MQ-9B SeaGuardian: Unbemannte Seefernaufklärung für die Deutsche Marine
Ab 2028 soll die MQ-9B SeaGuardian die bemannte Seefernaufklärung der Deutschen Marine ergänzen. Acht bestellte Luftfahrzeuge werden beim MFG 3 in Nordholz betrieben und vor allem für langandauernde Überwachungs- und Aufklärungsmissionen über See eingesetzt.
Beschaffung im Rahmen von uMAWS
Die Beschaffung ist Bestandteil des Vorhabens uMAWS und wurde am 17. Dezember 2025 durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages freigegeben. Die Umsetzung erfolgt über die NATO Support and Procurement Agency, kurz NSPA. Diese unterstützt das Projekt im Rahmen einer internationalen Partnerschaft mit weiteren NATO-Staaten.
Nach Angaben des Fachmediums Hartpunkt wird das Vertragsvolumen auf rund 1,52 Milliarden Euro beziffert. Dieser Betrag ist jedoch nicht als reiner Kaufpreis für acht Drohnen zu verstehen. Das Gesamtpaket umfasst neben den Luftfahrzeugen und Bodenkontrollstationen voraussichtlich auch Ersatzteile für den Anfangsbetrieb, Ausbildung, technische Dienstleistungen, Missionsausrüstung und weitere erforderliche Systemkomponenten.
Bis zur Aufnahme des regulären Flugbetriebs müssen in Nordholz die notwendige Infrastruktur geschaffen, zusätzliches Personal aufgebaut und die künftigen Besatzungen und Techniker ausgebildet werden. Obwohl die MQ-9B unbemannt fliegt, ist für ihren Betrieb umfangreiches Fachpersonal erforderlich. Dazu gehören unter anderem Luftfahrzeugführer, Sensorbediener, Missionsplaner, Techniker und Spezialisten für die Auswertung und Weitergabe der gewonnenen Daten.
Ergänzung zur P-8A Poseidon
Die MQ-9B SeaGuardian ist nicht als Ersatz für die P-8A Poseidon vorgesehen. Beide Systeme besitzen unterschiedliche Stärken und sollen sich im Einsatz ergänzen.
Die bemannte P-8A kann mit hoher Geschwindigkeit weiträumige Einsatzgebiete erreichen und dabei eine umfangreiche Sensor- und Waffenlast mitführen. Die MQ-9B ist langsamer, kann dafür jedoch abhängig von Wetter, Flughöhe, Flugprofil und Nutzlast bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben und große Seegebiete über einen langen Zeitraum überwachen.
Diese Ausdauer ist insbesondere für die maritime Lagebilderstellung von großer Bedeutung. Unbemannte Systeme können Überwachungslücken schließen, verdächtige Kontakte über längere Zeit verfolgen und fortlaufend Aufklärungsdaten bereitstellen. In einem maritimen Einsatzraum, in dem dauerhafte Präsenz häufig wichtiger ist als hohe Geschwindigkeit, erhöht die MQ-9B damit die Durchhaltefähigkeit der Marine erheblich.
Eine mögliche Arbeitsteilung besteht darin, dass die MQ-9B große Seegebiete dauerhaft überwacht, Schiffe oder andere Kontakte entdeckt und klassifiziert und die gewonnenen Informationen an Nordholz, an Schiffe, an eine P-8A oder an verbündete Kräfte übermittelt. Ist eine nähere Identifizierung oder Bekämpfung erforderlich, können anschließend bemannte Luftfahrzeuge oder andere Marineeinheiten herangeführt werden.
Vorgesehene Aufgaben
Zu den vorgesehenen Aufgaben der deutschen MQ-9B gehören die weiträumige und langandauernde Seeraumüberwachung, die Aufklärung von Schiffen und kleineren Oberflächenzielen sowie die Unterstützung beim Schutz wichtiger Seewege und kritischer maritimer Infrastruktur.
Mögliche Einsatzgebiete sind insbesondere Nordsee, Ostsee und Nordatlantik. Darüber hinaus kann die MQ-9B zur Unterstützung der U-Boot-Jagd, zur Bereitstellung von Sensordaten für P-8A, Schiffe und verbündete Kräfte sowie gegebenenfalls bei Such- und Rettungseinsätzen eingesetzt werden.
