Präsenz- und Ausbildungsfahrten
Präsenz- und Ausbildungsfahrten verbinden die praktische Ausbildung der Deutschen Marine mit internationaler Zusammenarbeit und maritimer Präsenz. Für die Marineflieger entstehen dabei anspruchsvolle Aufgaben: Bordhubschrauber operieren von fahrenden Schiffen, Besatzungen trainieren mit Partnermarinen und Seefernaufklärer unterstützen Übungen über große Entfernungen.
Der Ausbildungswert liegt im Zusammenspiel dieser Fähigkeiten. Fliegende Besatzungen, technisches Personal, Schiffsführung und Operationszentrale müssen unter wechselnden Bedingungen zusammenarbeiten. Eine längere Fahrt bietet dafür Erfahrungen, die sich am Heimatstandort nur teilweise vermitteln lassen.
Ausbildung und maritime Präsenz verbinden
Mit einer Präsenzfahrt zeigt Deutschland seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit in einer bestimmten Region. Hafenbesuche, gemeinsame Ausbildungsabschnitte und Begegnungen auf See machen diese Zusammenarbeit praktisch erfahrbar. Die beteiligten Streitkräfte lernen ihre Fähigkeiten, Arbeitsweisen und Verfahren besser kennen.
Ausbildungsfahrt beschreibt dabei einen wesentlichen Schwerpunkt des Vorhabens. Die Besatzungen vertiefen seemännische, technische und militärische Kenntnisse, während das Schiff seinen Auftrag erfüllt. Navigation, Kommunikation und das Zusammenwirken im Verband werden unter realen Bedingungen geübt.
Eine längere Reise kann unterschiedliche Abschnitte umfassen: Transitstrecken, Hafenaufenthalte, bilaterale Übungen und die Teilnahme an größeren multinationalen Manövern. Der konkrete Auftrag bestimmt, welche Aufgaben jeweils im Vordergrund stehen.
Für Marineflieger ist besonders wichtig, dass sie ihre Fähigkeiten in den Gesamtbetrieb eines Schiffes oder Verbandes einbringen. Ein erfolgreicher Flug muss zur Lage, zum Zeitplan und zu den Aufgaben der übrigen Kräfte passen.
Wie Marineflieger einen Schiffsverband ergänzen
Bordhubschrauber erweitern den Handlungsraum eines Marineschiffes. Sie können Kontakte außerhalb seines unmittelbaren Sichtbereichs überprüfen, Personal und Material transportieren oder die Suche nach Menschen im Wasser unterstützen.
Am früheren Sea Lynx Mk88A lässt sich dieses Aufgabenspektrum gut nachvollziehen. Seine Hauptaufgabe war die U-Boot-Jagd. Darüber hinaus gehörten Seeraumüberwachung, Transport, Rettung und die Unterstützung von Boardingkräften zu seinen Fähigkeiten.
Je nach Luftfahrzeug, Ausrüstung und Ausbildungsziel können entsprechende Übungsabschnitte umfassen:
- Aufklärung und Identifizierung von Kontakten auf See,
- Zusammenarbeit mit Schiffen und U-Booten bei der U-Boot-Abwehr,
- Transport von Personal und Material,
- Unterstützung von Boardingübungen,
- Such- und Rettungsverfahren,
- Starts und Landungen auf dem eigenen oder einem freigegebenen Flugdeck einer Partnernation.
Die einzelnen Aufgaben stellen unterschiedliche Anforderungen. Ein Transportflug verlangt andere Absprachen als eine U-Boot-Jagd-Übung. Für die Ausbildung ist deshalb entscheidend, die jeweiligen Verfahren sicher anzuwenden und den Auftrag innerhalb des gemeinsamen Lagebildes zu verstehen.
