Alltag in einem Marinefliegergeschwader
Wenn am Marinefliegerstützpunkt Nordholz ein Flugzeug oder Hubschrauber startet, liegt bereits stundenlange Arbeit hinter vielen Menschen. Besatzungen, Techniker, Einsatzplaner, Wetterberater, Logistiker, Flugplatzdienste und zahlreiche weitere Fachkräfte müssen präzise zusammenarbeiten. Der Alltag in einem Marinefliegergeschwader besteht deshalb nur zu einem sichtbaren Teil aus Fliegen – im Hintergrund bestimmen Vorbereitung, Ausbildung, Wartung und Bereitschaft den Dienst.
Einen einheitlichen Tagesablauf gibt es in einem Marinefliegergeschwader nicht. Flugprogramm, Wetter, Wartungsstand, Ausbildung, Übungen und kurzfristige Aufträge verändern die Planung fortlaufend. Typisch ist jedoch eine feste Abfolge: Lagebild und Auftrag werden geprüft, Wetter und Luftraum bewertet, Besatzung und Technik bereiten das Luftfahrzeug vor, der Flug wird durchgeführt und anschließend gemeinsam ausgewertet. Nach der Landung beginnt bereits die Vorbereitung des nächsten Einsatzes. Währenddessen laufen Simulatortraining, Instandhaltung, Logistik, Verwaltung und Bereitschaftsdienste weiter. Beim Marinefliegergeschwader 5 kommt insbesondere der rund um die Uhr aufrechterhaltene SAR-Dienst über See hinzu.
Nordholz: ein Standort, zwei fliegende Geschwader
Alle Luftfahrzeuge der Deutschen Marine sind am Marinefliegerstützpunkt Nordholz an der niedersächsischen Nordseeküste stationiert. Unter dem Marinefliegerkommando arbeiten dort nach Angaben der Bundeswehr rund 2.500 militärische und zivile Angehörige. Die Flugzeuge sind im Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ zusammengefasst, die Hubschrauber im Marinefliegergeschwader 5.
Das MFG 3 betreibt die Seefernaufklärer P-8A Poseidon und die für die Meeresüberwachung eingesetzten Do 228 LM. Zugleich trägt der Verband Verantwortung für wesentliche Teile von Infrastruktur und Grundbetrieb des Flugplatzes. Dazu gehören Verwaltungsaufgaben ebenso wie Bodengeräte und Luftverkehrsanlagen.
Das MFG 5 bündelt den Hubschrauberbetrieb. Der NH90 Sea Lion übernimmt unter anderem Transport-, Unterstützungs- und SAR-Aufgaben. Mit dem Sea Tiger baut die Marine ihre Fähigkeiten für U-Boot-Jagd und Überwasserseekriegsführung neu auf. Beide Geschwader erfüllen unterschiedliche Aufträge, sind im Alltag aber auf dieselben Grundprinzipien angewiesen: flugsichere Technik, ausgebildetes Personal, verlässliche Planung und eine lückenlose Zusammenarbeit zwischen Luft und Boden.
Kein Tag gleicht dem anderen
Der Begriff „Alltag“ darf nicht mit Routine im Sinne starrer Wiederholung verwechselt werden. Ein geplanter Ausbildungsflug kann wegen Wetter, technischer Beanstandungen oder einer kurzfristigen Prioritätsänderung verschoben werden. Eine SAR-Alarmierung kann den vorgesehenen Ablauf sofort verändern. Eine bevorstehende Verlegung zu einer Übung bindet zusätzlich Personal in Logistik, Materialprüfung und Dokumentation.
Auch innerhalb eines Geschwaders beginnen die Dienste zu unterschiedlichen Zeiten. Wer einen frühen Flug vorbereitet, tritt entsprechend früher an. Technik und Flugplatzdienste müssen vor der Besatzung einsatzbereit sein. Schichten, Rufbereitschaften oder Nachtflüge verschieben den Arbeitstag. Andere Bereiche arbeiten zu regulären Dienstzeiten an Ausbildung, Verwaltung, Materialerhaltung oder längerfristiger Einsatzplanung.
