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Wie wird man Marineflieger?

Wer Marineflieger werden möchte, muss sich zunächst für eine konkrete Tätigkeit entscheiden. Denn „Marineflieger“ bezeichnet nicht nur Pilotinnen und Piloten. Zum Marinefliegerkommando gehören ebenso fliegende Besatzungen, Bordtechniker, Fluggerätmechaniker, Avioniker, Fachkräfte für den Flugbetrieb, Logistiker, Fluglotsen, Feuerwehrkräfte und zahlreiche weitere Spezialisten.

Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Flugzeuge und Hubschrauber der Deutschen Marine sicher starten, ihren Auftrag erfüllen und einsatzbereit zurückkehren.

Die Marineflieger in Nordholz

Alle Luftfahrzeuge der Deutschen Marine sind am Marinefliegerstützpunkt Nordholz an der niedersächsischen Nordseeküste stationiert. Dem Marinefliegerkommando unterstehen zwei fliegende Verbände:

  • Das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ betreibt die Flugzeuge der Marine. Dazu gehören die P-8A Poseidon als Seefernaufklärer und U-Boot-Jäger sowie die DO 228 LM für die Überwachung von Meeresverschmutzungen.
  • Das Marinefliegergeschwader 5 ist für die Hubschrauber verantwortlich. Dazu gehören der NH90 Sea Lion, der neue NH90 Sea Tiger und – bis zu seiner Außerdienststellung Ende 2026 – der Sea Lynx Mk88A.

Rund 2.500 militärische und zivile Bundeswehrangehörige arbeiten für das Marinefliegerkommando. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon sitzt als Pilot im Cockpit. Der größte Teil gewährleistet den Flugbetrieb, wartet die Luftfahrzeuge, wertet Sensordaten aus oder unterstützt die Einsätze organisatorisch.

Der Weg ins Cockpit

Wer ein Flugzeug oder einen Hubschrauber der Marine fliegen möchte, bewirbt sich für die Laufbahn der Offizierinnen und Offiziere im fliegerischen Dienst. Die Bewerbung erfolgt über die Karriereberatung der Bundeswehr und nicht unmittelbar beim Marinefliegergeschwader.

Nach den derzeit veröffentlichten Voraussetzungen müssen Bewerberinnen und Bewerber mindestens 17 Jahre alt sein, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und zu bundesweiten Versetzungen sowie möglichen Auslandseinsätzen bereit sein. Für eine Verwendung ohne Studium genügt grundsätzlich ein Realschulabschluss. Wer den fliegerischen Dienst mit einem Studium verbinden möchte, benötigt mindestens die Fachhochschulreife und muss die entsprechende Studieneignung nachweisen.

Eine zivile Pilotenlizenz gehört nicht zu den veröffentlichten Mindestvoraussetzungen. Flugerfahrung kann hilfreich sein, ersetzt jedoch keine Eignungsprüfung und verschafft keinen automatischen Anspruch auf eine bestimmte Verwendung.

Bewerbung und Beratung

Am Anfang steht ein persönliches Gespräch mit der Karriereberatung der Bundeswehr. Dort werden Schulbildung, berufliche Qualifikationen, Interessen und mögliche Laufbahnen besprochen. Bewerber sollten ausdrücklich angeben, dass sie eine Verwendung bei der Marine und im fliegerischen Dienst anstreben.

Anschließend werden die Bewerbungsunterlagen an das zuständige Karrierecenter oder das Assessmentcenter für Führungskräfte weitergeleitet. Ein bestimmter Luftfahrzeugtyp sollte als Wunsch genannt werden. Ob später tatsächlich eine Einplanung für die P-8A, einen Hubschrauber oder eine andere fliegerische Verwendung erfolgt, hängt jedoch von Eignung, Ausbildungsplätzen und Personalbedarf ab.

Das allgemeine Auswahlverfahren

Das reguläre Assessment der Bundeswehr dauert gewöhnlich ein bis drei Tage. Abhängig von Laufbahn und Verwendung gehören dazu:

  • Vorstellungsgespräch,
  • medizinische Eignungsuntersuchung,
  • computergestützte Leistungstests,
  • Sporttest für Offizierbewerber,
  • Gruppensituationsverfahren,
  • Studienberatung bei vorgesehener akademischer Ausbildung,
  • gegebenenfalls weitere verwendungsspezifische Untersuchungen.