Ihre besondere Stärke liegt dabei in der Verbindung aus großer Reichweite, langer Flugdauer und umfangreicher Sensorik. Die SeaGuardian kann über viele Stunden in einem Überwachungsgebiet verbleiben und dadurch ein fortlaufend aktualisiertes Lagebild erzeugen.
Sensorik und Missionsausrüstung
Für den maritimen Einsatz sind elektrooptische Tageslichtkameras, Infrarotsensoren und leistungsfähige Radarsysteme zur Überwachung der Meeresoberfläche vorgesehen. Damit kann die MQ-9B auch kleinere Oberflächenziele erfassen, verfolgen und klassifizieren. Über das automatische Schiffsidentifikationssystem AIS können Radarkontakte zusätzlich mit den ausgesendeten Identitäts- und Positionsdaten ziviler und militärischer Schiffe abgeglichen werden.
Zur Unterstützung der U-Boot-Jagd kann die SeaGuardian unter ihren Tragflächen spezielle Behälter zum Ausbringen von Sonarbojen mitführen. Diese Bojen werden in einem festgelegten Suchgebiet abgeworfen und erfassen akustische Signale unter Wasser. Die MQ-9B kann die Signale empfangen, verarbeiten und an die Bodenkontrollstation beziehungsweise an weitere beteiligte Einheiten übertragen.
Dadurch ist das System in der Lage, Hinweise auf Unterwasseraktivitäten zu liefern und verdächtige Bewegungen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Eine erkannte U-Boot-Aktivität könnte anschließend beispielsweise durch eine P-8A Poseidon, einen Bordhubschrauber NH90 MRFH Sea Tiger oder ein Schiff näher untersucht und gegebenenfalls bekämpft werden.
Zur weiteren vorgesehenen Ausstattung gehören Satellitenkommunikation, Enteisungs- und Schlechtwettersysteme sowie ein „Detect and Avoid“-System. Dieses soll andere Luftfahrzeuge erkennen und ein sicheres Ausweichen ermöglichen. Die MQ-9B wurde damit auch für den Betrieb in kontrollierten und gemeinsam mit zivilen Luftfahrzeugen genutzten Lufträumen entwickelt.
Die Plattform kann grundsätzlich zusätzlich für elektronische Aufklärung, Kommunikationsrelais und weitere austauschbare Missionsbehälter ausgerüstet werden. Ob alle vom Hersteller angebotenen Fähigkeiten bereits Bestandteil der deutschen Erstkonfiguration sein werden, ist bislang jedoch nicht öffentlich bestätigt.
Führung und Datenübertragung
Gesteuert wird die MQ-9B von einer Bodenkontrollstation aus. Die Verbindung zum Luftfahrzeug erfolgt je nach Entfernung über eine direkte Funkverbindung oder über Satellitenkommunikation. Dadurch kann die Drohne auch weit außerhalb der direkten Funkreichweite eingesetzt werden.
Von der Bodenkontrollstation aus führen Marineflieger das Luftfahrzeug, bedienen die Sensoren und überwachen den gesamten Missionsverlauf. Die gewonnenen Bild-, Radar-, AIS- und Sonardaten werden fortlaufend übertragen, ausgewertet und in das maritime Lagebild eingespeist.
Die Informationen stehen dabei nicht ausschließlich der Besatzung der Bodenkontrollstation zur Verfügung. Sie können auch an Schiffe, P-8A-Besatzungen, andere Marineeinheiten, Führungsstellen und bei Bedarf an verbündete Kräfte weitergegeben werden. Die MQ-9B dient damit nicht nur als Aufklärungsplattform, sondern zugleich als vernetzter Sensorträger innerhalb eines größeren maritimen Informationsverbundes.
Technische Einordnung
Die MQ-9B SeaGuardian besitzt in ihrer Grundkonfiguration eine Spannweite von rund 24 Metern und eine Länge von etwa 11,7 Metern. Abhängig von Wetter, Flughöhe, Flugprofil und mitgeführter Nutzlast kann sie bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben.
Die maximale Einsatzhöhe liegt bei über 40.000 Fuß beziehungsweise rund 12.200 Metern. Als Höchstgeschwindigkeit werden etwa 210 Knoten oder rund 390 Kilometer pro Stunde angegeben. Die grundsätzlich mögliche Gesamtnutzlast beträgt bis zu etwa 2.177 Kilogramm.
