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RIMPAC 2024 – Deutsche Sea Lynx im multinationalen Pazifikmanöver

Mit zwei Bordhubschraubern des Typs Sea Lynx Mk88A beteiligten sich die deutschen Marineflieger am Indo-Pacific Deployment 2024. Ein Schwerpunkt der Reise war das multinationale Seemanöver RIMPAC vor Hawaii. Gemeinsam mit der Fregatte „Baden-Württemberg“ und dem Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ brachten die Hubschrauber ihre Fähigkeiten in einen großen internationalen Übungsverband ein.

Für die Marineflieger verband RIMPAC anspruchsvollen Bordflugbetrieb mit der Zusammenarbeit unterschiedlicher Seestreitkräfte. Besonders greifbar wird dieser Beitrag an zwei dokumentierten Aufgaben: der U-Boot-Abwehr zum Schutz des Verbandes und der Landung eines deutschen Sea Lynx auf der niederländischen Fregatte „Tromp“.

Ein Großmanöver rund um Hawaii

RIMPAC steht für „Rim of the Pacific“. Die Übung wird im zweijährigen Rhythmus von der US Navy ausgerichtet. Die Ausgabe 2024 fand vom 27. Juni bis zum 1. August auf und um die hawaiianischen Inseln statt. Beteiligt waren 29 Nationen, rund 25.000 Soldatinnen und Soldaten, 40 Überwasserschiffe, drei U-Boote sowie mehr als 150 Flugzeuge und Hubschrauber.

Die Übung begann mit einer Hafenphase. In Pearl Harbor bereiteten die Teilnehmer ihre Zusammenarbeit vor, stimmten Abläufe ab und führten erste Ausbildungsabschnitte durch. Am 9. Juli lief der Großteil der beteiligten Schiffe zur Seephase aus. Dieser Termin markierte damit einen wichtigen Phasenwechsel innerhalb des bereits laufenden Manövers.

Zum Übungsprogramm gehörten unter anderem U-Boot-Abwehr, Überwasserseekriegsführung, amphibische Operationen und der Schutz eines Flugzeugträgerverbandes. Auch humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe waren Bestandteil des Gesamtvorhabens. Die Marineflieger arbeiteten damit in einem Umfeld, in dem fliegende und schwimmende Einheiten laufend aufeinander abgestimmt werden mussten.

Zwei Hubschrauber für den deutschen Marineverband

Die deutsche Marinekomponente bestand aus der Fregatte „Baden-Württemberg“ der Klasse F125 und dem Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“. Beide Schiffe waren bereits seit Mai 2024 im Rahmen des Indo-Pacific Deployments unterwegs. Nach der Atlantiküberquerung und der Passage des Panamakanals in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni erreichten sie den Pazifik. Am 27. Juni liefen sie in Hawaii ein.

Die Bordhubschrauberkomponente kam vom Marinefliegergeschwader 5 aus Nordholz und umfasste zwei Sea Lynx Mk88A. Sie gehörte zum gesamten deutschen Verband. Die Hubschrauber konnten dabei die Flugdecks beider deutschen Schiffe nutzen. Schon während der Anreise wurde Flugbetrieb sowohl auf der Fregatte als auch auf dem Einsatzgruppenversorger durchgeführt.

Diese Kombination verband unterschiedliche Funktionen: Die Fregatte stellte eine Plattform für Führung und militärische Aufgaben, während der Einsatzgruppenversorger die Versorgung und damit die Seeausdauer unterstützte. Die Marineflieger ergänzten den Verband um bewegliche Sensoren und weitere Einsatzmöglichkeiten aus der Luft.

Welche Fähigkeiten der Sea Lynx mitbrachte

Der Sea Lynx Mk88A war als Bordhubschrauber für den Einsatz auf Kriegsschiffen ausgelegt. Seine Hauptrolle lag in der U-Boot-Jagd. Dabei konnte er sich vom eigenen Schiff lösen und einen Suchraum aus der Luft erreichen. Zur typischen Besatzung gehörten zwei Piloten und ein Operator für die Bedienung des Sonars.

