Bild: KI-generiert / Marineflieger.de
Operation Südflanke 1991 – Sea King und Do 28 im Persischen Golf
Als deutsche Minenabwehrboote 1991 im Persischen Golf irakische Seeminen beseitigten, waren auch Marineflieger aus Kiel-Holtenau beteiligt. Drei Sea King Mk41 und zwei Do 28 D-2 OU des Marinefliegergeschwaders 5 unterstützten den Verband von Bahrain aus. Die Hubschrauber suchten nach treibenden Minen und hielten die Verbindung zu den Schiffen aufrecht; die Do 28 erkundeten großflächige Ölverschmutzungen. Für die Marine war die Operation Südflanke ein früher Schritt von der Bündnisverteidigung in Nordeuropa hin zu Einsätzen weit außerhalb des bisherigen Operationsraums.
Kurz erklärt
- Die Operation Südflanke verlief in zwei Phasen: zunächst im Mittelmeer, anschließend im nördlichen Persischen Golf.
- Nach dem Ende der Kampfhandlungen sollten deutsche Minenabwehrkräfte Gefahren für die Schifffahrt beseitigen.
- Das MFG 5 verlegte drei Sea King Mk41 und zwei Do 28 D-2 OU nach Manama in Bahrain.
- Sea Kings suchten nach Treibminen und transportierten Personal und Material zwischen Landbasis und Verband.
- Die Do 28 dokumentierten Ölverschmutzungen und lieferten Erkundungsergebnisse für das Mehrzweckschiff „Mellum“.
- Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, Wüstenstaub und Rauch der brennenden Ölfelder belasteten Menschen und Technik erheblich.
Vom Mittelmeer in den Persischen Golf
Mit dem irakischen Überfall auf Kuwait am 2. August 1990 begann eine Krise, die auch die Bundesrepublik unmittelbar vor neue sicherheitspolitische Entscheidungen stellte. Die Bundeswehr war bis dahin vor allem auf die Landes- und Bündnisverteidigung im NATO-Gebiet ausgerichtet. Im Rahmen der Operation Südflanke stellte Deutschland zunächst Kräfte zur Sicherung der südlichen Bündnisregion bereit. Die Marine entsandte einen Minenabwehrverband ins Mittelmeer, um Präsenz zu zeigen und die Türkei als NATO-Partner zu unterstützen.
Nach dem Ende der Kampfhandlungen am 28. Februar 1991 blieb im nördlichen Persischen Golf eine akute Gefahr zurück. Irakische Streitkräfte hatten vor der kuwaitischen Küste umfangreiche Minenfelder angelegt. Dass diese Sperren keine theoretische Bedrohung waren, hatten die schweren Minentreffer des US-Hubschrauberträgers „Tripoli“ und des Kreuzers „Princeton“ am 18. Februar gezeigt.
Am 6. März beschloss die Bundesregierung, den deutschen Minenabwehrverband zur Räumung in den Golf zu verlegen. Die zweite Phase der Operation wurde national auch als „Reinschiff“ bezeichnet und als humanitäre Hilfe für das befreite Kuwait eingeordnet. Ihre praktische Aufgabe war eindeutig: Die Minengefahr sollte reduziert und die sichere Schifffahrt wieder ermöglicht werden.
Der Verband stützte sich auf Manama in Bahrain ab. Von dort waren es rund 260 Seemeilen bis zum Räumgebiet vor Kuwait. Diese Entfernung machte eine zuverlässige Versorgung, Verbindungsflüge und eine eigene fliegerische Unterstützung besonders wertvoll.
Das Marinefliegerkontingent des MFG 5
Für den fliegenden Anteil stellte das Marinefliegergeschwader 5 aus Kiel-Holtenau drei Mehrzweckhubschrauber Sea King Mk41 und zwei zweimotorige Do 28 D-2 OU ab. Die Sea Kings gelangten per Seetransport nach Bahrain. Die Do 28 flogen mit mehreren Zwischenlandungen aus Schleswig-Holstein nach Manama. Ende April 1991 waren beide Muster vor Ort.
Auf dem internationalen Flughafen von Manama richtete das MFG 5 ein abgesetztes Kommando für Betrieb, Wartung und Einsatzplanung ein. Damit entstand weit entfernt vom Heimatstandort eine kleine fliegende Einsatzbasis. Ersatzteile, Betriebsstoffe, Prüfmittel und Fachpersonal mussten so organisiert werden, dass die Luftfahrzeuge trotz Klima, Staub und hoher Beanspruchung verfügbar blieben.
