Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Warum Marinehubschrauber besonders korrosionsgeschützt sein müssen

Marinehubschrauber arbeiten regelmäßig in einer Umgebung, die ihre Werkstoffe und technischen Systeme stark beansprucht. Salzhaltige Seeluft, Gischt und Feuchtigkeit erreichen die Außenflächen und können in Verbindungsstellen, Gerätebereiche und elektrische Anschlüsse gelangen. Auch nach dem Flug bleiben Ablagerungen zurück.

Korrosionsschutz gehört deshalb zur technischen Voraussetzung für einen sicheren und dauerhaft verfügbaren Flugbetrieb. Er beginnt bei der Konstruktion und setzt sich über Beschichtungen, Reinigung und Inspektionen bis zur fachgerechten Instandsetzung fort. Moderne Verbundwerkstoffe verringern bestimmte Risiken, ersetzen aber kein umfassendes Schutzkonzept für den gesamten Hubschrauber.

Warum die maritime Umgebung besonders anspruchsvoll ist

Meerwasser enthält gelöste Salze. Gelangen diese zusammen mit Feuchtigkeit auf metallische Oberflächen, entsteht eine elektrisch leitfähige Flüssigkeit: ein Elektrolyt. Dieser ermöglicht elektrochemische Vorgänge, bei denen Metall angegriffen und nach und nach abgebaut wird.

Besonders bedeutsam sind Chloride. Sie können schützende Oberflächenschichten bestimmter Metalle beeinträchtigen und örtlich begrenzte Korrosionsangriffe begünstigen. Dafür muss ein Hubschrauber keinen direkten Kontakt mit einer Welle haben. Bereits salzhaltige Luft und feine Wassertröpfchen können seine Oberflächen belasten.

Verdunstet das Wasser, verschwinden die mitgeführten Verunreinigungen nicht automatisch. Salzablagerungen können zurückbleiben und bei erneuter Befeuchtung wieder einen leitfähigen Flüssigkeitsfilm bilden. Ein äußerlich trockener Hubschrauber ist daher nicht zwangsläufig frei von korrosionsfördernden Rückständen.

Auch der Aufenthalt an einem Küstenstützpunkt gehört zur Belastung. Korrosionsschutz betrifft somit den gesamten Betrieb zwischen Flug, Abstellung und Wartung.

Korrosion zeigt sich nicht immer als Rost

Der bekannte rotbraune Rost ist vor allem mit Eisen und vielen Stählen verbunden. An einem Luftfahrzeug kommen jedoch unterschiedliche Metalle und Legierungen zum Einsatz. Ihre Korrosionsschäden können anders aussehen und teilweise verborgen bleiben.

Wichtige Erscheinungsformen sind:

  • Flächenkorrosion: Eine größere Oberfläche wird angegriffen.
  • Lochfraß: Kleine örtliche Angriffe dringen in das Material ein.
  • Spaltkorrosion: In engen, feuchten Zwischenräumen entstehen korrosionsfördernde Bedingungen.
  • Kontaktkorrosion: Unterschiedliche elektrisch verbundene Werkstoffe bilden bei vorhandener Feuchtigkeit ein galvanisches System.

Entscheidend ist deshalb die technische Bewertung des betroffenen Bereichs. Die Größe einer sichtbaren Verfärbung allein sagt wenig darüber aus, wie weit ein Schaden bereits fortgeschritten ist.

Warum Verbundwerkstoffe den Schutzbedarf nicht beseitigen

Die NH90-Familie besitzt einen Rumpf in Verbundwerkstoffbauweise. Solche Werkstoffe bieten gegenüber einer vollständig metallischen Struktur Vorteile beim Gewicht und bei der Beständigkeit gegen klassische Metallkorrosion. Auch der maritime NH90 NFH nutzt diese Bauweise.

