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Die Flugdeckcrew – wer macht was?

Wenn ein Marinehubschrauber von einem Schiff startet oder an Bord zurückkehrt, greifen zahlreiche Arbeiten ineinander. Das Flugdeck muss vorbereitet, das Luftfahrzeug betreut und jede Bewegung mit den beteiligten Stellen abgestimmt werden. Dafür arbeitet die Flugdeckcrew mit der Hubschrauberbesatzung, den technischen Kräften und der Schiffsführung zusammen.

Auf engem Raum treffen Luftfahrt und Seefahrt unmittelbar aufeinander. Rotorwind, Lärm und Schiffsbewegungen verlangen klare Zuständigkeiten. Wer den Ablauf auf dem Flugdeck verstehen möchte, muss deshalb die einzelnen Funktionen und ihre Verbindungen kennen.

Die wichtigsten Funktionen im Überblick

Das Flugdeckteam setzt sich entsprechend dem Schiff, dem eingesetzten Hubschrauber und dem vorgesehenen Betrieb zusammen. Dabei können Kräfte der Schiffsbesatzung und eingeschiffte Marineflieger gemeinsam eingesetzt werden.

FunktionSchwerpunkt der Aufgabe
FlugdecksoffizierKoordiniert die Abläufe auf dem Flugdeck und unterstützt die Hubschrauberbesatzung mit Sichtzeichen.
LasherBringen die vorgesehenen Sicherungsmittel am Hubschrauber an und lösen sie im abgestimmten Ablauf.
Luftfahrzeugtechnisches PersonalKontrolliert und betreut den Hubschrauber und bearbeitet technische Auffälligkeiten.
BetankungspersonalFührt die Kraftstoffversorgung nach den vorgesehenen Verfahren durch.
Rettungs- und BrandbekämpfungskräfteHalten sich für Hilfeleistung, Menschenrettung und Brandbekämpfung bereit.

Die Übersicht beschreibt Aufgabenbereiche. Wie viele Personen dafür benötigt werden und welche weiteren Funktionen sie an Bord ausüben, hängt von der jeweiligen Organisation ab. Ein Marineschiff stellt sein Personal für den Flugbetrieb entsprechend zusammen.

Der Flugdecksoffizier hält den Ablauf zusammen

Der Flugdecksoffizier, international als Flight Deck Officer oder FDO bezeichnet, koordiniert das Geschehen auf dem Deck. Er verbindet die dort eingesetzten Kräfte mit der Brücke und hält die erforderliche Verbindung zur Hubschrauberbesatzung.

Vor Beginn des Betriebs werden Besonderheiten mit dem Personal besprochen. Dazu können der geplante Ablauf, das eingesetzte Hubschraubermuster und die Bedingungen an Deck gehören. Während Start und Landung unterstützt der Flugdecksoffizier die Cockpitbesatzung durch festgelegte Sichtzeichen.

Die Bezeichnung beschreibt eine Funktion. Auch ein entsprechend qualifizierter Decksmeister im Bootsmannsdienstgrad kann sie wahrnehmen. An Bord können daher seemännische Führungsaufgaben und die Verantwortung für den Flugbetrieb auf dem Deck bei derselben Person zusammenlaufen.

Dabei bleiben die Zuständigkeiten unterscheidbar: Die Besatzung im Cockpit führt das Luftfahrzeug. Der Flugdecksoffizier koordiniert die Arbeiten und Bewegungen auf dem Deck innerhalb des abgestimmten Verfahrens. Verständliche Meldungen und ein gemeinsames Bild der Situation verbinden beide Bereiche.

Lasher sichern den Hubschrauber gegen Bewegung

Ein abgestellter Hubschrauber muss auf einem fahrenden Schiff gegen unbeabsichtigte Bewegung gesichert werden. Seegang und Kursänderungen können Kräfte erzeugen, die auf einem festen Flugplatz in dieser Form nicht auftreten. Hier kommen die Lasher zum Einsatz.

Sie bringen die vorgesehenen Laschmittel an den dafür bestimmten Punkten an. Diese Verbindungen sichern das Luftfahrzeug am Deck. Vor dem Start werden sie im festgelegten und mit den anderen Beteiligten abgestimmten Ablauf gelöst. Nach der Rückkehr wird die Maschine wieder gesichert.

Diese Arbeit erfordert genaue Kenntnis der Aufgabe und der Gefahrenbereiche des jeweiligen Hubschraubers. Die Lasher müssen sich auf die Einweisung verlassen können und gleichzeitig die eigene Umgebung aufmerksam beobachten.

Zum sicheren Abstellen oder Bewegen gehören außerdem die für das jeweilige System vorgesehenen Hilfsmittel. Laschung und gegebenenfalls vorhandene Verfahr- oder Sicherungsanlagen erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Welche Einrichtungen genutzt werden, richtet sich nach der Kombination aus Schiff und Hubschrauber.

