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Versorgung auf See mit dem Hubschrauber – VERTREP

Marineschiffe benötigen auch während längerer Einsätze Lebensmittel, Ersatzteile und Verbrauchsmaterial. Ein Hafenaufenthalt bedeutet jedoch zusätzliche Wege und kann den Einsatz eines Schiffs unterbrechen. Versorgungsschiffe ermöglichen deshalb die Übergabe von Nachschub während der Fahrt.

Die Marineflieger tragen dazu mit ihren Hubschraubern bei. Beim Verfahren VERTREP transportieren sie Versorgungsgüter durch die Luft zwischen Schiffen. Die Verbindung aus fliegerischer Präzision, vorbereiteten Lasten und eingespielten Decksbesatzungen macht diese Form der Seeversorgung möglich.

Was bedeutet VERTREP?

Die Abkürzung VERTREP steht für Vertical Replenishment, auf Deutsch etwa „vertikale Versorgung“. Gemeint ist die Nachschubversorgung von Schiffen durch Luftfahrzeuge. Typisch ist der Transport einer Außenlast, die unter dem Hubschrauber an einem Lasthaken hängt.

Die Versorgungsgüter werden beispielsweise auf einer Palette zusammengefasst und mit geeigneten Anschlagmitteln oder einem Lastennetz gesichert. Der Hubschrauber nimmt die vorbereitete Last auf, fliegt zum empfangenden Schiff und setzt sie auf einer dafür vorgesehenen Fläche ab. Eine Landung ist bei diesem Verfahren nicht erforderlich.

VERTREP gehört zur Seeversorgung, international häufig als Replenishment at Sea oder RAS bezeichnet. Daneben gibt es die Versorgung über direkte Verbindungen zwischen Schiffen. Bei einer Querabversorgung werden beispielsweise Kraftstoffschläuche oder Einrichtungen zur Übergabe von Stückgut ausgebracht.

Beide Verfahren können sich ergänzen: Während Kraftstoff über Schläuche fließt, können Hubschrauber weitere Versorgungsgüter transportieren. Die gleichzeitigen Abläufe müssen entsprechend koordiniert werden.

Warum Nachschub aus der Luft wichtig ist

Die Bedeutung einer Lieferung ergibt sich häufig aus ihrer Dringlichkeit. Ein benötigtes Ersatzteil kann für die Wiederherstellung einer Anlage entscheidend sein, obwohl es nur wenig wiegt. Lebensmittel, technische Verbrauchsmittel und weiterer Schiffsbedarf müssen ebenfalls regelmäßig ergänzt werden.

Der Hubschrauber schafft hierfür eine bewegliche Transportverbindung. Er kann mehrere Schiffe nacheinander anfliegen und Güter entsprechend dem festgestellten Bedarf verteilen. Dabei sind die Schiffe nicht durch eine durchgehende Übergabeeinrichtung miteinander verbunden.

Die Versorgung aus der Luft bleibt dennoch Teil einer längeren Logistikkette. Das Material muss beschafft, zum Versorgungsschiff gebracht, dort gelagert und rechtzeitig für den Flug vorbereitet werden. Am Ziel muss es anschließend in die zuständigen Bereiche des Schiffs gelangen.

Welche Güter werden transportiert?

Für VERTREP kommen unterschiedliche Versorgungsgüter infrage:

  • Lebensmittel und verpackte Verpflegung.
  • Ersatzteile für technische Anlagen und Geräte.
  • Werkzeuge und Instandsetzungsmaterial.
  • Allgemeine Verbrauchsgüter für den Schiffsbetrieb.
  • Postsendungen und persönliche Versorgungsgüter.
  • Entsprechend freigegebene weitere Ladung, einschließlich Munition.

Die Eignung hängt neben dem Gewicht auch von Abmessungen, Verpackung und Flugeigenschaften der Last ab. Empfindliche Güter benötigen geeigneten Schutz. Bei gekühlter Verpflegung muss außerdem die weitere Behandlung der Ware berücksichtigt werden.

