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1970-04 – Zwischen Starfighter, MRCA und einer neuen Zeit

+egmont+ zeigt Marineflieger zwischen Gegenwart und Zukunft

Die vierte Ausgabe von +egmont+ aus dem Jahr 1970 fällt bereits durch ihr Titelbild auf.

Das bisherige Erscheinungsbild wird von einer deutlich moderneren, grünen Gestaltung abgelöst. Der Name +egmont+ steht prominent über einer abstrahierten grafischen Darstellung, während das Marinefliegergeschwader 2 weiterhin eindeutig als Herausgeber erkennbar bleibt.

Auch inhaltlich wirkt diese Ausgabe wie ein Übergang.

Der Starfighter gehörte zum täglichen Flugbetrieb des MFG 2. Gleichzeitig beschäftigten sich die Marineflieger bereits intensiv mit der Frage, welches Flugzeug ihn eines Tages ersetzen sollte.

Flugsicherheit wurde technisch weiterentwickelt.

Die Einsatzbereitschaft musste auch während Arbeiten am Heimatflugplatz gewährleistet bleiben.

Und außerhalb des militärischen Bereichs veränderten sich Tarp, Eggebek und die gesamte Gesellschaft.

1970 wird dadurch immer deutlicher zu einem Jahr zwischen etablierter Gegenwart und kommender Zukunft.


Die F-104G ist Gegenwart – ihr Nachfolger bereits Thema

Einer der historisch interessantesten Beiträge dieser Ausgabe trägt lediglich drei Buchstaben als Überschrift:

MRCA

Hinter der Abkürzung stand das geplante Multi Role Combat Aircraft.

Schon 1970 beschäftigte die Frage nach einem zukünftigen europäischen Kampfflugzeug die Angehörigen der Marineflieger.

Der Beitrag macht deutlich, dass die F-104 zwar noch zu den modernsten Flugzeugen des Verbandes gehörte, ihre dauerhafte Eignung für zukünftige taktische Anforderungen jedoch bereits hinterfragt wurde.

Die Luftfahrt entwickelte sich schnell.

Ein Kampfflugzeug, das wenige Jahre zuvor noch als technischer Fortschritt gegolten hatte, konnte innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit von neuen Anforderungen eingeholt werden.

Gefordert wurde deshalb ein Flugzeug, das unterschiedliche Aufgaben übernehmen und insbesondere auch unter schwierigen Wetterbedingungen operieren konnte.


Europa entwickelt gemeinsam ein Kampfflugzeug

Besonders bemerkenswert ist der europäische Ansatz.

Statt ausschließlich ein nationales Flugzeug zu entwickeln, sollte das neue Kampfflugzeug gemeinsam entstehen.

Triebwerk, Flugzeugzelle und weitere Komponenten wurden bereits als Gegenstand multinationaler Zusammenarbeit betrachtet.

Im Beitrag taucht dabei auch der Name Panavia auf.

Für die damaligen Leser war das zunächst ein Zukunftsprojekt.

Rückblickend besitzt diese Passage eine besondere Bedeutung:

Aus dem MRCA-/Panavia-Programm entwickelte sich später der Tornado.

Damit befindet sich in +egmont+ 1970-04 gewissermaßen ein früher Blick auf ein Flugzeug, das die Geschichte des Marinefliegergeschwaders 2 Jahrzehnte später entscheidend prägen sollte.

Noch war der Starfighter Alltag.

Doch der Tornado zeichnete sich bereits am Horizont ab.


Technischer Fortschritt entsteht lange vor dem neuen Flugzeug

Diese Entwicklung verdeutlicht einen wichtigen Punkt der Marinefliegergeschichte.

Ein neues Flugzeug erscheint nicht plötzlich auf dem Flugplatz.

Jahre vorher beginnen Überlegungen zu Anforderungen, Technik, Finanzierung, Zusammenarbeit und Ausbildung.

1970 konnten die Soldaten des MFG 2 noch nicht wissen, welche Bedeutung das daraus entstehende Flugzeug einmal für ihren Verband besitzen würde.

Für uns heute wird dagegen eine Entwicklungslinie sichtbar:

F-104G – MRCA – Panavia – Tornado.

Damit dokumentiert +egmont+ nicht nur den damaligen Zustand der Marineflieger.

Die Zeitung dokumentiert hier unmittelbar den Beginn ihrer späteren technischen Entwicklung.