Bordflugbetrieb unter realen Bedingungen
Der Flugbetrieb beginnt mit der gemeinsamen Vorbereitung. Auftrag und Wetterbedingungen werden bewertet, Zuständigkeiten abgestimmt und die vorgesehenen Abläufe besprochen. Gleichzeitig prüft die Bordwartungsgruppe das Luftfahrzeug und bereitet es technisch vor.
An Bord stehen dafür begrenzte Arbeitsflächen zur Verfügung. Der Hubschrauber muss sicher zwischen Hangar und Flugdeck bewegt, vorbereitet und nach seinem Einsatz wieder untergebracht werden. Schiffsbewegungen und Seegang beeinflussen diese Arbeiten.
Beim Start und bei der Rückkehr greifen fliegerische und schiffseitige Verfahren ineinander. Die Besatzung im Hubschrauber ist auf eine klare Abstimmung mit dem Personal auf dem Flugdeck und den verantwortlichen Stellen des Schiffes angewiesen.
Bordflugbetrieb ist damit eine gemeinsame Ausbildungsaufgabe. Die fliegerische Leistung ist eng mit technischer Vorbereitung, sicherer Decksarbeit und abgestimmter Führung verbunden.
Eine längere Seefahrt wiederholt diese Zusammenarbeit unter wechselnden Voraussetzungen. Unterschiedliche Wetterlagen, Tageszeiten und Aufträge verändern die Belastung. Dadurch lernen die Beteiligten, Verfahren auch dann zuverlässig anzuwenden, wenn die Bedingungen vom vertrauten Ausbildungsablauf abweichen.
Zusammenarbeit mit Partnermarinen
Eine häufige Form gemeinsamer Ausbildung ist die Passing Exercise, kurz PASSEX. Dabei nutzen Schiffe verschiedener Nationen eine Begegnung auf See für abgestimmte Übungen. Solche Vorhaben können vergleichsweise kurzfristig vorbereitet werden und mehrere Ausbildungsabschnitte verbinden.
Für Marineflieger sind besonders die Cross-Deck Flight Operations interessant. Gemeint ist der Flugbetrieb auf dem Flugdeck eines anderen Schiffes. Während des Indo-Pacific Deployments 2021 landete beispielsweise ein deutscher Bordhubschrauber auf dem japanischen Zerstörer „Yuugiri“.
Der Ausbildungswert liegt darin, gemeinsame Verfahren unter abweichenden Bedingungen anzuwenden. Flugdecks unterscheiden sich in ihrer Gestaltung; zugleich lernen die Beteiligten, wie das Personal der Partnernation standardisierte Abläufe praktisch umsetzt.
Dabei wird Interoperabilität erfahrbar: die Fähigkeit verschiedener Streitkräfte, wirksam zusammenzuarbeiten. Dazu gehören verständliche Kommunikation, abgestimmte Zuständigkeiten und ein gemeinsames Verständnis des Ablaufs.
Auch kurze Begegnungen können damit einen konkreten Ausbildungsgewinn liefern. Entscheidend ist, dass passende Übungsziele vereinbart und anschließend gemeinsam umgesetzt werden.
Beispiele aus dem Indo-Pazifik
Die Fregatte „Bayern“ 2021 und 2022
Am 2. August 2021 begann die Fregatte „Bayern“ ihre Präsenz- und Ausbildungsfahrt in den Indo-Pazifik. Zum eingeschifften Personal gehörten auch Angehörige des Marinefliegergeschwaders 5.
Ein wichtiger Ausbildungsabschnitt war die Teilnahme an ANNUALEX 2021 in der Philippinensee. Die „Bayern“ brachte ihre beiden Sea Lynx in den Flugbetrieb des multinationalen Manövers ein. Die Übung umfasste unter anderem die Zusammenarbeit gegen Bedrohungen über, auf und unter Wasser.
Für die Marineflieger verband sich damit der Betrieb vom eigenen Schiff mit der Einbindung in einen größeren Verband. Neben den einzelnen Flugaufträgen musste die Zusammenarbeit mit den übrigen beteiligten Einheiten funktionieren.
