Hubschrauber auf See betanken
Marinehubschrauber vergrößern den Wirkungsbereich eines Schiffes. Sie suchen nach U-Booten, überwachen Seegebiete, transportieren Menschen und Material oder unterstützen Rettungseinsätze. Wie lange sie diese Aufgaben erfüllen können, hängt wesentlich vom verfügbaren Kraftstoff ab. Auf See übernimmt deshalb auch das Schiff die Rolle einer Versorgungsbasis für das Luftfahrzeug.
Die Hubschrauberbetankung auf See verbindet Luftfahrttechnik, Schiffsbetrieb und sorgfältige Sicherheitsorganisation. Sie kann nach einer Landung auf dem Flugdeck erfolgen. Bei entsprechend ausgerüsteten und freigegebenen Schiffen und Hubschraubern ist außerdem eine Kraftstoffübernahme im Schwebeflug möglich.
Warum die Versorgung vom Schiff wichtig ist
Ein Hubschrauber muss für die Anreise zum Einsatzraum, die eigentliche Aufgabe und die anschließende Rückkehr ausreichend Kraftstoff mitführen. Lange Anflugwege verkürzen die Zeit, die für Aufklärung, Überwachung oder Rettung verfügbar bleibt. Ein geeignetes Versorgungsschiff kann diese Wege verkürzen und zusätzliche Einsatzmöglichkeiten eröffnen.
Bei der U-Boot-Jagd unterstützt die Nachversorgung den wiederholten Einsatz eines Bordhubschraubers. Für Transport- und Rettungsaufgaben kann eine zusätzliche Betankungsmöglichkeit ebenfalls wertvoll sein, besonders bei großen Entfernungen zur Küste.
Diese Unterstützung setzt keinen dauerhaft eingeschifften Hubschrauber voraus. Die Bundeswehr beschreibt beispielsweise für die Tender der Elbe-Klasse die Möglichkeit, Hubschrauber auf ihrem Flugdeck landen, starten und betanken zu lassen. Entscheidend sind die Eignung des Schiffes und die Freigaben für das jeweilige Luftfahrzeug.
Betankung nach der Landung
Bei der Deckbetankung steht der Hubschrauber auf dem Flugdeck. Er wird entsprechend den vorgesehenen Verfahren gegen unbeabsichtigte Bewegungen gesichert. Das ist auf einem Schiff wesentlich, weil sich die Unterlage auch während der Versorgung mit dem Seegang bewegt.
Der Kraftstoff gelangt aus der schiffseigenen Anlage über Leitungen und einen Betankungsschlauch zum Luftfahrzeug. Welche Anschlussart verwendet wird, richtet sich nach der Ausstattung von Schiff und Hubschrauber. Bei einer Druckbetankung wird der Schlauch über eine dafür vorgesehene Kupplung mit dem Betankungsanschluss verbunden.
Ein Tankvorgang kann bei abgestellten Triebwerken und stillstehendem Rotor erfolgen. Für bestimmte Einsatzabläufe gibt es außerdem die Betankung bei laufenden Triebwerken beziehungsweise laufendem Rotor. International wird dafür unter anderem die Bezeichnung Hot Refuelling verwendet.
Ein solches Verfahren kann die Zeit bis zum nächsten Start verkürzen und zusätzliche Abstell- und Anlassvorgänge vermeiden. Es verlangt jedoch eine entsprechende Zulässigkeit für das Muster, ausgebildetes Personal und klar geregelte Sicherheitsmaßnahmen. Laufende Rotoren, Lärm und heiße Bauteile prägen dann auch während des Tankens den Arbeitsbereich.
HIFR: Kraftstoffübernahme im Schwebeflug
HIFR steht für Helicopter In-Flight Refuelling. Der Hubschrauber hält dabei eine festgelegte Schwebeposition zum Schiff, während Kraftstoff aus dessen Vorräten übernommen wird. Eine Landung ist für diesen Versorgungsvorgang nicht erforderlich.