Ein typischer Flugtag lässt sich daher nur als beispielhafte Folge von Arbeitsphasen darstellen:
| Phase | Typische Tätigkeiten | Beteiligte Bereiche |
|---|---|---|
| Auftrag und Lage | Flugauftrag prüfen, Lagebild aktualisieren, Prioritäten und Ausbildungsziele festlegen | Führung, Einsatzplanung, Operationspersonal, Besatzung |
| Flugvorbereitung | Wetter, Luftraum, Flugroute, Ausweichplätze, Kraftstoff und Sicherheitsaspekte bewerten | Besatzung, Flugberatung, GeoInfo-Wetterberatung, Flugsicherung |
| Technische Vorbereitung | Sicht- und Funktionskontrollen, Betriebsstoffe, Dokumentation, Missionsausrüstung und Bodengeräte prüfen | Fluggerätmechanik, Avionik, Elektronik, Bodendienst, gegebenenfalls weitere Fachgruppen |
| Missionsbriefing | Auftrag, Rollen, Verfahren, Risiken, Notfälle und Zusammenarbeit abstimmen | gesamte Besatzung und zuständige Einsatzplaner |
| Flugbetrieb | Rollen, Start, Mission oder Ausbildung, laufende Koordination mit Bodenstellen | Besatzung, Tower, Flugplatzbetrieb, gegebenenfalls externe Partner |
| Rückkehr | Einweisung auf Abstellposition, Übergabe an Technik, erste Meldung von Auffälligkeiten | Besatzung, Marshaller, Technik, Bodendienst |
| Nachbereitung | Debriefing, Datenauswertung, Dokumentation, Nachflugkontrolle und Vorbereitung des nächsten Auftrags | Besatzung, Auswertung, Führung, Technik, Logistik |
Die Tabelle ist kein verbindlicher Stundenplan. Je nach Luftfahrzeug, Auftrag und Einsatzort können einzelne Schritte parallel laufen, deutlich länger dauern oder mehrfach wiederholt werden.
Der Tag beginnt vor dem Anlassen der Triebwerke
Lage, Auftrag und Flugprogramm
Am Anfang steht die Frage, was an diesem Tag erreicht werden soll. Das kann ein regulärer Ausbildungsflug, ein Überwachungsauftrag, eine Übung mit Schiffen und U-Booten, eine Umweltmission, ein Transport oder die Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz sein. Die zuständigen Stellen gleichen den Auftrag mit verfügbaren Luftfahrzeugen, qualifizierten Besatzungen, Wartungsständen, Luftraum und Wetter ab.
Dabei greifen Tagesplanung und längerfristige Steuerung ineinander. Flugstunden müssen so verteilt werden, dass Besatzungen ihre Berechtigungen erhalten, neue Kräfte ausgebildet werden und zugleich genügend Kapazität für reale Aufträge bleibt. Ein Luftfahrzeug kann technisch verfügbar sein, ohne dass jede Missionsausrüstung sofort für jeden denkbaren Auftrag eingerüstet ist. Ebenso kann eine Besatzung fliegerisch einsatzbereit sein, während für ein spezielles Verfahren noch Ausbildung oder Übung erforderlich ist.
Wetter und Flugberatung
Über See kann sich das Wetter schnell ändern. Sicht, Wolkenuntergrenzen, Vereisungsgefahr, Wind, Gewitter, Seegang und die Bedingungen an Start-, Ziel- und Ausweichflugplätzen beeinflussen den Auftrag. GeoInfo- und Wetterfachleute bereiten Daten auf, weisen auf Risiken hin und begleiten die Planung. Für eine Hubschrauberbesatzung, die in niedriger Höhe über See arbeitet, können andere Faktoren entscheidend sein als für einen mehrstündigen P-8A-Flug.
Zur Vorbereitung gehört ebenso die Prüfung des Luftraums. Reservierte Übungsgebiete, ziviler Luftverkehr, militärische Partner, Schiffe und gegebenenfalls Behörden müssen koordiniert werden. Flugrouten und Zeitfenster entstehen daher nicht isoliert im Cockpit, sondern in Abstimmung mit mehreren Stellen.
Das Briefing als gemeinsame Arbeitsgrundlage
Im Missionsbriefing wird aus einem allgemeinen Auftrag ein gemeinsamer Plan. Die Besatzung klärt Rollen, Flugweg, Zeitansatz, Kommunikationswege, Notverfahren und besondere Risiken. Bei komplexen Aufträgen kommen taktische Lage, Sensoren, Zusammenarbeit mit Schiffen oder verbündeten Kräften sowie die erwarteten Umweltbedingungen hinzu.
