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Schneewinter 2010 – Marineflieger helfen auf Rügen und Hiddensee

Am 3. Februar 2010 brachten Hubschrauber der Deutschen Marine Lebensmittel und Medikamente auf die vom Eis eingeschlossene Insel Hiddensee. Auf den Rückflügen nahmen sie festsitzende Urlauber nach Schaprode auf Rügen mit. Der Einsatz folgte auf einen zivilen Flugtag, den ein Schneesturm vorzeitig beendet hatte. Während auf Rügen Straßen und Gleise freigeräumt wurden, musste Hiddensee auf eine wieder befahrbare Schiffsverbindung warten. Die Marineflieger überbrückten mit ihren Sea King Mk 41 einen Teil dieser Versorgungslücke.

Zwei Inseln mit unterschiedlichen Verkehrsproblemen

Ende Januar 2010 trafen heftige Schneefälle und starker Wind die vorpommersche Ostseeküste. Auf Rügen türmte sich der Schnee stellenweise zu hohen Verwehungen. Wie schnell geräumte Strecken wieder unpassierbar werden konnten, zeigte sich bei der Rügenschen Bäderbahn. Am 30. Januar musste sie einen Räumversuch bei Binz abbrechen. Der Wind trieb den Schnee unmittelbar hinter den Pflügen zurück auf die Gleise. Am folgenden Tag gelang es, Teile des Zugverkehrs wieder aufzunehmen.

Für Hiddensee lag das entscheidende Hindernis im Wasser. Die Insel westlich von Rügen ist auf Schiffsverbindungen angewiesen. Als die eisgängige Fähre Vitte mit einem Maschinenschaden ausfiel, fiel auf der Verbindung von Schaprode nach Hiddensee auch das für diese Bedingungen geeignete Fährschiff aus. Der eisbrechende Tonnenleger Ranzow, der beim Freihalten der Fahrrinne helfen konnte, musste nach einem technischen Defekt ebenfalls aus dem Einsatz genommen werden.

Das Ausmaß des Eiswinters reichte über die Tage der unterbrochenen Versorgung hinaus. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie verzeichnete im Hafen von Neuendorf auf Hiddensee in der Saison 2009/10 insgesamt 96 Tage mit Eis. Diese Zahl beschreibt die Eisbeobachtungen an einem einzelnen Hafen. Die tagelange Unterbrechung der Schiffsverbindung entstand, als schwierige Eisverhältnisse und der Ausfall geeigneter Schiffe zusammenkamen.

Vom zivilen Flugtag zum Einsatz der Marine

Am Dienstag, dem 2. Februar, erreichte bereits ein ziviler Hubschrauber die Insel mit frischen Lebensmitteln. Bei den ersten Flügen konnten auch einige Urlauber Hiddensee verlassen. Am Nachmittag zwang ein Schneesturm die zivile Luftbrücke zum Abbruch. Ein Teil der Menschen, die auf eine Mitfluggelegenheit gewartet hatten, musste auf der Insel bleiben.

Der Katastrophenstab des damaligen Landkreises Rügen forderte daraufhin Unterstützung der Bundeswehr an. Am Mittwoch, dem 3. Februar, setzte die Deutsche Marine zwei Hubschrauber ein. Zeitgenössische Berichte beschreiben eine Arbeitsteilung. Eine Maschine transportierte vor allem Versorgungsgüter, die andere übernahm den Transport der festsitzenden Urlauber. Die Marineflieger brachten die Passagiere von Hiddensee nach Schaprode auf Rügen. Von dort konnten sie ihre Reise auf dem Landweg fortsetzen.

Die zeitgenössischen Meldungen nennen unterschiedliche Zahlen zu den wartenden und ausgeflogenen Gästen. Eine Reportage vom Einsatztag bezifferte die Zahl der mit mehreren Pendelflügen beförderten Urlauber auf rund 70. Die Zahl bezieht sich auf die in diesem Bericht erfassten Flüge der Marine. Schon am Vortag hatten einige Gäste die Insel mit einem zivilen Hubschrauber verlassen.

Was die Pendelflüge leisteten

Die Luftbrücke erfüllte zwei Aufgaben mit unterschiedlichen Transportrichtungen.

  • Nach Hiddensee flogen die Marinebesatzungen Lebensmittel und Medikamente. Bei den Lebensmitteln ging es auch darum, die knapper werdenden Frischwaren zu ergänzen.
  • Nach Rügen beförderten sie Urlauber, deren Rückreise seit dem Ausfall der Fähre unterbrochen war. Schaprode war zugleich der Hafen, von dem die reguläre Fährverbindung nach Hiddensee abging.

Damit hatte Rügen eine doppelte Rolle. Auf der Insel selbst beeinträchtigten Schneeverwehungen den Verkehr. Zugleich diente ihre Westküste als Anschluss für die Flüge von Hiddensee. Die Hubschrauber übernahmen die kurze Strecke über das vereiste Wasser. Nach der Landung in Schaprode konnten die Passagiere wieder auf Straßenverbindungen zurückgreifen.

Für die Versorgung einer Insel zählt neben dem Transport auch die Übergabe am Boden. Lebensmittel und Medikamente müssen am Abflugort bereitstehen und nach der Landung übernommen und verteilt werden. Beim Passagiertransport kommen die Organisation der Abflüge und der Anschluss nach der Landung hinzu. Der fliegerische Teil der Hilfe löst damit das Problem der unterbrochenen Verbindung. Die Versorgung vor Ort bleibt eine Aufgabe der zivilen Stellen.