Beurteilt werden nicht nur Schulwissen und körperliche Leistungsfähigkeit. Ebenso wichtig sind Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Kommunikationsvermögen und die Fähigkeit, unter Zeitdruck überlegt zu handeln.

Die fliegerische Eignungsfeststellung

Für angehende Pilotinnen und Piloten folgt eine zusätzliche Eignungsfeststellung für den fliegerischen Dienst. Die Bundeswehr beschreibt hierfür ein mehrstufiges Verfahren. Untersucht werden insbesondere flugpsychologische, psychomotorische und flugmedizinische Voraussetzungen.

Zu den geprüften Fähigkeiten können gehören:

  • Konzentration und Aufmerksamkeit,
  • räumliches Vorstellungsvermögen,
  • Merkfähigkeit und Rechenfertigkeit,
  • Hand-Fuß-Augen-Koordination,
  • gleichzeitige Verarbeitung mehrerer Informationen,
  • Reaktionsfähigkeit und Entscheidungsverhalten,
  • psychische Belastbarkeit,
  • körperliche und flugmedizinische Eignung.

Im fliegerischen Dienst müssen mehrere Instrumente, Funksprüche, Navigationsdaten und äußere Einflüsse gleichzeitig verarbeitet werden. Deshalb reicht eine allgemeine Begeisterung für Flugzeuge nicht aus. Gefragt sind dauerhaft hohe Konzentration, Disziplin und die Fähigkeit, auch bei Störungen systematisch weiterzuarbeiten.

Ob eine Sehschwäche, eine frühere Erkrankung oder eine andere körperliche Besonderheit mit dem fliegerischen Dienst vereinbar ist, kann nur die zuständige flugmedizinische Untersuchung entscheiden. Interessierte sollten sich deshalb nicht allein aufgrund allgemeiner Aussagen im Internet selbst ausschließen.

Militärische und fachliche Ausbildung

Nach bestandener Auswahl beginnt die militärische Ausbildung. Offizieranwärter der Marine werden unter anderem an der Marineschule Mürwik auf ihre Aufgaben als militärische Führungskräfte vorbereitet. Neben militärischen Grundlagen gehören Menschenführung, Recht, politische Bildung, körperliche Ausbildung und seemännische Anteile zum Ausbildungsweg.

Abhängig von der Einplanung kann ein Studium an einer Universität der Bundeswehr oder einer anderen Hochschule folgen. Ein Studium ist beim veröffentlichten Karriereweg für Marinepiloten jedoch nicht in jedem Fall zwingend vorgeschrieben.

Die eigentliche fliegerische Ausbildung dauert mehrere Jahre und kann an verschiedenen Standorten im In- und Ausland stattfinden. Der genaue Verlauf richtet sich nach dem vorgesehenen Luftfahrzeugmuster. Typische Bestandteile sind:

  1. theoretische Grundlagen und Flugphysik,
  2. flugmedizinische und sicherheitsbezogene Ausbildung,
  3. simulatorgestützte Ausbildung,
  4. fliegerische Grundschulung,
  5. Instrumenten-, Nacht- und Navigationsflug,
  6. Ausbildung auf mehrmotorigen Flugzeugen oder Hubschraubern,
  7. Umschulung auf das spätere Einsatzmuster,
  8. taktische Einsatz- und Besatzungsausbildung.

Mit dem Erwerb der fliegerischen Qualifikation ist die Ausbildung noch nicht beendet. Im Geschwader folgt die Einsatzschulung auf dem jeweiligen Waffensystem. Erst danach kann ein Besatzungsmitglied schrittweise für anspruchsvollere Aufträge und Funktionen freigegeben werden.

Fliegen ist Teamarbeit

Ein Seefernaufklärer wie die P-8A wird nicht allein durch die Cockpitbesatzung eingesetzt. An Bord arbeiten weitere Besatzungsmitglieder mit Radar, elektrooptischen Sensoren, Kommunikationsanlagen und Systemen zur U-Boot-Jagd. Auch ein Marinehubschrauber benötigt – abhängig vom Auftrag – Bordtechniker, Operateure, Rettungsfachpersonal oder weitere Spezialisten.

