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REPMUS: Testfeld für maritime unbemannte Systeme

Vor der portugiesischen Atlantikküste erproben Marinen, Forschungseinrichtungen und Industrie gemeinsam unbemannte Systeme über, auf und unter Wasser. REPMUS zeigt, ob Drohnen, autonome Boote und Unterwasserfahrzeuge nicht nur einzeln funktionieren, sondern ihre Daten auch in einem gemeinsamen maritimen Lagebild zusammenführen können. Genau darin liegt die Bedeutung der Übungsreihe für die künftige Seekriegsführung – und für die Marineflieger.

REPMUS steht für Robotic Experimentation and Prototyping with Maritime Unmanned Systems. Die jährlich von der portugiesischen Marine geführte Großveranstaltung ist keine klassische Einsatzübung mit einem feststehenden Ablauf. Sie ist vielmehr ein maritimes Versuchsfeld, auf dem Streitkräfte, NATO-Einrichtungen, Hochschulen und Unternehmen neue Technik unter realistischen Bedingungen testen, miteinander vernetzen und schrittweise in taktische Szenarien überführen.

Die 16. Ausgabe findet vom 31. August bis 25. September 2026 in Tróia und Sesimbra statt. Nach Angaben der portugiesischen Marine nehmen mehr als 1.500 Menschen aus 36 Marinen teil. Hinzu kommen über 60 Forschungs- und Entwicklungsunternehmen, 13 Universitäten und fünf NATO-Einrichtungen. Mehr als 300 unbemannte Systeme werden von 14 Schiffen unterstützt. Erprobt werden Systeme in der Luft, auf der Wasseroberfläche, unter Wasser und an Land.

Für die Marineflieger ist vor allem die Vernetzung interessant: Ein unbemanntes System kann große Räume über lange Zeit beobachten, ein bemanntes Flugzeug oder ein Bordhubschrauber kann Kontakte genauer untersuchen und ein Schiff kann das Lagebild führen oder weitere Maßnahmen einleiten. Der militärische Wert entsteht deshalb nicht allein durch eine einzelne Drohne, sondern durch belastbare Datenverbindungen, gemeinsame Standards und eine klare Aufgabenteilung zwischen Mensch und Maschine.

Was ist REPMUS?

REPMUS ist eine jährlich stattfindende Versuchs- und Erprobungsreihe für maritime unbemannte Systeme. Das Übungsgebiet liegt an der portugiesischen Atlantikküste rund um Tróia und Sesimbra. Mit dem Centro de Experimentação Operacional da Marinha verfügt Portugal dort über ein Zentrum für operative Erprobung. Die angrenzenden Seegebiete und die technologische Freizone Infante D. Henrique ermöglichen Versuche in einem zusammenhängenden Luftraum sowie an der Oberfläche und unter Wasser.

Organisiert wird REPMUS 2026 von der portugiesischen Marine gemeinsam mit der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Porto, dem NATO Centre for Maritime Research and Experimentation, der NATO Joint Capability Group Maritime Unmanned Systems und der Europäischen Verteidigungsagentur. Diese Zusammensetzung ist Teil des Konzepts: Bediener aus den Streitkräften formulieren den operativen Bedarf, Forschungseinrichtungen untersuchen technische Lösungen und Unternehmen stellen Systeme oder neue Komponenten bereit.

So können technische Entwicklungen früh unter Bedingungen erprobt werden, die sich in einem Labor nur begrenzt nachbilden lassen. Dazu gehören Seegang, Wind, wechselnde Sicht, Salzwasser, Funkabschattung, begrenzte Bandbreite und die gleichzeitige Bewegung vieler bemannter und unbemannter Teilnehmer.

REPMUS 2026 in Zahlen

MerkmalOffizielle Angabe
Ausgabe16. REPMUS
Zeitraum31. August bis 25. September 2026
ÜbungsraumTróia, Sesimbra und portugiesische Seeübungsgebiete
Flächemehr als 400 Quadratseemeilen beziehungsweise rund 1.370 km²
Teilnehmendemehr als 1.500 Personen
Marinen36
Unternehmenmehr als 60
Universitäten13
NATO-Einrichtungen5
Unbemannte Systememehr als 300
Unterstützende Schiffe14

Die Zahlen verdeutlichen die Größenordnung, sagen aber noch nichts über den Reifegrad eines einzelnen Systems aus. Bei REPMUS treffen serienreife Plattformen, weiterentwickelte Prototypen und frühe Versuchsgeräte aufeinander. Nicht jede erfolgreiche Demonstration führt deshalb unmittelbar zu einer Beschaffung oder Einsatzreife.