Für Gefahrgut gelten zusätzliche Anforderungen an Zulässigkeit, Verpackung, Kennzeichnung und Beförderung. Welche Güter tatsächlich mitgenommen werden dürfen, ergibt sich aus den geltenden Vorschriften und den Freigaben für den jeweiligen Transport.

Die Rolle der deutschen Marineflieger

Der NH90 NTH Sea Lion ist der Marinetransporthubschrauber der Deutschen Marine. Die Bezeichnung NTH bedeutet Naval Transport Helicopter. Zu seinem Aufgabenspektrum gehören der Transport von Personal und Material sowie Such- und Rettungsaufgaben.

Die maritime NH90-Familie ist auch für logistische Unterstützungsaufgaben einschließlich VERTREP vorgesehen. Für den konkreten Einsatz sind jedoch die jeweilige nationale Ausführung, die Ausrüstung und die freigegebene Betriebsart maßgeblich.

Als schwimmende Basis stehen insbesondere die Einsatzgruppenversorger der Berlin-Klasse zur Verfügung. Ihr Hangar bietet Platz für zwei Marinetransporthubschrauber. Die Schiffe verbinden Vorratshaltung, Seeversorgung und Flugbetrieb innerhalb einer Plattform.

Beim Außenlasttransport arbeitet der Hubschrauber mit einem dafür vorgesehenen Lasthaken und geeigneten Lastaufnahmemitteln. Die seitlich angebrachte Rettungswinde erfüllt eine andere Aufgabe. Sie dient unter anderem dazu, Personen bei Rettungseinsätzen aufzunehmen. Beide Einrichtungen verlangen jeweils eigene Ausrüstung und Verfahren.

Die Vorbereitung beginnt vor dem Flug

Eine geeignete Last muss den Transport durch die Luft und das anschließende Absetzen unbeschädigt überstehen. Dafür werden einzelne Packstücke zu einer stabilen Transporteinheit zusammengefasst.

Wichtig sind ein bekanntes Gesamtgewicht, eine belastbare Verpackung und die passende Sicherung. Zum Gesamtgewicht gehören auch Palette, Netz und weitere mitgeführte Transportmittel. Kleine oder leichte Gegenstände müssen so verpackt sein, dass sie sich nicht lösen können.

Die Lastaufnahme erfolgt mit dafür geeigneten und geprüften Komponenten. Deren Tragfähigkeit und Zustand müssen zum vorgesehenen Einsatz passen. Beschädigte Netze, ungeeignete Anschlagpunkte oder verschobene Packstücke beeinträchtigen die sichere Beförderung.

Auch das Ziel muss eindeutig feststehen. Wenn mehrere Schiffe versorgt werden, erleichtern eine klare Kennzeichnung und abgestimmte Transportreihenfolge die Verteilung. Die Vorbereitung umfasst deshalb sowohl die fliegerische Eignung der Last als auch ihre logistische Zuordnung.

Wie eine Übergabe grundsätzlich abläuft

Die Einzelheiten richten sich nach Hubschrauber, Schiff und Betriebsverfahren. Der grundsätzliche Ablauf umfasst mehrere zusammenhängende Aufgaben:

  • Bedarf und Reihenfolge festlegen: Die beteiligten Stellen stimmen ab, welche Güter zu welchem Schiff gebracht werden.
  • Lasten bereitstellen: Das Material wird verpackt, gewogen, gekennzeichnet und für die Aufnahme vorbereitet.
  • Flugbetrieb koordinieren: Besatzungen und Deckspersonal stimmen Kommunikationswege, Arbeitsbereiche und die vorgesehenen Abläufe ab.
  • Last aufnehmen und transportieren: Der Hubschrauber übernimmt die vorbereitete Ladung und bringt sie zum Empfänger.
  • Last absetzen und weiterleiten: Nach der Übergabe wird die Fracht aus dem Arbeitsbereich entfernt und an Bord verteilt.

Der letzte Schritt beeinflusst die weitere Versorgung wesentlich. Auf einem begrenzten Deck müssen ankommende Lasten geordnet aufgenommen werden können. Dafür werden ausreichend Personal und geeignete Transportmittel benötigt.