Wichtig ist ein gemeinsames Verständnis: Jede Person muss wissen, was geplant ist, wann sie handeln soll und unter welchen Bedingungen der Plan geändert oder abgebrochen wird. In der militärischen Luftfahrt ist das Briefing deshalb keine Formsache. Es schafft die Grundlage dafür, dass ein Team auch bei hoher Arbeitsbelastung eindeutig kommuniziert.
Technik: Flugsicherheit entsteht am Boden
Während die Besatzung ihren Auftrag plant, arbeiten die technischen Bereiche am Luftfahrzeug. Vor dem Flug werden vorgeschriebene Sicht- und Funktionskontrollen durchgeführt. Dazu können unter anderem Fahrwerk, Reifen, Rumpf, Triebwerke, Rotoren, Hydraulik, Elektrik, Avionik, Füllstände und die für den Auftrag benötigten Systeme gehören. Umfang und Zuständigkeit richten sich nach Muster, Wartungsprogramm und aktuellem technischen Zustand.
Eine festgestellte Abweichung wird dokumentiert und bewertet. Manche Beanstandungen lassen sich unmittelbar beheben, andere erfordern Fehlersuche, Ersatzteile oder eine weitergehende Inspektion. Entscheidend ist nicht, einen Flugplan um jeden Preis einzuhalten, sondern das Luftfahrzeug nur innerhalb der zugelassenen technischen Grenzen zu betreiben.
Technischer Dienst besteht deshalb aus weit mehr als sichtbarem Schrauben am Flugzeug. Hinzu kommen elektronische Dokumentation, Werkzeugkontrolle, Materialanforderungen, Prüffristen, Qualitätssicherung und die Abstimmung mit anderen Fachgruppen. Moderne Muster wie P-8A, Sea Lion und Sea Tiger verlangen neue Lehrgänge, Softwarekenntnisse, englischsprachige Fachterminologie und musterbezogene Berechtigungen. Wer eine Arbeit freigibt, übernimmt persönliche Verantwortung für ihre ordnungsgemäße Ausführung.
Nach dem Start endet die Aufgabe der Technik nicht. Geplante Wartung läuft an anderen Maschinen weiter, Ersatzteile werden beschafft, Störungen analysiert und der nächste Flug vorbereitet. Bei Übungen oder Verlegungen begleitet ein Technik- und Logistikteam das Luftfahrzeug, damit der Betrieb auch fernab von Nordholz möglich bleibt.
Unterschiedliche Luftfahrzeuge, unterschiedliche Arbeitstage
P-8A Poseidon: eine Mission als Teamleistung
Bei einem Seefernaufklärer besteht die Besatzung nicht nur aus den Personen im Cockpit. Hinter den Piloten arbeiten Fachkräfte für Missionsführung, Navigation, Kommunikation und verschiedene Sensoren. Während eines Fluges müssen ihre Beobachtungen zu einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt werden. Der Tactical Coordinator koordiniert dabei den Missionsablauf und die taktische Arbeit der Crew.
Die Vorbereitung kann bei anspruchsvollen Missionen umfangreich sein: Flugplanung, aktuelles See- und Unterwasserlagebild, Sensoreinsatz, Kommunikationsverbindungen, mögliche Kooperationspartner und Kraftstoffplanung müssen zusammenpassen. Ein mehrstündiger Flug verlangt zudem Aufmerksamkeit über einen langen Zeitraum. Rollen, Arbeitsphasen und Pausen werden daher organisiert, ohne die sichere Durchführung zu beeinträchtigen.
Seit der Einführung der P-8A gehört auch der Aufbau von Erfahrung zum Alltag. Ausbildung, technischer Betrieb und reale Übungen laufen parallel. Berichte der Bundeswehr zur NATO-Übung Dynamic Manta 2026 zeigen, dass technische Checklisten vor dem Start, Inspektionen durch das Technikteam und systematische Kontrollen nach der Landung feste Bestandteile dieses Anfangsflugbetriebs sind.
Do 228 LM: Umweltschutz als Dauerauftrag
Die beiden Do 228 LM werden im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zur Überwachung von Nord- und Ostsee eingesetzt. Ihre Besatzungen suchen mit spezieller Sensorik nach Öl und anderen Verschmutzungen. Verdachtsfälle werden dokumentiert und an die zuständigen zivilen Stellen weitergegeben.
Der Alltag verbindet hier militärischen Flugbetrieb mit einer behördenübergreifenden Aufgabe. Flugplanung, Sensorbedienung, genaue Dokumentation und Kommunikation mit dem Havariekommando greifen ineinander. Der Auftrag zeigt zugleich, dass Marineflieger nicht nur für militärische Landes- und Bündnisverteidigung arbeiten, sondern dauerhaft Beiträge zum Schutz der deutschen Küstengewässer leisten.
