Trident Juncture 2015 – Sea Lynx im multinationalen Flottenverband
Am 29. Oktober 2015 manövrierten im westlichen Mittelmeer 18 Kriegsschiffe aus elf Nationen in wechselnden Formationen. Über dem Verband flog ein Sea Lynx Mk88A der Deutschen Marine. Der Bordhubschrauber gehörte zur Fregatte „Hamburg“, dem damaligen Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 2. Von der Maschine aus dokumentierte ein Foto- und Videoteam das Manöver. Der Flug zeigt, wie ein deutscher Bordhubschrauber in den Betrieb eines multinationalen Flottenverbands eingebunden war.
Das NATO-Manöver zwischen Atlantik und Mittelmeer
Trident Juncture 2015 dauerte vom 3. Oktober bis zum 6. November. Rund 36.000 Soldatinnen und Soldaten aus mehr als 30 NATO- und Partnerstaaten nahmen teil. Die Übung verband Land-, Luft- und Seestreitkräfte sowie Spezialkräfte. Sie diente unter anderem dazu, die Führung der NATO Response Force für 2016 zu überprüfen. Diese Eingreiftruppe setzte sich aus nationalen Kräften zusammen, die im Bedarfsfall unter gemeinsamer NATO-Führung eingesetzt werden konnten.
Die Übung bestand aus zwei Teilen. Vom 3. bis zum 16. Oktober trainierten die beteiligten Stäbe in einer computergestützten Übung, wie sie Kräfte führen und ihre Entscheidungen über nationale und militärische Zuständigkeitsgrenzen hinweg abstimmen. Die praktische Phase lief vom 21. Oktober bis zum 6. November. Italien, Portugal und Spanien waren die Gastgeber. Im maritimen Teil übten die Beteiligten unter anderem amphibische Landungen, den Einsatz von Seefernaufklärern sowie die Seekriegsführung mit und gegen U-Boote.
Auch die beteiligten Luftfahrzeuge kamen aus verschiedenen Nationen. So unterstützten portugiesische F-16 und finnische F/A-18 das Training von Schiffen im Atlantik südlich Portugals. Die Formationsübung mit der „Hamburg“ fand dagegen im westlichen Mittelmeer statt. Beide Abschnitte zeigen, wie weit die Übungsräume auseinanderlagen und wie unterschiedlich Schiffe und Luftfahrzeuge je nach Auftrag zusammenarbeiteten.
Die Fregatte „Hamburg“ als Flaggschiff
Die „Hamburg“ war 2015 mehrere Monate Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 2, kurz SNMG2. Der ständige NATO-Marineverband operierte vor allem im Mittelmeer. An Bord der deutschen Fregatte führte Flottillenadmiral Jörg Klein den Verband mit einem multinationalen Stab. Fregattenkapitän Steffen Lange war Kommandant des Schiffs. Damit lagen die Führung des NATO-Verbands und das Kommando über die Fregatte bei zwei verschiedenen Stellen an Bord.
Die „Hamburg“ gehört zur Sachsen-Klasse, die für die Luftverteidigung eines Schiffsverbands ausgelegt ist. Ihre Sensoren erfassen den Luftraum, ihre Kommunikationsanlagen unterstützen die Führung anderer Schiffe. Am Heck verfügt die Fregatte über ein Flugdeck und einen Hangar. Die Rotorblätter der Sea Lynx konnten für die Unterbringung im Hangar nach hinten gefaltet werden. So ließen sich die Hubschrauber auf längeren Seefahrten einschiffen und an Bord warten.
Beim Manöver am 29. Oktober kamen Einheiten aus sechs Einsatzgruppen zusammen. Der britische Hubschrauberträger HMS Ocean führte die Formation an. Die „Hamburg“ nahm als Flaggschiff ihres eigenen NATO-Verbands an der gemeinsamen Übung teil. Die Führung einer einzelnen Formation und die dauerhafte Führung eines NATO-Verbands waren dabei unterschiedliche Aufgaben.
