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Welche Schiffe tragen Marinehubschrauber?

Marinehubschrauber starten bei der Deutschen Marine vor allem von Fregatten und Einsatzgruppenversorgern. Auch Korvetten und Tender verfügen über Flugdecks. Welche Aufgaben sie dabei unterstützen können, hängt jedoch von ihrer Ausstattung ab: Eine zeitweilige Landung erfordert andere Voraussetzungen als die Einschiffung eines Hubschraubers für eine mehrmonatige Seefahrt.

Entscheidend sind deshalb nicht allein die Größe des Schiffes oder eine markierte Landefläche. Erst das Zusammenspiel von Flugdeck, Hangar, Versorgung, Wartungsmöglichkeiten und ausgebildetem Personal macht aus einem Schiff eine leistungsfähige Basis für Marinehubschrauber.

Flugdeck und Hangar erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Das Flugdeck ist die Fläche, auf der Hubschrauber starten, landen und für den nächsten Flug vorbereitet werden. Es muss ausreichend groß und belastbar sein. Außerdem benötigt die Besatzung genügend Raum, um sich dem Luftfahrzeug sicher zu nähern, Personen einsteigen zu lassen oder Material zu verladen.

Ein Hangar ermöglicht die geschützte Unterbringung. Dort können technische Kontrollen und Wartungsarbeiten stattfinden. Auf See schützt der geschlossene Raum den Hubschrauber zudem vor unmittelbarer Einwirkung durch Wind, Spritzwasser und Wetter.

Grundsätzlich lassen sich drei Formen unterscheiden:

  • Zeitweilige Landung: Ein Hubschrauber kommt an Bord, übergibt beispielsweise Personal und startet anschließend wieder.
  • Zwischenaufenthalt mit Versorgung: Das Schiff unterstützt den weiteren Flugbetrieb, etwa durch Betankung, sofern seine Ausstattung und die jeweiligen Freigaben dies ermöglichen.
  • Längere Einschiffung: Hubschrauber, Besatzungen und technische Fachkräfte begleiten das Schiff über einen längeren Zeitraum.

Ein vorhandenes Flugdeck sagt deshalb noch nicht aus, ob ein Schiff einen Marinehubschrauber dauerhaft mitführen und technisch betreuen kann.

Fregatten: Bordhubschrauber als Teil des Einsatzsystems

Auf Fregatten gehören Bordhubschrauber zum Einsatzkonzept. Sie vergrößern den Aufklärungsbereich, untersuchen Kontakte außerhalb der unmittelbaren Umgebung des Schiffes und unterstützen die Bekämpfung von Unterwasser- und Überwasserzielen. Hinzu kommen Transport-, Rettungs- und Unterstützungsaufgaben.

Die deutschen Fregattenklassen besitzen ein achterliches Flugdeck und Hangareinrichtungen. Ihre unterschiedlichen Einsatzschwerpunkte beeinflussen auch die Aufgaben der eingeschifften Marineflieger.

FregattenklasseSchiffeBedeutung des Hubschrauberbetriebs
Brandenburg-Klasse, F123Brandenburg, Schleswig-Holstein, Bayern, Mecklenburg-VorpommernBesonders enge Verbindung zwischen Schiff und Bordhubschrauber bei der U-Boot-Jagd
Sachsen-Klasse, F124Sachsen, Hamburg, HessenErgänzung der auf Luftverteidigung ausgerichteten Fregatten um Aufklärung, U-Boot-Jagd und weitere Unterstützungsaufgaben
Baden-Württemberg-Klasse, F125Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-PfalzUnterstützung unter anderem bei Seeraumüberwachung, Transport und Boarding-Operationen

Über Jahrzehnte prägte der Sea Lynx Mk88A diesen Flugbetrieb. Für die genannten Fregattenklassen war die Mitnahme von zwei Maschinen vorgesehen. Der Hubschrauber verband eigene Sensoren und Bewaffnung mit den Führungs- und Einsatzmöglichkeiten seines Schiffes.