Für seine unterschiedlichen Aufgaben standen insbesondere folgende Fähigkeiten zur Verfügung:

  • Tauchsonar: Ein Sensor wurde aus dem schwebenden Hubschrauber ins Wasser abgesenkt, um nach Unterwasserzielen zu suchen.
  • Radar: Es unterstützte die Erfassung von Zielen an der Meeresoberfläche und die Seeraumüberwachung.
  • Torpedobewaffnung: Je nach Ausrüstung konnte der Hubschrauber Waffen zur Bekämpfung von U-Booten mitführen.
  • Transport und Rettung: Zum Fähigkeitsspektrum gehörten außerdem Personal- und Materialtransporte sowie die Bergung von Menschen mit der Rettungswinde.

Diese Möglichkeiten beschreiben das grundsätzliche Einsatzspektrum des Musters. Welche Ausrüstung eine einzelne Maschine mitführte, richtete sich nach ihrem Auftrag. Aus der Teilnahme an RIMPAC lässt sich deshalb keine gleichzeitige Nutzung sämtlicher Fähigkeiten bei jedem Flug ableiten.

U-Boot-Abwehr zum Schutz des Verbandes

Für RIMPAC ist der Beitrag der deutschen Bordhubschrauber zur U-Boot-Abwehr ausdrücklich beschrieben. Im Rückblick auf das Manöver erläuterte der Kommandant der „Baden-Württemberg“, dass die Fregatte mit ihren eingeschifften Hubschraubern auch in diesem Bereich zum Schutz des eigenen Verbandes beitrug.

Die deutsche Einheit wurde in unterschiedlich anspruchsvollen Szenarien eingesetzt. Dazu gehörten der Schutz von Versorgungs- und Transportschiffen sowie das Geleiten eines Flugzeugträgers durch ein im Übungsszenario gefährdetes Gebiet. Die Sea Lynx waren damit in Aufgaben eingebunden, bei denen der Schutz anderer Einheiten im Mittelpunkt stand.

Fachlich lässt sich ihre Rolle als Erweiterung der verfügbaren Aufklärungsmöglichkeiten einordnen. Ein Hubschrauber kann einen zugewiesenen Suchraum erreichen, während die Schiffe ihre Aufgaben im Verband fortsetzen. Der Nutzen entsteht dabei durch die Verbindung von Beobachtung, Meldung und Führung: Ein einzelner Kontakt muss in das gemeinsame Lagebild eingeordnet werden, bevor daraus eine Entscheidung für den Verband folgt.

Landung auf der niederländischen „Tromp“

Ein konkretes Beispiel multinationalen Bordflugbetriebs ist für den 16. Juli 2024 dokumentiert. An diesem Tag landete ein deutscher Sea Lynx Mk88A während RIMPAC auf der niederländischen Fregatte „Tromp“ mit der Kennung F803. Das Schiff gehört zur De-Zeven-Provinciën-Klasse.

Solche Landungen auf dem Schiff eines Partners werden als Cross-Deck-Flugbetrieb bezeichnet. Ihr Ausbildungswert liegt in der praktischen Zusammenarbeit zwischen einer Hubschrauberbesatzung und einer anderen Schiffsbesatzung. Das aufnehmende Schiff stellt das Flugdeck bereit, während sich das fliegende Personal auf dessen örtliche Gegebenheiten und die vereinbarten Abläufe einstellen muss.

Die Landung lässt sich deshalb als anschaulicher Beitrag zur Interoperabilität einordnen. Gemeint ist die Fähigkeit unterschiedlicher Streitkräfte, gemeinsam zu handeln. Bei einem Bordhubschrauber betrifft das sowohl das Luftfahrzeug und das Flugdeck als auch die Menschen, die Anflug, Einweisung und Sicherung ermöglichen. Die Aufnahme von der „Tromp“ dokumentiert diese Zusammenarbeit unmittelbar; sie erlaubt jedoch keine Aussage darüber, welche weiteren Leistungen wie Betankung oder Wartung dort anschließend erfolgten.

Bordflugbetrieb als gemeinsame Aufgabe

Der Einsatz eines Bordhubschraubers beginnt lange vor dem Abheben. Flugvorbereitung, technische Betreuung und die Abstimmung mit dem Schiff schaffen die Voraussetzungen für den Auftrag. Nach der Rückkehr müssen die Maschine überprüft und die nächsten Flüge vorbereitet werden. Dieses Zusammenspiel von fliegendem und technischem Personal gehört grundsätzlich zu längeren Verlegungen der Marineflieger.