Ein Hubschrauber besteht jedoch aus weit mehr als seiner Rumpfschale. Metallische Befestigungselemente, Beschläge, Fahrwerksteile, Antriebskomponenten und zahlreiche weitere Bauteile bleiben Bestandteil des Gesamtsystems.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Übergänge zwischen unterschiedlichen Materialien. Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, kurz CFK, ist elektrisch leitfähig. Steht er mit einem geeigneten Metall in leitendem Kontakt und kommt Feuchtigkeit hinzu, kann am metallischen Verbindungspartner Kontaktkorrosion entstehen.

Geeignete Werkstoffkombinationen, elektrisch isolierende Zwischenlagen und sorgfältig ausgeführte Abdichtungen sind deshalb wichtige konstruktive Maßnahmen. Sie müssen auch nach Wartungsarbeiten und Reparaturen ihre vorgesehene Funktion erfüllen.

Ein korrosionsbeständiger Rumpf bedeutet somit nicht, dass sämtliche Verbindungen und eingebauten Systeme denselben Schutz besitzen. Die Qualität der Materialübergänge bleibt für die Haltbarkeit des gesamten Luftfahrzeugs wesentlich.

Beschichtungen schützen mehr als das äußere Erscheinungsbild

Die Lackierung eines Marinehubschraubers erfüllt neben Kennzeichnung und Tarnung eine technische Aufgabe. Ein geeignetes Beschichtungssystem trennt empfindliche Oberflächen von ihrer Umgebung und vermindert den unmittelbaren Kontakt mit Wasser und Verunreinigungen.

Zu einem solchen System gehören aufeinander abgestimmte Vorbehandlungen, Grundierungen und Deckbeschichtungen. Ihre Wirksamkeit hängt wesentlich vom Zustand des Untergrunds und von der fachgerechten Verarbeitung ab.

Die Instandsetzung beginnt deshalb nicht erst mit dem Auftragen neuer Farbe. Zunächst müssen vorhandene Schäden erkannt, betroffene Stellen bewertet und die erforderlichen Vorarbeiten ausgeführt werden. Beim Entfernen alter Beschichtungen können zuvor verdeckte Schäden sichtbar werden.

Auch die Werkstoffart beeinflusst das Verfahren. Eine Behandlung, die für eine metallische Oberfläche geeignet ist, lässt sich nicht ohne Weiteres auf ein Verbundwerkstoffbauteil übertragen.

Eine geschlossene Oberfläche ist nur dann ein zuverlässiger Schutz, wenn auch der Zustand darunter stimmt. Das bloße Überdecken eines Schadens ersetzt weder seine Untersuchung noch eine zulässige Reparatur.

Weshalb die Reinigung mit Süßwasser wichtig ist

Die Reinigung entfernt Ablagerungen, bevor sie über längere Zeit auf den Oberflächen verbleiben. Süßwasser kann dabei helfen, salzhaltige Rückstände zu lösen und abzuspülen. Für Hubschrauber im maritimen Umfeld ist dies eine wichtige vorbeugende Maßnahme.

Dabei kommt es auf die geeignete Durchführung an. Wassermenge, Strahlrichtung und Druck müssen zum Luftfahrzeug und zum jeweiligen Arbeitsbereich passen. Untersuchungen zu Spülanlagen für Hubschrauber zeigen, dass Anlagen für andere Flugzeugarten nicht automatisch geeignet sind.

Eine gründliche Reinigung berücksichtigt zudem schwer erreichbare Bereiche. Entscheidend ist, dass das Verfahren Verunreinigungen entfernt und zugleich die technischen Systeme des Hubschraubers berücksichtigt.

Die Bereitstellung geeigneter Waschplätze, ausreichend sauberen Wassers und der erforderlichen Arbeitszeit gehört damit zur technischen Unterstützung des Flugbetriebs. Besonders bei vielen gleichzeitig eingesetzten Luftfahrzeugen kann die regelmäßige Reinigung einen erheblichen organisatorischen Aufwand verursachen.