Lebensretter im Cockpit

Ein weiterer technischer Beitrag beschäftigt sich mit einem Bauteil, dessen Bedeutung im normalen Flugbetrieb möglichst unsichtbar bleiben sollte:

dem Schleudersitz.

Unter der Überschrift „Lebensretter“ wird die Entwicklung dieser Technik beschrieben.

Der Artikel führt durch die Geschichte verschiedener Rettungssysteme und erläutert die Weiterentwicklung moderner Schleudersitze.

Auch die bei F-104G und TF-104G eingesetzten Systeme werden erwähnt.

Für die Marineflieger war das kein theoretisches Thema.

Die hohen Geschwindigkeiten moderner Kampfflugzeuge hatten klassische Möglichkeiten zum Verlassen eines beschädigten Flugzeuges längst unbrauchbar gemacht.

Der Schleudersitz war Bestandteil eines umfassenderen Sicherheitskonzeptes geworden.


Flugsicherheit wird selbst zur Hochtechnologie

Die Geschichte des Schleudersitzes zeigt exemplarisch, wie sich militärische Luftfahrt veränderte.

Mit steigender Geschwindigkeit und komplexeren Flugzeugen musste auch die Rettungstechnik Schritt halten.

Dabei ging es nicht einfach darum, einen Piloten aus dem Cockpit zu katapultieren.

Zeitpunkt, Sitzbewegung, Stabilisierung und Fallschirmöffnung mussten aufeinander abgestimmt werden.

Technischer Fortschritt bedeutete deshalb nicht nur mehr Geschwindigkeit und größere Waffenwirkung.

Er bedeutete ebenso:

bessere Chancen, einen Flugunfall zu überleben.

Gerade für einen Verband, der täglich mit Hochleistungsflugzeugen arbeitete, war diese Entwicklung von unmittelbarer Bedeutung.


Eggebek wird instand gesetzt – der Auftrag läuft weiter

Ein kurzer Beitrag unter der Überschrift „MINEN“ zeigt eine andere Seite militärischer Einsatzbereitschaft.

Während Instandsetzungsarbeiten auf dem Flugplatz Eggebek durchgeführt wurden, musste der Auftrag des Marinefliegergeschwaders 2 weiter erfüllt werden.

Die Einsatzbereitschaft wurde deshalb zeitweise von Schleswig/Jagel aus sichergestellt.

Diese scheinbar kleine Meldung sagt viel über die Anforderungen an einen Einsatzverband aus.

Ein Flugplatz konnte zeitweilig eingeschränkt sein.

Der Auftrag durfte deshalb jedoch nicht einfach ruhen.

Personal, Flugzeuge und notwendige Strukturen mussten so organisiert werden, dass der Verband weiter funktionieren konnte.


Einsatzbereitschaft endet nicht am Heimatflugplatz

Damit zeigt sich ein Prinzip, das für militärische Fliegerverbände grundsätzlich wichtig ist:

Der Heimatflugplatz ist die Basis.

Er darf aber nicht die einzige Voraussetzung für die Auftragserfüllung sein.

Ein Verband muss in der Lage sein, auch von einem anderen Standort aus zu operieren.

Die zeitweilige Nutzung Schleswig/Jagels verdeutlicht bereits 1970 diese notwendige Flexibilität.

Hinter einem solchen Wechsel standen erhebliche organisatorische Anforderungen:

Technik, Wartung, Material, Personal und Führungsstrukturen mussten weiterhin funktionieren.

Einsatzbereitschaft war deshalb weit mehr als die bloße Verfügbarkeit eines Flugzeuges.


Die Marineflieger zeigen sich der Öffentlichkeit

Auch das Verhältnis zwischen Bundeswehr und Bevölkerung bleibt Thema.

Ein Tag der offenen Tür auf dem Flugplatz Schleswig/Jagel wird angekündigt.

Flugvorführungen und ein umfangreiches Rahmenprogramm sollten den Besuchern Einblicke in den militärischen Flugbetrieb ermöglichen.

Solche Veranstaltungen waren besonders für einen Verband mit schnellen und lauten Kampfflugzeugen wichtig.

Die Bevölkerung sah die Flugzeuge normalerweise am Himmel.

Bei einem Tag der offenen Tür konnte sie dagegen die Menschen, Technik und Arbeitsabläufe dahinter kennenlernen.

Die Marineflieger wurden damit sichtbar und ansprechbar.


Sport bleibt Teil der Geschwaderidentität

Wie bereits in den vorherigen Ausgaben nimmt Sport einen erheblichen Raum ein.

