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Wie landet ein Hubschrauber auf einer Fregatte?

Auf einem Flugplatz bewegt sich die Landebahn nicht. Das Flugdeck einer Fregatte dagegen hebt und senkt sich, rollt von einer Seite zur anderen und stampft mit dem Bug in die See. Gleichzeitig fährt das Schiff mit eigener Geschwindigkeit durch Wind und Wellen. Hinter den Aufbauten entstehen zudem Luftwirbel, die den Hubschrauber unmittelbar vor dem Aufsetzen erfassen können.

Eine Decklandung gehört deshalb zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Marineflieger. Sie ist keine Einzelleistung des Piloten, sondern das Ergebnis eines genau abgestimmten Zusammenspiels zwischen Hubschrauberbesatzung, Brücke, Operationszentrale und Flugdeckpersonal.

Warum eine Fregatte kein gewöhnlicher Landeplatz ist

Das Flugdeck einer Fregatte ist kaum größer als unbedingt notwendig. Hinter dem Landebereich befindet sich normalerweise der Hangar, seitlich begrenzen Reling, Antennen und andere Schiffseinrichtungen den verfügbaren Raum. Fehlerreserven sind entsprechend gering.

Hinzu kommen sechs verschiedene Bewegungsrichtungen des Schiffes:

  • Rollen um die Längsachse,
  • Stampfen um die Querachse,
  • Gieren um die Hochachse,
  • Heben und Senken,
  • seitliches Versetzen sowie
  • Beschleunigung oder Verzögerung in Fahrtrichtung.

Für den Piloten bedeutet das: Der Landeplatz verändert fortlaufend seine Höhe, Neigung und Position. Auch der optische Eindruck ist ungewohnt. Während der Horizont weitgehend stabil erscheint, bewegt sich das Deck darunter.

Eine weitere Schwierigkeit ist die Luftströmung. Wind trifft auf Masten, Schornsteine, Sensoren und Hangaraufbauten. Dahinter entstehen Turbulenzen und wechselnde Luftströmungen, die auf den Rotor und das Leitwerk wirken. Form und Stärke dieser sogenannten Schiffsnachlaufströmung hängen vom Schiffstyp, vom Wind und vom gewählten Kurs ab.

Vorbereitung des Flugdecks

Bevor der Hubschrauber zurückkehrt, wird das Flugdeck vorbereitet. Nicht benötigtes Material muss entfernt oder gesichert werden. Schon ein kleiner loser Gegenstand könnte durch den Rotorabwind erfasst und zu einem gefährlichen Fremdkörper werden.

Das Flugdeckpersonal überprüft unter anderem:

  • den freien Landebereich,
  • die Beleuchtung und Deckmarkierungen,
  • die Feuerlösch- und Rettungsausrüstung,
  • Kommunikationsverbindungen,
  • Sicherungsmittel wie Unterlegkeile und Zurrketten sowie
  • gegebenenfalls das Deck-Lock-System.

Der Flight Deck Officer, kurz FDO, trägt während des Flugbetriebs die Verantwortung für die Abläufe auf dem Flugdeck. Er hält Verbindung zur Brücke und zur Operationszentrale, überwacht das Personal und weist den Hubschrauber bei Start und Landung ein.

Auch das Schiff bereitet sich auf die Landung vor. Die Brücke wählt einen Kurs und eine Geschwindigkeit, durch die über dem Deck ein möglichst günstiger relativer Wind entsteht. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Fregatte genau mit dem Bug gegen den natürlichen Wind fährt. Entscheidend ist das für den jeweiligen Schiffstyp und Hubschrauber freigegebene Windfenster.

Kurs, Fahrt, Wind, Seegang und Deckbewegung müssen innerhalb festgelegter Grenzen liegen. Sind die Bedingungen zu ungünstig, wird die Landung verschoben oder abgebrochen.

Der Anflug auf das Schiff

Der Hubschrauber meldet sich vor dem Anflug beim Schiff an. Dabei werden Position, Auftrag, technischer Zustand und weitere für den Flugbetrieb erforderliche Informationen ausgetauscht. Das Schiff übermittelt unter anderem Kurs, Geschwindigkeit, Windverhältnisse und den Zustand des Flugdecks.