Am Boden stehen hinter jedem Flug unter anderem:

  • Fluggerätmechaniker und Avioniker,
  • Prüfer und Wartungspersonal,
  • Einsatzplaner und Flugbetriebsfachkräfte,
  • Fluglotsen und Wetterberatung,
  • Materialbewirtschaftung und Logistik,
  • Flugplatzfeuerwehr und Rettungsdienst,
  • IT-, Führungs- und Fernmeldepersonal.

Wer bei den Marinefliegern arbeiten möchte, muss deshalb nicht zwangsläufig Pilot werden.

Alternative Wege zu den Marinefliegern

Bordtechniker

Bordtechniker gehören zur fliegenden Besatzung und begleiten die Luftfahrzeuge bei Ausbildungs- und Einsatzflügen. Sie unterstützen die Piloten, überwachen technische Systeme, wirken bei Notverfahren mit und übernehmen Aufgaben bei Beladung, Ausrüstung und Wartung.

Die Bundeswehr führt diese Verwendung in der Feldwebellaufbahn. Als schulische Voraussetzung werden ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder die mittlere Reife genannt.

Luftfahrzeuginstandhaltung und Avionik

Technische Fachkräfte kontrollieren Triebwerke, Hydraulik, Stromversorgung, Kraftstoffanlagen, Fahrwerke, Flugsteuerung, Kommunikation und elektronische Sensoren. Je nach Laufbahn werden sie innerhalb der Bundeswehr fachlich ausgebildet oder können mit einer verwertbaren Berufsausbildung eingestellt werden.

Flugbetrieb

Fachkräfte des Flugbetriebs unterstützen die Flugplanung, koordinieren Luftfahrzeuge und Lufträume, bearbeiten Flugpläne und halten die erforderlichen Einsatzinformationen aktuell. Diese Tätigkeiten stehen je nach Qualifikation in mehreren militärischen Laufbahnen offen.

Zivile Beschäftigung

Auch zivile Beschäftigte und Auszubildende der Bundeswehr arbeiten in Luftfahrttechnik, Verwaltung, Logistik und Infrastruktur. Sie tragen zur Einsatzbereitschaft des Standortes bei, gehören im engeren militärischen Sinn jedoch nicht zu den Soldaten der Marineflieger.

Was Bewerber mitbringen sollten

Neben den formalen Voraussetzungen sind einige persönliche Eigenschaften besonders wichtig:

  • echtes Interesse an Luftfahrt und maritimen Aufgaben,
  • technisches Verständnis,
  • gute Grundlagen in Mathematik und Physik,
  • brauchbare Englischkenntnisse,
  • sorgfältiges und regelgebundenes Arbeiten,
  • körperliche Fitness,
  • Team- und Kommunikationsfähigkeit,
  • Bereitschaft zu längerer Ausbildung,
  • Mobilität und Einsatzbereitschaft,
  • ein realistischer alternativer Verwendungswunsch.

Englisch ist besonders wichtig, weil viele Fachbegriffe, Verfahren, Vorschriften und multinationale Einsätze in englischer Sprache bearbeitet werden.

Verpflichtungszeit und langfristige Planung

Die Ausbildung im fliegerischen Dienst ist aufwendig und kostenintensiv. Entsprechend lang ist die militärische Verpflichtungszeit. Das aktuelle Karriereprofil für Pilotinnen und Piloten bei der Marine nennt eine Regelverpflichtungszeit von 13 Jahren. Bei einem bereits verwertbaren Hochschulstudium kann die Verpflichtungszeit abhängig von der individuellen Einplanung abweichen.

Für technische und flugbetriebliche Verwendungen gelten jeweils eigene Verpflichtungszeiten. Verbindlich ist daher immer das konkrete Angebot der Karriereberatung beziehungsweise der späteren Einplanung.

Fazit

Marineflieger wird man nicht durch eine einzelne Ausbildung, sondern über eine konkrete militärische oder zivile Verwendung innerhalb des Marinefliegerkommandos.
Der anspruchsvollste Weg führt als Marineoffizier durch Assessment, fliegerische Eignungsfeststellung, militärische Ausbildung und eine mehrjährige Flugausbildung ins Cockpit.