Die Schlauchverbindung wird mit einer dafür geeigneten Aufnahmevorrichtung und der Bordwinde des Hubschraubers übernommen. Die Besatzung verbindet sie mit dem vorgesehenen HIFR-Anschluss des Luftfahrzeugs. Während der Übernahme müssen Cockpit, Kabinenbesatzung und Schiff ihre Arbeit eng aufeinander abstimmen.
Das Verfahren schafft eine zusätzliche Versorgungsmöglichkeit, etwa wenn das Flugdeck belegt oder eine Landung unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich ist. Die Royal Navy dokumentiert HIFR mit ihren Merlin-Hubschraubern; auch die U.S. Navy trainiert diese Fähigkeit.
Dabei gelten eigene Grenzen. Schiff und Hubschrauber bewegen sich unter dem Einfluss von Wind und Seegang relativ zueinander. Luftverwirbelungen an den Aufbauten, Rotorabwind und die sichere Führung von Schlauch und Windenseil erhöhen die Anforderungen. Ein Seil oder Schlauch darf sich nicht an Deckseinrichtungen verfangen.
Die Durchführbarkeit hängt deshalb von der gesamten Kombination aus Schiff, Luftfahrzeug, Ausrüstung, Wetter und Ausbildungsstand ab. Eine nicht mögliche Landung bedeutet für sich genommen noch keine sichere HIFR-Möglichkeit.
Die Technik hinter dem Betankungsschlauch
Eine schiffsgestützte Flugkraftstoffanlage umfasst deutlich mehr als Tank und Pumpe. Sie muss geeigneten Kraftstoff lagern, fördern, prüfen und kontrolliert an das Luftfahrzeug abgeben können. Zu ihren wesentlichen Einrichtungen gehören:
- Vorrats- und gegebenenfalls Versorgungstanks,
- Pumpen, Rohrleitungen und Absperreinrichtungen,
- Filter und Einrichtungen zur Wasserabscheidung,
- Schläuche, Kupplungen und geeignete Betankungsanschlüsse,
- Mess-, Überwachungs- und Sicherheitseinrichtungen.
Für HIFR kommen besondere Anforderungen an die Schlauchbaugruppe hinzu. Dazu gehören geeignete Aufnahmepunkte und Sicherheitseinrichtungen für eine mögliche Trennung. Hersteller bieten beispielsweise selbstschließende Trennkupplungen an, die den Kraftstoffaustritt beim bestimmungsgemäßen Auslösen begrenzen sollen.
Die genaue Ausführung ist anlagenabhängig. Förderleistung, Anschlussart und verfügbare Sicherheitsfunktionen müssen zum vorgesehenen Hubschrauber und zum zugelassenen Verfahren passen.
Welcher Kraftstoff wird verwendet?
Turbinenhubschrauber benötigen den für ihr Muster und ihre Triebwerke freigegebenen Luftfahrtkraftstoff. Im Marineflugbetrieb spielt dabei F-44 eine wichtige Rolle. Diese militärische Kerosinsorte wird auch als JP-5 bezeichnet.
F-44 besitzt einen vergleichsweise hohen Flammpunkt und wurde für die besonderen Anforderungen der Verwendung an Bord von Schiffen ausgelegt. Der höhere Flammpunkt verbessert die Sicherheit bei Lagerung und Handhabung. Der Kraftstoff bleibt dennoch brennbar und verlangt die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen.
Für einen konkreten Tankvorgang müssen Kraftstoffsorte, Spezifikation und gegebenenfalls Zusatzstoffe den Vorgaben des Luftfahrzeugs entsprechen. Die NATO-Bezeichnung erleichtert die eindeutige Zuordnung. Zusätzlich müssen die tatsächliche Qualität des bereitgestellten Kraftstoffs und die technische Kompatibilität der Anlage sichergestellt sein.