Nach der Ausmusterung des Sea Lynx übernimmt der NH90 MRFH Sea Tiger dessen Rolle. MRFH steht für Multi-Role Frigate Helicopter, also Mehrrollen-Fregattenhubschrauber. Seine Hauptaufgaben sind U-Boot-Jagd und Überwasserseekriegsführung. Dafür verfügt er unter anderem über Tauchsonar, Sonarbojen und ein angepasstes Missionssystem.

Die erste Maschine wurde im Dezember 2025 übergeben. Insgesamt ist die Übergabe von 31 Sea Tiger bis 2030 vorgesehen. Mit dem Zulauf gehen Ausbildung, technische Einführung und die Vorbereitung des Bordbetriebs einher. Wie viele Hubschrauber auf einem konkreten Schiff eingeschifft werden, richtet sich nach dessen Ausrüstung, Freigaben und Einsatzauftrag.

Einsatzgruppenversorger: schwimmende Basis für den Sea Lion

Die Einsatzgruppenversorger der Berlin-Klasse, auch Klasse 702 genannt, unterstützen Marineverbände mit Kraftstoff, Verpflegung, Material, Munition und medizinischen Fähigkeiten. Zu dieser Klasse gehören:

  • Berlin
  • Frankfurt am Main
  • Bonn

Ihre Hubschraubereinrichtungen umfassen ein großes Flugdeck und einen Hangar, der bis zu zwei NH90 Sea Lion aufnehmen kann. Damit bieten die Schiffe Voraussetzungen für eine längere Einschiffung einschließlich technischer Betreuung.

Der Sea Lion übernimmt vor allem Such- und Rettungsaufgaben sowie den Transport von Personal und Material. Von einem Einsatzgruppenversorger aus kann er andere Schiffe erreichen, dringend benötigte Ersatzteile überbringen oder Verletzte zur weiteren Behandlung transportieren.

Auch die Versorgung mit Außenlasten gehört zu den Möglichkeiten des Hubschraubertransports. Dabei wird Material unter dem Hubschrauber befördert und am Ziel abgesetzt.

Wie dieser Betrieb über längere Zeit funktioniert, zeigte die Präsenzfahrt Atlantic Bear 2025. Auf der Berlin wurden Sea Lion eingeschifft und unter Bedingungen des Hochseebetriebs eingesetzt. Zum Alltag gehörten dabei auch die Unterbringung im Hangar, technische Arbeiten und das Üben von Notverfahren.

Korvetten: Landemöglichkeit ohne eigene Hubschraubergruppe

Die Korvetten der Braunschweig-Klasse K130 besitzen ebenfalls ein Flugdeck. Dort können geeignete Hubschrauber im Rahmen der zugelassenen Verfahren starten und landen. Das unterstützt beispielsweise Personalübergaben, medizinische Transporte und die Zusammenarbeit mit anderen Einheiten eines Verbandes.

Ihr Einsatzkonzept sieht jedoch keine eigene, dauerhaft eingeschiffte Gruppe bemannter Bordhubschrauber wie auf einer Fregatte vor. Die Korvette kann deshalb einen Hubschrauber aufnehmen, ohne dessen längerfristige schwimmende Heimatbasis zu sein.

Dass dieser Flugbetrieb praktische Bedeutung hat, zeigen multinationale Übungen. Bei BALTOPS 2024 wurde beispielsweise ein dänischer U-Jagd-Hubschrauber vom Typ MH-60R Seahawk auf dem Flugdeck der Magdeburg eingesetzt.

Für das Verständnis ist die Unterscheidung wesentlich: Ein Hubschrauber auf einer Korvette muss nicht zu diesem Schiff gehören. Er kann von Land, einer Fregatte oder einer anderen geeigneten Plattform gekommen sein und nach seinem Zwischenaufenthalt dorthin zurückkehren.

Tender: zusätzliche Anlaufpunkte für Hubschrauber

Auch die Tender der Elbe-Klasse 404 gehören zu den deutschen Schiffen mit Hubschrauberflugdeck. Die Klasse umfasst Elbe, Mosel, Rhein, Werra, Main und Donau.

