Hochwasserhilfe – Marineflieger an Oder, Elbe und Donau
Beim Oderhochwasser 1997, beim Elbehochwasser 2002 und beim Hochwasser an Elbe und Donau 2013 unterstützte das Marinefliegergeschwader 5 die Katastrophenhilfe mit Hubschraubern vom Typ Sea King Mk41. Damit kamen Besatzungen, deren Hauptaufgabe die Suche und Rettung über Nord- und Ostsee war, auch weit im Binnenland zum Einsatz. An der Elbe ist außerdem ein anderer Beitrag der Marineflieger dokumentiert. Das Marinefliegergeschwader 3 setzte 2013 eine Dornier Do 228 ein, um aus der Luft Hinweise auf durchfeuchtete Deichabschnitte zu gewinnen.
Oder 1997 – Deichbrüche in der Ziltendorfer Niederung
Starke Niederschläge im polnischen und tschechischen Einzugsgebiet der Oder lösten im Juli 1997 eine Hochwasserwelle aus, die am 17. Juli Brandenburg erreichte. Am 23. Juli brach der Deich bei Brieskow-Finkenheerd, am folgenden Tag ein weiterer bei Aurith. Die Ziltendorfer Niederung wurde überflutet. Im weiter flussabwärts gelegenen Oderbruch wurden vorsorglich Menschen in Sicherheit gebracht und die Deiche verstärkt. Dort hielten die Deiche.
Für die Einsatzkräfte entstanden damit entlang desselben Flusses unterschiedliche Aufgaben. In der überfluteten Niederung ging es um bereits eingetretene Schäden und unterbrochene Wege. Weiter flussabwärts mussten die Helfer Deiche beobachten, gefährdete Abschnitte sichern und sich auf einen möglichen Bruch vorbereiten. Die Lage konnte sich von Ort zu Ort ändern, obwohl alle Kräfte auf dieselbe Hochwasserwelle reagierten.
Das Marinefliegergeschwader 5 gehörte mit seinen Sea King zu den eingesetzten Verbänden. Die öffentlich zugänglichen Rückblicke belegen die Beteiligung des Geschwaders am Oderhochwasser, schlüsseln seine Flüge jedoch nicht nach Ort und Auftrag auf. Deshalb lässt sich der Einsatz des Verbands einordnen, während einzelne Rettungen oder Transporte an den genannten Deichbruchstellen offenbleiben.
Elbe 2002 – Sturzfluten an den Zuflüssen und Hochwasser am Hauptstrom
Im August 2002 trafen extreme Niederschläge das Elbegebiet. In kleineren Einzugsgebieten des Osterzgebirges, etwa an der Weißeritz und der Müglitz, entstanden Sturzfluten. Die Wassermengen aus größeren Zuflüssen wie Moldau und Mulde trugen anschließend zum Hochwasser der Elbe bei. Deichbrüche führten in Tschechien, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu großflächigen Überflutungen. Die Katastrophenhilfe musste sich somit zugleich auf rasch überflutete Täler und auf die Hochwasserwelle am Hauptstrom einstellen.
Die Marine bestätigt für dieses Ereignis erneut den Einsatz von Sea King des Marinefliegergeschwaders 5. Daneben beschreibt die wasserwirtschaftliche Dokumentation bereits für August 2002 den Einsatz von Ölüberwachungsflugzeugen an der Elbe. Aus der Luft sollten sie größere Deichstrecken zügig absuchen und Hinweise auf möglicherweise durchfeuchtete Stellen liefern. Welches einzelne Flugzeug damals eingesetzt wurde, geht aus dieser Darstellung nicht hervor. Die Kennung 57+04 ist für die Befliegung im Juni 2013 belegt.