Die beiden Muster erfüllten unterschiedliche, aber aufeinander abgestimmte Aufgaben. Der Sea King verband die Landbasis mit dem Minenabwehrverband und beobachtete das Seegebiet. Die Do 28 lieferten ein Lagebild der Ölverschmutzungen. Beide Aufgaben zeigten, wie Marineflieger eine Operation auf See von Land aus unterstützen können.
Sea King Mk41: Suche, Transport und Absicherung
Der Sea King Mk41 war beim MFG 5 vor allem als Such- und Rettungshubschrauber bekannt. Seine große Reichweite, das Bordradar, die geräumige Kabine und die Fähigkeit, Personal oder Material aufzunehmen, machten ihn auch für den Einsatz im Persischen Golf geeignet.
Bei der Operation Südflanke hatten die drei Hubschrauber drei wesentliche Aufgaben:
- Suche nach Treibminen: Minen konnten sich aus ihren Verankerungen lösen und außerhalb der kartierten Sperren treiben. Die Besatzungen beobachteten deshalb Seegebiete und meldeten verdächtige Objekte. Aufklärung und Meldung waren dabei klar von der eigentlichen Minenräumung durch spezialisierte Boote und Räumgeräte zu unterscheiden.
- Personal- und Materialtransport: Die Hubschrauber verbanden Manama mit den weit entfernt eingesetzten Schiffen. Sie transportierten Personal, Ersatzteile, Post und dringendes Material, ohne dass ein Boot dafür den Räumverband verlassen musste.
- Fliegerische Absicherung: Mit ihrer SAR-Erfahrung konnten die Besatzungen bei Notfällen rasch reagieren. Damit ergänzten die Sea Kings die Sicherheitsorganisation des Verbandes, auch wenn ihr Hauptbeitrag im Golf nicht der klassische Seenotrettungsdienst über Nord- und Ostsee war.
Der Einsatz verlangte eine andere Routine als der Flugbetrieb in Kiel-Holtenau. Über dem Golf trafen große Distanzen auf starke Hitze, flimmernde Luft und einen häufig schlecht erkennbaren Horizont. Staub und Sand konnten Triebwerke, Rotoren und bewegliche Komponenten belasten. Hinzu kamen Rauch und Ruß der brennenden kuwaitischen Ölfelder. Vor diesem Hintergrund waren technische Kontrollen, Filterpflege und eine sorgfältige Flugvorbereitung entscheidend.
Do 28 D-2 OU: Ölüberwachung aus der Luft
Die Do 28 D-2 OU hatte eine vollkommen andere Aufgabe. Das Kürzel „OU“ stand für Ölüberwachung. Die Maschinen waren für die Suche und Dokumentation von Ölverschmutzungen ausgerüstet und wurden in Deutschland bereits zur Überwachung von Nord- und Ostsee eingesetzt.
Im Golf sollten die Do 28 Ausdehnung und Entwicklung der Ölteppiche erfassen, die infolge des Krieges entstanden waren. Die Beobachtung aus der Luft half dabei, verschmutzte Bereiche einzuordnen und den Einsatz von Bekämpfungskräften zu planen. Ihre Ergebnisse waren insbesondere für das von der Bundesregierung entsandte Mehrzweckschiff „Mellum“ bestimmt.
Damit erfüllten die Flugzeuge keine Aufgabe der Minenjagd. Sie lieferten Umweltaufklärung: Wo befand sich Öl? Wie groß war die betroffene Fläche? In welche Richtung veränderte sich der Teppich? Aus der erhöhten Perspektive konnten die Besatzungen Zusammenhänge erkennen, die von einem Schiff aus nur schwer zu überblicken waren.
Die Einsatzphase blieb kurz. Als sich zeigte, dass sich die beobachteten Ölteppiche schneller als zunächst erwartet veränderten und auflösten, wurden die Do 28 und die „Mellum“ bereits im Mai zurückbeordert. Die Verlegung bewies dennoch, dass die in heimischen Seegebieten aufgebaute Ölüberwachung auch kurzfristig weit entfernt eingesetzt werden konnte.