Ebenso entscheidend sind jedoch die Menschen hinter dem Flugbetrieb.
Ohne Bordtechniker, Operateure, Mechaniker, Avioniker, Fluglotsen, Logistiker und Einsatzplaner würde kein Luftfahrzeug abheben.
Wer Luftfahrt, Technik, Teamarbeit und die besondere Verbindung von Marine und Fliegerei sucht, findet bei den Marinefliegern deshalb deutlich mehr als nur den Pilotenberuf.

Stand: August 2026

Autor: Stephan Struck

Quellenverzeichnis

  1. Bundeswehr Karriere: Pilotin/Pilot bei der Marine. Offizielles Berufsprofil mit Aufgaben, Laufbahn, schulischen Voraussetzungen, Mindestalter und Verpflichtungszeit.
    https://www.bundeswehrkarriere.de/pilotin-pilot-bei-der-marine-634
  2. Bundeswehr Karriere: Fragen zum Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Informationen zu Beratung, Bewerbung, Assessment, medizinischer Untersuchung, Leistungstests und weiteren Bestandteilen des Auswahlverfahrens.
    https://www.bundeswehrkarriere.de/entdecker/karriere-infos/faq
  3. Bundeswehr Karriere: Persönliches Beratungsgespräch. Offizielle Kontaktmöglichkeit zur Karriereberatung und zur Klärung geeigneter militärischer und ziviler Laufbahnen.
    https://www.bundeswehrkarriere.de/karriere/beratung-kontakt/beratungsgespraech
  4. Bundeswehr: Eignungsfeststellung am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin. Informationen zur flugpsychologischen Eignungsfeststellung und zur medizinischen Begutachtung für den fliegerischen Dienst.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/organisation-/luftwaffentruppenkommando/zentrum-fuer-luft-und-raumfahrtmedizin/eignungsfeststellung-zentrum-luft-raumfahrtmedizin
  5. Bundeswehr: Drei Wege führen ins Kampfpiloten-Cockpit. Ergänzende Informationen zu Eignungsprüfung, Offizierausbildung, Studium und mehrjähriger fliegerischer Ausbildung innerhalb der Bundeswehr.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/aktuelles/drei-wege-fuehren-ins-kampfpiloten-cockpit
  6. Bundeswehr: Marineschule Mürwik. Offizielle Darstellung der Ausbildung und Erziehung von Offizieranwärterinnen und Offizieranwärtern der Deutschen Marine.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marineschule-muerwik
  7. Bundeswehr: Marinefliegerkommando. Angaben zu Auftrag, Organisation, Personalstärke und Stationierung der deutschen Marineflieger in Nordholz.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando
  8. Bundeswehr: Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“. Informationen zu den Flugzeugen, Aufgaben und Unterstützungskräften des Marinefliegergeschwaders 3.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-3-graf-zeppelin
  9. Bundeswehr: Marinefliegergeschwader 5. Informationen zum Hubschrauberbetrieb, zum fliegenden und technischen Personal sowie zur Ausbildung bei den Marinefliegern.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5
  10. Bundeswehr Karriere: Bordtechnikerin/Bordtechniker. Berufsprofil mit Aufgaben, Laufbahn und schulischen Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Mitglied einer fliegenden Besatzung.
    https://www.bundeswehrkarriere.de/bordtechnikerin-bordtechniker-248
  11. Bundeswehr Karriere: Soldatin/Soldat für Flugbetrieb. Informationen zu Aufgaben bei Flugplanung, Flugbetriebsorganisation und Koordination militärischer Luftfahrzeuge.
    https://www.bundeswehrkarriere.de/soldatin-soldat-fuer-flugbetrieb-410
  12. Bundeswehr Karriere: Soldatin/Soldat in der Luftfahrzeuginstandhaltung. Angaben zu technischen Aufgaben, Wartung, Prüfung und Sicherstellung der Einsatzbereitschaft militärischer Luftfahrzeuge.
    https://www.bundeswehrkarriere.de/soldatin-soldat-in-der-lfz-instandhaltung-416
  13. Bundeswehr: Verwendungsbereiche der Deutschen Marine. Überblick über die unterschiedlichen militärischen Berufe und Tätigkeitsfelder bei der Marine einschließlich Marinefliegern, Technik und Logistik.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/menschen/verwendungsbereiche-marine

Alle genannten Onlinequellen wurden zuletzt am 24. August 2026 abgerufen.