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Dynamic Messenger: NATO-Einsatztest für unbemannte Systeme

Bei Dynamic Messenger geht es nicht mehr nur darum, ob eine maritime Drohne technisch funktioniert. Die NATO prüft, wie unbemannte Systeme in einen realen Einsatzverband eingebunden, geführt und mit Schiffen, Luftfahrzeugen sowie Führungsstellen vernetzt werden können. Damit bildet die Übung die operative Brücke zwischen technischer Erprobung und militärischer Anwendung – mit unmittelbarer Bedeutung für die künftige Zusammenarbeit von Marinefliegern und unbemannten Plattformen.

Dynamic Messenger ist eine jährlich angelegte NATO-Übung zur operativen Erprobung unbemannter Systeme im maritimen Umfeld. Sie wird von NATO Allied Maritime Command (MARCOM) und Allied Command Transformation (ACT) getragen und findet regelmäßig im Anschluss an die portugiesische Erprobungsreihe REPMUS statt.

Der Unterschied ist entscheidend: REPMUS entwickelt und verbindet technische Fähigkeiten. Dynamic Messenger prüft anschließend, ob ausgewählte Systeme unter realistischen Bedingungen in einer multinationalen maritimen Operation bestehen. Im Mittelpunkt stehen deshalb weniger einzelne Fahrzeuge als vielmehr Führung, Datenübertragung, Interoperabilität, Einsatzverfahren und das Zusammenwirken bemannter und unbemannter Kräfte.

Die vollständig ausgewertete Ausgabe 2025 brachte nach NATO-Angaben mehr als 2.000 Teilnehmende aus 22 NATO-Staaten sowie Beobachter aus 13 weiteren Ländern zusammen. Mehr als 260 unbemannte Systeme wurden in der Luft, auf der Wasseroberfläche und unter Wasser erprobt. Die Ergebnisse sollen in künftige Einsatzgrundsätze, Fähigkeitsentwicklung und Streitkräfteplanung einfließen.

Dynamic Messenger wird 2026 fortgeführt. Da der aktuelle Durchgang zum Redaktionsstand am 17. September 2026 noch nicht abgeschlossen und noch nicht offiziell ausgewertet ist, beziehen sich konkrete Ergebnis- und Teilnehmerzahlen in diesem Bericht auf die abgeschlossene Ausgabe 2025.

Was ist Dynamic Messenger?

Dynamic Messenger ist eine Live Exercise mit operativer Erprobung (Operational Experimentation). In einem gemeinsamen Szenario testen NATO-Kommandos, nationale Streitkräfte, Forschungseinrichtungen und Industriepartner, wie neue Technologien in vorhandene militärische Strukturen integriert werden können.

Die erste Ausgabe fand 2022 vor Portugal statt. Nach Darstellung der NATO war sie die erste umfassende operative NATO-Erprobungsübung, die sich ausdrücklich auf die Einbindung unbemannter Systeme in maritime Operationen konzentrierte. Seitdem wird die Reihe regelmäßig gemeinsam mit REPMUS im Seegebiet vor Tróia und Sesimbra durchgeführt.

Dynamic Messenger untersucht dabei nicht nur die technische Leistungsfähigkeit eines Systems. Die eigentliche Frage lautet: Kann ein multinationaler Einsatzverband eine Drohne, ein unbemanntes Boot oder ein autonomes Unterwasserfahrzeug genauso eindeutig beauftragen, überwachen und in sein Lagebild einbinden wie eine konventionelle Einheit?