Vom Aufbau bis zum taktischen Szenario

REPMUS 2026 ist in aufeinander aufbauende Phasen gegliedert. Zunächst werden Systeme eingerichtet, Besatzungen eingewiesen und Sicherheitsverfahren abgestimmt. Danach folgen die technische Integration und gezielte Einzelversuche. Erst wenn Schnittstellen und Abläufe ausreichend stabil sind, werden die Systeme in komplexeren taktischen Szenarien gemeinsam eingesetzt.

PhaseZeitraumSchwerpunkt
Phase 031. August bis 4. SeptemberAufbau, Aufnahme der Teilnehmer und Ausbildung
Phase I7. bis 11. SeptemberIntegration und erste Erprobung
Phase II14. bis 18. SeptemberGezielte Experimente unter vorgegebenen Bedingungen
Phase III19. bis 22. SeptemberTaktische Erprobung in zusammenhängenden Szenarien

Diese Struktur ist wichtig. Ein System, das allein zuverlässig navigiert oder ein gutes Sensorbild liefert, muss noch nicht automatisch mit Führungsanlagen anderer Nationen zusammenarbeiten können. Der schrittweise Aufbau macht sichtbar, an welcher Stelle Probleme entstehen: am Fahrzeug, an einem Sensor, an der Datenverbindung, beim Datenformat oder im taktischen Verfahren.

Welche Systeme werden erprobt?

Der Begriff „Maritime Unmanned Systems“ bezeichnet keine einzelne Fahrzeugklasse. Er umfasst unterschiedliche Plattformen, die sich ergänzen können.

Unbemannte Luftfahrzeuge

Unbemannte Luftfahrzeuge können große Seegebiete überblicken, optische und infrarote Sensoren tragen, Funkverbindungen verlängern oder Kontakte für andere Kräfte aufklären. Je nach Bauart starten sie von Land, von einem Schiff oder senkrecht aus einem begrenzten Bereich. Bei der maritimen Nutzung kommen Korrosionsschutz, Wind über Deck, bewegte Startflächen und die Einbindung in den zivilen und militärischen Luftverkehr als zusätzliche Anforderungen hinzu.

Unbemannte Überwasserfahrzeuge

Unbemannte Boote können Radar-, Kamera-, Funk- oder Sonarsysteme tragen. Sie eignen sich beispielsweise für die Aufklärung in Küstennähe, die Überwachung von Hafenzufahrten, die Suche nach Minen oder als Kommunikationsknoten zwischen Kräften über und unter Wasser. Ihre Erprobung muss zeigen, ob sie auch bei Seegang sicher navigieren, anderen Schiffen ausweichen und ihre Mission bei gestörter Verbindung fortsetzen oder kontrolliert abbrechen können.

Autonome Unterwasserfahrzeuge und Glider

Unter Wasser werden unter anderem autonome Unterwasserfahrzeuge und sogenannte Glider eingesetzt. Sie können den Meeresboden vermessen, Umweltwerte aufnehmen, nach minenähnlichen Objekten suchen oder akustische Sensoren tragen. Unterwasserkommunikation ist jedoch deutlich schwieriger als Funkverkehr in der Luft. Datenraten sind gering, Positionsbestimmung und Navigation sind anspruchsvoll und ein Eingriff des Bedieners ist häufig nur verzögert möglich.

Sensoren, Software und Führungsmittel

Die Plattform ist nur ein Teil des Systems. Ebenso wichtig sind Radar, Sonar, Kameras, elektronische Sensoren, Navigationshilfen, Missionssoftware und die Bedienplätze an Land oder auf Schiffen. REPMUS erprobt deshalb auch die Frage, wie Daten verschiedener Sensoren zusammengeführt, bewertet und an die richtige Führungsstelle weitergegeben werden.