Anschließend fliegt der Hubschrauber eine festgelegte Warte- oder Anflugposition an. Von dort kann die Besatzung das Schiff beobachten und den Endanflug vorbereiten.

Je nach Schiff, Hubschraubertyp, Wind und taktischer Lage erfolgt der Anflug von achtern oder schräg von der Seite. Die Besatzung richtet ihre Maschine auf das Flugdeck aus und verringert Geschwindigkeit und Höhe. Einer der Piloten führt den Hubschrauber, während das zweite Besatzungsmitglied Instrumente, Abstände, Triebwerkswerte und die Kommunikation überwacht.

Das Ziel ist nicht einfach ein Punkt auf dem Meer. Der Hubschrauber muss eine stabile Position relativ zum fahrenden Schiff erreichen.

Die Rolle des Flight Deck Officers

Sobald sich der Hubschrauber dem Schiff nähert, übernimmt der Flight Deck Officer die sichtbare Einweisung. Er trägt auffällige Schutzkleidung und steht an einer Position, an der ihn die Piloten gut erkennen können, ohne selbst dem Hubschrauber zu nahe zu kommen.

Mit international weitgehend vereinheitlichten Handzeichen signalisiert er unter anderem:

  • Deck frei,
  • Position halten,
  • nach links oder rechts versetzen,
  • steigen oder sinken,
  • landen,
  • Triebwerke abstellen oder
  • Start beziehungsweise Landung abbrechen.

Bei Dunkelheit kommen beleuchtete Signalmittel und die Flugdeckbeleuchtung hinzu. Moderne Hubschrauber verfügen außerdem über Navigations- und Landehilfen, die den Anflug bei Nacht und eingeschränkter Sicht unterstützen.

Der Flight Deck Officer fliegt den Hubschrauber jedoch nicht auf das Deck. Die Entscheidung über die sichere Fortsetzung des Anfluges und die Kontrolle des Luftfahrzeuges bleiben bei der fliegenden Besatzung.

Der entscheidende Moment

Im Endanflug schwebt der Hubschrauber zunächst über oder unmittelbar neben dem vorgesehenen Landepunkt. Die Besatzung beobachtet die Bewegung des Decks und wartet auf eine Phase, in der Neigung und vertikale Bewegung innerhalb der zulässigen Werte liegen.

Dann wird die Sinkrate vorsichtig erhöht. Der Hubschrauber muss sich mit dem Deck bewegen, ohne dessen Bewegungen hektisch nachzufliegen. Während der letzten Meter können sich Seegang, Wind und Turbulenzen gleichzeitig bemerkbar machen.

Erst wenn die Räder sicher aufgesetzt haben und der Hubschrauber stabil steht, ist die eigentliche Landung abgeschlossen. Bei starkem Seegang reicht der Kontakt der Räder mit dem Deck jedoch noch nicht aus. Ohne zusätzliche Sicherung könnte die Maschine rutschen oder kippen.

Harpune und Deck-Lock

Marinehubschrauber und Fregatten können deshalb über ein besonderes Sicherungssystem verfügen. Dabei greift eine unter dem Hubschrauber angebrachte Vorrichtung in ein belastbares Gitter im Flugdeck. Häufig wird dafür der Begriff Harpune oder Deck-Lock verwendet.

Das System hält den Hubschrauber nach dem Aufsetzen auf seiner Position. Es ersetzt jedoch nicht sämtliche weiteren Sicherungsmaßnahmen. Sobald es gefahrlos möglich ist, bringt das Flugdeckpersonal Unterlegkeile und Zurrmittel an.

Der Sea Lynx Mk88A nutzte bei seinen Einsätzen auf deutschen Fregatten ein solches Harpunensystem. Auch der NH90 in der Marineversion besitzt eine Vorrichtung zur Sicherung auf dem Deck. Moderne Navigations- und Schiffslandehilfen unterstützen seine Besatzung zusätzlich bei Landungen am Tag, bei Nacht und unter schwierigen Wetterbedingungen.