Sea Lion und Sea Tiger: Hubschrauberbetrieb zwischen Land und See
Für Hubschrauberbesatzungen gehören niedrige Flughöhen, wechselnde Wetterbedingungen und die Zusammenarbeit mit Schiffen zum Berufsbild. Starts und Landungen auf bewegten Flugdecks müssen regelmäßig trainiert werden. Hinzu kommen Windenverfahren, Transportaufgaben, Aufklärung und – beim Sea Tiger – U-Boot-Jagd und Überwasserseekriegsführung.
Ein eingeschiffter Anteil des MFG 5 verlegt zeitweise vom Heimatstützpunkt auf ein Schiff. Damit ändert sich der gesamte Alltag. Flugbesatzung und Techniker leben an Bord, stimmen sich mit Schiffsführung und Flugdeckpersonal ab und arbeiten auf engem Raum. Werkzeug, Ersatzteile und Dokumentation müssen vor dem Auslaufen vollständig geplant sein. Seegang und Wetter bestimmen zusätzlich, wann Flugbetrieb sicher möglich ist.
Das Training findet nicht ausschließlich im Luftfahrzeug statt. Der Sea-Lion-Simulator in Nordholz bildet unterschiedliche Arbeitsplätze des NH90 ab und ermöglicht vernetztes Training. Dort können Besatzungen Normalverfahren, komplexe Missionsabläufe und Notfälle üben, ohne Flugstunden oder ein einsatzbereites Luftfahrzeug zu binden.
SAR-Bereitschaft: Alltag ohne planbaren Einsatz
Eine Besonderheit des MFG 5 ist der Such- und Rettungsdienst über See. Die Marine hält ganzjährig Hubschrauber und Besatzungen in Bereitschaft. Die Aufträge werden durch die zuständige Rettungsleitstelle koordiniert; Bereitschaftsplätze bestehen nach Angaben der Bundeswehr unter anderem auf Helgoland, Borkum und in Rostock-Warnemünde.
Für eine Bereitschaftsbesatzung kann eine Schicht ruhig beginnen und innerhalb weniger Augenblicke ernst werden. Fluggerät, medizinische Ausrüstung und persönliche Schutzausstattung müssen vorbereitet sein. Wetter und Lage werden fortlaufend beobachtet. Die Besatzung trainiert regelmäßig Suchverfahren, Windenrettung und die Zusammenarbeit mit Seenotrettern sowie zivilen Rettungsdiensten.
Bereitschaft bedeutet daher nicht Untätigkeit. Sie ist ein Zustand dauerhaft hergestellter Einsatzfähigkeit. Dazu gehören auch die Techniker, die das vorgesehene Luftfahrzeug betreuen, die Führung und Leitstellen, die einen Auftrag übermitteln, sowie die Kräfte, welche die Rettungskette nach der Landung fortsetzen.
Nach der Landung ist vor dem nächsten Flug
Mit dem Abstellen der Triebwerke endet die Mission nicht. Zunächst übergibt die Besatzung das Luftfahrzeug an die Technik und meldet Auffälligkeiten. Das technische Personal führt die vorgeschriebenen Nachflugkontrollen durch, prüft Systeme und Betriebsstoffe und dokumentiert den Zustand. Erkannte Störungen werden bewertet und gegebenenfalls unmittelbar bearbeitet.
Parallel folgt die fliegerische und fachliche Nachbereitung. Im Debriefing wird geprüft, ob der Auftrag erfüllt wurde, welche Abweichungen auftraten und was beim nächsten Mal verbessert werden kann. Sensordaten, Beobachtungen oder Umweltmeldungen werden gesichert, ausgewertet und an die zuständigen Stellen weitergegeben. Auch ein unauffälliger Ausbildungsflug liefert Erkenntnisse über Verfahren, Kommunikation und Arbeitsbelastung.
Diese offene Auswertung ist ein wichtiger Teil der Sicherheitskultur. Ziel ist nicht, jede Abweichung persönlich zu bewerten, sondern Ursachen zu verstehen und aus ihnen zu lernen. Gute Teamarbeit zeigt sich deshalb nicht nur im erfolgreichen Flug, sondern auch in einer ehrlichen Nachbesprechung.