Regen ersetzt ein festgelegtes Reinigungsverfahren nicht zuverlässig. Er tritt weder zum erforderlichen Zeitpunkt auf noch gewährleistet er eine kontrollierte Behandlung aller vorgesehenen Bereiche.

Triebwerke benötigen eigene Reinigungsverfahren

Auch die Triebwerke nehmen Luft aus der maritimen Umgebung auf. Mitgeführte Partikel und Salz können in den Verdichter gelangen und sich auf inneren Oberflächen ablagern.

Solche Verunreinigungen betreffen nicht ausschließlich den Korrosionsschutz. Ablagerungen können die aerodynamische Wirksamkeit des Verdichters beeinträchtigen und damit das Betriebsverhalten des Triebwerks verändern.

Bei Hubschraubertriebwerken werden deshalb unterschiedliche Reinigungsaufgaben unterschieden. Eine Entsalzung dient dem Entfernen salzhaltiger Rückstände. Eine Reinigung zur Wiederherstellung der Verdichterleistung verfolgt einen weitergehenden Zweck und kann andere Mittel oder Verfahren erfordern. Hinzu kommen gegebenenfalls gesonderte Verfahren für weitere Triebwerksbereiche.

Welche Behandlung zulässig ist, ergibt sich aus den Unterlagen des jeweiligen Triebwerks. Vorgaben eines Herstellers lassen sich nicht pauschal auf andere Triebwerksmuster übertragen.

Auch die vorgeschriebene Nachbehandlung ist Teil des Arbeitsablaufs. Zurückbleibendes Wasser darf nicht selbst neue Probleme verursachen. Die äußere Hubschrauberwäsche und die innere Triebwerksreinigung sind daher getrennt zu betrachtende technische Arbeiten.

Elektrische Anschlüsse können früh betroffen sein

Korrosion kann die Zuverlässigkeit elektrischer Verbindungen beeinträchtigen, bevor ein größerer struktureller Schaden auffällt. Betroffen sind beispielsweise Steckkontakte, Anschlüsse und Kabelverbindungen.

Mögliche Folgen sind erhöhte elektrische Widerstände, zeitweise Unterbrechungen, Kurzschlüsse oder Signalverluste. Solche Fehler können die Fehlersuche erschweren, wenn sie nur unter bestimmten Umgebungsbedingungen auftreten.

Abdichtungen und geeignete Schutzmaßnahmen müssen deshalb zum jeweiligen Anschluss passen. Ein Mittel für äußere Gehäuseflächen ist nicht automatisch für die Innenseite eines Steckverbinders geeignet. Reinigung und Konservierung der Avionik, also der elektronischen Luftfahrzeugsysteme, erfordern entsprechend angepasste Verfahren.

Inspektionen müssen auch verdeckte Bereiche berücksichtigen

Eine äußerlich gepflegte Maschine kann an schwer zugänglichen Stellen Korrosionsschäden aufweisen. Beschichtungen können den Blick auf darunterliegende Oberflächen verhindern. Auch die Lage eines Bauteils kann seine Untersuchung erschweren.

Die Sichtprüfung bleibt wichtig, besitzt aber Grenzen. Je nach Befund und technischen Vorgaben sind weitergehende Untersuchungen erforderlich. Dazu können Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung gehören, bei denen Bauteile untersucht werden, ohne sie für die Untersuchung zu zerstören.

Militärische Instandhaltungsorganisationen erproben außerdem Verfahren, mit denen sich Korrosion unter bestimmten Beschichtungen erkennen lässt. Solche Ansätze sollen die Suche nach verdeckten Schäden erleichtern und gezieltere Untersuchungen ermöglichen. Ihre Eignung muss jedoch für die jeweilige Anwendung bewertet werden.

Für die Praxis folgt daraus: Ein unauffälliger äußerer Eindruck allein genügt nicht als Zustandsnachweis. Entscheidend sind die vorgesehenen Prüfungen und die fachliche Bewertung ihrer Ergebnisse.