Nach der Landung

Nach dem Aufsetzen bleibt das Flugdeck zunächst ein Gefahrenbereich. Der Hauptrotor dreht sich weiter, der Heckrotor ist kaum zu erkennen und der starke Abwind erschwert jede Bewegung.

Das Flugdeckpersonal nähert sich deshalb nur nach eindeutiger Freigabe und über festgelegte Wege. Anschließend wird der Hubschrauber gesichert. Je nach Auftrag und Dauer des Aufenthalts kann er:

  • mit laufenden Triebwerken betankt oder beladen,
  • für einen schnellen Folgeeinsatz bereitgehalten,
  • vollständig abgestellt oder
  • in den Hangar gebracht werden.

Für die Unterbringung im begrenzten Hangar lassen sich Rotorblätter und teilweise auch der Heckbereich eines Bordhubschraubers einklappen. Beim NH90 kann dieser Vorgang weitgehend automatisch erfolgen. Danach wird die Maschine mit einer Rangiereinrichtung in den Hangar bewegt und dort erneut gegen die Schiffsbewegungen gesichert.

Landungen bei Nacht und schlechtem Wetter

Bei Dunkelheit, Regen oder schlechter Sicht steigen die Anforderungen noch einmal. Gischt kann die Sicht beeinträchtigen, während die Deckbeleuchtung auf nassen Oberflächen reflektiert. Gleichzeitig fehlen viele natürliche Bezugspunkte.

Die Besatzung stützt sich dann stärker auf Instrumente, Nachtsichttechnik und die Landehilfen des Schiffes. Dennoch bleibt der Sichtkontakt zum Flugdeck während der letzten Phase entscheidend. Auch der Flight Deck Officer und die Deckmannschaft arbeiten mit speziell abgestimmter Beleuchtung und Signalausrüstung.

Landungen finden nur innerhalb geprüfter Betriebsgrenzen statt. Werden Wind, Sicht, Deckbewegung oder technische Voraussetzungen unzulässig, erhält der Hubschrauber keine Landefreigabe. Sicherheit hat Vorrang vor dem Einsatzplan.

Ausbildung und regelmäßiges Training

Eine Decklandung lässt sich nicht allein im Unterricht erlernen. Marinepiloten trainieren die Verfahren zunächst im Simulator und auf entsprechend markierten Landeflächen an Land. Anschließend folgen Landungen auf einem Schiff.

Diese Qualifikation muss regelmäßig erhalten werden. Trainiert wird bei unterschiedlichen Windverhältnissen, bei Tag und Nacht sowie auf verschiedenen Schiffstypen. Auch das Flugdeckpersonal benötigt eine besondere Ausbildung für seine Aufgaben.

Die Verfahren der NATO-Marinen sind weitgehend aufeinander abgestimmt. Dadurch können beispielsweise amerikanische, britische oder niederländische Hubschrauber auf deutschen Schiffen trainieren. Vor einer solchen Landung müssen trotzdem die technischen Grenzen und Besonderheiten der jeweiligen Kombination aus Schiff und Luftfahrzeug geprüft werden.

Vom Sea Lynx zum Sea Tiger

Der Sea Lynx Mk88A prägte den Bordflugbetrieb der Deutschen Marine seit 1981. Ende 2026 soll das Muster außer Dienst gestellt werden. Seine Aufgaben übernimmt schrittweise der NH90 MRFH Sea Tiger, dessen erste Maschine im Dezember 2025 an die Marine übergeben wurde.

Die Abkürzung MRFH steht für „Multi Role Frigate Helicopter“. Der Sea Tiger wurde speziell für den Einsatz von Fregatten aus entwickelt. Neben moderner Sensorik und Bewaffnung verfügt er über Eigenschaften, die den Betrieb auf See erleichtern: Schiffslandehilfen, Deck-Lock sowie faltbare Rotorblätter und einen faltbaren Heckbereich.