Ein anspruchsvoller Einsatzraum
Der nördliche Persische Golf stellte Personal und Material vor Bedingungen, für die viele deutsche Systeme ursprünglich nicht ausgelegt worden waren. Im Sommer wurden Temperaturen von mehr als 45 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 85 bis 90 Prozent beschrieben. Sandstürme und Wüstenstaub verschlechterten die Sicht und drangen in technische Baugruppen ein. Rauch aus den brennenden Ölfeldern belastete zusätzlich die Luft.
Für die Sea Kings kam die große Entfernung zwischen Manama und dem Minenräumgebiet hinzu. Hin- und Rückflug, Reserven sowie mögliche Ausweichverfahren mussten präzise geplant werden. Jeder technische Ausfall wirkte sich stärker aus als am Heimatstandort, weil Ersatzteile und Spezialisten nicht in der üblichen Tiefe verfügbar waren.
Auch für die Do 28 waren lange Überwasserstrecken und die Umweltbedingungen anspruchsvoll. Ölflächen mussten zuverlässig erkannt, dokumentiert und an die Einsatzführung gemeldet werden. Das erforderte eingespielte Besatzungen und eine funktionierende Auswertung am Boden.
Das Zusammenspiel mit dem Minenabwehrverband
Die Räumung selbst blieb Aufgabe der Minenjagdboote, Minensuchboote und ferngelenkten Räumsysteme. Die Marineflieger erweiterten jedoch deren Reichweite und Reaktionsfähigkeit. Ihre Meldungen verbesserten das Bild über die Lage auf See, während die Sea Kings dringende Transporte ohne zeitaufwendige Umwege der Schiffe ermöglichten.
Bis zum 20. Juli 1991 machten die beteiligten Nationen mehr als 1.200 Minen unschädlich. Auf den deutschen Verband entfielen davon mehr als 100. Nach Abschluss der Räumarbeiten begann am 25. Juli der Rückmarsch. Mit dem Einlaufen in Wilhelmshaven am 13. September 1991 endete die Operation Südflanke.
Die Bilanz der Marineflieger lässt sich nicht in geräumten Minen ausdrücken. Ihr Beitrag bestand in Aufklärung, Mobilität, logistischer Verbindung und Sicherheit. Gerade diese unterstützenden Leistungen hielten den Verband über große Entfernung arbeitsfähig.
Bedeutung für die deutschen Marineflieger
Operation Südflanke fiel in eine Übergangszeit. Die staatliche Einheit war noch jung, der Kalte Krieg gerade beendet und die künftige Rolle der Bundeswehr außerhalb des NATO-Gebiets politisch wie rechtlich umstritten. Das Bundesverfassungsgericht klärte die grundsätzliche Zulässigkeit bewaffneter Auslandseinsätze in Systemen kollektiver Sicherheit und die notwendige Zustimmung des Bundestages erst mit seinem Urteil vom 12. Juli 1994.
Für die Marine bedeutete der Golf-Einsatz schon 1991 eine praktische Zäsur. Ein Verband, dessen Material, Ausbildung und Logistik jahrzehntelang auf Nord- und Ostsee ausgerichtet gewesen waren, arbeitete nun unter realer Minenbedrohung Tausende Kilometer von Deutschland entfernt. Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr ordnet Südflanke deshalb in den Wandel von einer auf Geleit- und Bündnisverteidigung ausgerichteten Marine hin zu einer weltweit operierenden Einsatzmarine ein.
Das galt ebenso für das MFG 5. Der Sea King zeigte, dass seine Fähigkeiten über den heimischen SAR-Dienst hinausreichten. Die Do 28 übertrug eine zivile Schutzaufgabe – die Überwachung von Meeresverschmutzungen – in einen internationalen Krisenraum. Zugleich machte der Einsatz sichtbar, wie stark ein kleines Luftfahrzeugkontingent von Wartung, Nachschub und sorgfältiger Planung abhängt.
Zwei Luftfahrzeugmuster, ein gemeinsamer Auftrag
Sea King und Do 28 standen 1991 für zwei Seiten maritimer Luftunterstützung. Der Hubschrauber brachte Beweglichkeit in den weit auseinandergezogenen Verband und half, Gefahren an der Wasseroberfläche zu erkennen. Das Flugzeug verschaffte einen großräumigen Überblick über eine Umweltkatastrophe und unterstützte deren Bekämpfung.
Die Operation Südflanke war daher mehr als eine Minenräumaktion. Sie war ein früher Praxistest für verlegefähige deutsche Seestreitkräfte nach dem Kalten Krieg. Für die Marineflieger zeigte sie, dass Reichweite nicht allein durch die Leistungsdaten eines Luftfahrzeugs entsteht. Entscheidend sind das Zusammenspiel von Besatzungen, Technik, Bodenorganisation, Schiffen und Partnern – gerade dann, wenn der Einsatzraum weit vom Heimatflugplatz entfernt liegt.