Eine Lieferung ist erst dann praktisch nutzbar, wenn sie ihren Bestimmungsort erreicht hat. Lebensmittel müssen in die vorgesehenen Lagerräume, Ersatzteile zur zuständigen technischen Stelle und andere Güter in die jeweiligen Versorgungsbereiche gebracht werden.

Zusammenarbeit zwischen Cockpit und Deck

Während des Schwebeflugs ist die Besatzung auf zuverlässige Informationen über Last, Arbeitsbereich und Schiffsbewegung angewiesen. Das Deckspersonal muss seinerseits erkennen können, welcher Arbeitsschritt bevorsteht.

Dafür werden abgestimmte Funkverfahren und Einweiserzeichen verwendet. Zuständigkeiten müssen klar sein, damit widersprüchliche oder missverständliche Signale vermieden werden. Eine gemeinsame Vorbesprechung verbindet die fliegerische Planung mit den Abläufen auf beiden Schiffen.

Der Rotorabwind, häufig als Downwash bezeichnet, beeinflusst die Arbeit auf dem Deck. Er kann lose Gegenstände erfassen und vorbereitete Materialien verschieben. Arbeitsflächen, Laufwege und bereitgestellte Lasten müssen deshalb fortlaufend beobachtet werden.

Beim Umgang mit Außenlasten ist außerdem die mögliche elektrostatische Aufladung des Hubschraubers zu berücksichtigen. Für die beteiligten Kräfte gehören geeignete Schutzausrüstung, Ausbildung und die vorgeschriebenen Verfahren zur Vorbereitung.

Wetter, Last und Leistungsgrenzen

Eine Außenlast verändert die Bedingungen des Flugs. Sie erzeugt zusätzlichen Luftwiderstand und kann sich im Luftstrom bewegen. Ihre Form und ihr Pendelverhalten beeinflussen deshalb die sichere Beförderung ebenso wie ihr Gewicht.

Die nutzbare Tragfähigkeit ergibt sich aus mehreren Faktoren. Dazu gehören die verfügbare Triebwerksleistung, die Masse des Hubschraubers, der mitgeführte Kraftstoff und die atmosphärischen Bedingungen. Ein Höchstwert aus einem technischen Datenblatt beschreibt daher keine unter allen Einsatzbedingungen verfügbare Transportleistung.

Über See kommen die Bewegung des empfangenden Schiffs und die Windverhältnisse am Deck hinzu. Aufbauten können den Luftstrom verändern. Sicht, Niederschlag und Dunkelheit beeinflussen, wie gut Besatzung und Deckspersonal Last und Arbeitsbereich erkennen.

Maßgeblich sind die genehmigten Betriebsgrenzen für die jeweilige Kombination aus Hubschrauber, Schiff und Last. Flugstrecke, Kraftstoffplanung und mögliche Ausweichverfahren müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Verändern sich die Bedingungen, muss der geplante Ablauf entsprechend angepasst werden.

Beispiele aus dem multinationalen Betrieb

Ein dokumentiertes Beispiel für die Versorgung mehrerer Schiffe stammt aus dem britischen Trägerverband von 2021. Der Versorger „Tidespring“ übernahm in Singapur Nachschub und brachte ihn anschließend zum Verband zurück.

Merlin-Hubschrauber transportierten von dort unter anderem Lebensmittel, Ersatzteile und Post zu den empfangenden Einheiten. Für den Flugzeugträger „Queen Elizabeth“ wurden nach Angaben der Royal Navy innerhalb von drei Stunden 52 Lasten befördert. Weitere Lieferungen gingen an andere Schiffe des Verbands.

Auch der Einsatz des britischen Versorgungsschiffs „Tidesurge“ im Nordatlantik 2024 belegt die Zusammenarbeit verschiedener Marinen. Verbündete NH90 transportierten von dem Schiff Lebensmittel, Ersatzteile und Verbrauchsgüter zu wartenden Einheiten.