Der entscheidende Test heißt Interoperabilität

Viele unbemannte Systeme können bereits selbstständig einen Wegpunkt ansteuern oder einen Suchstreifen abfahren. Schwieriger wird es, wenn Fahrzeuge verschiedener Hersteller und Nationen gemeinsam arbeiten sollen. Dann müssen sie Aufträge, Positionsdaten, Sensormeldungen und Statusinformationen in verständlichen Formaten austauschen.

Interoperabilität bedeutet dabei mehr als eine funktionierende Funkverbindung. Entscheidend sind mehrere Ebenen:

  • Technik: Stecker, Funkgeräte, Netzwerke und Datenformate müssen zusammenpassen.
  • Semantik: Alle Beteiligten müssen eine Meldung gleich verstehen und eindeutig zuordnen können.
  • Führung: Zuständigkeiten, Freigaben und Abbruchkriterien müssen festgelegt sein.
  • Taktik: Die Systeme müssen in einen gemeinsamen Ablauf eingebunden werden, statt nur nebeneinander zu arbeiten.
  • Sicherheit: Schutz vor Cyberangriffen, Störungen, Fehlbedienung und unbeabsichtigten Annäherungen muss mitgedacht werden.

Erst wenn diese Ebenen ineinandergreifen, wird aus mehreren Einzelsystemen ein belastbarer Verbund. REPMUS dient deshalb auch der Entwicklung und Überprüfung gemeinsamer Verfahren, Schnittstellen und experimenteller Taktiken.

Typische maritime Aufgabenfelder

Die bei REPMUS erprobten Technologien können in sehr unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. NATO-Veröffentlichungen und die Arbeit des beteiligten Forschungszentrums CMRE nennen insbesondere:

  • Aufklärung und Erstellung eines maritimen Lagebildes
  • U-Boot-Jagd und verteilte akustische Überwachung
  • Minenabwehr und Untersuchung verdächtiger Objekte
  • Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur
  • Überwachung von Häfen und Küstenabschnitten
  • schnelle Erfassung von Wetter-, Meeres- und Umweltdaten
  • Unterstützung amphibischer Operationen
  • Transport- und Versorgungsaufgaben
  • Kommunikation zwischen räumlich getrennten Kräften

Die Plattformen ersetzen dabei nicht zwangsläufig vorhandene Schiffe, Flugzeuge oder Hubschrauber. Häufig sollen sie gefährliche, langwierige oder besonders monotone Aufgaben übernehmen, Sensorreichweiten vergrößern und bemannte Kräfte gezielter einsetzen lassen.

Warum REPMUS für die Marineflieger wichtig ist

Die Aufgaben der Marineflieger reichen von der Überwachung großer Seegebiete bis zur U-Boot-Jagd und zur Bekämpfung von Zielen über und unter Wasser. Diese Aufgaben sind bereits heute eng mit Schiffen, Führungsstellen und anderen Luftfahrzeugen verbunden. Unbemannte Systeme erweitern diesen Verbund um zusätzliche, teilweise sehr ausdauernde Sensorträger.

Ein mögliches Zusammenwirken lässt sich vereinfacht beschreiben: Ein Unterwassersensor oder ein unbemanntes Fahrzeug meldet einen auffälligen Kontakt. Ein unbemanntes Luftfahrzeug überprüft das Seegebiet aus der Luft oder hält die Verbindung. Eine P-8A Poseidon kann rasch einen größeren Suchraum erreichen und weitere Sensoren einsetzen. Ein Sea Tiger oder ein Schiff übernimmt die nähere Untersuchung. Die Ergebnisse fließen anschließend wieder in ein gemeinsames Lagebild ein.

Dieses Beispiel beschreibt ein mögliches vernetztes Verfahren, nicht die bestätigte Zusammensetzung eines konkreten deutschen Beitrags zu REPMUS 2026. Die öffentlich zugänglichen Quellen der Bundeswehr belegen bislang keine Teilnahme bestimmter deutscher Marineflieger-Luftfahrzeuge an der laufenden Ausgabe. Die fachliche Bedeutung für die Marineflieger ergibt sich vielmehr aus denselben Kernfragen, die auch in Nordholz und in der Flotte eine Rolle spielen: Sensorfusion, Datenübertragung, gemeinsame Lagebilder und die Zusammenarbeit bemannter und unbemannter Plattformen.