Zeitleiste
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2. August 1990 | Irak besetzt Kuwait; die Golfkrise beginnt. |
| August 1990 | Der deutsche Minenabwehrverband wird im Rahmen der ersten Phase der Operation Südflanke ins Mittelmeer entsandt. |
| 28. Februar 1991 | Die Kampfhandlungen des Golfkriegs enden; die Minengefahr vor Kuwait bleibt bestehen. |
| 6. März 1991 | Die Bundesregierung beschließt die Verlegung des Verbandes zur Minenräumung in den Persischen Golf. |
| Ende April 1991 | Drei Sea King Mk41 und zwei Do 28 D-2 OU des MFG 5 treffen in Manama ein. |
| Mai 1991 | Die Do 28 schließen ihre kurze Ölüberwachungsmission ab und werden zurückverlegt. |
| 16. Juli 1991 | Der Flugbetrieb der Sea Kings endet nach einer veröffentlichten MFG-5-Chronik. |
| Bis 20. Juli 1991 | Die beteiligten Nationen haben mehr als 1.200 Minen unschädlich gemacht. |
| 25. Juli 1991 | Der deutsche Verband beginnt den Rückmarsch. |
| 13. September 1991 | Der Verband läuft in Wilhelmshaven ein; Operation Südflanke endet. |
Quellen:
Stand: September 2026
- Bundeswehr: „Die Geschichte der Bundeswehr als Einsatzarmee“: https://www.bundeswehr.de/de/selbstverstaendnis/geschichte-bundeswehr/armee-einsatz-geschichte
- Bundeswehr: „Die Geschichte der Deutschen Marine“: https://www.bundeswehr.de/de/selbstverstaendnis/geschichte-bundeswehr/geschichte-marine
- Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: „Marine im Umbruch 1986–1996“: https://zms.bundeswehr.de/de/zmsbw-kanal-forschung-und-bildung/zmsbw-forschung-jentzsch-marine-im-umbruch-1986-1996-5335202
- Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: „Minensucher im Persischen Golf 1991“: https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/podcast-minensucher-suedflanke-persischer-golf-1991-5324812
- Christian Jentzsch: „Die Bundeswehr im Golfkonflikt 1990/91“, Militärgeschichte, Heft 4/2020, S. 4–9: https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5022396/2f476109f244b0d36b09e7785243da4e/militaergeschichte-zeitschrift-fuer-historische-bildung-heft-4-2020-1--data.pdf
- Bundeswehr: „Mehrzweckhubschrauber Sea King Mk41“: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweckhubschrauber-sea-king-mk41
- Presse- und Informationszentrum Marine: „Führungswechsel in Kiel-Holtenau“, mit biografischem Hinweis zum Südflanke-Einsatz: https://www.presseportal.de/pm/67428/1427985
- Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: „Auslandseinsätze der Bundeswehr“, WD 2 – 3000 – 152/11, insbesondere S. 13: https://www.bundestag.de/resource/blob/413614/398f3ef6291506561064655ab80e9268/WD-2-152-11-pdf.pdf
- Umweltbundesamt: „Bestimmung, Quantifizierung und Bewertung der Öleinträge in der Nordsee“, Abschnitt 2.5.2 zur Luftüberwachung des MFG 5: https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/publikation/long/2496.pdf
- Bundesverfassungsgericht: Pressemitteilung zum Urteil vom 12. Juli 1994 – 2 BvE 3/92 u. a.: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/1994/bvg94-029.html
- Operation Südflanke – öffentliches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie Ablaufübersicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_S%C3%BCdflanke
- Kieler Stadtrundfahrt/Gegenwind: „Golfeinsatz des MFG 5 mit Sea King 1991“ – veröffentlichte Chronik des fliegenden Kontingents: https://www.gegenwind.info/stadtrundfahrt/militaer.html
- Seeflieger.de: Chronik des Marinefliegergeschwaders 5: https://www.seeflieger.de/altes_seeflieger/holtenau/geschichte/geschichte/geschichte5.htm
- Marinekameradschaft Tübingen: „Operation Südflanke“: https://www.mk-tuebingen.de/geschichte/operation-s%C3%BCdflanke/