Kraftstoffqualität bis zum Luftfahrzeug sichern
Wasser und feste Verunreinigungen gehören zu den wesentlichen Gefährdungen bei der Kraftstoffversorgung. Sie können die Funktion des Kraftstoffsystems beeinträchtigen. Deshalb muss die Qualität über Lagerung, Förderung und Abgabe hinweg überwacht werden.
Filterung, Wasserabscheidung und Probenahmen erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Eine Probe ermöglicht die Beurteilung des Kraftstoffzustands an einer vorgesehenen Entnahmestelle. Geeignete Prüfverfahren helfen, Wasser und andere Auffälligkeiten zu erkennen. Eine reine Sichtprüfung deckt nicht jede mögliche Verunreinigung ab.
Auch Schläuche, Anschlussstücke und Verschlüsse müssen in einem ordnungsgemäßen Zustand bleiben. Wartung und Kontrolle der Anlage gehören damit unmittelbar zur Flugsicherheit. Die Dokumentation von Prüfungen und abgegebenen Mengen schafft Nachvollziehbarkeit und hilft, Auffälligkeiten einzugrenzen.
Brandschutz und elektrostatische Sicherheit
Beim Betanken treffen Kraftstoff und mögliche Zündquellen in einem begrenzten Arbeitsbereich zusammen. Leckagen, beschädigte Schläuche oder austretende Kraftstoffdämpfe müssen deshalb unverzüglich erkannt und nach den vorgesehenen Verfahren behandelt werden. Rauchen und offene Zündquellen sind im Betankungsbereich ausgeschlossen.
Ein weiterer Schutzbereich ist der elektrische Potenzialausgleich, international häufig Bonding genannt. Zwischen Luftfahrzeug und Betankungseinrichtung wird eine dafür vorgesehene leitfähige Verbindung hergestellt. Sie dient dazu, elektrische Potenzialunterschiede und damit die Gefahr einer Funkenbildung zu vermindern. Die zugelassenen Anschlusspunkte und Verfahren richten sich nach der jeweiligen Ausrüstung.
Beim HIFR kommt der Umgang mit möglichen elektrostatischen Aufladungen des schwebenden Hubschraubers und seines Windengeschirrs hinzu. Auch dafür sind ausgebildetes Personal und geeignete Schutzeinrichtungen erforderlich.
Brandschutzkräfte, Löschmittel und freie Rettungswege gehören zur Vorbereitung. Gleichzeitig müssen sich Kraftstoffabgabe und Versorgung bei einer Störung nach den festgelegten Verfahren unterbrechen lassen. Die Schutzmaßnahmen berücksichtigen sowohl die Menschen an Deck als auch die Luftfahrzeugbesatzung und die Sicherheit des Schiffes.
Klare Aufgaben für Schiff und Besatzung
Der Flugdecksoffizier koordiniert die Abläufe auf dem Deck und hält Verbindung zu den beteiligten Stellen des Schiffes. Die Brücke berücksichtigt Kurs, Fahrt und die für den Flugbetrieb erforderlichen Bedingungen. Technisches und betriebsstoffversorgendes Personal betreuen die jeweiligen Anlagen und Anschlüsse.
Die Luftfahrzeugbesatzung legt den Kraftstoffbedarf im Rahmen ihrer Einsatzplanung fest und überwacht den Zustand des Hubschraubers. Beim HIFR übernimmt das Kabinenpersonal zusätzliche Aufgaben an der Schlauchverbindung und unterstützt die Verständigung mit dem Cockpit.
Unter Lärm und Rotorabwind müssen Meldungen und Zeichen eindeutig bleiben. Betankung, Brandbekämpfung und die Reaktion auf Störungen werden deshalb gemeinsam ausgebildet. Die Flugdecklehrgänge der Royal Navy behandeln sowohl HIFR als auch die Betankung bei laufendem Rotor.
Mehr Einsatzzeit mit klaren Grenzen
Die übernommene Kraftstoffmenge beeinflusst die anschließend verfügbare Einsatzzeit. Beim HIFR laufen die Triebwerke während des Schwebeflugs weiter und verbrauchen selbst Kraftstoff. Daraus folgt: Für den tatsächlichen Zugewinn zählen sowohl die zugeführte Menge als auch der Verbrauch während der Übernahme.