Damit sind für 2002 zwei Beiträge aus der Luft dokumentiert, allerdings in unterschiedlicher Tiefe. Beim Sea King ist die Beteiligung des Geschwaders bekannt. Bei den Ölüberwachungsflugzeugen ist der Zweck der Befliegung beschrieben. Diese Unterscheidung hilft, die Arbeit der Marineflieger einzuordnen, ohne aus der Ausrüstung eines Luftfahrzeugs auf konkrete Einzelaufträge zu schließen.
Elbe und Donau 2013 – Zwei Flussgebiete gleichzeitig betroffen
Ende Mai und Anfang Juni 2013 fiel großräumig anhaltender Regen auf bereits nasse Böden. Im Elbegebiet verschärften die Zuflüsse von Moldau, Mulde und Saale die Hochwasserlage. An der oberen Elbe blieben die Höchststände unter denen von 2002. An der mittleren Elbe erreichten einzelne Pegel dagegen neue Höchstwerte. Zu den schweren Schadenslagen gehörte der Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt.
Auch im Donaugebiet gab es erhebliche Überflutungen. Im Raum Deggendorf brachen Deiche, Straßen und weitere Infrastruktur wurden überschwemmt. Das Hochwasser betraf damit zeitgleich weit voneinander entfernte Regionen. Die Einsatzlage an der mittleren Elbe und die Schäden im Donaugebiet erforderten jeweils eigene Entscheidungen darüber, welche Kräfte und Geräte vor Ort gebraucht wurden.
Für die Hochwasserhilfe 2013 nennt die Marine Elbe und Donau als Einsatzgebiete ihrer Sea King. Wie viele Maschinen und Besatzungen in den einzelnen Gebieten eingesetzt waren und welche Aufträge sie dort übernahmen, lässt sich aus den veröffentlichten Rückblicken nicht verlässlich ableiten. Für die Do 228 des Marinefliegergeschwaders 3 liegt dagegen eine detaillierte Dokumentation vor. Sie betrifft die Elbe.
Die Do 228 und die Suche nach durchfeuchteten Elbdeichen
Vom 9. bis 16. Juni 2013 flog die Dornier Do 228 mit der Kennung 57+04 täglich einen Einsatz. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde dokumentiert acht Flüge mit zusammen mehr als 35 Flugstunden. Die Maschine untersuchte vor allem den Elbabschnitt zwischen Magdeburg und Hamburg. Einzelne Gebiete, darunter der Bereich um den Deichbruch bei Fischbeck, wurden mehrfach überflogen.
Das Havariekommando setzte das Flugzeug ein, das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ betrieb es. Im regulären Einsatz diente die Maschine dazu, Ölverschmutzungen auf Nord- und Ostsee zu erkennen. Bei der Flut nutzten die Besatzungen dieselbe Sensorausrüstung für eine andere Frage. Sie suchten auf der vom Fluss abgewandten Seite der Deiche nach Auffälligkeiten, die auf austretendes oder angesammeltes Wasser hindeuten konnten.
- Ein Infrarotscanner erfasste Unterschiede in der Wärmestrahlung von Wasser und Gelände.
- Ein Mikrowellenradiometer lieferte zusätzliche Messdaten über die beobachteten Oberflächen.
- Foto- und Videoaufnahmen halfen, Auffälligkeiten räumlich zuzuordnen und etwa von Vegetation oder bereits vorhandenen Wasserflächen zu unterscheiden.
Erste Hinweise konnten schon während des Fluges gemeldet werden. Nach der Landung entstand innerhalb weniger Stunden ein ausführlicherer Bericht für die Lagezentren der betroffenen Kreise. Die Auswertung benannte Stellen mit wahrscheinlicher Durchfeuchtung. Für die Beurteilung eines Deichs blieben die Beobachtungen vor Ort entscheidend. Der Vorteil der Befliegung lag darin, dass sie entlang großer Flussabschnitte Hinweise lieferte, wo sich ein genauerer Blick lohnen konnte.
