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Ausbildung im NH90-Simulator – wie Marineflieger Besatzungen trainieren

Ein moderner Marinehubschrauber wird nicht allein von zwei Menschen im Cockpit eingesetzt. Beim NH90 greifen fliegerische Aufgaben, taktische Koordination, Missionssysteme und die Arbeit der hinteren Besatzung ineinander. Genau diese Zusammenarbeit lässt sich im Simulator systematisch vorbereiten: Abläufe können angehalten, wiederholt und ausgewertet werden, während Fehler weder Menschen noch ein Luftfahrzeug gefährden.

Für die Marineflieger ist Simulatorausbildung deshalb weit mehr als ein Ersatz für eine Flugstunde. Sie ist ein eigener Ausbildungsraum. Hier werden Bedienverfahren gefestigt, außergewöhnliche Lagen durchgespielt, Kommunikation trainiert und komplette Besatzungen auf einen gemeinsamen Arbeitsrhythmus gebracht. Das reale Fliegen bleibt unverzichtbar – doch im Simulator können Situationen vorbereitet werden, die sich in der Luft nur eingeschränkt, mit hohem Aufwand oder gar nicht verantwortbar darstellen lassen.

Das NH90-Trainingszentrum in Nordholz

Das Marinefliegerkommando übernahm das Trainingszentrum für den NH90 NTH Sea Lion am 14. Dezember 2023 am Fliegerhorst Nordholz. Nach Angaben der Bundeswehr erfüllt der Flugsimulator die höchste Qualifikationsstufe für Flugsimulatoren. Die öffentliche Mitteilung nennt bewusst keine zivile Stufenbezeichnung wie etwa „Level D“. Eine solche Gleichsetzung wäre ohne die dazugehörige Qualifikationsurkunde nicht belastbar.

Das Zentrum besteht nicht aus einem einzelnen Gerät, sondern aus fünf Trainingssystemen. Ihre Aufteilung veröffentlichte der Hersteller CAE:

  • Operational Flight Trainer (OFT): Ausbildung von Pilotin beziehungsweise Pilot und Copilotin beziehungsweise Copilot; fliegerische Verfahren und komplexe Gesamtszenarien.
  • Operational Tactics Trainer für den TACCO: Taktische Koordination und Arbeit mit den für die Mission relevanten Informationen.
  • Operational Tactics Trainer für die hintere Besatzung: Aufgaben der Besatzungsmitglieder im hinteren Bereich des Hubschraubers.
  • Cockpit Procedure Trainer für Pilotinnen und Piloten: Gezieltes Üben einzelner Cockpit- und Bedienverfahren.
  • Cockpit Procedure Trainer für den TACCO: Gezieltes Üben der Verfahren am Arbeitsplatz des Tactical Coordinator.

Die beiden Operational Tactics Trainer können mit dem Operational Flight Trainer vernetzt werden. Damit üben Besatzungsmitglieder an räumlich getrennten Geräten in derselben simulierten Lage. Genau darin liegt der besondere Wert der Anlage: Nicht nur einzelne Handgriffe, sondern der Informationsfluss innerhalb einer vollständigen Besatzung wird trainierbar.

CAE erhielt den Auftrag über die NATO Support and Procurement Agency im November 2019. Neben Entwicklung und Bau der Trainingsgeräte gehörten auch Planung und Umsetzung der Einrichtung zum Auftrag. Die Übergabe 2023 markierte den Beginn des Betriebs des vollständigen Trainingszentrums.

Was ein Full-Mission-Simulator abbildet

Ein Full-Mission-Simulator verbindet mehrere Ebenen. Das Cockpit bildet die Arbeitsplätze, Bedienelemente und Anzeigen des Luftfahrzeugs nach. Rechenmodelle erzeugen die Reaktionen des Hubschraubers und seiner Systeme. Eine Sichtdarstellung setzt die Besatzung in eine virtuelle Außenwelt. Hinzu kommen Geräusche, Umwelteinflüsse und die jeweils simulierte Lage.