Trotz dieser technischen Unterstützung bleibt die Decklandung eine anspruchsvolle fliegerische Aufgabe. Automatisierung kann die Besatzung entlasten, aber weder Seegang noch Turbulenzen vollständig beseitigen.

Eine Leistung des gesamten Teams

Die Frage „Wie landet ein Hubschrauber auf einer Fregatte?“ lässt sich deshalb nicht allein mit den Steuerbewegungen des Piloten beantworten. Die Landung beginnt bereits mit der Vorbereitung des Flugdecks und der Wahl von Kurs und Geschwindigkeit durch die Brücke.

Im Endanflug arbeiten fliegende Besatzung, Flight Deck Officer, Operationszentrale und Schiffsführung nach klar festgelegten Verfahren zusammen. Nach dem Aufsetzen sorgen Deck-Lock, Zurrmittel und das Flugdeckpersonal dafür, dass der Hubschrauber auch bei Seegang sicher an Bord bleibt.

Was von außen wie ein kurzer Schwebeflug mit anschließendem Aufsetzen aussieht, ist in Wirklichkeit ein präzise koordinierter Vorgang zwischen Luftfahrt und Seefahrt.

Stand: September 2026

Autor: Stephan Struck

Quellenverzeichnis

Bundeswehr: Flugbetrieb auf hoher See
Ausführliche Darstellung der Vorbereitung und Durchführung des Bordflugbetriebs, der Aufgaben des Flugdecksoffiziers, der Einweisung durch Winksignale sowie der Zusammenarbeit zwischen Flugdeck, Brücke und Operationszentrale.
https://www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-irini-flugbetrieb-in-see-4578984

Bundeswehr: Bordhubschrauber Mk88A Sea Lynx
Informationen zur Landung des Sea Lynx auf Fregatten, zur Sicherung des Hubschraubers am Gitter des Flugdecks und zur Arbeit der eingeschifften Marineflieger.
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-mk88a-sea-lynx-

Bundeswehr: Mehrzweckhubschrauber NH90 NTH Sea Lion
Technische Angaben zur Harpune für die Sicherung auf Schiffsflugdecks, zum automatisch faltbaren Hauptrotor und zu den Anforderungen maritimer Nachtlandungen.
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweck-hubschrauber-sea-lion-nh-90-nth

Bundeswehr: Bordhubschrauber NH90 MRFH Sea Tiger
Darstellung des speziell für den Einsatz auf Fregatten entwickelten Bordhubschraubers und seiner maritimen Ausrüstung.
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-nh-90-sea-tiger

Bundesministerium der Verteidigung: Deutsche Marine bekommt neue Bordhubschrauber
Informationen zur Bedeutung des Bordhubschraubers als integraler Bestandteil des Waffensystems Fregatte und zur Beschaffung der NH90 Sea Tiger.
https://www.bmvg.de/de/aktuelles/deutsche-marine-neue-bordhubschrauber-4473464

Bundeswehr: Fregatten der Sachsen-Klasse
Technische Darstellung von Flugdeck und Hangar der Fregatten sowie der eingeschifften Bordhubschrauber, die die Fähigkeiten und Reichweite des Schiffes erweitern.
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/sachsen-klasse-f124-fregatte

Bundeswehr: Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse
Informationen zum Flugdeck, zum Bordhangar und zum Einsatz von Marinehubschraubern auf den Fregatten der Klasse F125.
https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/baden-wuerttemberg-klasse-f125-fregatten

Bundeswehr: Marinefliegergeschwader 5
Offizielle Darstellung des Geschwaders, das den Betrieb der Marinehubschrauber sowie die Ausbildung des fliegenden und technischen Personals verantwortet.
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5

Bundeswehr: Deck Landing Qualification
Videodokumentation über die Zusammenarbeit der Flugdecksoffiziere deutscher Fregatten mit den Besatzungen der Sea Lynx bei der Ausbildung für Decklandungen.
https://www.youtube.com/watch?v=6GXgcrmTeEI

Alle Internetquellen wurden zuletzt am 1. September 2026 abgerufen.

Übersicht Technik der Hubschrauber