

Für die heutige Betrachtung ist weniger entscheidend, die damalige Darstellung zu übernehmen.

Interessant ist vielmehr, wie militärische Geschichte innerhalb der Bundeswehr des Jahres 1970 vermittelt wurde.

Die Bundeswehr befand sich noch in einem Prozess, ein eigenes Traditionsverständnis zu entwickeln.

Beiträge über Persönlichkeiten früherer deutscher Streitkräfte sind deshalb selbst historische Quellen.

Sie zeigen, welche Aspekte damals hervorgehoben wurden und welche Fragen über militärische Tradition noch nicht in derselben Weise gestellt wurden wie heute.


+egmont+ blickt zur Sonne

Die astronomische Reihe „Planetarium – +egmont+'s kleine Sternkunde“ wird fortgesetzt.

Die Sonne steht erneut im Mittelpunkt.

Sonnenflecken, Photosphäre, Protuberanzen und weitere Erscheinungen werden erläutert.

Die ausführlichen naturwissenschaftlichen Erklärungen zeigen, wie groß das Interesse an technischen und wissenschaftlichen Themen innerhalb der Leserschaft war.

Fliegerei und Naturwissenschaft lagen für viele Marineflieger eng beieinander.


Neue Fahrkarten für Soldaten

Auch scheinbar banale organisatorische Veränderungen werden dokumentiert.

Die Bundesbahn führte eine neue Fahrpreisregelung für Soldaten ein.

Formulare und Berechtigungen sollten vereinfacht werden.

Für Soldaten, die regelmäßig zwischen Dienstort und Heimat pendelten, war dies keineswegs nebensächlich.

Mobilität gehörte zum militärischen Alltag.

Versetzungen und Wochenendfahrten führten viele Angehörige regelmäßig durch ganz Deutschland.

Solche Veränderungen konnten den Alltag deshalb unmittelbar erleichtern.


Kirche und Gemeinschaft

Die evangelische Kirchengemeinde Tarp feiert Richtfest.

Auch Gesprächsgottesdienste werden angekündigt.

Dabei sollten Themen wie Verantwortung, zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe und Freude diskutiert werden.

Dies zeigt erneut die enge Verbindung zwischen militärischem Standort und zivilem Umfeld.

Religion war nicht ausschließlich private Angelegenheit.

Kirchengemeinden boten Begegnungsräume, Veranstaltungen und soziale Strukturen.


„Was macht das Leben menschlich?“

Diese Frage steht über einer Veranstaltungsreihe.

Schon der Titel wirkt bemerkenswert modern.

Diskutiert werden Verantwortung, zwischenmenschliche Beziehungen und grundlegende Fragen menschlichen Zusammenlebens.

Gerade innerhalb eines militärischen Umfeldes besitzt dies eine besondere Bedeutung.

Soldaten arbeiteten in einer hierarchischen Organisation.

Gleichzeitig entstanden gesellschaftlich neue Vorstellungen davon, wie Menschen miteinander umgehen sollten.

Damit führt die Ausgabe zu einem weiteren zentralen Thema:

Führung.


Delegation von Verantwortung – ein neues Führungsmodell

Einer der wichtigsten Beiträge der Ausgabe beschäftigt sich ausführlich mit der Delegation von Verantwortung.

Das traditionelle Modell militärischer und betrieblicher Führung beruhte stark auf Befehl und Gehorsam.

Doch moderne Organisationen wurden komplexer.

Vorgesetzte konnten nicht mehr jede einzelne Entscheidung selbst treffen.

Verantwortung musste deshalb auf Mitarbeiter übertragen werden.


Führung verändert sich

Der Artikel beschreibt ein Modell, bei dem Mitarbeiter innerhalb klar definierter Aufgabenbereiche eigenständig handeln sollen.

Vorgesetzte geben nicht mehr jede Einzelentscheidung vor.

Stattdessen übertragen sie Zuständigkeiten.

Damit verändert sich das Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter.

Ausführung wird teilweise durch Eigenverantwortung ersetzt.

Für das Jahr 1970 ist diese Diskussion bemerkenswert.

Denn genau diese Entwicklung sollte moderne Streitkräfte immer stärker prägen.


Komplexere Technik verlangt selbstständige Menschen

Der Zusammenhang mit der technischen Entwicklung der Marineflieger ist offensichtlich.

Ein modernes Kampfflugzeug konnte nicht von einem einzigen Menschen verstanden und betrieben werden.

Techniker, Piloten, Waffensystempersonal, Fernmelder und Logistiker verfügten jeweils über spezialisiertes Wissen.

Ein Vorgesetzter konnte nicht jede technische Einzelentscheidung selbst treffen.

Er musste sich auf Fachleute verlassen.

Damit führte technische Spezialisierung zwangsläufig zu einer Veränderung von Führung.

Je komplexer die Organisation wurde, desto wichtiger wurde fachliche Eigenverantwortung.


Vom Befehl zum Verantwortungsbereich

Der Artikel über Delegation zeigt damit eine grundlegende Veränderung.

Der klassische Befehl verschwindet nicht.

Aber er wird ergänzt.

Mitarbeiter erhalten definierte Aufgabenbereiche.

Mit der Aufgabe erhalten sie Verantwortung.

Und mit der Verantwortung benötigen sie auch Entscheidungsspielraum.