Ausbildung läuft jeden Tag mit
Einsatzbereitschaft ist kein Zustand, der nach einer einmaligen Prüfung dauerhaft bestehen bleibt. Piloten, Missionsbesatzungen und Techniker müssen Berechtigungen erhalten, Verfahren wiederholen und neue Qualifikationen erwerben. Das geschieht im Flugbetrieb, im Simulator, im Unterricht und bei praktischen Übungen.
Zum militärischen Alltag gehören darüber hinaus allgemeinmilitärische Ausbildung, Sport, Erste Hilfe, Brandschutz, Sicherheitsbelehrungen und der Umgang mit persönlicher Ausrüstung. Lehrgänge oder Übungen können den regulären Arbeitsplatz für Tage oder Monate ersetzen. Neue Besatzungsmitglieder werden eingewiesen, erfahrene Kräfte übernehmen Ausbildungs- und Prüfaufgaben.
Der derzeitige Generationswechsel erhöht diesen Aufwand. Beim MFG 3 müssen Personal und Organisation die P-8A in den regulären Betrieb überführen. Beim MFG 5 laufen Aufbau und Ausbildung für die NH90-Flotte. Alte Erfahrung bleibt wertvoll, muss aber auf neue Technik, andere Verfahren und digitale Systeme übertragen werden. Lernen ist deshalb kein Nebenprodukt, sondern ein wesentlicher Teil des Auftrags.
Was im Hintergrund den Flugbetrieb ermöglicht
Auf dem Vorfeld sind vor allem Luftfahrzeuge und Technik sichtbar. Ein Geschwader funktioniert jedoch nur mit vielen weiteren Bereichen:
- Einsatzplanung und Führung setzen Aufträge in Personal-, Flug- und Ausbildungsplanung um.
- Flugsicherung und Flugberatung koordinieren sichere Bewegungen am Boden und in der Luft.
- GeoInfo- und Wetterberatung liefern die meteorologische und geografische Grundlage für Entscheidungen.
- Logistik und Materialbewirtschaftung stellen Ersatzteile, Betriebsstoffe, Schutzausrüstung und Transportkapazität bereit.
- IT und Kommunikation halten Netzwerke, Missionsplanung und sichere Verbindungen verfügbar.
- Flugplatzfeuerwehr und Sanitätsdienst sichern den Betrieb und stehen für Notfälle bereit.
- Verwaltung und Personalführung bearbeiten Dienstreisen, Lehrgänge, Arbeitszeit, Beurteilungen und zahlreiche weitere Vorgänge.
- Infrastruktur- und Bodendienste betreiben Hallen, Start- und Landebahn, Beleuchtung, Fahrzeuge und Spezialgerät.
Viele dieser Tätigkeiten bleiben für Außenstehende unsichtbar. Fällt jedoch nur ein notwendiges Glied aus, kann sich ein Start verzögern oder ganz entfallen. Ein Marinefliegergeschwader ist daher kein Nebeneinander einzelner Berufe, sondern ein eng gekoppeltes System.
Übungen, Verlegungen und Einsätze unterbrechen die Heimat-Routine
Marineflieger operieren regelmäßig von anderen Flugplätzen oder von Schiffen. Für eine Verlegung reicht es nicht, nur Besatzung und Luftfahrzeug auf den Weg zu schicken. Technik, Ersatzteile, Bodengerät, IT, Kommunikation, persönliche Ausrüstung, Unterbringung und Transport müssen vorbereitet werden. Abhängig vom Auftrag kommen Auswertepersonal, Logistik, Führung und Sicherung hinzu.
Am Einsatzort entsteht ein verkleinertes, aber funktionsfähiges Geschwader. Die Abläufe bleiben im Kern gleich: planen, prüfen, fliegen, auswerten und instand halten. Gleichzeitig müssen sich die Kräfte in die Organisation des Gastflugplatzes, eines NATO-Verbandes oder eines Schiffes einfügen. Gemeinsame Sprache, standardisierte Verfahren und regelmäßiges Training sind dafür entscheidend.
Auch für die Angehörigen zu Hause verändert eine längere Abwesenheit den Alltag. Dienstpläne, Familienorganisation und Regeneration müssen mit Übungen und Einsätzen vereinbart werden. Kameradschaft bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur gemeinsames Erleben, sondern praktische Verlässlichkeit – beim Auftrag ebenso wie bei der Vertretung im Heimatverband.
