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End of an Era: Flyout des Sea Lynx in Nordholz

Erstellt von Stephan Struck | | Marinehubschrauber

Ein vertrauter Anblick verschwindet vom Himmel über Nordholz und von den Flugdecks der deutschen Fregatten: Nach 45 Dienstjahren ist die Ära des Sea Lynx Mk88A bei den Marinefliegern zu Ende gegangen. Unter dem Motto „End of an Era – 45 Jahre Mk88A Sea Lynx“ verabschiedete das Marinefliegergeschwader 5 seinen langjährigen Bordhubschrauber mit einem Flyout am Heimatstandort.

Ein Abschied mit Symbolkraft

Zu der Veranstaltung kamen aktive und ehemalige Besatzungen, Techniker, Angehörige der Marine, Kooperationspartner, Familien und zahlreiche Wegbegleiter nach Nordholz. Im Mittelpunkt stand ein sichtbarer Generationswechsel: Der Sea Lynx in seiner besonderen Abschiedslackierung flog ein, ihm gegenüber bezog der neue NH90 MRFH Sea Tiger Position.

Anschließend übergaben die Besatzungen symbolisch den Staffelstab. Damit wurde aus einem technischen Musterwechsel ein eindrucksvoller Wachwechsel zwischen zwei Generationen von Bordhubschraubern. Kapitän zur See Thorsten Werning, Kommodore des Marinefliegergeschwaders 5, erinnerte in seiner Ansprache zugleich an die Menschen, die den Sea Lynx über Jahrzehnte geflogen, gewartet und auf See eingesetzt haben. Auch der drei Totalverluste und der drei Todesopfer während der langen Dienstzeit wurde gedacht.

Der Flyout bildete den feierlichen Schlusspunkt eines Abschiedes, der bereits einige Wochen zuvor begonnen hatte. Unter dem Motto „End of an Era“ hatte eine sonderlackierte Maschine verschiedene militärische Flugplätze in Deutschland besucht. Anfang August 2026 meldete die Marine das Ende dieser Abschiedstour. Im September folgte in Nordholz schließlich die offizielle Verabschiedung des Waffensystems.

45 Jahre als fliegender Arm der Fregatten

Die ersten Sea Lynx wurden im Sommer 1981 bei der damaligen Bundesmarine in Dienst gestellt. Ursprünglich für die Fregatten der Bremen-Klasse eingeführt, entwickelte sich der kompakte und äußerst wendige Hubschrauber zu einem festen Bestandteil des Bordflugbetriebs. Die Bundeswehr führte insgesamt 22 Maschinen der Varianten Mk88 und Mk88A.

Seine wichtigste Aufgabe war die U-Boot-Jagd. Als „fliegender Arm“ der Fregatte konnte der Sea Lynx weit über die Reichweite der schiffseigenen Sensoren hinaus operieren. Häufig arbeiteten zwei Hubschrauber im Team: Der sogenannte „Dipper“ suchte mit einem Tauchsonar nach Unterwasserkontakten, während das als „Pony“ bezeichnete zweite Luftfahrzeug Torpedos für einen möglichen Waffeneinsatz mitführte.

Daneben übernahm der Sea Lynx zahlreiche weitere Aufgaben. Er klärte Schiffe auf, überwachte Seegebiete, transportierte Personal und Material, setzte Boarding-Teams ab und stand für Such- und Rettungseinsätze bereit. Mit Radar, Wärmebildsensor, Rettungswinde und unterschiedlichen Bewaffnungsoptionen war er weit mehr als ein reiner U-Jagd-Hubschrauber.

Wenn eine Fregatte mit zwei Sea Lynx auslief, gehörten neben den fliegenden Besatzungen auch Techniker und weitere Spezialisten zur Bordhubschrauberkomponente. Insgesamt waren dafür regelmäßig rund 18 Marineflieger eingeschifft. Über vier Generationen hinweg prägte dieses Zusammenspiel den Dienst an Bord und im Marinefliegergeschwader 5.

Nach Angaben der Bundeswehr kamen die Sea Lynx während ihrer Dienstzeit auf mehr als 120.000 Flugstunden. Sie waren weltweit im Einsatz – von der klassischen U-Boot-Jagd im Nordatlantik über internationale Übungen bis zu Missionen zur Seeraumüberwachung und zum Schutz wichtiger Seewege.

Der Sea Tiger übernimmt

Mit dem NH90 MRFH Sea Tiger beginnt nun die nächste Generation des Bordflugbetriebs. Der erste Sea Tiger wurde im Dezember 2025 an die Marineflieger übergeben. Bis 2030 sollen insgesamt 31 Maschinen zulaufen.

Der neue Hubschrauber übernimmt die Kernaufgaben seines Vorgängers, erweitert die Fähigkeiten der Fregatten jedoch deutlich. Moderne Avionik, ein neues Tauchsonar, Sonarbojen, elektrooptische Sensoren und ein leistungsfähiges Missionssystem ermöglichen ein umfassenderes Lagebild über und unter Wasser. Für die Bekämpfung von Unterwasser- und Überwasserzielen kann der Sea Tiger unter anderem Torpedos und Seezielflugkörper einsetzen.

Die Übergabe des Staffelstabes in Nordholz machte deshalb deutlich: Mit dem Sea Lynx endet zwar ein prägendes Kapitel, seine Aufgabe bleibt jedoch bestehen. Auch künftig benötigen die Fregatten einen leistungsfähigen Bordhubschrauber, der ihre Sensor- und Wirkreichweite weit über den Horizont hinaus verlängert.

Ein Waffensystem wird Geschichte

Der Abschied vom Sea Lynx ist mehr als die Außerdienststellung eines alten Hubschraubers. Für viele Besatzungen und Techniker war er Arbeitsplatz, Einsatzmittel und über Jahre ein verlässlicher Begleiter. Seine kompakte Form, der charakteristische Klang und seine außergewöhnliche Wendigkeit gehörten über Jahrzehnte fest zum Bild der deutschen Marineflieger.

Mit dem Flyout in Nordholz endet diese Ära dort, wo die letzten Maschinen stationiert waren. Der Sea Tiger übernimmt den Staffelstab – der Sea Lynx aber behält seinen festen Platz in der Geschichte der deutschen Marineflieger.

Quellen

  1. Bundeswehr: Nordholz – Sea Lynx beendet Abschiedstour „End of an Era“
  2. Bundeswehr: Bordhubschrauber Mk88A Sea Lynx
  3. Bundeswehr: Bordhubschrauber NH90 MRFH Sea Tiger
  4. marineforum: Der Lynx fliegt davon – Marine verabschiedet Bordhubschrauber
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Sea Lynx Mk88A beim „End of an Era“-Flyout über der Nordsee.
Nach 45 Dienstjahren verabschieden die Marineflieger den Sea Lynx Mk88A und übergeben seine Aufgaben an den NH90 Sea Tiger. Bild: KI-generiert / Marineflieger.de