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NH90 Block 1 absolviert Erstflug: Nächster Technologieschritt für die Marineflieger

Erstellt von Stephan Struck | | Marinehubschrauber

Der NH90 in der neuen Block-1-Konfiguration hat seinen ersten Erprobungsflug absolviert. Deutschland ist an dem europäischen Modernisierungsprogramm beteiligt. Link 22, modernisierte Sensoren und neue Sonarfähigkeiten könnten künftig auch die Marineflieger stärken – welche Systeme in die deutschen Hubschrauber einziehen, ist jedoch noch nicht vollständig öffentlich festgelegt.

Der europäische Marinehubschrauber NH90 erreicht die nächste Entwicklungsstufe. NHIndustries hat Anfang August 2026 den erfolgreichen Erstflug der neuen Software-Release-3-Konfiguration bestätigt, die auch als NH90 Block 1 bezeichnet wird. Der Flug fand bereits am 21. Juli in Italien mit einem modernisierten SH90 der italienischen Marine statt und markiert den Beginn der Flugerprobung.

Für die deutschen Marineflieger ist dieser Schritt grundsätzlich von Bedeutung: Deutschland gehört neben Belgien, Italien und den Niederlanden zu den vier Staaten, in deren Auftrag das Upgrade entwickelt und qualifiziert wird. Das Programm umfasst sowohl die Transportversion TTH als auch die Marineversion NFH, auf der die deutschen NH90 Sea Lion und Sea Tiger basieren.

Link 22 soll den NH90 stärker vernetzen

Ein zentraler Bestandteil von Block 1 ist die modernisierte Kommunikationsausstattung. Erstmals soll Link 22 in einen Hubschrauber integriert werden. Der taktische NATO-Datenlink ermöglicht den geschützten Austausch von Lage- und Zieldaten über Sichtverbindung hinaus, ohne ausschließlich auf Satellitenkommunikation angewiesen zu sein.

Für maritime Einsätze ist diese Fähigkeit besonders relevant. Ein entsprechend ausgerüsteter Hubschrauber könnte Informationen schneller mit Schiffen und anderen Einheiten eines multinationalen Verbandes austauschen. Im Einsatzverbund der deutschen Marine würde dies grundsätzlich zu dem Ziel passen, Daten von Fregatten, Bordhubschraubern und Seefernaufklärern zu einem gemeinsamen Lagebild zusammenzuführen. Eine konkrete Integration mit der deutschen P-8A Poseidon wurde im Zusammenhang mit Block 1 bislang jedoch nicht öffentlich bestätigt.

Zur Basisausstattung des Programms zählen außerdem eine modernisierte Freund-Feind-Erkennung nach IFF Mode 5 Level 2 sowie ein erneuertes ziviles Navigations- und Flugmanagementsystem.

Neue Sensoren, Sonare und Waffen als Optionen

NHIndustries nennt darüber hinaus eine hochauflösende elektrooptische Sensoranlage, verbesserte Sonarfähigkeiten und zusätzliche Waffenintegrationen. Genannt werden unter anderem das OTS-90 Mark II und das FLASH-Tauchsonar. Auch der Torpedo Mk 54 sowie der Seezielflugkörper Marte ER gehören zu den im Programm betrachteten Möglichkeiten.

Dabei ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Nicht jede genannte Fähigkeit wird automatisch in jedem NH90 aller beteiligten Staaten eingebaut. Bereits bei der Vorstellung des Programms hatte Airbus darauf hingewiesen, dass mehrere Sensor- und Waffenpakete den Betreibern als Optionen angeboten werden. Welche Komponenten Deutschland auswählt, welche Marinehubschrauber damit ausgerüstet werden und wann eine Einführung erfolgt, ist öffentlich noch nicht abschließend bekannt.

Sea Tiger befindet sich parallel im Zulauf

Der technische Entwicklungsschritt fällt in eine Phase des umfassenden Generationswechsels in Nordholz. Im Dezember 2025 wurde der erste NH90 MRFH Sea Tiger an die Deutsche Marine übergeben. Insgesamt sieht das Programm nach Angaben von NHIndustries 31 Hubschrauber vor, deren Auslieferung bis 2030 abgeschlossen werden soll.

Der Sea Tiger löst den Sea Lynx Mk88A als Bordhubschrauber der deutschen Fregatten ab. Seine Hauptaufgaben liegen in der U-Boot-Jagd und der Bekämpfung von Überwasserzielen. Dafür verfügt er bereits über ein modernes Missionssystem, elektrooptische Sensorik, Tauchsonar, Sonarbojen und eine umfassende Bewaffnung. Zusätzlich betreibt die Marine 18 NH90 Sea Lion vor allem für Transportaufgaben sowie den Such- und Rettungsdienst.

Erstflug ist noch keine Einsatzfreigabe

Der jetzt gemeldete Erstflug bedeutet noch nicht, dass Block 1 bereits bei den deutschen Marinefliegern genutzt werden kann. Zunächst folgen weitere Erprobungs- und Qualifikationsflüge. Erst danach kann die neue Konfiguration in Serienmaschinen eingebaut oder bei vorhandenen Hubschraubern nachgerüstet werden.

Airbus bezifferte den Entwicklungs- und Qualifizierungsauftrag 2024 auf mehr als 600 Millionen Euro. In einer anschließenden Programmphase sollen die Verbesserungen auf rund 200 NH90 der beteiligten Staaten ausgerollt werden. Ein öffentlich bestätigter Zeitplan für die deutschen Sea Lion und Sea Tiger liegt bislang nicht vor.

Dennoch zeigt der Erstflug, wohin sich die europäische NH90-Flotte entwickelt: weg vom einzelnen Luftfahrzeug als weitgehend isolierter Sensorplattform und hin zu einem stärker vernetzten Bestandteil multinationaler Einsatzverbände. Für die Marineflieger kann diese Entwicklung langfristig besonders bei der U-Boot-Jagd, der Seeraumüberwachung und dem Schutz kritischer Infrastruktur von Bedeutung sein.

Redaktioneller Hinweis

Die Herstellerangaben zum Block-1-Programm beschreiben den gemeinsamen Entwicklungsrahmen und teilweise optionale Ausstattungen. Der Artikel unterscheidet deshalb zwischen bestätigten Programmbestandteilen und möglichen Auswirkungen auf die deutschen Marinehubschrauber. Eine konkrete deutsche Auswahl aller genannten Sensoren und Waffen ist derzeit nicht öffentlich bestätigt.

Quellen

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NH90-Marinehubschrauber im Flug als Symbolbild für das Block-1-Upgrade mit Link 22 und neuen Sensoren
Mit Block 1 beginnt die nächste Modernisierungsstufe des NH90. Welche Bestandteile Deutschland für Sea Lion und Sea Tiger übernimmt, ist noch nicht vollständig öffentlich bekannt. Bild: KI-generiert / Marineflieger.de