Entscheidend ist nicht allein, ob eine Darstellung optisch überzeugend wirkt. Für die Ausbildung muss der Simulator auf Eingaben, Flugzustände und Systembedienung so reagieren, dass die vorgesehenen Lernziele zuverlässig erreicht werden können. Die Qualifikation eines Simulators bezieht sich deshalb auf definierte technische und funktionale Kriterien – nicht auf den bloßen Eindruck eines Computerspiels.

Öffentlich bekannt ist, dass im Nordholzer Trainingszentrum zahlreiche Szenarien über Land und See darstellbar sind. Welche Landschaftsdatenbanken, Schiffsmodelle, Wetterparameter und Fehlerkombinationen im Einzelnen freigegeben sind, ist nicht vollständig veröffentlicht. Ein seriöser Fachbericht sollte daher zwischen dem bestätigten Leistungsumfang und naheliegenden Ausbildungsbeispielen unterscheiden.

Vom Briefing bis zur Auswertung

Eine Simulatorlektion beginnt typischerweise nicht mit dem Einschalten des Geräts, sondern mit der Vorbereitung. Die Besatzung erhält ein Ausbildungsziel und bespricht Ausgangslage, Rollen, Verfahren und Sicherheitsaspekte. Abhängig vom Ausbildungsstand kann die Lektion einen eng begrenzten Bedienablauf oder eine zusammenhängende Mission umfassen.

Während der Übung steuert das Ausbildungspersonal die Rahmenbedingungen. Es kann Wetter, Sicht, technische Störungen oder Veränderungen der Lage einspielen. Ein großer Vorteil der Simulation ist die Wiederholbarkeit: Ein kritischer Abschnitt kann erneut begonnen werden, ohne den gesamten Flug nachstellen zu müssen. Damit lassen sich Ursachen und Wirkungen wesentlich genauer untersuchen als in einer einmaligen realen Situation.

Nach der Übung folgt das Debriefing. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob ein Manöver gelungen ist. Wichtiger sind die Entscheidungen auf dem Weg dorthin: Wann wurde eine Abweichung erkannt? Welche Information hatte welches Besatzungsmitglied? Wurden Checklisten und Verfahren eingehalten? Waren Kommunikation, Aufgabenverteilung und Prioritäten eindeutig? Erst diese gemeinsame Auswertung macht aus einem simulierten Ereignis einen nachhaltigen Lernerfolg.

Die genaue Ausgestaltung der Lektionen und der verwendeten Auswertungsfunktionen ist Teil des militärischen Ausbildungsbetriebs und öffentlich nicht im Detail dokumentiert. Die beschriebene Abfolge aus Vorbereitung, Durchführung und Nachbesprechung entspricht dem allgemeinen Prinzip professioneller Simulatorausbildung; sie ist keine Veröffentlichung eines internen Nordholzer Lehrplans.

Fliegerische Verfahren sicher festigen

Im Operational Flight Trainer kann die Cockpitbesatzung normale und außergewöhnliche Verfahren üben. Dazu gehören grundsätzlich die Vorbereitung des Luftfahrzeugs, Systembedienung, Start, Flugführung, Navigation, Anflug und Landung. Bei einem Marinehubschrauber kommen die Besonderheiten des Fliegens über See und des Zusammenspiels mit Schiffen hinzu.

Besonders wertvoll ist die Simulation bei Störungen. Ein technischer Fehler lässt sich im realen Flugbetrieb nur so weit darstellen, wie es sicher und verantwortbar ist. Im Simulator kann die Besatzung dagegen unter kontrollierten Bedingungen erkennen, welche Anzeigen sich verändern, wie sie Prioritäten setzt und welche Checklisten abzuarbeiten sind. Das Ziel ist nicht, spektakuläre Notfälle zu inszenieren. Entscheidend ist, unter Belastung strukturiert zu bleiben und die sichere Flugführung jederzeit an die erste Stelle zu setzen.