Diese Unterstützungsschiffe versorgen vor allem kleinere Marineeinheiten. Sie bringen unter anderem Kraftstoff, Ersatzteile, Verpflegung und technische Unterstützung in deren Einsatzgebiet.

Auf ihren Flugdecks können Hubschrauber bis zur Größe eines NH90 Sea Lion starten und landen. Auch eine Betankung ist möglich. Damit erweitern die Tender die verfügbaren Anlaufpunkte für Hubschrauber innerhalb eines Marineverbandes.

Der Nutzen reicht vom Lastentransport bis zur Unterstützung bei Rettungsaufgaben. Ein dringend benötigtes Bauteil lässt sich so beispielsweise vom Tender zu einer anderen Einheit bringen.

Die Hubschrauberunterstützung ergänzt dabei den Versorgungsauftrag des Schiffes. Eine dauerhaft eingeschiffte Hubschraubergruppe mit einem entsprechenden Hangarbetrieb gehört nicht zum Betriebskonzept der Elbe-Klasse.

Welche Voraussetzungen benötigt der sichere Bordbetrieb?

Ob ein Hubschrauber auf einem bestimmten Schiff eingesetzt werden kann, wird für die jeweilige Kombination beurteilt. Dabei zählen unter anderem:

  • Abmessungen und Tragfähigkeit des Flugdecks
  • Platz für Rotor, Heck und sichere Arbeitswege
  • Möglichkeiten zum Sichern und Bewegen des Luftfahrzeugs
  • Kraftstoffversorgung und technische Unterstützung
  • Ausbildung und Übungsstand der beteiligten Besatzungen
  • Wetter, Wind über Deck und Schiffsbewegungen

Besondere Bedeutung besitzen die Ship Helicopter Operating Limitations, kurz SHOL. Diese erprobten Betriebsgrenzen beschreiben insbesondere, unter welchen relativen Windverhältnissen ein Hubschrauber sicher auf einem Schiff starten und landen kann.

Für den Sea Lion wurden solche Grenzen unter anderem auf dem Einsatzgruppenversorger Bonn untersucht. Dabei fließen neben dem Verhalten des Hubschraubers auch die Arbeitsbelastung und die sichere Beherrschbarkeit durch die Besatzung ein.

Während des Flugbetriebs arbeiten Brücke, Flugdeckpersonal und Hubschrauberbesatzung eng zusammen. Der Flugdeckoffizier unterstützt die Abläufe mit festgelegten Zeichen und Kommunikation. Rettungs- und Brandbekämpfungskräfte halten sich für Zwischenfälle bereit.

Nach der Landung wird der Hubschrauber gegen unbeabsichtigte Bewegungen gesichert. Bei längerer Einschiffung folgen technische Kontrollen und die Vorbereitung auf den nächsten Flug. Faltbare Rotorblätter erleichtern die platzsparende Unterbringung im Hangar.

Marinehubschrauber auf Schiffen verbündeter Staaten

Deutsche Marinehubschrauber können auch von geeigneten Schiffen verbündeter Marinen aus operieren. Das Spektrum reicht von Zwischenlandungen auf Fregatten bis zur Einschiffung auf größeren Unterstützungsschiffen und amphibischen Plattformen.

Ein Beispiel ist das niederländische Docklandungsschiff Rotterdam. Während der Übung Schneller Adler 2022 wurden deutsche Sea King von diesem Schiff aus eingesetzt. Die Hubschrauber unterstützten das Training für eine Evakuierungsoperation über See.

Solche Einsätze verlangen gemeinsame Verfahren und eine abgestimmte Vorbereitung. Flugdeckpersonal und fliegende Besatzungen müssen die Besonderheiten des jeweiligen Schiffes und Hubschraubers kennen.

Beim sogenannten Cross-Deck-Flugbetrieb nutzen Hubschrauber geeignete Flugdecks anderer Schiffe. Dadurch können Marineverbände ihre verfügbaren Plattformen gemeinsam nutzen und die Zusammenarbeit ihrer Luftfahrzeuge und Schiffe üben.

