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Dienstgrade der Marine

Vom Matrosen bis zum Admiral besitzt die Deutsche Marine eine klar gegliederte Rangordnung. Dienstgrade kennzeichnen den militärischen Status, ordnen Soldatinnen und Soldaten einer Dienstgradgruppe zu und machen auf der Uniform sichtbar, welche Verantwortung sie innerhalb der Streitkräfte tragen. Die maritimen Bezeichnungen unterscheiden sich dabei in vielen Bereichen deutlich von Heer und Luftwaffe.

Dienstgrade schaffen Ordnung und Verantwortung

Der Dienstgrad ist ein wesentlicher Bestandteil der militärischen Organisation. Er gibt Auskunft über die Stellung einer Soldatin oder eines Soldaten innerhalb der Hierarchie und lässt häufig Rückschlüsse auf Ausbildung, Erfahrung und den möglichen Verantwortungsumfang zu. Rechtlich festgelegt sind die Dienstgradbezeichnungen und ihre Abzeichen durch die Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldatinnen und Soldaten.

Ein Dienstgrad ist jedoch nicht mit einer Dienststellung oder einer fachlichen Verwendung gleichzusetzen. „Kapitänleutnant“ ist beispielsweise ein Dienstgrad, während „Kommandant“, „Staffelchef“, „Luftfahrzeugführer“ oder „Technischer Offizier“ Funktionen beziehungsweise Dienststellungen bezeichnen. Auch die Befehlsbefugnis entsteht nicht in jeder Situation allein aus dem höheren Dienstgrad. Sie kann sich ebenso aus der Dienststellung, einem besonderen Aufgabenbereich oder einer ausdrücklichen Unterstellung ergeben. Die Einzelheiten regelt die Vorgesetztenverordnung.

Für die Marineflieger gilt dieselbe maritime Rangordnung wie für die übrigen Marineuniformträger. Ob jemand an Bord eines Schiffes, in einem fliegenden Verband, in der Technik, in einem Stab oder an einer Ausbildungseinrichtung eingesetzt ist, ändert die Dienstgradbezeichnung grundsätzlich nicht.

Die sieben Dienstgradgruppen

Die Bundeswehr ordnet ihre Dienstgrade sieben Dienstgradgruppen zu. Diese Systematik gilt auch für die Marine. Drei Laufbahngruppen bilden den übergeordneten Rahmen: Mannschaften, Unteroffiziere sowie Offiziere. Innerhalb dieser Laufbahngruppen werden die folgenden Marinedienstgrade geführt.

LaufbahngruppeDienstgradgruppeDienstgrade der Marine in aufsteigender Reihenfolge
MannschaftenMannschaftenMatrose, Gefreiter, Obergefreiter, Hauptgefreiter, Stabsgefreiter, Oberstabsgefreiter, Korporal, Stabskorporal
UnteroffiziereUnteroffiziere ohne PortepeeMaat, Obermaat
UnteroffiziereUnteroffiziere mit PortepeeBootsmann, Oberbootsmann, Hauptbootsmann, Stabsbootsmann, Oberstabsbootsmann
OffiziereLeutnanteLeutnant zur See, Oberleutnant zur See
OffiziereHauptleuteKapitänleutnant, Stabskapitänleutnant
OffiziereStabsoffiziereKorvettenkapitän, Fregattenkapitän, Kapitän zur See
OffiziereGenerale beziehungsweise AdmiraleFlottillenadmiral, Konteradmiral, Vizeadmiral, Admiral

Offizieranwärter führen während ihrer Ausbildung besondere Dienstgradbezeichnungen: Seekadett, Fähnrich zur See und Oberfähnrich zur See. Sie stehen rangmäßig auf den Ebenen von Maat, Bootsmann beziehungsweise Hauptbootsmann, bleiben aber Angehörige der Offizierlaufbahn. Diese Anwärtergrade sind deshalb nicht als zusätzliche Stufen zu verstehen, die jede Marinesoldatin und jeder Marinesoldat durchläuft.

Mannschaften: Fachkräfte in der täglichen Auftragserfüllung

Die Laufbahn beginnt in der Marine regelmäßig mit dem Dienstgrad Matrose. Dieser niedrigste Marinedienstgrad trägt am klassischen Dienstanzug noch kein eigentliches Dienstgradabzeichen. Mit den folgenden Beförderungen erscheinen Schrägstreifen, deren Zahl beziehungsweise Breite den Rang erkennen lässt.