Auch ungünstige Sicht- und Wetterbedingungen lassen sich gezielt kombinieren. Die Besatzung kann dadurch Instrumentenverfahren, Arbeitsaufteilung und Entscheidungsfindung trainieren, ohne tatsächlich in eine vermeidbare Gefahrenlage zu geraten. Welche konkreten Störungen in welcher Ausbildungsphase verwendet werden, bleibt jedoch dem zugelassenen Trainingsprogramm vorbehalten.

Die Besatzung trainiert als System

Im maritimen Flugbetrieb entstehen viele Fehler nicht durch einen einzelnen falschen Handgriff, sondern durch unvollständige Informationen, missverständliche Kommunikation oder eine ungünstige Verteilung der Aufmerksamkeit. Simulatortraining setzt deshalb nicht nur bei der Technik an. Es macht Zusammenarbeit beobachtbar.

Im Cockpit müssen Flugweg, Systeme, Navigation und die unmittelbare Sicherheit des Luftfahrzeugs beherrscht werden. Der Tactical Coordinator führt missionsbezogene Informationen zusammen und koordiniert die taktische Arbeit. Die hintere Besatzung übernimmt – abhängig von Variante und Auftrag – weitere Aufgaben im Missions- oder Transportraum. Wenn diese Arbeitsplätze vernetzt sind, reagiert jedes Besatzungsmitglied auf dieselbe Entwicklung der simulierten Lage.

So lässt sich üben, wann Informationen weiterzugeben sind, wer Entscheidungen vorbereitet und wie eindeutig Aufträge bestätigt werden. Auch Arbeitsbelastung wird sichtbar: Ist eine Person mit mehreren Aufgaben gebunden, müssen andere Besatzungsmitglieder dies erkennen und unterstützen. Diese Grundsätze werden häufig unter dem Begriff Crew Resource Management zusammengefasst. Ihr Kern ist einfach: Die Besatzung soll alle verfügbaren Menschen, Informationen und technischen Mittel so nutzen, dass Fehler früh erkannt und gemeinsam beherrscht werden.

Maritime Szenarien für den Sea Lion

Der NH90 NTH Sea Lion wird bei der Marine vor allem für Search and Rescue sowie für den Transport von Personal und Material eingesetzt. Das Marinefliegergeschwader 5 hält den maritimen SAR-Dienst ganzjährig und rund um die Uhr vor. Außerdem kann der Sea Lion von Einsatzgruppenversorgern aus operieren.

Aus diesen Aufgaben ergeben sich naheliegende Trainingsfelder: Flüge über strukturarmen Wasserflächen, Anflüge auf Schiffe, Arbeit bei eingeschränkter Sicht, Suchverfahren, präzise Positionierung und die Koordination mehrerer Beteiligter. Die Bundeswehr bestätigt allgemein, dass im Simulator Szenarien über Land und See trainiert werden können. Sie veröffentlicht jedoch keinen vollständigen Katalog aller im Zentrum verfügbaren SAR-, Winden- oder Schiffsverfahren. Deshalb sollten einzelne Beispiele nicht automatisch als bestätigter Inhalt jeder Simulatorlektion verstanden werden.

Gerade über See ist die Kombination aus fliegerischem Können und Besatzungsarbeit wichtig. Eine Wasseroberfläche bietet nur wenige visuelle Bezugspunkte. Wind, Niederschlag und Dunkelheit können die Orientierung erschweren. Gleichzeitig muss die Besatzung Funkverkehr, Navigation, Missionsauftrag und mögliche Änderungen der Lage verarbeiten. Der Simulator erlaubt, solche Belastungen schrittweise aufzubauen und anschließend gemeinsam zu analysieren.