Bedeutung für die deutschen Marineflieger

Der NH90 NTH Sea Lion verbindet Such- und Rettungsaufgaben über See mit dem Transport von Personal und Material sowie weiteren maritimen Einsatzmöglichkeiten. Er verfügt unter anderem über eine Rettungswinde und umfangreiche Sensor-, Navigations- und Kommunikationsausstattung.

Seine Auslegung berücksichtigt auch den Betrieb an Bord. Dazu gehören Möglichkeiten zur Sicherung auf einem Flugdeck und ein faltbarer Rotor für die Unterbringung im Bordhangar. Solche Eigenschaften verdeutlichen, wie umfassend ein Marinehubschrauber an sein Einsatzumfeld angepasst werden muss.

Für den Korrosionsschutz ist entsprechend das gesamte Luftfahrzeug zu betrachten: tragende Struktur, Materialverbindungen, Antrieb, elektrische Anlagen und zusätzliche Ausrüstung. Ein einzelnes widerstandsfähiges Bauteil kann den Schutzbedarf anderer Bereiche nicht aufheben.

Fazit

Korrosionsschutz entscheidet mit darüber, wie lange ein Marinehubschrauber sicher betrieben werden kann und welcher Aufwand für seine Erhaltung entsteht. Erfolgreich ist er als fortlaufende technische Aufgabe über die gesamte Nutzungsdauer.

Dazu gehören geeignete Werkstoffe und Beschichtungen ebenso wie Reinigung, qualifiziertes Personal und die rechtzeitige Untersuchung auffälliger Stellen. Maßgeblich für konkrete Arbeiten bleiben die freigegebenen Unterlagen des jeweiligen Musters. So wird aus dem konstruktiven Schutzkonzept eine dauerhaft wirksame Betreuung im maritimen Flugbetrieb.

Stand: Oktober 2026

Autor: Stephan Struck

Federal Aviation Administration – AC 43-4B: Corrosion Control for Aircraft
www.faa.gov/documentLibrary/media/Advisory_Circular/AC_43-4B.pdf

Federal Aviation Administration – AC 43-206 Including Change 1: Inspection, Prevention, Control, and Repair of Corrosion on Avionics Equipment
www.faa.gov/documentLibrary/media/Advisory_Circular/AC_43-206_CHG_1.pdf

Airbus – Safe operations with composite aircraft
safetyfirst.airbus.com/safe-operations-with-composite-aircraft/

NHIndustries – NH90 NFH: NATO Frigate Helicopter
www.nhindustries.com/nh90-helicopter/nh90-nfh-nato-frigate-helicopter/

Fleet Readiness Center Southwest – FRCSW Paint Shop Adds Finishing Touch to Fleet Aircraft
frcsw.navair.navy.mil/Public-Affairs-Office/News/Article/2613563/frcsw-paint-shop-adds-finishing-touch-to-fleet-aircraft/

U.S. Army – Rinse facility designed to combat natural enemy
www.army.mil/article/81694/rinse_facility_designed_to_combat_natural_enemy

Pratt & Whitney – The What, When and Why of Helicopter Engine Washes
www.rtx.com/prattwhitney/blogs/airtime/2019/03/31/the-what-when-and-why-of-helicopter-engine-washes

Naval Air Systems Command – FRCE explores new technology in fight against aircraft corrosion
www.navair.navy.mil/news/FRCE-explores-new-technology-fight-against-aircraft-corrosion/Fri-07022021-1444

Naval Air Systems Command – How Naval Aviation is solving its billion-dollar corrosion problem
www.navair.navy.mil/news/How-Naval-Aviation-solving-its-billion-dollar-corrosion-problem/Mon-03072022-1208

Bundeswehr – Mehrzweckhubschrauber NH-90 NTH Sea Lion
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweck-hubschrauber-sea-lion-nh-90-nth