Technische Betreuung und Betankung haben eigene Zuständigkeiten

Die technischen Fachkräfte prüfen und betreuen das Luftfahrzeug. Vorflugkontrollen, die Vorbereitung benötigter Ausrüstung und die Bearbeitung technischer Auffälligkeiten gehören zu ihrem Aufgabenbereich. Nach einem Flug folgen die vorgesehenen Kontrollen und gegebenenfalls weitere Arbeiten.

Dafür werden unterschiedliche Qualifikationen benötigt. Mechanische und hydraulische Anlagen, Triebwerke, elektronische Systeme und Flugausrüstung verlangen jeweils Fachkenntnisse. Die technische Beurteilung bleibt Aufgabe des dafür zuständigen und berechtigten Personals.

Die Betankung ist ein weiterer abgestimmter Arbeitsvorgang. Das dafür eingesetzte Personal bedient die Betankungseinrichtungen und arbeitet nach den für Luftfahrzeug und Anlage geltenden Verfahren. Dazu gehören klare Verbindungen zur Hubschrauberbesatzung und zu den übrigen beteiligten Kräften.

Beim Umgang mit Kraftstoff müssen sowohl der normale Ablauf als auch mögliche Störungen berücksichtigt werden. Das Personal benötigt deshalb eine Einweisung in die jeweilige Ausrüstung und die vorgesehenen Verständigungs- und Notverfahren.

Für die Koordination auf dem Flugdeck ist entscheidend, dass alle Beteiligten den aktuellen Arbeitsstand kennen. Eine laufende technische Tätigkeit oder Betankung muss bei der Planung weiterer Bewegungen berücksichtigt werden. Die jeweiligen Fachaufgaben werden dadurch in einen gemeinsamen Ablauf eingebunden.

Rettungs- und Brandbekämpfungskräfte stehen bereit

Zum Flugbetrieb gehört die Vorbereitung auf einen möglichen Zwischenfall. Dafür stehen die vorgesehenen Rettungs- und Brandbekämpfungskräfte mit geeigneter Schutzausrüstung und Einsatzmitteln bereit. Auf deutschen Marineschiffen können hierfür entsprechend ausgebildete Angehörige des schiffstechnischen Bereichs eingesetzt werden.

Ihre Aufgabe umfasst die Hilfeleistung bei einem Unfall und die Rettung gefährdeter Menschen. Bei einem Brand müssen sie die Lage beurteilen und mit den verfügbaren Mitteln wirksam eingreifen können. Besondere Schutzkleidung unterstützt sie bei dieser gefährlichen Arbeit.

Entscheidend sind Vorbereitung und Vertrautheit mit dem Luftfahrzeug. Die Kräfte müssen ihre Ausrüstung beherrschen und die für den Einsatz vorgesehenen Rettungsmöglichkeiten kennen. Wiederkehrendes Training erhält diese Fähigkeiten.

Rettung und Brandbekämpfung werden deshalb bereits bei der Organisation des Flugbetriebs berücksichtigt. Bereitstehende Ausrüstung und ausgebildetes Personal sollen ermöglichen, auf einen Zwischenfall ohne vermeidbare Verzögerung zu reagieren.

Brücke und Hubschrauberleitmeister wirken vom Schiff aus mit

Der Flugbetrieb auf dem Deck ist mit weiteren Arbeitsbereichen verbunden. Die Brücke führt das Schiff und berücksichtigt Navigation, Verkehr sowie den für Start und Landung geeigneten Kurs. Eine Änderung der Schiffsbewegung wirkt sich auf die Bedingungen am Flugdeck aus.

In der Operationszentrale, kurz OPZ, arbeitet der Hubschrauberleitmeister. Er hält die Funkverbindung zum Luftfahrzeug und unterstützt dessen auftragsgemäßen Einsatz. Über ihn werden Lageinformationen zwischen Schiff und Hubschrauber ausgetauscht.

Die Schiffsführung bestimmt den taktischen Auftrag und stimmt den Flugbetrieb mit den Möglichkeiten des Schiffes ab. Die Flugdeckcrew setzt die dafür erforderlichen Arbeiten auf dem Deck um.

Diese Aufgabenverteilung erklärt, weshalb ein Start mehr voraussetzt als eine bereite Maschine. Das Schiff muss den vorgesehenen Betrieb unterstützen können, das Deck muss vorbereitet sein und die beteiligten Stellen müssen ihre Informationen zusammenführen.