Zusätzlicher Kraftstoff erhöht außerdem die Masse des Hubschraubers. Die gewünschte Tankmenge muss deshalb zu den Gewichtsgrenzen, zur mitgeführten Nutzlast und zum weiteren Flugprofil passen. Rückkehrmöglichkeiten und die erforderlichen Reserven bleiben Teil der Planung.
Die Nachversorgung erweitert somit den Handlungsspielraum. Ihr Nutzen hängt davon ab, wie zuverlässig Schiff und Hubschrauber den gesamten Vorgang unter den jeweiligen Bedingungen durchführen können.
Fazit
Hubschrauber auf See zu betanken ist eine wichtige Voraussetzung für dauerhaft nutzbare Luftunterstützung eines Marineverbandes. Deckbetankung und HIFR eröffnen unterschiedliche Versorgungsmöglichkeiten und stellen jeweils eigene Anforderungen.
Geeigneter Kraftstoff, überwachte Qualität, kompatible Technik und eingespielte Besatzungen bilden die gemeinsame Grundlage. Erst ihr Zusammenwirken macht aus einem Kraftstoffvorrat an Bord eine verlässlich verfügbare Unterstützung für den nächsten Flug.
Quellen:
Stand: November 2026
Bundeswehr – Ausrüstung und Technik: Der Tender der Elbe-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/elbe-klasse-404
Bundeswehr – Irini: Flugbetrieb auf hoher See
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-irini-flugbetrieb-in-see-4578984
Royal Navy – HMS Westminster maintains pressure on enemy below in Iceland sub-hunt
www.royalnavy.mod.uk/news/2020/july/09/200709-hms-westminster-maintains-pressure-on-enemy-below-in-iceland-sub-hunt
Royal Navy – Torpedo away! HMS Somerset and Merlin helicopter hone sub-killing skills
www.royalnavy.mod.uk/news/2026/may/13/20260513-hms-somerset-and-merlin-helicopter-hone-sub-killing-skills
Naval Safety Command – Approach, Vol. 68, No. 1: HIFR on the High Sea, Seiten 24–25
navalsafetycommand.navy.mil/Portals/100/Documents/Approach%20VOL68-NO1.pdf
Defense Logistics Agency – MIL-DTL-5624: Turbine Fuel, Aviation, Grade JP-5 (NATO F-44)
quicksearch.dla.mil/qsDocDetails.aspx
Försvarets materielverk – Fuels Technical Data Sheet: F-44 – Military Aviation Kerosine, JP-5; AVCAT/FSII
logistikportalen.fmv.se/tjansterprodukter/drivmedel/Drivmedelskatalog/datablad/M0754-3800XX_F-44_Shell.pdf
UK Civil Aviation Authority – CAP 437: Standards for offshore helicopter landing areas
www.caa.co.uk/media/3ccjonps/cap437-standards-for-offshore-helicopter-landing-areas-edition-9-amendm-1.pdf
Federal Aviation Administration – AC 91-32B: Safety in and Around Helicopters
www.faa.gov/documentLibrary/media/Advisory_Circular/AC%2091-32B.pdf
Imenco Aviation – Helicopter In-Flight Refuelling (HIFR)
imenco.com/aviation/product/helicopter-in-flight-refuelling/
Imenco Aviation – Coast Guard & Navy Vessel Fuelling Systems
imenco.com/aviation/product/coast-guard-navy-vessel-fuelling-systems/
Royal Navy – Flight Deck Officer (Air 230)
www.royalnavy.mod.uk/international-defence-training/onsite-courses/aviation/flight-deck-officer
U.S. Coast Guard / DVIDS – Hamilton Crewmembers Conduct Helicopter In-flight Refueling during STAN
www.dvidshub.net/image/1085374/hamilton-crewmembers-conduct-helicopter-flight-refueling-during-stan