Auch auf dem Schiff müssen mehrere Bereiche zusammenarbeiten. Die Brücke führt das Schiff, die Operationszentrale koordiniert militärische Aufgaben, und das Flugdeckpersonal betreut Starts und Landungen. Der Flight Deck Officer weist die Hubschrauber ein und überwacht das Geschehen auf dem Flugdeck. Während der Anreise zum Indo-Pacific Deployment war dieser Ablauf bereits Teil der gemeinsamen Ausbildung.

Für die fachliche Bewertung von RIMPAC ist deshalb auch die Organisation des Flugbetriebs wesentlich. Erst wenn ein Hubschrauber vorbereitet, gestartet, geführt und wieder sicher aufgenommen werden kann, steht seine militärische Fähigkeit dem Verband tatsächlich zur Verfügung. Bei der Zusammenarbeit mit Partnern müssen diese Abläufe über nationale Besatzungsgrenzen hinweg funktionieren.

RIMPAC als Teil einer langen Verlegung

Mit dem Ende von RIMPAC am 1. August war das Indo-Pacific Deployment noch nicht abgeschlossen. Der deutsche Verband setzte seine Reise fort. Zu den weiteren Stationen gehörten unter anderem Tokio, Incheon, Singapur und Goa. Die Erfahrungen vor Hawaii waren damit Teil einer längeren Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern.

Der Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ kehrte am 8. Dezember 2024 nach Wilhelmshaven zurück. Zur heimkehrenden Komponente gehörten auch die beiden Sea Lynx des Marinefliegergeschwaders 5. Insgesamt hatte das Schiff rund 42.000 Seemeilen zurückgelegt.

Diese Größenordnung verdeutlicht den organisatorischen Rahmen des Vorhabens. Für die Marineflieger gehörte das Großmanöver zu einer Verlegung über mehrere Monate und große Entfernungen. Fachlich ist daher neben der einzelnen Übungsaufgabe auch die Fähigkeit bedeutsam, Luftfahrzeuge und Personal über längere Zeit in einen fahrenden Verband einzubinden.

Fazit

Die deutschen Sea Lynx waren bei RIMPAC 2024 eine fliegende Komponente des Verbandes aus „Baden-Württemberg“ und „Frankfurt am Main“. Ihr Beitrag umfasste dokumentierte Aufgaben in der U-Boot-Abwehr sowie die Zusammenarbeit mit einem niederländischen Flugdeck.

Das Manöver verdeutlichte damit eine zentrale Anforderung an die Marineflieger: Ein Bordhubschrauber muss als Teil eines größeren Systems eingesetzt werden können. Dazu gehören qualifizierte Besatzungen, technische Betreuung, sichere Abläufe auf See und die Fähigkeit, mit anderen Marinen zusammenzuarbeiten.

Quellen:

Stand: Oktober 2026

Autor: Stephan Struck

Bundeswehr – RIMPAC 2024: Auslaufen zur weltweit größten Marineübung
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/rimpac-2024-auslaufen-weltweit-groesste-marineuebung-5814682

U.S. Navy – RIMPAC To Begin June 27
www.navy.mil/Press-Office/Press-Releases/display-pressreleases/Article/3804998/rimpac-to-begin-june-27/

Bundeswehr – Indo-Pacific Deployment 2024: Rendezvous im Atlantik
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/indo-pacific-deployment-rendezvous-atlantik-5781654

Bundeswehr – Panamakanal und Pazifik – Deutsche Marine im Zielgebiet
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/panamakanal-pazifik-deutsche-marine-zielgebiet-5789512

Bundeswehr – Bordhubschrauber Mk88A Sea Lynx
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bordhubschrauber-mk88a-sea-lynx-

Bundeswehr – Kommandant beim IPD: „Wichtig ist der Blick nach vorn“
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/kommandant-beim-ipd-interview-5827844

Commander, U.S. 3rd Fleet / DVIDS – German Navy Lynx helicopter landing on Netherlands Navy ship HNLMS Tromp [Image 16 of 16]
www.dvidshub.net/image/8535420/german-navy-lynx-helicopter-landing-netherlands-navy-ship-hnlms-tromp

Bundeswehr – Indo-Pacific Deployment 2024 der Marine beendet
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/indo-pacific-deployment-beendet-5864886

Bundeswehr – Heimkehr der „Frankfurt am Main“ nach Weltumrundung
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/heimkehr-weltumrundung-einsatzgruppenversorger-5866560

Presse- und Informationszentrum Marine – Als Botschafter für freie Seewege: Fregatte „Bayern“ kehrt aus dem Indo-Pazifik zurück
www.presseportal.de/pm/67428/5148273