Damit taucht in einer Geschwaderzeitung von 1970 bereits eine Führungsfrage auf, die moderne Organisationen bis heute beschäftigt.


Olympia 1972 wird zum Medienereignis

Die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 1972 bleiben ebenfalls Thema.

Diesmal richtet sich der Blick besonders auf Fernsehen, Presse und technische Infrastruktur.

Die Spiele sollten weltweit übertragen werden.

Dafür mussten Kommunikationswege, Pressezentren und Übertragungstechnik aufgebaut werden.

Damit zeigt sich erneut, wie stark neue Medien die Wahrnehmung großer Ereignisse veränderten.

Olympia wurde nicht nur für die Zuschauer im Stadion organisiert.

Es wurde für ein weltweites Publikum inszeniert.


Elektronik verändert auch den Sport

Selbst die Zeitmessung wird technisch analysiert.

Elektronische Startsysteme, Zielkameras und Lichtschranken sollten Entscheidungen präziser machen.

Auch hier zeigt sich dieselbe Entwicklung wie in vielen anderen Bereichen des Jahres 1970:

Der Mensch wird zunehmend von elektronischer Technik unterstützt.

Messungen werden genauer.

Abläufe werden automatisiert.

Informationen werden schneller verarbeitet.


Das Soldatenheim als Mittelpunkt des Standortlebens

Zum Ende der Ausgabe finden sich erneut Hinweise aus dem Soldatenheim.

Ausstellungen, Veranstaltungen und Freizeitangebote werden angekündigt.

Das Soldatenheim war damit weit mehr als eine Gaststätte.

Es war Treffpunkt.

Informationsort.

Veranstaltungsraum.

Und für viele junge Soldaten wahrscheinlich einer der wichtigsten sozialen Orte außerhalb des unmittelbaren Dienstbetriebes.


Kinderbetreuung bleibt ein Thema

Auch in den Leserbriefen taucht erneut die Frage der Kinderbetreuung auf.

Ein Kindergarten beziehungsweise betreute Angebote werden diskutiert.

Das Thema zieht sich inzwischen durch mehrere Ausgaben.

Gerade dadurch wird seine Bedeutung sichtbar.

Familienfreundlichkeit war noch kein moderner Personalbegriff.

Doch die praktischen Probleme existierten bereits.

Soldatenfamilien benötigten Betreuung, Schulen und soziale Infrastruktur.


Was bewegte die Marineflieger 1970?

Die siebte Ausgabe von +egmont+ gibt darauf eine besonders vielschichtige Antwort.

Die Menschen beschäftigten sich mit dem Flugdienst und den technischen Anforderungen moderner Kampfflugzeuge.

Aber ebenso mit:

Politik,

Fernsehen,

Fotografie,

Bildung,

Kinderbetreuung,

Sport,

Verkehr,

Kirche,

Führung,

Familie

und der Frage, wie sich eine moderne Gesellschaft entwickeln sollte.

Das MFG 2 war damit kein abgeschlossener militärischer Kosmos.

Es war Teil dieser Gesellschaft.


Die Marineflieger werden öffentlich

Eine Entwicklung tritt in 1970-07 besonders deutlich hervor:

Die Marineflieger werden stärker öffentlich wahrgenommen.

Fernsehkameras erscheinen auf dem Flugplatz.

Politische Diskussionen erreichen den Standort.

Familien erhalten Einblick in den Dienst.

Gesellschaftliche Debatten finden ihren Weg in die Geschwaderzeitung.

Diese Öffnung verändert auch das Selbstverständnis eines Verbandes.

Er muss nicht nur funktionieren.

Er muss zunehmend erklären, was er tut.


Gleichzeitig verändert sich Führung

Die zweite zentrale Entwicklung betrifft das Innere des Verbandes.

Technische Spezialisierung macht traditionelle Führung schwieriger.

Verantwortung muss delegiert werden.

Fachwissen gewinnt an Bedeutung.

Mitarbeiter erhalten größere Entscheidungsspielräume.

Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, die weit über das Jahr 1970 hinausweist.

Der moderne Marinefliegerverband braucht nicht nur Disziplin.

Er braucht qualifizierte Menschen, die selbstständig Verantwortung übernehmen können.


1970-07 – ein Verband öffnet sich

+egmont+ 1970-07 zeigt deshalb ein Marinefliegergeschwader, das sich auf mehreren Ebenen verändert.

Die Flugzeuge bleiben sichtbar.

Doch immer deutlicher wird das System dahinter.

Menschen.

Familien.

Medien.

Bildung.

Führung.

Gesellschaft.

Die Marineflieger entwickeln sich zu einer hoch spezialisierten Organisation, während gleichzeitig die Welt um sie herum offener, medialer und diskussionsfreudiger wird.

Genau darin liegt der besondere Wert dieser Ausgabe.

Sie zeigt nicht nur, wie die Marineflieger arbeiteten.

Sie zeigt, wie sie begannen, ihren Platz in einer sich verändernden Gesellschaft neu zu bestimmen.

Quellenhinweis:

Dieser Beitrag basiert auf zeitgenössischen Ausgaben der Geschwaderzeitung +egmont+ des Marinefliegergeschwaders 2.
Die historischen Originalausgaben befinden sich, als PDF-Datei, im privaten Archiv und werden nicht online veröffentlicht.