Das Beispiel zeigt, wie eine Präsenzfahrt kleinere Begegnungsübungen und anspruchsvolle Manöver innerhalb einer längeren Reise zusammenführen kann.
Der Marineverband beim Indo-Pacific Deployment 2024
Beim Indo-Pacific Deployment 2024 fuhren die Fregatte „Baden-Württemberg“ und der Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ gemeinsam um die Welt. Die Marineflieger begleiteten das Vorhaben mit zwei Sea Lynx, die in zahlreiche Übungen eingebunden waren.
Der Einsatzgruppenversorger erhöhte die Durchhaltefähigkeit des Verbandes. Kraftstoff und Versorgungsgüter konnten auf See übergeben werden. Damit wurde zugleich die Zusammenarbeit zwischen den Schiffen praktisch gefordert.
Das Vorhaben verband Ausbildung, internationale Begegnungen und maritime Präsenz über mehrere Monate. Für die Beteiligten bedeutete dies, ihre Fähigkeiten in unterschiedlichen Seegebieten und innerhalb wechselnder multinationaler Zusammenstellungen einzusetzen.
Ein weiteres Beispiel lieferte die Zusammenarbeit mit der indischen Marine im Oktober 2024. Zum Programm gehörten Seeversorgungsübungen, Formationsmanöver und gegenseitige Besuche von Besatzungsmitgliedern. Solche Abschnitte verdeutlichen, dass internationale Ausbildung sowohl technische Verfahren als auch das Verständnis für den Arbeitsalltag der Partner umfasst.
Präsenz aus der Luft mit der P-8A Poseidon
Der Beitrag der Marineflieger zu internationalen Präsenzvorhaben reicht über eingeschiffte Hubschrauber hinaus. Am 16. Februar 2026 startete eine deutsche P-8A Poseidon von Nordholz in Richtung Indien, um am Indo-Pacific Deployment teilzunehmen.
Vorgesehen waren Aufklärungs- und Präsenzflüge sowie bilaterale und multinationale Übungen und Ausbildungsabschnitte. Die Vorbereitung beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ umfasste fliegerische Ausbildung, Einsatzplanung und die Sicherstellung der technischen Einsatzbereitschaft.
Ersatzteile, Bodengerät und missionsspezifische Ausrüstung mussten bereitgestellt werden. Damit war bereits die Verlegung eine Aufgabe für mehrere Fachbereiche.
Das Beispiel erweitert den Blick auf Präsenz- und Ausbildungsfahrten: Ein Seefernaufklärer kann von einem Flugplatz im jeweiligen Einsatzraum aus zur Zusammenarbeit beitragen. Seine Ausbildung und seine Aufträge werden dabei mit den beteiligten maritimen Kräften abgestimmt.
Vom einzelnen Flug zum gemeinsamen Lagebild
Der militärische Ausbildungswert eines Fluges hängt auch davon ab, wie seine Ergebnisse genutzt werden. Beobachtungen und Sensordaten müssen ausgewertet, eingeordnet und an die zuständigen Stellen weitergegeben werden.
Bei der U-Boot-Abwehr arbeiten dafür Schiffe, Bordhubschrauber, Seefernaufklärer und U-Boote zusammen. Jede Plattform trägt mit ihren jeweiligen Möglichkeiten zur Erfassung der Lage bei.
Die Übung Dynamic Manta 2026 verdeutlichte diesen Zusammenhang. Die deutsche P-8A operierte dabei von Sigonella auf Sizilien aus, nachdem sie aus dem Indo-Pazifik verlegt hatte. Im Mittelpunkt stand die koordinierte U-Boot-Abwehr im multinationalen Rahmen.
Im Flugzeug führt der taktische Koordinator die unterschiedlichen Informationen zusammen. Das gewonnene Lagebild kann über Datenverbindungen an einen Schiffsverband übermittelt werden und dort die Entscheidungsfindung unterstützen.
