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PASSEX – Gemeinsames Training bei Begegnungen auf See

Wenn sich Marineschiffe auf ihren Fahrtrouten begegnen, kann daraus ein gemeinsames Ausbildungsvorhaben entstehen. Bei einer Passing Exercise, kurz PASSEX, üben die Besatzungen Navigation, Kommunikation und weitere abgestimmte Abläufe. So wird ein zeitlich begrenztes Zusammentreffen genutzt, um die praktische Zusammenarbeit auf See zu verbessern.

Für die Marineflieger bieten solche Begegnungen besondere Möglichkeiten. Bordhubschrauber können mit anderen Schiffen zusammenarbeiten, Personal zwischen Einheiten transportieren oder auf den Flugdecks von Partnern landen. Dabei wird erkennbar, wie gut gemeinsame Verfahren unter den tatsächlichen Bedingungen einer Seefahrt funktionieren.

Was ist ein PASSEX?

Ein PASSEX ist ein maritimes Übungsvorhaben, das eine Begegnung von Einheiten für gemeinsame Ausbildungsabschnitte nutzt. In offiziellen Berichten wird neben „Passing Exercise“ auch die Bezeichnung „Passage Exercise“ verwendet. Häufig treffen dabei Schiffe verschiedener Nationen aufeinander, die ohnehin im selben Seegebiet unterwegs sind.

Gegenüber langfristig vorbereiteten Großmanövern lassen sich solche Vorhaben vergleichsweise kurzfristig vereinbaren. Oft dauert die gemeinsame Ausbildungsphase nur einige Stunden. Entscheidend sind die verfügbaren Zeitfenster und die Fähigkeiten der beteiligten Einheiten.

Einen überall gleichen Ablauf gibt es nicht. Ein PASSEX kann sich auf seemännische Grundlagen konzentrieren oder zusätzliche fliegerische und taktische Ausbildungsanteile enthalten. Die Royal Navy dokumentierte beispielsweise gemeinsame Manöver und Kommunikationsübungen ebenso wie Vorhaben mit Hubschrauberbetrieb und Luftverteidigungsübungen. Die Bezeichnung beschreibt somit einen Rahmen, der mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden kann.

Aus einer Begegnung wird ein abgestimmtes Vorhaben

Auch ein kurzfristig vereinbartes Treffen erfordert Vorbereitung. Die Beteiligten müssen wissen, was sie gemeinsam üben wollen und wie die vorgesehenen Abläufe zusammenpassen. Besonders bei Manövern in geringer Entfernung zueinander sind aufmerksame Brückenteams und eindeutige Absprachen erforderlich.

Für das Übungsprogramm werden geeignete Ausbildungsanteile ausgewählt. Welche sinnvoll sind, hängt unter anderem von den beteiligten Schiffen, den verfügbaren Luftfahrzeugen und dem Ausbildungsbedarf ab. Ein Vorhaben mit zwei Einheiten kann deshalb einen anderen Schwerpunkt haben als das Zusammentreffen mehrerer Schiffe mit eingeschifften Hubschraubern.

Die Koordination kann zudem über die unmittelbar beteiligten Schiffe hinausgehen. Bei einem japanisch-italienischen PASSEX im Golf von Aden unterstützten 2018 die Stäbe zweier unterschiedlicher Einsatzverbände das gemeinsame Training. Zum Programm gehörten Kommunikation, Manövrieren, Hubschrauberausbildung und die Abstimmung anhand von Übungsszenarien.

Daraus wird deutlich: Der kurze gemeinsame Zeitraum verlangt eine passende Auswahl der Ausbildungsziele. Der Nutzen entsteht, wenn die verfügbaren Kräfte eine Aufgabe gemeinsam bearbeiten und ihre Verfahren dabei praktisch anwenden.

Navigation und Kommunikation bilden die Grundlage

Ein wesentlicher Bestandteil ist das Formationsfahren. Die Schiffe halten vereinbarte Positionen ein oder verändern ihre Stellung zueinander. Dazu müssen die Brückenteams Bewegungen rechtzeitig verstehen und aufeinander abstimmen. Geübt wird damit eine Grundfertigkeit für das spätere Zusammenwirken in einem Verband.

Ebenso wichtig ist die Verständigung. Bei internationalen Begegnungen kommen unterschiedliche Besatzungen, Sprachgewohnheiten und technische Ausstattungen zusammen. Informationen müssen so übermittelt werden, dass der Partner sie eindeutig versteht und in seinem eigenen Arbeitsablauf umsetzen kann.

Mögliche Ausbildungsanteile sind:

  • Manöver und koordinierte Positionswechsel,
  • Funkverkehr zwischen den beteiligten Einheiten,
  • Lichtmorsen und Flaggensignale,
  • Verfahren zum Austausch von Lageinformationen,
  • Anläufe zur Vorbereitung einer Versorgung in See.

Wie vielfältig die Kommunikationsmittel bleiben, zeigte ein britisch-indonesisches PASSEX 2025 in der Bandasee. Die Beteiligten nutzten unter anderem Signallampen, Wink- und Flaggensignale sowie Funk. Die mündliche Verständigung erfolgte auf Englisch. Damit wurden mehrere Wege der Zusammenarbeit innerhalb desselben Vorhabens praktisch angewendet.