REPMUS und Dynamic Messenger: zwei Stufen eines Prozesses

Beide Formate werden häufig gemeinsam genannt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

MerkmalREPMUSDynamic Messenger
HauptzweckEntwicklung, technische Erprobung und InteroperabilitätOperative Integration und taktische Erprobung
LeitfrageFunktionieren Technik und Schnittstellen gemeinsam?Lässt sich die Fähigkeit in einem Einsatzverband wirksam nutzen?
SchwerpunktPrototypen, Sensoren, Software und DatenformateFührung, Verfahren, Einsatzregeln und Zusammenwirken
UmfeldKontrollierte Versuche mit schrittweise steigender KomplexitätZusammenhängende operative Szenarien unter Zeit- und Entscheidungsdruck
ErgebnisTechnische Erkenntnisse und verbesserte SchnittstellenErkenntnisse für Doktrin, Ausbildung, Fähigkeitsentwicklung und Streitkräfteplanung

Vereinfacht gesagt ist REPMUS das maritime Versuchsfeld. Dynamic Messenger macht aus geeigneten Versuchsergebnissen einen Einsatztest. Ein technisch erfolgreiches System muss dabei zeigen, dass es auch mit NATO-Führungsverfahren, multinationalen Besatzungen und konventionellen Schiffen oder Luftfahrzeugen zusammenarbeiten kann.

Dynamic Messenger 2025 in Zahlen

MerkmalNATO-Angabe
ÜbungsraumAtlantikküste Portugals
Teilnehmendemehr als 2.000
Beteiligte NATO-Staaten22
Weitere Beobachterstaaten13
Unbemannte Systememehr als 260
Einsatzräume der SystemeLuft, Wasseroberfläche und Unterwasser
Beteiligte GruppenStreitkräfte, NATO-Kommandos, Forschung und Industrie

Die Größenordnung verdeutlicht, warum Dynamic Messenger weit über eine Vorführung einzelner Drohnen hinausgeht. Hunderte Systeme müssen sicher in demselben Übungsraum betrieben, voneinander unterschieden, beauftragt und in ein gemeinsames Lagebild aufgenommen werden. Hinzu kommen bemannte Schiffe, U-Boote, Luftfahrzeuge und landgestützte Führungsstellen.

Von der technischen Fähigkeit zum militärischen Auftrag

Eine maritime Drohne kann einen guten Sensor tragen und dennoch operativ kaum nutzbar sein. Entscheidend ist, ob sie zur richtigen Zeit den richtigen Auftrag erhält und ihre Ergebnisse in einer Form übermittelt, die andere Kräfte unmittelbar verwenden können.

Dynamic Messenger betrachtet deshalb die gesamte Wirkungskette:

  1. Eine Führungsstelle erkennt einen Aufklärungs- oder Schutzbedarf.
  2. Ein geeignetes bemanntes oder unbemanntes System wird ausgewählt und beauftragt.
  3. Das System erreicht seinen Einsatzraum und führt den Auftrag aus.
  4. Sensor- und Statusdaten werden trotz begrenzter Bandbreite oder Störungen übertragen.
  5. Die Informationen werden geprüft, zusammengeführt und im Lagebild dargestellt.
  6. Eine Besatzung oder ein Stab entscheidet über weitere Maßnahmen.
  7. Der Auftrag wird angepasst, fortgesetzt oder abgebrochen.

Jeder Übergang kann zur Schwachstelle werden. Unterschiedliche Datenformate, unklare Zuständigkeiten, verzögerte Meldungen oder eine gestörte Verbindung können den militärischen Nutzen eines technisch leistungsfähigen Systems erheblich mindern.

Welche Fähigkeiten werden erprobt?

Führung und Interoperabilität

Das zentrale Thema ist die Einbindung unbemannter Systeme in bestehende Führungs- und Kommunikationsstrukturen. Eine NATO-Fregatte muss beispielsweise erkennen können, welches System verfügbar ist, welchen Auftrag es ausführt und wie zuverlässig seine Sensormeldung ist. Gleichzeitig dürfen zusätzliche Daten die Besatzung nicht überlasten.

Interoperabilität umfasst dabei Technik, Sprache und Verfahren. Systeme verschiedener Hersteller und Nationen müssen Daten austauschen können. Meldungen müssen dieselbe Bedeutung haben. Zuständigkeiten und Freigaben müssen auch dann eindeutig bleiben, wenn mehrere Führungsstellen beteiligt sind.

Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur

Unterseekabel, Energieverbindungen und Pipelines sind für Kommunikation und Versorgung von großer Bedeutung. Ihre Überwachung ist jedoch aufwendig, weil weite Gebiete und große Wassertiefen abgedeckt werden müssen.