Vorbereitung beginnt vor dem ersten Rotorlauf

Ein sicherer Ablauf braucht eine geeignete Arbeitsumgebung. Dazu gehört, das Deck auf lose Gegenstände und andere Hindernisse zu kontrollieren. Fremdkörper können durch den Rotorwind bewegt werden, Menschen verletzen oder Schäden am Luftfahrzeug verursachen.

Für die Vorbereitung sind insbesondere drei Bereiche miteinander abzugleichen:

  • Arbeitsbereich: Sind Flugdeck, benötigte Wege und die vorgesehenen Arbeitsplätze vorbereitet?
  • Personal und Ausrüstung: Sind die eingeteilten Kräfte mit ihren Aufgaben vertraut und die benötigten Mittel bereit?
  • Abstimmung: Kennen die beteiligten Stellen den Ablauf und die für sie wichtigen Besonderheiten?

Auch Personen, die nur zeitweise zum Hubschrauber müssen, benötigen eine passende Einweisung. Das betrifft beispielsweise Passagiere oder Kräfte, die Material übergeben. Ihre Bewegungen müssen in den Flugbetrieb eingeordnet werden.

Verständigung muss auch unter Lärm funktionieren

Auf dem Flugdeck erschwert der Lärm die direkte Verständigung. Je nach Aufgabe kommen Funk, Headsets und festgelegte Sichtzeichen zum Einsatz. Diese Kommunikationswege ergänzen sich und müssen von den Beteiligten sicher verstanden werden.

Eine Meldung erfüllt ihren Zweck erst, wenn sie beim richtigen Empfänger ankommt und eindeutig verstanden wird. Das ist besonders wichtig, wenn verschiedene Arbeiten aufeinander folgen oder sich eine Lage kurzfristig verändert.

Missverständnisse und Unsicherheiten müssen deshalb frühzeitig angesprochen werden können. Rückfragen helfen, falsche Annahmen zu erkennen, bevor daraus eine ungeeignete Handlung entsteht. Ein gemeinsamer Kenntnisstand unterstützt die sichere Aufgabenverteilung.

Bei Dunkelheit steigen die Anforderungen an Orientierung und Verständigung zusätzlich. Auch dann müssen die vorgesehenen Kommunikations- und Einweisungsverfahren zuverlässig funktionieren.

Ausbildung verbindet die einzelnen Aufgaben zum Team

Die Flugdeckcrew braucht fachlich qualifizierte Kräfte und regelmäßig geübte Zusammenarbeit. Jede Person muss die eigene Aufgabe beherrschen und wissen, wie sie mit den Tätigkeiten der anderen zusammenhängt. Das gilt für den normalen Betrieb ebenso wie für Abweichungen und Notlagen.

Besprechungen vor dem Einsatz und eine sachliche Nachbereitung helfen, dieses gemeinsame Verständnis zu erhalten. Dabei lassen sich unklare Abläufe erkennen und Erfahrungen aus vorangegangenen Flügen weitergeben.

Die Qualität einer Flugdeckcrew zeigt sich im verlässlichen Zusammenspiel ihrer Funktionen: Einweisung, Sicherung, technische Betreuung, Versorgung und Rettungsbereitschaft müssen zusammenpassen. So entsteht auf der bewegten und räumlich begrenzten Arbeitsfläche die Voraussetzung für einen geordneten Bordflugbetrieb.

Quellen:

Stand: November 2026

Autor: Stephan Struck

Bundeswehr – Irini: Flugbetrieb auf hoher See
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-irini-flugbetrieb-in-see-4578984

Bundeswehr – Einsatz IRINI: Flugbetrieb bis in die Nacht
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-irini-flugbetrieb-nacht-5229738

Bundeswehr – Ich bin iM EINsatz: Als Decksmeister auf der Korvette „Oldenburg“
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/missionen/ich-bin-im-einsatz/ich-bin-im-einsatz-als-decksmeister-auf-der-korvette-oldenburg-73820

Bundeswehr – Bordhubschrauberbesatzungen der SNMG1 – U-Bootjagd aus der Luft
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/bordhubschrauber-besatzung-u-bootjagd-5670850

Bundeswehr – Verwendungsbereiche der Marine
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/menschen/verwendungsbereiche-marine

Federal Aviation Administration – Helicopter Flying Handbook, Chapter 8: Ground Procedures and Flight Preparations
www.faa.gov/sites/faa.gov/files/regulations_policies/handbooks_manuals/aviation/helicopter_flying_handbook/hfh_ch08.pdf

Federal Aviation Administration – AC 120-51E: Crew Resource Management Training
www.faa.gov/documentLibrary/media/Advisory_Circular/AC_120-51E.pdf

UK Civil Aviation Authority – CAP 437: Standards for offshore helicopter landing areas
www.caa.co.uk/media/3ccjonps/cap437-standards-for-offshore-helicopter-landing-areas-edition-9-amendm-1.pdf

Bordflugbetrieb