Sea Lion und Sea Tiger: gemeinsame Basis, andere Mission

Sea Lion und Sea Tiger gehören zur NH90-Familie, erfüllen bei der Deutschen Marine aber unterschiedliche Schwerpunkte. Der Sea Lion ist der Mehrzweck- und Transporthubschrauber der Marine und übernimmt den SAR-Dienst. Der NH90 MRFH Sea Tiger ist als Bordhubschrauber vor allem für U-Boot-Jagd, Seeraumüberwachung und die Bekämpfung von Überwasserzielen ausgelegt. Dafür verfügt er über eine andere Missionsausstattung, zu der unter anderem Tauchsonar, Sonarbojen-System und entsprechende Sensorik gehören.

Die gemeinsame Grundplattform schafft Berührungspunkte bei Flugverhalten, Cockpitphilosophie, Logistik und Ausbildung. Sie macht die Varianten aber nicht austauschbar. Missionssysteme, Besatzungsaufgaben und taktische Verfahren müssen zum jeweiligen Ausrüstungsstand passen.

Diese Trennung ist für die Simulatorausbildung besonders wichtig. Ein Simulator muss nicht nur wie ein NH90 aussehen; seine Software, Anzeigen und Missionsfunktionen müssen die Konfiguration abbilden, für die trainiert wird. Das Bundesministerium der Verteidigung teilte im September 2026 mit, dass einer der beiden Full-Mission-Simulatoren der NH90-Flotte der Marine für die Konfiguration „NATO Frigate Helicopter German Navy Step 3“ aufgerüstet werden soll. Damit wird die Simulatorlandschaft an die Einführung des Sea Tiger angepasst.

Kosten, Auftragnehmer, Zeitplan und genauer Funktionsumfang dieser Nachrüstung wurden öffentlich nicht genannt. Ebenso erläutert die Mitteilung nicht im Detail, wie die dort genannten zwei Full-Mission-Simulatoren organisatorisch und technisch zu den fünf 2023 veröffentlichten Trainingsgeräten des Sea-Lion-Zentrums abgegrenzt werden. Beides sollte erst ergänzt werden, wenn belastbare öffentliche Angaben vorliegen.

Technische Ausbildung ist ein eigener Bereich

Simulatorausbildung betrifft nicht nur fliegende Besatzungen. Für technisches Personal existieren eigene Trainingsmittel. Rheinmetall übergab bereits 2019 ein „Functional Cockpit“ als Bestandteil eines Wartungs- und Instandhaltungstrainers für den Sea Lion. Es ist in einen Nachbau des Hubschraubers in Originalgröße eingebaut und dient der Ausbildung von Bodenpersonal für Bedien-, Wartungs- und Instandhaltungsverfahren.

Dieser Trainer ist nicht mit dem 2023 übergebenen Full-Mission-Trainingszentrum gleichzusetzen. Beide Systeme verfolgen unterschiedliche Hauptziele: Das eine bereitet fliegende und missionsbezogene Besatzungen auf den Betrieb in der Luft vor, das andere unterstützt die technische Ausbildung am Boden. Zusammen zeigen sie, wie breit der Begriff „Simulator“ in der Luftfahrzeugausbildung verwendet wird.

Stärken der Simulatorausbildung

Simulatoren bieten mehrere Vorteile, die sich gegenseitig ergänzen:

  • Sicherheit: Kritische Störungen und hohe Arbeitsbelastung können geübt werden, ohne eine reale Gefahrenlage zu erzeugen.
  • Wiederholbarkeit: Derselbe Ausgangszustand lässt sich mehrfach herstellen. Dadurch werden Unterschiede zwischen Entscheidungen und Verfahren vergleichbar.
  • Gezielte Steuerung: Das Ausbildungspersonal kann einzelne Lernziele isolieren und den Schwierigkeitsgrad schrittweise erhöhen.
  • Besatzungsintegration: Vernetzte Arbeitsplätze machen Kommunikation, Aufgabenverteilung und gemeinsame Entscheidungsfindung trainierbar.
  • Auswertung: Handlungen und Informationswege können nach der Übung gemeinsam rekonstruiert und besprochen werden.
  • Schonung realer Ressourcen: Ein Teil der Ausbildung kann ohne Flugstunde, Kraftstoffverbrauch und Beanspruchung eines einsatzfähigen Hubschraubers stattfinden.