Bei Dynamic Messenger werden deshalb verteilte Sensoren, autonome Unterwasserfahrzeuge und Lagebildsysteme erprobt. Sie sollen Veränderungen oder verdächtige Aktivitäten erkennen und bemannte Kräfte gezielt zu einer näheren Untersuchung führen. 2025 setzte die NATO unter anderem MAINSAIL ein, eine Fähigkeit zur Zusammenführung verschiedener Datenquellen für den Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur.

Minenabwehr und Unterwasseroperationen

Die Suche nach Seeminen gehört zu den gefährlichsten und zeitaufwendigsten Aufgaben auf See. Unbemannte Über- und Unterwasserfahrzeuge können verdächtige Bereiche voraus erkunden, den Meeresboden abbilden und mögliche Objekte klassifizieren.

Dynamic Messenger prüft, wie solche Systeme in einen vollständigen Minenabwehrauftrag eingebunden werden. Dazu gehören die Zuweisung von Suchgebieten, die Übergabe von Kontakten, die Bewertung der Sensordaten und die Koordination mit Minenjagdbooten oder Spezialkräften.

Schutz eines Verbandes vor Drohnen

Unbemannte Systeme sind nicht nur eigene Sensorträger, sondern auch eine mögliche Bedrohung. Kleine Luft- oder Überwasserdrohnen können einen Verband aufklären, stören oder angreifen. Deshalb trainiert Dynamic Messenger auch das Erkennen, Zuordnen und Abwehren solcher Ziele.

Dabei muss ein Verband zivile Kontakte, eigene Systeme und mögliche Bedrohungen sicher unterscheiden. Gerade in Küstennähe kann die Zahl kleiner Flug- und Wasserfahrzeuge hoch sein. Eine falsche Einstufung kann ebenso problematisch sein wie eine zu späte Reaktion.

Logistik, medizinische Unterstützung und amphibische Operationen

Unbemannte Plattformen können Material transportieren, Verbindungen herstellen oder besonders gefährliche Bereiche vor bemannten Kräften erkunden. Bereits Dynamic Messenger 2023 bezog deshalb neben klassischen Überwachungs- und Unterwasseraufgaben auch logistische, medizinische und amphibische Szenarien ein.

Der Nutzen liegt vor allem dort, wo monotone, langwierige oder risikoreiche Tätigkeiten übernommen werden können. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Personal aus der Entscheidungskette verschwindet. Auftrag, Prioritäten und Freigaben bleiben Teil einer menschlichen Führung.

Das gemeinsame Lagebild als eigentliche Fähigkeit

Der operative Wert vieler Einzelsysteme entsteht erst durch ein gemeinsames Lagebild. Ein Unterwasserfahrzeug kann einen akustischen Kontakt melden, ein unbemanntes Luftfahrzeug kann die Wasseroberfläche überprüfen und ein Schiff kann zusätzliche Sensoren ausrichten. Erst wenn diese Informationen zeitlich und räumlich korrekt zusammengeführt werden, entsteht ein verwertbares Bild.

Die Herausforderung liegt deshalb nicht allein in Reichweite oder Sensorgüte. Ebenso wichtig sind:

  • eindeutige Zeit- und Positionsangaben
  • standardisierte Datenformate
  • gesicherte und belastbare Verbindungen
  • Priorisierung bei geringer Bandbreite
  • nachvollziehbare Bewertung der Datenqualität
  • Schutz vor Cyberangriffen und Manipulation
  • eine übersichtliche Darstellung für Besatzungen und Stäbe

Dynamic Messenger 2025 erprobte hierfür unter anderem neue Informations- und Auswertungswerkzeuge. Die NATO setzte die Software TALOS erstmals zur strukturierten Datenerfassung und Analyse von Übungsergebnissen ein. Ziel war es, Beobachtungen schneller in belastbare Erkenntnisse und Verbesserungen zu überführen.