Mannschaftssoldatinnen und Mannschaftssoldaten übernehmen zahlreiche operative und technische Aufgaben. Sie arbeiten beispielsweise im Decksdienst, in der Schiffstechnik, in der Navigation, in der Logistik, im Waffendienst, in der Flugsicherung oder in der Instandhaltung von Luftfahrzeugen. Die konkrete Tätigkeit lässt sich nicht allein am Dienstgrad ablesen; dafür sind zusätzlich Laufbahn-, Tätigkeits- und Verwendungskennzeichen von Bedeutung.

Korporal und Stabskorporal bilden die höchsten Mannschaftsdienstgrade. Sie erweitern die Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Mannschaftslaufbahn und können mit besonders anspruchsvollen Aufgaben sowie zusätzlicher Verantwortung verbunden sein.

Maate: Unteroffiziere ohne Portepee

Maat und Obermaat bilden die Dienstgradgruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. In der militärischen Praxis sind sie häufig erfahrene Fachkräfte und erste militärische Führer. Sie bilden ein wichtiges Bindeglied zwischen den Mannschaften und den Bootsleuten.

Der Begriff „Maat“ hat eine lange seemännische Tradition. An Bord kann er außerdem in Verbindung mit einem Fachgebiet auftreten, etwa beim Signalmaat oder Decksmaat. Solche Begriffe beschreiben die fachliche Aufgabe; der eigentliche Dienstgrad bleibt Maat oder Obermaat.

Bootsleute: Unteroffiziere mit Portepee

Die Bootsleute entsprechen den Feldwebeldienstgraden von Heer und Luftwaffe. Zu dieser Gruppe gehören Bootsmann, Oberbootsmann, Hauptbootsmann, Stabsbootsmann und Oberstabsbootsmann. Sie gelten als erfahrene Spezialisten, Ausbilder und militärische Führer und tragen in vielen Bereichen eine erhebliche Verantwortung für Personal, Material und Ausbildung.

Das Wort „Portepee“ bezeichnete ursprünglich einen Faustriemen an einer Blankwaffe. Heute dient der historische Begriff vor allem zur formalen Abgrenzung der höheren Unteroffiziersdienstgrade. In der Marine werden die Angehörigen dieser Dienstgradgruppe umgangssprachlich zusammenfassend auch als „Bootsleute“ bezeichnet.

Offizieranwärter: Seekadett bis Oberfähnrich zur See

Die Offizierausbildung besitzt eigene Anwärtergrade. Der Seekadett ist einem Maat gleichgestellt, der Fähnrich zur See einem Bootsmann und der Oberfähnrich zur See einem Hauptbootsmann. Zusätzliche Abzeichen kennzeichnen die Zugehörigkeit zur Offizierlaufbahn.

Diese Einordnung ist wichtig: Ein Fähnrich zur See ist bereits Unteroffizier mit Portepee, aber noch kein Offizier. Erst mit der Ernennung zum Leutnant zur See beginnt die eigentliche Offiziersdienstgradgruppe.

Neben den Offizieranwärtern gibt es auch Anwärterkennzeichnungen für andere Laufbahnen, beispielsweise für angehende Maate oder Bootsleute. Die Kennzeichnung ergänzt dann den vorhandenen Dienstgrad, schafft aber nicht automatisch eine eigene zusätzliche Rangstufe.

Offiziere: Führen, entscheiden und Verantwortung tragen

Die Marineoffiziere beginnen mit den Dienstgraden Leutnant zur See und Oberleutnant zur See. Es folgen Kapitänleutnant und Stabskapitänleutnant. Die Stabsoffiziere tragen die traditionsreichen Bezeichnungen Korvettenkapitän, Fregattenkapitän und Kapitän zur See.

Offiziere werden auf Führungs-, Fach- und Stabsaufgaben vorbereitet. Bei den Marinefliegern können sie unter anderem als Luftfahrzeugführer, Waffensystemoffizier, technischer Offizier, Einsatzstabsoffizier oder Einheitsführer eingesetzt werden. Nicht jeder Marineoffizier ist jedoch Pilot, und nicht jede Tätigkeit an einem Luftfahrzeug ist eine Offizierverwendung. Dienstgrad, Ausbildung und konkreter Dienstposten müssen daher getrennt betrachtet werden.