Häufige Vorstellungen – und die Realität dahinter
„Im Geschwader arbeiten hauptsächlich Piloten“
Piloten sind nur ein Teil des Personals. Ohne Missionsbesatzungen, Technik, Logistik, Flugsicherung, Wetterberatung, Feuerwehr, Sanität, IT und Verwaltung würde kein dauerhafter Flugbetrieb entstehen. Ein einzelner Start ist das sichtbare Ergebnis vieler miteinander verzahnter Arbeitsplätze.
„Wenn nicht geflogen wird, passiert nichts“
Nicht jeder Tag bietet geeignete Flugbedingungen, und nicht jedes Luftfahrzeug ist ständig eingeplant. Wartung, Simulatortraining, Unterricht, Einsatzplanung und allgemeine Ausbildung laufen dennoch weiter. Gerade flugfreie Zeiten werden genutzt, um Qualifikationen zu erhalten und die nächsten Vorhaben vorzubereiten.
„Jeder Tag folgt demselben Stundenplan“
Sicherheitsvorgaben und Checklisten sorgen für feste Verfahren, nicht für identische Tage. Wetter, Technik, Auftrag und Personal verändern die konkrete Abfolge. Bereitschaften, Nachtflug und Verlegungen erfordern zudem Schicht- und Rufdienst.
„Nach der Landung ist Feierabend“
Nachflugkontrolle, Störungsmeldung, Debriefing, Datensicherung und Dokumentation beginnen erst nach der Rückkehr. Häufig wird das Luftfahrzeug unmittelbar für den nächsten Flug vorbereitet. Der Satz „Nach dem Flug ist vor dem Flug“ beschreibt den Alltag daher sehr treffend.
Fazit
Der Alltag in einem Marinefliegergeschwader ist geprägt von Vorbereitung, Verantwortung und Teamarbeit. Flugbetrieb bildet den sichtbaren Mittelpunkt, doch Einsatzbereitschaft entsteht überwiegend am Boden. Jeder Auftrag verbindet Führung, Besatzung, Technik, Ausbildung, Logistik und Flugplatzbetrieb zu einer gemeinsamen Leistung.
MFG 3 und MFG 5 unterscheiden sich durch Flugzeuge, Hubschrauber und konkrete Aufgaben. Was sie verbindet, ist die Verpflichtung zu sicheren Verfahren und ständiger Ausbildung. Wetter, technische Lage und kurzfristige Aufträge verhindern einen vollständig planbaren Tagesablauf. Gerade darin liegt die besondere Herausforderung: Das Geschwader muss flexibel bleiben, ohne bei Sicherheit und Qualität Abstriche zu machen.
Quellen:
Stand: September 2026
- Bundeswehr: Marinefliegerkommando
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando - Bundeswehr: Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-3-graf-zeppelin - Bundeswehr: Marinefliegergeschwader 5
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5 - Bundeswehr: Seefernaufklärer P-8A Poseidon
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/seefernaufklaerer-p-8a-poseidon - Bundeswehr: P-8A Poseidon – Crewausbildung bei der U.S. Navy
https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/seefernaufklaerer-p-8a-poseidon-ausbildung-marineflieger-usa-5979200 - Bundeswehr: Bei der U-Boot-Jagd – Poseidon in ihrem zweiten Einsatz
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/u-boot-jagd-uebung-dynamic-manta-6078944 - Bundeswehr: Ölaufklärer Do 228 LM
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/oelaufklaerer-dornier-do228-lm - Bundeswehr: Mehrzweckhubschrauber NH90 NTH Sea Lion
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweck-hubschrauber-sea-lion-nh-90-nth - Bundeswehr: Bordhubschrauber NH90 MRFH Sea Tiger
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-nh-90-sea-tiger - Bundeswehr: Seenotrettung – Sea Lion beginnt mit der Praxis
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/search-and-rescue-sea-lion-beginnt-praxis-5642180 - Bundeswehr: Sea-Lion-Simulator für die Marineflieger
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/feierliche-uebergabe-des-nh-90-nth-sea-lion-simulators-5719376 - Bundeswehr: Fluggerätmechaniker – Kein Tag ist gleich
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/fluggeraetemechaniker-portraet-5846152 - Bundeswehr: Flugwetterberater bei der Operation Irini
https://www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-irini-flugwetterberater-p-3c-orion-5385552 - Bundeswehr: Spezialisten am Boden – die Techniker der P-3C Orion
https://www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-techniker-p-3c-orion-irini-5395074