Angetrieben wird das Luftfahrzeug von einem Honeywell-TPE331-10-Turboproptriebwerk. Für Missionen zur U-Boot-Jagd wird ein möglicher Einsatzradius von rund 1.200 Seemeilen genannt. Diese Werte beziehen sich auf die grundsätzlich verfügbare MQ-9B-Plattform. Die tatsächlichen Leistungswerte können je nach deutscher Konfiguration, Missionsausrüstung und Einsatzbedingungen abweichen.
Bewaffnung
Die MQ-9B kann grundsätzlich auch Präzisionswaffen tragen. Für die deutsche SeaGuardian-Beschaffung ist jedoch bislang keine Bewaffnung öffentlich bestätigt. In den bisher bekannten Informationen stehen Kameras, Radarsysteme, Sonarbojen und die dazugehörige Kommunikations- und Auswertetechnik im Mittelpunkt.
Die deutsche MQ-9B ist daher zunächst als unbemanntes Aufklärungs-, Überwachungs- und U-Boot-Suchsystem einzuordnen und nicht als bestätigte bewaffnete Kampfdrohne. Eine mögliche Bekämpfung aufgeklärter Ziele würde nach bisherigem Kenntnisstand durch andere geeignete Kräfte erfolgen.
Bedeutung für die Marineflieger
Mit der Einführung der MQ-9B SeaGuardian vollzieht die Deutsche Marine einen wichtigen Schritt in Richtung einer dauerhaft verfügbaren unbemannten Seefernaufklärung.
Das System schließt die Lücke zwischen bemannten Seefernaufklärern sowie boden-, schiff- und hubschraubergestützten Sensoren.
Besonders bei der Überwachung großer Seegebiete und bei der U-Boot-Abwehr bietet die lange Einsatzdauer einen erheblichen Vorteil.
Suchräume können erweitert, Kontakte länger verfolgt und Aufklärungsdaten kontinuierlich bereitgestellt werden.
Gleichzeitig verbessert die vernetzte Sensorik den Informationsaustausch zwischen Luftfahrzeugen, Schiffen, Führungsstellen und verbündeten Streitkräften.
Mit der P-8A Poseidon und der MQ-9B SeaGuardian entsteht in Nordholz künftig ein gemeinsamer Verbund aus bemannter und unbemannter Seefernaufklärung.
Die P-8A bringt Geschwindigkeit, umfangreiche Sensorik und eine große Waffenlast ein, während die MQ-9B durch Ausdauer, Reichweite und langandauernde sensorische Präsenz überzeugt.
Zusammen erhöhen beide Systeme die Reaktionsfähigkeit, Überwachungsleistung und Durchhaltefähigkeit der deutschen Marineflieger deutlich.
- Bundeswehr: Bundeswehr bestellt Drohnen zur Seefernaufklärung und U-Boot-Jagd, 12. Januar 2026.
- Bundesministerium der Verteidigung: Im Parlament bewilligt: Rüstungsgüter im Gesamtwert von knapp 50 Milliarden Euro, 18. Dezember 2025.
- General Atomics Aeronautical Systems: Germany Buys Eight MQ-9B SeaGuardian RPA Through NSPA, 12. Januar 2026.
- General Atomics Aeronautical Systems: MQ-9B SeaGuardian – Maritime Patrol and Reconnaissance Aircraft, Produkt- und Fähigkeitsbeschreibung.
- General Atomics Aeronautical Systems: MQ-9B SeaGuardian Data Sheet, technisches Datenblatt, Ausgabe 2025.
- General Atomics Aeronautical Systems: MQ-9B SeaGuardian – European Maritime Demonstration: Technical Specifications, technische Daten und Missionsausstattung.
- General Atomics Aeronautical Systems: GA-ASI and US Navy Test Expanded Sonobuoy Dispensing System for MQ-9B SeaGuardian, 13. Januar 2026.
- Hoffmann, Lars: Deutsche Marine erhält acht Drohnen des Typs MQ-9B SeaGuardian, Hartpunkt, 22. Dezember 2025.
Alle Internetquellen zuletzt abgerufen am 15. August 2026.