Aus öffentlich zugänglichen Quellen geht keine belastbare Zahl hervor, wie viele reale Flugstunden oder welche Kosten das Nordholzer Zentrum pro Jahr einspart. Solche Werte sollten daher nicht geschätzt werden. Der nachweisbare Nutzen liegt vor allem in der sicheren, kontrollierbaren und reproduzierbaren Ausbildung.

Was der Simulator nicht ersetzen kann

Auch ein hochqualifizierter Simulator bleibt ein Trainingsmittel. Er kann Bewegungen, Sicht, Geräusche und Systemreaktionen sehr weitgehend nachbilden, aber nicht jede Wahrnehmung und jede Unwägbarkeit des realen Flugbetriebs vollständig ersetzen.

Im echten Hubschrauber wirken Vibrationen, wechselnde Lichtverhältnisse, tatsächliche Turbulenz und körperliche Belastung gemeinsam. Über See verändern sich Wind, Wolken, Gischt und Horizont nicht nach einem vorgegebenen Drehbuch. Beim Bordflugbetrieb kommen die reale Bewegung des Schiffes, räumliche Enge, Abwinde und die unmittelbare Zusammenarbeit mit der Schiffsbesatzung hinzu. Auch praktische Tätigkeiten in der Kabine oder an der Rettungswinde benötigen reale Ausbildungsmittel und Übungen.

Deshalb ergänzen sich Simulator und Luftfahrzeug. Im Simulator werden Verfahren verstanden, Fehlerbilder erkannt und Entscheidungen wiederholt. Im realen Flugbetrieb müssen die Besatzungen das Gelernte unter tatsächlichen Umweltbedingungen umsetzen. Erst die Kombination schafft belastbare Handlungssicherheit.

Ausbildung als fortlaufender Prozess

Die Ausbildung endet nicht mit einer ersten Musterberechtigung oder Einweisung. Verfahren müssen regelmäßig aufgefrischt werden, weil Routine allein keine Garantie gegen Fehler ist. Neue Softwarestände, veränderte Ausrüstung und zusätzliche Missionsaufgaben müssen ebenfalls in Ausbildung und Trainingsmittel einfließen.

Gerade beim Generationswechsel zum Sea Tiger zeigt sich, dass Simulatoren kein statisches Abbild sind. Wenn sich der Hubschrauber technisch weiterentwickelt, muss auch die Trainingsumgebung angepasst, geprüft und in die Lehrgänge integriert werden. Simulatorausbildung ist deshalb zugleich Teil der Einführung eines Waffensystems und Teil seiner dauerhaften Einsatzbereitschaft.

Häufige Fragen zur Ausbildung im NH90-Simulator

Besteht das Zentrum nur aus einem Flugsimulator?

Nein. Das 2023 übergebene Sea-Lion-Trainingszentrum umfasst fünf Geräte: einen Operational Flight Trainer, zwei vernetzte Operational Tactics Trainer sowie zwei Cockpit Procedure Trainer.

Wer trainiert dort?

Die Anlage ist für Pilotinnen und Piloten, den Tactical Coordinator und die hintere Besatzung ausgelegt. Durch die Vernetzung können mehrere Besatzungsmitglieder dieselbe Lage gemeinsam bearbeiten.

Können Notfälle simuliert werden?

Außergewöhnliche Lagen und Systemstörungen gehören grundsätzlich zu den wichtigsten Anwendungsfeldern eines qualifizierten Flugsimulators. Welche Fehlerbilder im Nordholzer Ausbildungsprogramm in welcher Reihenfolge eingesetzt werden, ist öffentlich nicht vollständig dokumentiert.

Ersetzt der Simulator reale Flugstunden?

Er kann bestimmte Ausbildungsanteile übernehmen und reale Flugstunden zielgerichteter nutzbar machen. Praktische Erfahrung im Luftfahrzeug, tatsächliche Umweltbedingungen und reale maritime Verfahren ersetzt er nicht vollständig.