REPMUS und Dynamic Messenger

REPMUS wird häufig zusammen mit der NATO-Übung Dynamic Messenger genannt. Beide Formate sind eng verbunden, verfolgen aber unterschiedliche Schwerpunkte. REPMUS konzentriert sich auf Fähigkeitsentwicklung, technische Integration und Interoperabilität. Dynamic Messenger überführt ausgewählte Ansätze stärker in operative Abläufe und untersucht, wie maritime unbemannte Systeme in NATO-Einsatzverbände eingebunden werden können.

Vereinfacht gesagt beantwortet REPMUS die Frage, ob eine technische und taktische Idee gemeinsam funktionieren kann. Dynamic Messenger prüft anschließend, wie sie sich in eine militärische Operation und eine bestehende Führungsstruktur einfügt. In früheren Ausgaben gingen beide Formate unmittelbar ineinander über oder wurden eng miteinander verbunden.

Autonom bedeutet nicht führungslos

In Berichten über maritime Drohnen werden die Begriffe „unbemannt“, „ferngesteuert“ und „autonom“ häufig gleichgesetzt. Tatsächlich beschreiben sie unterschiedliche Eigenschaften. Ein Fahrzeug kann unbemannt sein und trotzdem fortlaufend von einem Menschen gesteuert werden. Ein anderes führt vorgegebene Navigations- oder Suchaufgaben selbstständig aus, bleibt aber an klare Einsatzregeln und Abbruchbedingungen gebunden.

Auch bei höherer technischer Selbstständigkeit bleiben Auftrag, Freigaben und Verantwortung Teil einer menschlichen Führungsstruktur. Gerade groß angelegte Erprobungen sind wichtig, um zu erkennen, welche Entscheidungen zuverlässig automatisiert werden können und an welchen Stellen menschliche Bewertung unverzichtbar bleibt.

Was REPMUS nicht beweist

Eine erfolgreiche Demonstration unter Übungsbedingungen ist ein wichtiger Schritt, aber noch kein Beleg für uneingeschränkte Einsatzreife. Für einen dauerhaften militärischen Betrieb kommen weitere Fragen hinzu:

  • Funktioniert das System auch bei starkem Seegang und über lange Zeiträume?
  • Bleiben Navigation und Kommunikation unter elektronischer Störung zuverlässig?
  • Sind Ersatzteile, Ausbildung und Instandsetzung verfügbar?
  • Lassen sich große Datenmengen schnell genug auswerten?
  • Ist die Technik gegen Cyberangriffe und Manipulation geschützt?
  • Kann sie sicher mit bemannten Schiffen und Luftfahrzeugen im selben Raum arbeiten?

REPMUS schafft eine Umgebung, in der solche Grenzen sichtbar werden dürfen. Ein abgebrochener Versuch kann deshalb ebenso wertvoll sein wie eine erfolgreiche Vorführung, wenn daraus technische oder taktische Verbesserungen abgeleitet werden.

Fazit

REPMUS ist weit mehr als eine Ausstellung moderner Drohnen.
Die Übungsreihe untersucht, wie viele unterschiedliche Systeme gemeinsam einen militärisch nutzbaren Beitrag leisten können.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Reichweite, Geschwindigkeit oder Sensortechnik, sondern vor allem Daten, Schnittstellen, Führungsverfahren und Interoperabilität.

Für die Marineflieger liegt die entscheidende Perspektive im vernetzten Einsatz.
Seefernaufklärer und Bordhubschrauber werden künftig häufiger mit unbemannten Sensorträgern über, auf und unter Wasser zusammenarbeiten.
Ob daraus tatsächlich ein schnelleres und genaueres Lagebild entsteht, entscheidet sich nicht an einer einzelnen Plattform.
Es entscheidet sich daran, ob der gesamte Verbund unter realistischen Bedingungen funktioniert.
Genau dafür ist REPMUS eines der wichtigsten maritimen Versuchsfelder Europas.

Quellen:

Stand: September 2026

Autor: Stephan Struck

Alle Onlinequellen wurden zuletzt am 17. September 2026 abgerufen. Angaben zur laufenden Ausgabe REPMUS 2026 entsprechen dem zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Planungs- und Veranstaltungsstand. Der Abschnitt zur Bedeutung für die Marineflieger ist eine fachliche Einordnung; er behauptet keine öffentlich nicht belegte Teilnahme bestimmter deutscher Luftfahrzeuge.