Diese Beispiele zeigen, wie Versorgungsschiffe, Luftfahrzeuge und empfangende Besatzungen eine gemeinsame Transportkette bilden. Die dafür benötigte Zusammenarbeit reicht von der Beladung im Hafen bis zur Verteilung an Bord.

Ausbildung und technische Bereitschaft

Wiederholte Lastflüge verlangen über längere Zeit Aufmerksamkeit. Auch bei bekannten Abläufen müssen Besatzungen und Deckspersonal Veränderungen erkennen und darauf reagieren können.

Zur Ausbildung gehören deshalb Flugdeckverfahren, Kommunikation, Einweiserzeichen und der Umgang mit Störungen. Erfahrungen aus Zwischenfällen fließen ebenfalls ein. Das US-amerikanische Naval Safety Command beschreibt beispielsweise, wie missverständliche Kommunikation, verschobene Gegenstände und nachlassende Aufmerksamkeit bei VERTREP zu Unfällen oder Ladungsverlusten führen können.

Hinzu kommt die technische Bereitschaft. Eingeschiffte Hubschrauber benötigen Wartung, Ersatzteile, Werkzeuge und qualifiziertes Personal. Größere Instandhaltungsmaßnahmen lassen sich nicht vollständig an Bord durchführen und müssen bereits bei der Vorbereitung einer längeren Seefahrt berücksichtigt werden.

Fazit

VERTREP erweitert die Möglichkeiten der Versorgung auf See. Hubschrauber können Nachschub zwischen Schiffen transportieren und damit zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs beitragen.

Die Leistungsfähigkeit entsteht aus dem gesamten Ablauf: geeignete Lasten, verfügbare Luftfahrzeuge, sichere Flugbedingungen und vorbereitete Decksbesatzungen müssen zusammenpassen. Ebenso wichtig ist die Weiterverteilung an Bord. Erst damit wird aus einer abgesetzten Palette tatsächlich verfügbarer Nachschub.

Quellen:

Stand: November 2026

Autor: Stephan Struck

Bundeswehr – Mehrzweckhubschrauber NH-90 NTH Sea Lion
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweck-hubschrauber-sea-lion-nh-90-nth

Bundeswehr – Einsatzgruppenversorger der Berlin-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/berlin-klasse-egv-702

Bundeswehr – Sea Lion im Einsatz an Bord
www.bundeswehr.de/de/meldungen/sea-lion-einsatz-hochseetauglichkeit

Airbus – NH90 missions
www.airbus.com/en/products-services/helicopters/military-helicopters/nh90/nh90-missions

NHIndustries – NH90 NFH: NATO Frigate Helicopter
www.nhindustries.com/nh90-helicopter/nh90-nfh-nato-frigate-helicopter/

Royal Navy – Filling up nicely… Tidesurge supports UK and NATO ops in North Atlantic
www.royalnavy.mod.uk/news/2024/october/22/20241022-tidesurge-supports-uk-and-nato-ops-in-north-atlantic

Royal Navy – Lovely Jubbly. Del Boy keeps Navy’s carrier strike group going in the Pacific
www.royalnavy.mod.uk/news/2021/august/13/20210813-del-boy-run

Royal Navy – Flight Deck Officer (Air 230)
www.royalnavy.mod.uk/international-defence-training/onsite-courses/aviation/flight-deck-officer

U.S. Navy – Lincoln Supply Department Performs During Replenishments-at-Sea
www.navy.mil/Press-Office/News-Stories/Article/2239672/lincoln-supply-department-performs-during-replenishments-at-sea/

US-Streitkräfte – Multiservice Helicopter Sling Load: Basic Operations and Equipment, Volume I, Kapitel 9: Vertical Replenishment
www.marines.mil/portals/1/MCRP%204-11.3E%20Vol.%20I%20z.pdf

U.S. Marine Corps – Combat Cargo Operations Handbook, MCRP 4-11C
www.marines.mil/Portals/1/MCRP%204-11C%20z.pdf

Naval Safety Command – Safety Awareness SA 25-30: Vertical Replenishment at Sea
navalsafetycommand.navy.mil/Portals/100/Documents/SA%2025-30%20Vertical%20Replenishment%20at%20Sea.pdf

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