Welche Aufgaben übernehmen Marineflieger?

Der Beitrag der Marineflieger richtet sich nach dem Übungsprogramm. Besonders sichtbar sind Cross-Deck Flight Operations, also Flugbetrieb auf dem Flugdeck eines anderen Schiffes. Daneben können Hubschrauber den Austausch von Personal ermöglichen oder in weitere Ausbildungsabschnitte eingebunden werden.

Ein Beispiel für diese Verbindung dokumentierte die U.S. Navy im Mai 2017 im Südchinesischen Meer. Beim PASSEX der USS „Coronado“ mit den japanischen Schiffen „Izumo“ und „Sazanami“ gehörten gegenseitige Hubschraubereinsätze und Personaltransporte zum Programm. Dabei kamen Hubschrauber beider Marinen zum Einsatz. Die fliegerische Aufgabe verband die beteiligten Schiffe unmittelbar miteinander.

Ein Luftfahrzeug kann außerdem einen anderen Beitrag leisten als eine Decklandung. Bei einer amerikanisch-guyanischen Begegnung im März 2025 unterstützte ein eingeschiffter MH-60R Seahawk die Formationsmanöver und führte zum Abschluss einen Fotoflug durch. Auch solche Aufgaben verlangen die zeitliche Abstimmung zwischen Schiffen und Luftfahrzeug.

Für die Ausbildung ist deshalb die gesamte Zusammenarbeit wichtig: die Verständigung mit dem aufnehmenden Schiff, der abgestimmte Flugauftrag und die Einordnung des Hubschraubers in den Ablauf der gemeinsamen Übung.

Cross-Deck-Flugbetrieb schafft praktische Erfahrung

Für Hubschrauberbesatzungen bedeutet ein anderes Schiff eine veränderte Arbeitsumgebung. Flugdecks unterscheiden sich in ihrer Gestaltung und ihren Sichtbezügen. Gleichzeitig lernen die Marineflieger, wie das Deckspersonal einer Partnernation die gemeinsamen Verfahren anwendet.

Ein dokumentiertes deutsches Beispiel stammt vom Indo-Pacific Deployment 2021. Während einer Begegnung der Fregatte „Bayern“ mit dem japanischen Zerstörer „Yuugiri“ landete ein deutscher Bordhubschrauber auf dem japanischen Schiff. Die Besatzung übte damit den Bordbetrieb außerhalb der vertrauten eigenen Plattform.

Dabei bleiben die technischen und fliegerischen Voraussetzungen maßgeblich. Wind, Schiffsbewegungen und Luftverwirbelungen durch Aufbauten beeinflussen den Anflug. Für den Bordbetrieb werden deshalb die zulässigen Bedingungen der jeweiligen Kombination aus Schiff und Hubschrauber ermittelt. Die sogenannten Ship Helicopter Operating Limitations, kurz SHOL, legen unter anderem Grenzen für Windgeschwindigkeit und Windrichtung fest.

Ein PASSEX bietet Gelegenheit, freigegebene Verfahren anzuwenden und Erfahrungen zu sammeln. Das setzt einen geeigneten Rahmen für den jeweiligen Hubschrauber und das aufnehmende Schiff voraus. Gemeinsame Ausbildung muss innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten und Betriebsgrenzen stattfinden.

Interoperabilität zeigt sich im gemeinsamen Handeln

Ein zentrales Ausbildungsziel ist Interoperabilität: die Fähigkeit unterschiedlicher Streitkräfte, wirksam zusammenzuarbeiten. Auf See wird daraus eine praktische Aufgabe. Eine Nachricht muss verstanden werden, ein Manöver muss zum vereinbarten Ablauf passen und ein Hubschrauber muss mit dem Personal eines anderen Schiffes zusammenarbeiten können.

Technische Verbindungen und gemeinsame Verfahren sind dafür eine Grundlage. Hinzu kommt das Verständnis dafür, wie der Partner seine Aufgaben organisiert. Personalwechsel zwischen Schiffen ermöglichen Einblicke in andere Arbeitsumgebungen und schaffen persönliche Kontakte.

Die NATO beschrieb diesen Zusammenhang bei einem PASSEX mit japanischen Schiffen im östlichen Mittelmeer im August 2024. Neben Manövern und Kommunikationsübungen fanden gegenseitige Besuche von Besatzungsangehörigen statt. Das Vorhaben verband damit die Ausbildung seemännischer Fertigkeiten mit dem Kennenlernen der Partner.

Auch die Combined Maritime Forces betonen anhand ihrer Übungen, dass regelmäßiges gemeinsames Training das Verständnis für Fähigkeiten und Verfahren der beteiligten Kräfte verbessert. Der Ausbildungswert liegt somit auch darin, Unterschiede frühzeitig kennenzulernen und im gemeinsamen Ablauf zu berücksichtigen.