Für die Ausbildung folgt daraus: Neben der sicheren Bedienung eines Sensors müssen Besatzungen lernen, Informationen verständlich und rechtzeitig weiterzugeben. Erst durch diese Verbindung können andere Einheiten die Ergebnisse für ihren eigenen Auftrag nutzen.
Neue Luftfahrzeuge und bewährte Ausbildungsziele
Die historischen Beispiele mit dem Sea Lynx gehören zu einer früheren Generation des deutschen Bordhubschrauberbetriebs. Mit der Einführung des NH90 Sea Tiger entwickelt die Marine ihre Fähigkeiten für U-Boot-Bekämpfung und Überwasserseekriegsführung weiter.
Ein neues Luftfahrzeug bringt veränderte Systeme, Arbeitsabläufe und Ausbildungsanforderungen mit sich. Vorhandene Erfahrung bildet dafür eine Grundlage; sie muss auf die neue Technik und deren Verfahren übertragen werden.
Die grundlegenden Ziele gemeinsamer Ausbildung bleiben bestehen: sichere Abläufe, einsatzbereite Technik und eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Luftfahrzeug, Schiff und Führung.
Dabei muss jedes Vorhaben zum Ausbildungsstand der beteiligten Kräfte passen. Die Einführung eines neuen Musters und seine Teilnahme an einzelnen Ausbildungsabschnitten sind jeweils im Zusammenhang mit dem weiteren Aufbau seiner Fähigkeiten zu betrachten.
Fazit
Präsenz- und Ausbildungsfahrten geben Marinefliegern Gelegenheit, ihre Fähigkeiten innerhalb eines umfassenden maritimen Auftrags anzuwenden. Der Gewinn entsteht durch wiederholte Zusammenarbeit unter wechselnden Bedingungen und durch die Begegnung mit Partnerstreitkräften.
Für die Ausbildung zählt deshalb vor allem, welche Aufgaben gemeinsam bewältigt und welche Erfahrungen daraus gewonnen werden. Sichere Verfahren, technische Zuverlässigkeit und ein gemeinsames Lageverständnis bilden die Grundlage für spätere Einsätze im Verband.
Quellen:
Stand: Oktober 2026
Bundeswehr – Ministerin verabschiedet Fregatte in den Indo-Pazifik
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/ministerin-verabschiedet-fregatte-in-den-indo-pazifik-5203954
Bundeswehr – Bordhubschrauber Mk88A Sea Lynx
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-mk88a-sea-lynx-
Bundeswehr – Bordhubschrauberbesatzungen der SNMG1 – U-Bootjagd aus der Luft
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/bordhubschrauber-besatzung-u-bootjagd-5670850
Bundeswehr – Indo-Pacific Deployment: Die „Bayern“ übt multinational
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/indo-pacific-deployment-bayern-uebt-multinational--5217666
Bundeswehr – Marinemanöver: Die „Bayern“ bei ANNUALEX 2021
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/manoever-fregatte-bayern-annualex-2021-5311952
Bundeswehr – Indo-Pacific Deployment 2024 der Marine beendet
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/indo-pacific-deployment-beendet-5864886
Bundeswehr – Partnering auf hoher See: Indische und Deutsche Marine üben gemeinsam
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/partnering-indische-und-deutsche-marine-ueben-gemeinsam-5853578
Bundeswehr – Schneller und weiter: P-8A Poseidon Richtung Indo-Pazifik gestartet
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/p-8a-poseidon-indo-pazifik-6072184
Bundeswehr – Train as you fight: U-Boot-Jagd-Übung Dynamic Manta 2026
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/u-boot-jagd-uebung-dynamic-manta-6078944
Bundeswehr – Nordholz: Hubschrauber Sea Lynx beendet Abschiedstour „End of an Era“
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/hubschrauber-sea-lynx-abschiedstour-6139622