Neue Fregatten führen das Konzept fort

Auch bei neuen Schiffen bleibt der Bordhubschrauber ein wesentlicher Bestandteil der Fähigkeiten. Für die geplanten deutschen Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU ist ein Sea Tiger vorgesehen.

Der Hubschrauber soll die schiffseigenen Sonarsysteme bei der U-Boot-Jagd ergänzen. Damit wird das Zusammenspiel von schwimmender Plattform und fliegendem Sensor auch bei dieser Fregattenklasse fortgeführt.

Die geplante Ausstattung eines Neubaus beschreibt dabei dessen vorgesehenes Einsatzkonzept. Die praktische Einsatzfähigkeit entsteht mit der Einführung des Schiffes, der Ausbildung seiner Besatzung und den erforderlichen Nachweisen für den gemeinsamen Betrieb.

Fazit

Fregatten und Einsatzgruppenversorger bilden die wichtigsten deutschen Plattformen für länger eingeschiffte Marinehubschrauber. Korvetten und Tender erweitern das Netz nutzbarer Flugdecks und unterstützen zeitweilige Aufenthalte sowie bestimmte Versorgungsaufgaben. Hinzu kommen geeignete Schiffe verbündeter Staaten.

Für die tatsächlichen Möglichkeiten entscheidet die gesamte Ausstattung: Flugdeck, Hangar, Versorgung und Personal bestimmen gemeinsam, welchen Hubschrauberbetrieb ein Schiff leisten kann. Aus diesen Fähigkeiten entstehen unterschiedliche Beiträge zur Aufklärung, Gefechtsführung, Versorgung und Rettung auf See.

Quellen:

Stand: November 2026

Autor: Stephan Struck

Bundeswehr – Fregatten der Brandenburg-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/brandenburg-klasse-f123-fregatte

Bundeswehr – Fregatten der Sachsen-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/sachsen-klasse-f124-fregatte

Bundeswehr – Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/baden-wuerttemberg-klasse-f125-fregatten

Bundeswehr – Bordhubschrauber Mk88A Sea Lynx
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-mk88a-sea-lynx-

Bundeswehr – Bordhubschrauber NH90 MRFH Sea Tiger
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-nh-90-sea-tiger

NHIndustries – First NH90 Sea Tiger Delivered to the German Navy
www.nhindustries.com/first-nh90-sea-tiger-delivered-to-the-german-navy/

Bundeswehr – Einsatzgruppenversorger der Berlin-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/berlin-klasse-egv-702

Bundeswehr – Mehrzweckhubschrauber NH90 NTH Sea Lion
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweck-hubschrauber-sea-lion-nh-90-nth

Bundeswehr – Marinehubschrauber Sea Lion erstmals im Einsatz an Bord
www.bundeswehr.de/de/meldungen/sea-lion-einsatz-hochseetauglichkeit

Deutscher Bundestag – Beschaffung zusätzlicher Korvetten für die Bundeswehr, Drucksache 18/10540
dserver.bundestag.de/btd/18/105/1810540.pdf

Bundeswehr – Ostsee: Deutsche Korvetten unter Nachbarn
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/baltops-2024-deutsche-korvetten-ostsee-5809050

Bundeswehr – Tender der Elbe-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/elbe-klasse-404

Bundeswehr – Im Team ans Limit – sichere Hubschrauberlandungen auf Schiffen
www.bundeswehr.de/de/organisation/ausruestung-baainbw/aktuelles/nh-90-ans-limit-shols-getestet-5613636

Bundeswehr – Bordhubschrauberbesatzungen der SNMG1 – U-Bootjagd aus der Luft
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/bordhubschrauber-besatzung-u-bootjagd-5670850

Bundeswehr – Schneller Adler 2022: Vorüben auf der „Rotterdam“
www.bundeswehr.de/de/schneller-adler-2022-vorueben-landungsschiff-rotterdam-5409980

Bundeswehr – Neue Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für die Marine
www.bundeswehr.de/de/beschaffung/meko-a-200-deu

Bordflugbetrieb