Beispiele zeigen die unterschiedlichen Schwerpunkte

„Elbe“ und „Erfurt“ im Mittelmeer

Am 4. Dezember 2022 trafen sich der Tender „Elbe“ und die Korvette „Erfurt“ nördlich von Kreta. Die Korvette befand sich auf dem Rückweg aus dem UNIFIL-Einsatz. Die beiden deutschen Einheiten nutzten die Begegnung für gemeinsame Ausbildung und zwei Postbeutelübergaben.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Bezeichnung PASSEX auch für Vorhaben innerhalb einer Marine verwendet wird. Schon zwei Schiffe können eine Begegnung für das gemeinsame Üben seemännischer Abläufe nutzen.

Hubschrauberbetrieb in der Karibik

Im März 2025 berichtete die Royal Navy über ein PASSEX mit britischer, amerikanischer und niederländischer Beteiligung. Neben Kommunikations- und Manöverübungen umfasste das Programm Hubschrauberbetrieb und eine gemeinsame Luftverteidigungsübung.

Ein niederländischer NH90 war in das Vorhaben eingebunden. Die Beteiligung von Luftfahrzeugen erweiterte damit die Ausbildung über das Zusammenwirken der Schiffe hinaus. Gleichzeitig konnten Besatzungsangehörige zeitweise auf anderen Einheiten mitfahren und deren Bordalltag kennenlernen.

Ausbildung und maritime Präsenz greifen ineinander

PASSEX-Vorhaben verbinden den Aufenthalt in einem Seegebiet mit konkreter Zusammenarbeit. Eine Präsenz- oder Ausbildungsfahrt schafft damit Gelegenheiten, bestehende Kontakte praktisch zu pflegen und weitere Erfahrungen mit Partnern zu sammeln.

Der militärische Nutzen und die außenpolitische Bedeutung stehen dabei nebeneinander. Gemeinsames Training verbessert das Zusammenwirken der eingesetzten Kräfte und macht zugleich sichtbar, mit welchen Partnern eine Marine zusammenarbeitet. Ein abschließendes Vorbeifahren kann diese Begegnung auch im maritimen Brauchtum ausdrücken.

Für Marineflieger entsteht daraus ein Ausbildungsumfeld, in dem unterschiedliche Schiffe, Besatzungen und Einsatzverfahren zusammentreffen. Die Erfahrungen betreffen den einzelnen Flug ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen Luftfahrzeug und Verband.

Fazit

Ein PASSEX nutzt eine begrenzte gemeinsame Zeit für klar ausgewählte Ausbildungsaufgaben. Sein Wert hängt davon ab, ob Navigation, Kommunikation und gegebenenfalls Flugbetrieb zuverlässig ineinandergreifen.

Für die Marineflieger bieten solche Begegnungen die Möglichkeit, mit anderen Schiffen zu arbeiten und Erfahrungen auf fremden Flugdecks zu sammeln. Zusammen mit dem Austausch zwischen den Besatzungen entsteht daraus eine praktische Grundlage für spätere gemeinsame Aufgaben auf See.

Quellen:

Stand: November 2026

Autor: Stephan Struck

Bundeswehr – Indo-Pacific Deployment: Die „Bayern“ übt multinational
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/indo-pacific-deployment-bayern-uebt-multinational--5217666

Royal Navy – Passing phase: UK Carrier Group links up with Indonesian Navy
www.royalnavy.mod.uk/news/2025/august/01/20250801-uk-carrier-group-links-up-with-indonesian-navy

Royal Navy – HMS Albion works with Turkish Navy in the Med
www.royalnavy.mod.uk/news/2020/november/12/20201112-hms-albion-works-with-turkish-navy

Combined Maritime Forces – Counter-Piracy Task Forces Strengthen Interoperability Through PASSEX
combinedmaritimeforces.com/2018/07/12/counter-piracy-task-forces-strengthen-interoperability-through-passex/

U.S. Navy – US, JMSDF Complete PASSEX in South China Sea
www.navy.mil/Press-Office/Press-Releases/display-pressreleases/Article/2252099/us-jmsdf-complete-passex-in-south-china-sea/

U.S. Naval Forces Southern Command – USS Normandy and GDFS Shahoud conduct Maritime Exercise
www.fourthfleet.navy.mil/Press-Room/News/Article/4138205/uss-normandy-and-gdfs-shahoud-conduct-maritime-exercise/

Bundeswehr – Im Team ans Limit - sichere Hubschrauberlandungen auf Schiffen
www.bundeswehr.de/de/organisation/ausruestung-baainbw/aktuelles/nh-90-ans-limit-shols-getestet-5613636

NATO – NATO Naval Forces conduct exercise with Japanese Maritime Self-Defense Force and Allies
www.nato.int/en/news-and-events/articles/news/2024/08/15/nato-naval-forces-conduct-exercise-with-japanese-maritime-self-defense-force-and-allies

Bundeswehr – Vom PASSEX bis zum Postbeutelmannöver
www.bundeswehr.de/de/auftrag/einsaetze/passexpost-beutelmannoever-tender-5538436

Royal Navy – Patrol ship HMS Medway mixes past and present on Caribbean patrol
www.royalnavy.mod.uk/news/2025/march/14/20250314-patrol-ship-hms-medway-mixes-past-and-present-on-caribbean-patrol