Der Sea King als Transporthubschrauber

Der Westland Sea King Mk 41 war der Mehrzweckhubschrauber des Marinefliegergeschwaders 5. Im Jahr 2010 war das Geschwader noch in Kiel-Holtenau stationiert. Die Verlegung nach Nordholz folgte 2012. Für die Einordnung des Einsatzes ist der damalige Geschwaderstandort vom örtlichen Umschlagpunkt in Schaprode zu unterscheiden.

Bekannt war der Sea King vor allem aus dem militärischen Such- und Rettungsdienst über See. Die Abkürzung SAR steht für Search and Rescue, also Suche und Rettung. Zur Ausstattung gehörte eine Rettungswinde für Einsätze, bei denen eine Landung am Ort der Rettung unmöglich ist. Im Schneewinter vor Hiddensee stand eine andere Fähigkeit desselben Musters im Vordergrund. Die Besatzungen konnten in der Kabine sowohl Personen als auch Material transportieren und mit Pendelflügen zwei Orte verbinden, zwischen denen der Schiffsverkehr ausgefallen war.

Der Ausfall der zivilen Flüge am Vortag zeigt die Grenzen einer solchen Verbindung. Schneetreiben kann die Sicht beim Anflug und bei der Landung rasch verschlechtern. Deshalb hängt auch eine kurze Flugstrecke davon ab, ob An- und Abflug sowie die Landungen sicher möglich sind. Eine Luftbrücke kann verfügbare Wetterfenster nutzen. Für größere Liefermengen und einen regelmäßigen Personenverkehr blieb die Schiffsverbindung entscheidend.

Wie die Schiffsversorgung zurückkehrte

Die Flüge der Marine am 3. Februar entschärften die Lage, während die Fähre weiter ausfiel. Der Landkreis wandte sich anschließend erneut an das Land Mecklenburg-Vorpommern. Am Freitag, dem 5. Februar, kündigte das Land an, bei weiterem Bedarf Hubschrauber der Bundespolizei für die Versorgung einzusetzen. Damit stand für die folgenden Tage eine weitere Möglichkeit zur Verfügung, falls der Seeweg gesperrt blieb.

Am Sonntag, dem 7. Februar, erreichte erstmals seit rund zehn Tagen wieder ein Schiff die Insel. Der Tonnenleger Görmitz arbeitete sich durch das Eis bis in den Hafen Vitte vor. Er brachte mehrere Tonnen Lebensmittel sowie Heizöl in Spezialbehältern. Mit dieser Fahrt konnten Güter in größerer Menge auf die Insel gelangen. Die reguläre Personenfähre blieb zunächst außer Betrieb. Das Fährschiff Vitte konnte Schaprode nach der Öffnung der Fahrrinne verlassen und zur Reparatur nach Rostock fahren.

Die Wiederanbindung erfolgte damit schrittweise. Zuerst brachten Hubschrauber dringende Güter auf die Insel und ermöglichten die Abreise festsitzender Gäste. Danach erreichte ein geeignetes Schiff den Hafen mit größeren Liefermengen. Für die Rückkehr zum regulären Fährbetrieb mussten sowohl die Fahrrinne als auch ein geeignetes Fährschiff wieder zur Verfügung stehen.

Fazit

Die Winterhilfe vor Hiddensee zeigt, welche Aufgabe Marinehubschrauber bei einer unterbrochenen Inselversorgung übernehmen können. Am 3. Februar 2010 nutzten die Sea-King-Besatzungen die kurze Verbindung nach Schaprode, um dringenden Nachschub nach Hiddensee zu bringen und festsitzende Gäste zurück nach Rügen zu fliegen. Die spätere Fahrt der Görmitz machte wieder größere Lieferungen möglich. So ergänzten sich zivile Flüge, die Hilfe der Marine und die Wiederaufnahme der Versorgung auf dem Wasser.

Quellen:

Stand: November 2026

Autor: Stephan Struck

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie – Eiswinter 2009/2010 bis 2013/2014
www.bsh.de/download/Berichte-des-BSH-53.pdf

Luftfahrtamt der Bundeswehr – SAR-Jahresbericht 2019
www.bundeswehr.de/resource/blob/3315406/5a7d533f22630c0944224246c022856d/04-download-rccmuenster-jahresbericht-2019-data.pdf

Schleswig-Holsteinischer Landtag – Situation des Marinefliegergeschwaders 5 in Kiel-Holtenau
www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl16/drucks/2200/drucksache-16-2206.pdf

Preß-Kurier – Aktuelles von der RüBB und PRESS im Dezember und Januar
www.presskurier.de/112/aktuelles-ruebb-press-im-dezember-januar

evangelisch.de – Hiddensee entdeckt die Entschleunigung im Eis
www.evangelisch.de/inhalte/98280/03-02-2010

Der Tagesspiegel – Wetter-Chaos: Luftbrücke nach Hiddensee
www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/luftbrucke-nach-hiddensee-6775516.html

WELT – Hilfe von oben: Deutsche Marine fliegt Hiddensee-Urlauber aus
www.welt.de/vermischtes/article6242157/Hilfe-von-oben-Deutsche-Marine-fliegt-Hiddensee-Urlauber-aus.html

Der Tagesspiegel – Winter-Chaos: Hiddensee bittet um weitere Flüge
www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/hiddensee-bittet-um-weitere-fluge-4780081.html

Merkur – Erstes Schiff läuft Ostseeinsel Hiddensee an
www.merkur.de/deutschland/erstes-schiff-laeuft-ostseeinsel-hiddensee-zr-621058.html