Sportfeste, Wettbewerbe, Moderner Fünfkampf und die Flottenregatta 1970 werden ausführlich behandelt.

Gerade die Regatta erinnert daran, dass die Marineflieger trotz ihres fliegerischen Auftrages Angehörige der Marine waren.

Fliegen und Seefahrt standen nicht im Widerspruch.

Beides gehörte zur Identität des Verbandes.

Daneben erfüllte Sport weiterhin eine zweite Aufgabe:

Er verband die Menschen miteinander.

Staffeln und Einheiten traten gegeneinander an, gleichzeitig repräsentierten die Teilnehmer gemeinsam ihr Geschwader.


Der 20. Juli und das historische Selbstverständnis

Ein gesellschaftlich besonders bemerkenswerter Beitrag beschäftigt sich mit dem 20. Juli 1944.

Die Auseinandersetzung mit dem militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gehörte zur historischen und politischen Bildung innerhalb der Bundeswehr.

Der Beitrag versucht, verbreitete Aussagen über das Attentat und seine Beteiligten einzuordnen und den Widerstand in einen größeren historischen Zusammenhang zu stellen. Egmont 1970-04

Für die junge Bundeswehr war dieses Thema von erheblicher Bedeutung.

Die Streitkräfte mussten nach 1945 ein eigenes Traditionsverständnis entwickeln und sich mit der deutschen Militärgeschichte auseinandersetzen.

Dass solche Fragen in einer Geschwaderzeitung behandelt wurden, zeigt, dass Geschichte und staatsbürgerliche Bildung auch Teil des alltäglichen militärischen Umfeldes waren.


Ein Marineleben über Generationen

Besonders eindrucksvoll ist der Beitrag „Der alte Mann und das Meer“.

Er erzählt vom 90. Geburtstag des ehemaligen Marinesoldaten Nicolaus Hansen.

Seine Lebensgeschichte reicht weit in die Zeit vor der Bundeswehr zurück.

Der Bericht verbindet damit unterschiedliche Epochen deutscher Marinegeschichte miteinander.

Für die jungen Marineflieger von 1970 war eine solche Biografie der Blick in eine längst vergangene Welt.

Zwischen dem Dienst dieses ehemaligen Marinesoldaten und dem Alltag eines Starfighter-Verbandes lagen enorme technische und gesellschaftliche Veränderungen.

Und trotzdem bestand eine Verbindung:

die Zugehörigkeit zur Marine.


Von früher Marinegeschichte zur modernen Luftfahrt

Gerade dieser Kontrast verdeutlicht, wie schnell sich die militärische Welt verändert hatte.

Auf der einen Seite ein Mann, dessen Marinezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag.

Auf der anderen Seite Soldaten, die über europäische Überschallkampfflugzeuge, Schleudersitze und moderne Einsatzverfahren diskutierten.

Nur wenige Generationen trennten diese Welten voneinander.

+egmont+ hält beide gleichzeitig fest.

Damit wird die Zeitung selbst zu einer Brücke zwischen Tradition und technischer Moderne.


Auch Tarp plant seine Zukunft

Nicht nur die Marineflieger beschäftigten sich mit der Zukunft.

Ein umfangreicher Beitrag trägt die Überschrift:

„Alles dreht sich um Tarp“

Grundlage waren Überlegungen zur regionalen Entwicklung Schleswig-Holsteins.

Verkehr, Infrastruktur, Arbeitsplätze, Gewerbe und die zukünftige Bedeutung verschiedener Orte werden behandelt.

Tarp wurde dabei eine wichtige Rolle innerhalb der Region zugeschrieben. Egmont 1970-04

Für die Angehörigen des MFG 2 waren solche Planungen keineswegs abstrakt.

Viele lebten mit ihren Familien in Tarp, Eggebek oder den umliegenden Gemeinden.

Wohnraum, Straßen, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze beeinflussten ihren Alltag unmittelbar.


Geschwader und Region wachsen zusammen

Je länger ein militärischer Standort bestand, desto enger wurde seine Verbindung mit seiner Umgebung.

Soldaten wurden Einwohner.

Ihre Familien nutzten Schulen und Geschäfte.

Lokale Unternehmen profitierten von der Kaufkraft des Standortes.

Kommunalpolitische Entscheidungen wiederum beeinflussten die Lebensbedingungen der Soldaten.

Die Entwicklung der Marineflieger lässt sich deshalb nicht von der Entwicklung ihrer Standorte trennen.

Tarp und Eggebek waren nicht nur Ortsangaben hinter einem Geschwadernamen.