Der Flug am 29. Oktober 2015
Das Manöver war als Photo Exercise, kurz PHOTOEX, angelegt. Dabei nehmen Schiffe abgestimmte Formationen ein, die aus der Luft fotografiert und gefilmt werden können. Die 18 Kriegsschiffe änderten im Laufe mehrerer Stunden wiederholt ihre Anordnung. Zeitweise fuhren sie bis auf wenige Hundert Fuß aneinander heran. Der Navigationsoffizier der HMS Ocean koordinierte das Manöver, an dem auch das britische Landungsschiff HMS Bulwark beteiligt war.
Für die Brückenbesatzungen war das eine Übung in Kommunikation und Schiffsführung. Jedes Schiff musste Kurs und Fahrt so ändern, dass es seinen vorgesehenen Platz erreichte und ausreichend Abstand zu den Nachbarn hielt. Schon kleine Unterschiede in der Geschwindigkeit verändern bei enger Fahrt die Abstände. Kurswechsel mussten deshalb über die gesamte Formation hinweg abgestimmt werden.
Zwei Bordhubschrauber begleiteten das Manöver aus der Luft. Einer davon war die Sea Lynx der „Hamburg“. An Bord hielten eine Fotografin und ein Kameramann die wechselnden Formationen fest. Aus der erhöhten Perspektive konnten sie gleichzeitig mehrere Reihen von Schiffen erfassen und zeigen, wie sich die Anordnung des Verbands auf See veränderte. Eine Aufnahme der Marinefotografin Alyssa Bier dokumentiert den Flug aus dem Hubschrauber heraus.
Was der Bordflugbetrieb von Schiff und Besatzung verlangte
Ein Bordhubschrauber wird von einem Schiff aus eingesetzt, dessen Kurs, Fahrt und Bewegung im Seegang die Bedingungen am Flugdeck bestimmen. Vor dem Start und vor der Landung stimmen sich deshalb mehrere Arbeitsbereiche ab. Die Flugbesatzung beurteilt den Anflug und die Verhältnisse am Deck. Das Flugdeckpersonal bereitet die Landefläche vor und sichert die Maschine am Boden. Die Schiffsführung bindet den Flugbetrieb in die Navigation und die übrigen Aufgaben der Fregatte ein.
Gerade in einem Verband muss dabei auch die Bewegung der Nachbarschiffe berücksichtigt werden. Ein Schiff, das für den Flugbetrieb Kurs oder Geschwindigkeit anpassen muss, braucht dafür Raum. Für den Hubschrauber ändern sich mit jedem Formationswechsel die Positionen der Schiffe, über denen oder neben denen er operiert. Das ist die praktische Seite von Interoperabilität. Gemeint ist die Fähigkeit verschiedener Streitkräfte, mit abgestimmten Verfahren zusammenzuarbeiten, auch wenn sie unterschiedliche Schiffe und Luftfahrzeuge einsetzen.
Zur Arbeit der eingeschifften Marineflieger gehörte außerdem die technische Betreuung. Nach der Rückkehr musste die Maschine gesichert, je nach Bedarf betankt und für den nächsten Flug vorbereitet werden. Bei Betrieb mit zwei Hubschraubern kam die Reihenfolge der Decknutzung hinzu. Ein später dokumentiertes Training auf derselben Fregatte während der Operation Irini veranschaulicht das. Die Maschinen wurden nacheinander betankt. Bei der Rückkehr wurde die erste Maschine in den Hangar gebracht, bevor die zweite landete.
Die Hauptaufgabe der Sea Lynx
Die Sea Lynx des Marinefliegergeschwaders 5 war vor allem für die U-Boot-Jagd ausgelegt. Ein Bordhubschrauber konnte ein zugewiesenes Suchgebiet schneller erreichen als die Fregatte. Mit einem Tauchsonar konnte die Besatzung unter Wasser nach Kontakten suchen. Dazu ging der Hubschrauber in den Schwebeflug und ließ den Sensor an einem Kabel auf die für die Suche gewählte Tiefe hinab. Wie gut sich ein Kontakt orten lässt, hängt unter anderem davon ab, wie sich der Schall im Wasser ausbreitet.