Der Kapitän zur See ist ein militärischer Dienstgrad und entspricht dem Oberst bei Heer und Luftwaffe. Er darf nicht mit dem zivilen Kapitän eines Handelsschiffes verwechselt werden. Ebenso ist der Kommandant eines Marineschiffes eine Dienststellung; welchen Dienstgrad die betreffende Person führt, hängt unter anderem von Schiffstyp und Dienstposten ab.

Admirale: die höchsten Dienstgrade der Marine

Die höchste Dienstgradgruppe umfasst vier Admiralsränge: Flottillenadmiral, Konteradmiral, Vizeadmiral und Admiral. Sie entsprechen vom Brigadegeneral bis zum General den Generalsdienstgraden von Heer und Luftwaffe. Der Admiral ist der höchste reguläre Dienstgrad der Marine und entspricht dem Vier-Sterne-Rang General.

Admirale führen große Kommandobehörden und Verbände oder übernehmen herausgehobene nationale und multinationale Aufgaben. Entscheidend ist dabei erneut die Trennung zwischen Rang und Amt: Die konkrete Befehls- und Führungsverantwortung ergibt sich aus dem jeweiligen Dienstposten.

Sanitätsoffiziere in Marineuniform

Sanitätsoffiziere besitzen eigene Dienstgradbezeichnungen. In Marineuniform reichen diese – abhängig von Laufbahn und Ebene – unter anderem vom Stabsarzt und Oberstabsarzt über Flottillenarzt und Flottenarzt bis zu Admiralarzt, Admiralstabsarzt und Admiraloberstabsarzt. Der Äskulapstab am Abzeichen macht die Zugehörigkeit zum Sanitätsdienst sichtbar. Diese Bezeichnungen ergänzen die allgemeine Rangordnung um fachlich geprägte Offiziersdienstgrade.

So werden Marinedienstgrade erkannt

Beim dunkelblauen Dienstanzug erscheinen Marinedienstgrade traditionell als Winkel oder umlaufende Streifen an den Ärmeln. Mannschaften und Maate tragen ihre Kennzeichen am Oberärmel, Bootsleute und Offiziere überwiegend am Unterärmel. Bei Bekleidungsstücken mit Schulterklappen werden entsprechende Schulterabzeichen verwendet. Am Bord-, Gefechts- oder Kampfanzug können Form, Farbe und Position der Abzeichen abweichen.

Die reine Zahl der Streifen reicht nicht immer für eine sichere Bestimmung. Breite, Anordnung und zusätzliche Symbole sind ebenfalls maßgeblich. Anwärter-, Laufbahn- oder Fachdienstabzeichen liefern weitere Informationen. Für eine verbindliche Zuordnung sollte deshalb stets eine aktuelle offizielle Dienstgradübersicht herangezogen werden.

Vergleich mit Heer und Luftwaffe

MarineEntsprechung bei Heer und Luftwaffe
MaatUnteroffizier
ObermaatStabsunteroffizier
BootsmannFeldwebel
OberbootsmannOberfeldwebel
HauptbootsmannHauptfeldwebel
StabsbootsmannStabsfeldwebel
OberstabsbootsmannOberstabsfeldwebel
Leutnant zur SeeLeutnant
Oberleutnant zur SeeOberleutnant
KapitänleutnantHauptmann
StabskapitänleutnantStabshauptmann
KorvettenkapitänMajor
FregattenkapitänOberstleutnant
Kapitän zur SeeOberst
FlottillenadmiralBrigadegeneral
KonteradmiralGeneralmajor
VizeadmiralGeneralleutnant
AdmiralGeneral

Anrede und maritime Tradition

Im formalen Dienstgebrauch erfolgt die Anrede grundsätzlich mit „Herr“ oder „Frau“ und dem Dienstgrad, beispielsweise „Frau Obermaat“ oder „Herr Kapitänleutnant“. Daneben kennt die Marine traditionsreiche Kurzformen. „Kaleu“ ist die überlieferte umgangssprachliche Anrede für einen Kapitänleutnant. Korvettenkapitäne, Fregattenkapitäne und Kapitäne zur See werden im Marinealltag häufig verkürzt als „Kap’tän“ angesprochen. Diese Formen gehören zur maritimen Sprachkultur, sind aber keine zusätzlichen Dienstgradbezeichnungen.