Ist der Simulator für Sea Lion und Sea Tiger identisch?

Die Varianten besitzen eine gemeinsame NH90-Grundplattform, unterscheiden sich aber bei Missionssystemen und Aufgaben. Im September 2026 wurde die Nachrüstung eines der beiden Full-Mission-Simulatoren für die Sea-Tiger-Konfiguration NGEN Step 3 gebilligt. Details zur Umsetzung sind noch nicht veröffentlicht.

Trainiert dort auch das technische Personal?

Für die technische Ausbildung gibt es eigene Trainingsmittel. Ein bereits 2019 übergebenes Functional Cockpit gehört zu einem Wartungs- und Instandhaltungstrainer und ist vom Full-Mission-Zentrum für fliegende und taktische Besatzungen zu unterscheiden.

Fazit

Die Ausbildung im NH90-Simulator verbindet Technik mit Teamarbeit. Das Zentrum in Nordholz ermöglicht, Pilotinnen und Piloten, Tactical Coordinator und hintere Besatzung in einer gemeinsamen simulierten Lage zu trainieren. Verfahren können wiederholt, Störungen kontrolliert eingespielt und Entscheidungen anschließend ausgewertet werden.

Seine größte Stärke liegt nicht darin, den realen Hubschrauber zu ersetzen. Der Simulator schafft einen geschützten Raum, in dem eine Besatzung lernen darf, bevor sie unter echten Bedingungen fehlerfrei handeln muss. Mit der Anpassung an den Sea Tiger wächst diese Trainingslandschaft gemeinsam mit der NH90-Flotte der Marine weiter.

Quellen:

Stand: Oktober 2026

Autor: Stephan Struck

Primärquellen

  1. Bundeswehr, „Sea Lion-Simulator für die Marineflieger“ – Übergabe am 14. Dezember 2023, fünf Simulatoren, höchste Qualifikationsstufe und vernetztes Besatzungstraining:
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/feierliche-uebergabe-des-nh-90-nth-sea-lion-simulators-5719376
  2. CAE, „CAE GmbH delivers NH90 Full Mission training centre to the German Navy“ – technische Aufteilung in OFT, zwei Operational Tactics Trainer und zwei Cockpit Procedure Trainer sowie Auftragsvergabe 2019:
    https://www.cae.com/media-centre/press-releases/cae-gmbh-delivers-nh90-full-mission-training-centre-to-the-german-navy
  3. Bundeswehr, „Marinefliegergeschwader 5“ – Auftrag, Sea-Lion-Rollen und Verantwortung der Ausbildungsstaffeln:
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5
  4. Bundeswehr, „Bundeswehr stärkt U-Boot-Abwehr: Marineflieger erhalten ersten Sea Tiger“ – Übergabe des ersten Sea Tiger, Aufgaben und Missionsausstattung:
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/deutsche-marine-erhaelt-ersten-bordhubschrauber-6052166
  5. Bundesministerium der Verteidigung, „Lenkflugkörper, Funksysteme, Luftverteidigung: Weiter hohes Tempo bei Rüstung“ – Billigung der NGEN-Step-3-Nachrüstung eines von zwei NH90-Full-Mission-Simulatoren am 23. September 2026:
    https://www.bmvg.de/de/aktuelles/weiter-tempo-bei-beschaffung-ruestungsprojekte-bewilligt-6156318
  6. Rheinmetall, „NH90 NTH Sea Lion“ – Functional Cockpit und Wartungs-/Instandhaltungstrainer für das Bodenpersonal:
    https://www.rheinmetall.com/de/media/news-watch/news/2019/2019-12-16_nh90-nth-sea-lion
  7. Airbus, „NH90“ – gemeinsame NH90-Grundplattform, integrierte Missionssysteme und öffentlich beschriebene Sea-Tiger-Rollen:
    https://www.airbus.com/en/products-services/helicopters/military-helicopters/nh90

Interne Ergänzungsquelle