Was ein Marinehubschrauber im Binnenland leisten kann
Der Sea King Mk41 war ein Mehrzweckhubschrauber. Seine Hauptaufgabe in der Deutschen Marine war der Such- und Rettungsdienst, international als Search and Rescue oder SAR bezeichnet. Die Maschine eignete sich außerdem zum Transport von Menschen und Material. Diese Fähigkeiten konnten auch bei einer Flut gebraucht werden, wenn Straßen unter Wasser standen oder ein Einsatzort vom Boden aus nur schwer erreichbar war.
Ein Hubschrauber braucht dafür eine geeignete An- und Abflugmöglichkeit. Leitungen, Bäume und Gebäude können den Zugang erschweren. Bei einer Aufnahme mit der Rettungswinde kommen der Platz zum sicheren Schwebeflug und die Verständigung mit den Kräften am Boden hinzu. Wenn ein geeigneter Landeplatz verfügbar ist, können Helfer, Fahrzeuge oder Boote dort Menschen und Material übernehmen. Welche Form der Hilfe sinnvoll ist, hängt vom Auftrag und von der Lage am jeweiligen Ort ab.
Den Rahmen für die Unterstützung bildet Artikel 35 des Grundgesetzes. Bei einer Naturkatastrophe kann ein Land unter anderem Kräfte und Einrichtungen der Streitkräfte anfordern. Der Einsatz militärischer Luftfahrzeuge ergänzt damit die Arbeit der zivilen Katastrophenschutzbehörden und der Kräfte vor Ort. Beim Elbehochwasser 2013 ist dieser Zusammenhang bis zum Empfänger der Daten nachvollziehbar. Die Messungen entstanden an Bord eines von den Marinefliegern betriebenen Flugzeugs, die Ergebnisse gingen an die Lagezentren der Kreise.
Fazit
Die drei Hochwasser gehören zur Einsatzgeschichte des Sea King Mk41, dessen Aufgaben im Such- und Rettungsdienst 2024 vollständig auf den NH90 Sea Lion übergingen. Für den Sea King ist die Beteiligung des Marinefliegergeschwaders 5 an allen drei Ereignissen belegt. Die Befliegung der Elbe mit der Do 228 zeigt darüber hinaus, wie aus einem maritimen Überwachungsflugzeug ein Arbeitsmittel für den Katastrophenschutz im Binnenland wurde. Ihr konkreter Beitrag lag darin, lange Deichstrecken zu erfassen und Beobachtungen aus der Luft so aufzubereiten, dass die zuständigen Stellen sie für ihre Arbeit am Boden nutzen konnten.
Quellen:
Stand: November 2026
Presse- und Informationszentrum Marine – Eine Marineflieger-Ära endet
www.presseportal.de/pm/67428/5823073
Bundeswehr – Marineflieger: Abschied vom Sea King
www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/abschied-sea-king-5831488
Bundeswehr – Mehrzweckhubschrauber Sea King Mk41
www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweckhubschrauber-sea-king-mk41
Landesamt für Umwelt Brandenburg – Hochwasserereignisse
lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/wasser/hochwasserschutz/hochwasserrisikomanagement/hochwasserereignisse/
Bundesanstalt für Gewässerkunde – Das Sommerhochwasser 2002 im Elbegebiet
undine.bafg.de/elbe/extremereignisse/elbe_hw2002.html
Bundesanstalt für Gewässerkunde – Das Junihochwasser 2013 im Elbegebiet
undine.bafg.de/elbe/extremereignisse/elbe_hw2013.html
Bundesanstalt für Gewässerkunde – Das Hochwasser der Donau im Juni 2013
undine.bafg.de/donau/extremereignisse/donau_hw2013.html
Bundesanstalt für Gewässerkunde – Das Hochwasserextrem des Jahres 2013 in Deutschland: Dokumentation und Analyse
www.schleswig-holstein.de/mm/downloads/Fachinhalte/Hochwasserschutz/Hochwasserextrem2013.pdf
Gesetze im Internet – Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 35
www.gesetze-im-internet.de/gg/art_35.html