Sie waren Teil des Lebens der Menschen.


Zwischen Disziplin und gesellschaftlicher Veränderung

Leserbriefe und humoristische Beiträge zeigen auch in dieser Ausgabe eine Bundeswehr, die mitten in den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit stand.

Fragen nach Kinderbetreuung, Verhalten, Umgangsformen und Generationsunterschieden tauchen immer wieder auf.

Die gesellschaftliche Liberalisierung der späten 1960er-Jahre war auch 1970 deutlich spürbar.

Für eine militärische Organisation ergaben sich daraus zwangsläufig Spannungen.

Dienst verlangte Ordnung und Verbindlichkeit.

Die Gesellschaft außerhalb der Kasernen diskutierte gleichzeitig zunehmend über Autoritäten, persönliche Freiheit und traditionelle Rollenbilder.

Die Angehörigen des MFG 2 bewegten sich täglich zwischen diesen beiden Welten.


+egmont+ verändert sich selbst

Auch die Geschwaderzeitung entwickelt sich weiter.

Das neue Deckblatt ist dafür ein sichtbares Zeichen.

Die vierte Ausgabe wirkt grafisch deutlich moderner als ihre Vorgänger.

Auch die Redaktion beschäftigte sich weiterhin damit, wie +egmont+ aussehen sollte und welche Inhalte die Leser erwarteten.

Die Zeitung befand sich damit selbst in einem Lernprozess.

Aus einer neuen Geschwaderzeitung entwickelte sich zunehmend ein festes Forum des Standortes.

Information, Diskussion, Unterhaltung und militärische Themen standen nebeneinander.


1970-04 – die Zukunft wird sichtbar

Unter allen Themen dieser Ausgabe besitzt der Beitrag über das MRCA rückblickend eine besondere Bedeutung.

1970 war das neue Flugzeug lediglich ein Projekt.

Seine Auslegung wurde diskutiert.

Alternativen wurden betrachtet.

Kosten und industrielle Zusammenarbeit spielten eine Rolle.

Für das Marinefliegergeschwader 2 war noch nicht absehbar, wie sehr das daraus hervorgehende Flugzeug seine eigene Zukunft bestimmen würde.

Gerade deshalb ist diese Ausgabe historisch so interessant.

Wir erleben nicht den fertigen Tornado.

Wir erleben die Zeit davor.

Den Moment, in dem die technische Zukunft erst diskutiert und geplant wurde.


Die Marineflieger befinden sich im Wandel

Die vierte Ausgabe von +egmont+ zeigt diesen Wandel auf mehreren Ebenen.

Der Starfighter steht für die Gegenwart.

Das MRCA steht für die Zukunft.

Der Schleudersitz steht für eine immer anspruchsvollere Flugsicherheit.

Die Verlegung nach Schleswig/Jagel zeigt die Anforderungen an die Einsatzbereitschaft.

Der 20. Juli steht für die Auseinandersetzung mit Geschichte und Tradition.

Die Regionalplanung rund um Tarp zeigt, wie eng Soldaten und ziviles Umfeld inzwischen miteinander verbunden waren.

Gemeinsam ergeben diese Themen ein bemerkenswert vollständiges Bild des Jahres 1970.


Nicht nur Flugzeuge verändern sich

Die wichtigste Erkenntnis dieser Ausgabe liegt deshalb vielleicht außerhalb der Technik.

Die Entwicklung der Marineflieger bestand nicht ausschließlich aus neuen Flugzeugmustern.

Auch die Menschen und ihre Umgebung veränderten sich.

Ausbildung wurde internationaler.

Technik wurde komplexer.

Sicherheitssysteme wurden leistungsfähiger.

Standorte wurden stärker mit ihren Gemeinden verflochten.

Und die Soldaten mussten ihren Platz in einer Gesellschaft finden, die sich selbst in einem tiefgreifenden Wandel befand.

So erzählt +egmont+ 1970-04 nicht nur von einem Marinefliegergeschwader.

Die Ausgabe erzählt von einer Generation, die zwischen Starfighter und zukünftiger Panavia, militärischer Tradition und gesellschaftlicher Moderne stand.

Und genau darin liegt der besondere Wert dieser historischen Quelle.

Quellenhinweis:

Dieser Beitrag basiert auf zeitgenössischen Ausgaben der Geschwaderzeitung +egmont+ des Marinefliegergeschwaders 2.
Die historischen Originalausgaben befinden sich, als PDF-Datei, im privaten Archiv und werden nicht online veröffentlicht.