Die Deutsche Marine konnte zwei Sea Lynx mit unterschiedlichen Aufgaben einsetzen:
- Der Dipper trug das Tauchsonar. Seine Besatzung suchte nach dem Unterwasserkontakt und versuchte, dessen Position zu bestimmen.
- Das Pony führte Torpedos mit. Es konnte in der Nähe des Suchgebiets bereitgehalten werden und auf Anweisung gegen das geortete Ziel vorgehen.
Mit dieser Arbeitsteilung konnte die Fregatte ihre Suche über das unmittelbare Umfeld des Schiffs hinaus ausdehnen. Für Trident Juncture 2015 ist U-Boot-Kriegführung als Bestandteil des maritimen Programms belegt. Der konkrete Flug der „Hamburg“-Sea-Lynx am 29. Oktober ist als Foto- und Videoflug dokumentiert. Welche weiteren Flugaufträge die eingeschifften Marineflieger während des Manövers übernahmen, bleibt in der öffentlichen Dokumentation offen.
Fazit
Die Luftaufnahmen vom 29. Oktober halten einen Teil der Übung fest, der auf einzelnen Schiffsbrücken nur ausschnittsweise zu sehen war. Sie zeigen, wie Einheiten aus sechs Einsatzgruppen ihre Positionen in einer gemeinsamen Formation wechselten. Für die Geschichte der Marineflieger ist der Flug ein konkretes Beispiel dafür, wie die Fregatte „Hamburg“ als NATO-Flaggschiff ihren Bordhubschrauber in ein multinationales Manöver einband. Die Sea Lynx erfüllte dabei einen anderen Auftrag als bei der U-Boot-Jagd, nutzte aber dieselbe Infrastruktur und dieselbe Zusammenarbeit zwischen Flugbesatzung, Flugdeck und Schiff.
Quellen:
Stand: November 2026
NATO – NATO Allies and Partners train together during exercise Trident Juncture 2015
www.nato.int/en/news-and-events/articles/news/2015/10/20/nato-allies-and-partners-train-together-during-exercise-trident-juncture-2015
NATO – Trident Juncture 15 at Sea: NATO and partners put to the test
www.nato.int/en/news-and-events/articles/news/2015/10/28/trident-juncture-15-at-sea-nato-and-partners-put-to-the-test
Presse- und Informationszentrum Marine – Fregatte „Hamburg“ kehrt nach sechs Monaten als NATO Flaggschiff zurück in den Heimathafen
www.presseportal.de/pm/67428/3204602
Deutsche Marine, Aufnahme von Alyssa Bier im NARA and DVIDS Public Domain Archives – Trident Juncture 2015 - A view of the ocean from inside a helicopter
nara.getarchive.net/media/trident-juncture-2015-ebe1af
Defense Visual Information Distribution Service – Trident Juncture at Sea PHOTOEX
www.dvidshub.net/video/431238/trident-juncture-sea-photoex
Natochannel, veröffentlicht bei Defense Visual Information Distribution Service – Maritime Forces at Trident Juncture
www.dvidshub.net/video/431696/maritime-forces-trident-juncture
Bundeswehr – Fregatten der Sachsen-Klasse
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/seesysteme-bundeswehr/sachsen-klasse-f124-fregatte
Bundeswehr – Bordhubschrauber Mk88A Sea Lynx
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-mk88a-sea-lynx-
Bundeswehr – Marinefliegergeschwader 5
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5
Bundeswehr – Flugbetrieb mit zwei Bordhubschraubern bei Irini
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/einsatz-irini-mittelmeer-dual-flyex-fregatte-hamburg-4627806