Dienstgrad und Kameradschaft

Die Rangordnung schafft klare Zuständigkeiten, ersetzt jedoch nicht die Verantwortung jedes Einzelnen. Moderne militärische Führung beruht neben Befehl und Gehorsam auf Fachkompetenz, Vertrauen, Kommunikation und dem Leitbild der Inneren Führung. Gerade an Bord eines Schiffes oder innerhalb eines fliegenden Verbandes arbeiten Menschen unterschiedlicher Dienstgradgruppen eng zusammen. Der Auftrag kann nur erfüllt werden, wenn Führung, Technik, Einsatzplanung und praktische Erfahrung ineinandergreifen.

Fazit

Die Dienstgrade der Marine verbinden militärische Ordnung mit jahrhundertealter Seefahrtstradition.
Vom Matrosen über Maat und Bootsmann bis zum Admiral kennzeichnen sie den Rang einer Soldatin oder eines Soldaten.
Sie sagen jedoch nicht allein aus, welche konkrete Aufgabe jemand wahrnimmt oder wer in jeder Situation Befehle erteilen darf.
Erst das Zusammenspiel von Dienstgrad, Laufbahn, Dienststellung und fachlicher Verwendung ergibt ein vollständiges Bild – auf See ebenso wie bei den Marinefliegern an Land und in der Luft.

Stand: September 2026

Autor: Stephan Struck

Quellenverzeichnis

Bundeswehr: Die Dienstgrade bei der Bundeswehr – die Hierarchieleiter von unten nach oben
Offizielle Übersicht über Dienstgrade, Dienstgradgruppen, Laufbahnen und die Entsprechungen zwischen Marine, Heer und Luftwaffe.
https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/dienstgrade-heer-luftwaffe-marine-sanitaet

Bundeswehr: Dienstgradabzeichen der Marine
Bildliche Übersicht der aktuellen Marinedienstgrade und ihrer Abzeichen am Dienstanzug sowie am Bord- und Gefechtsanzug, einschließlich Anwärterkennzeichnungen.
https://www.bundeswehr.de/de/mediathek/dienstgradabzeichen-marine-69062

Bundeswehr: Die Laufbahngruppe der Mannschaften
Informationen zu den Mannschaftsdienstgraden vom Matrosen bis zum Stabskorporal, den Beförderungsvoraussetzungen und den zugehörigen NATO-Rangcodes.
https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/soldatinnen-soldaten/laufbahn-mannschaften

Bundeswehr: Die Laufbahngruppe der Unteroffiziere
Überblick über Unteroffiziere ohne und mit Portepee sowie über die marinespezifischen Dienstgradbezeichnungen Maat, Obermaat und die Bootsmanndienstgrade.
https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/soldatinnen-soldaten/unteroffiziere-bundeswehr

Bundeswehr: Die Laufbahngruppe der Offiziere
Darstellung der Offizierslaufbahnen und der besonderen Bezeichnungen für Leutnante zur See, Kapitänleutnante, Stabsoffiziere und Admirale der Marine.
https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/soldatinnen-soldaten/laufbahn-offiziere

Bundeswehr: Begriffe der Marine von A bis Z
Offizielles Marineglossar mit Erläuterungen zu Dienstgraden und traditionellen Anredeformen wie „Kaleu“ und „Kap’tän“.
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/begriffe-marine-glossar

Gesetze im Internet: Soldatenlaufbahnverordnung – Anlage 2
Rechtliche Zuordnung der Dienstgrade zu den Laufbahnen der Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere, einschließlich Seekadett, Fähnrich zur See, Oberfähnrich zur See und der Sanitätsoffizierdienstgrade.
https://www.gesetze-im-internet.de/slv_2021/anlage_2.html

Gesetze im Internet: Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldatinnen und Soldaten
Rechtsgrundlage für Dienstgradbezeichnungen, Uniformen und die Gestaltung beziehungsweise Trageweise der Dienstgradabzeichen.
https://www.gesetze-im-internet.de/bprdgrunifano/BJNR415500021.html

Gesetze im Internet: Vorgesetztenverordnung
Rechtsgrundlage für militärische Vorgesetztenverhältnisse und Befehlsbefugnisse, die sich nicht ausschließlich aus dem Dienstgrad, sondern auch aus Dienststellung, Aufgabenbereich und besonderer Anordnung ergeben.
https://www.gesetze-im-internet.de/svorgesv/BJNR004590956.html

Alle Internetquellen wurden zuletzt am 1. September 2026 abgerufen.