Warum Dynamic Messenger für die Marineflieger wichtig ist

Maritime Luftfahrzeuge sind besonders leistungsfähige Sensor- und Verbindungsträger. Sie können große Seegebiete schnell erreichen, Kontakte aus unterschiedlichen Winkeln erfassen und Informationen an Schiffe oder Führungsstellen weitergeben. Genau diese Fähigkeiten werden wichtiger, wenn zahlreiche unbemannte Systeme gleichzeitig eingesetzt werden.

Ein mögliches Zusammenwirken kann so aussehen: Ein autonomes Unterwasserfahrzeug oder ein verteiltes Sensorsystem meldet eine Auffälligkeit. Ein unbemanntes Luftfahrzeug hält den Kontakt oder dient als Kommunikationsrelais. Eine P-8A Poseidon überprüft den größeren Suchraum mit weiteren Sensoren. Ein NH90 Sea Tiger, ein Schiff oder ein anderes unbemanntes System übernimmt anschließend die nähere Aufklärung.

Der entscheidende Punkt ist nicht, welches Luftfahrzeug eine Meldung zuerst erzeugt. Entscheidend ist, ob alle Beteiligten dasselbe Lagebild nutzen, Aufträge ohne Zeitverlust übergeben und die Herkunft sowie Zuverlässigkeit einer Information nachvollziehen können.

Für die deutschen Marineflieger ergeben sich daraus mehrere relevante Themen:

  • Einbindung von P-8A Poseidon und NH90 Sea Tiger in verteilte Sensornetzwerke
  • Zusammenarbeit bemannter Luftfahrzeuge mit unbemannten Plattformen
  • Nutzung unbemannter Systeme als vorgeschobene Sensoren oder Kommunikationsknoten
  • sichere Datenübertragung zwischen Luftfahrzeugen, Schiffen und Bodenstellen
  • Vermeidung von Konflikten im gemeinsam genutzten Luft- und Seeraum
  • Ausbildung von Besatzungen für die Bewertung automatisiert erzeugter Meldungen

Diese Einordnung beschreibt mögliche Einsatzkonzepte. Sie ist kein Nachweis dafür, dass bestimmte deutsche Marineflieger-Luftfahrzeuge an einer konkreten Ausgabe von Dynamic Messenger teilgenommen haben.

Der Mensch bleibt Teil der Entscheidungskette

Die Begriffe „unbemannt“ und „autonom“ werden häufig gleichgesetzt. Ein unbemanntes Fahrzeug kann jedoch vollständig ferngesteuert sein, vorgegebene Aufgaben selbstständig abarbeiten oder innerhalb definierter Grenzen auf seine Umgebung reagieren.

Je mehr Entscheidungen ein System selbst übernimmt, desto wichtiger werden klare Regeln. Dazu gehören Abbruchkriterien, geografische Grenzen, Verhalten bei Verbindungsverlust und die Frage, welche Handlung ausdrücklich durch einen Menschen freigegeben werden muss.

Dynamic Messenger schafft einen Rahmen, in dem solche Verfahren mit Bedienern, Besatzungen und Stäben erprobt werden können. Die Übung bewertet damit nicht nur Technik, sondern auch Verantwortung, Arbeitsbelastung und Vertrauen in automatisierte Vorschläge.

Was ein erfolgreicher Übungsdurchgang noch nicht beweist

Eine erfolgreiche Erprobung bedeutet nicht automatisch, dass ein System uneingeschränkt einsatzreif ist. Für den dauerhaften militärischen Betrieb bleiben weitere Fragen offen:

  • Funktioniert die Fähigkeit auch bei schwerem Wetter und über längere Zeiträume?
  • Bleiben Navigation und Datenverbindungen unter elektronischer Störung belastbar?
  • Können gegnerische Täuschung oder manipulierte Sensordaten erkannt werden?
  • Ist das System logistisch versorgbar und technisch instandsetzbar?
  • Sind Ausbildung, Ersatzteile und genügend qualifiziertes Personal vorhanden?
  • Lassen sich Erkenntnisse auf andere Seegebiete und Einsatzbedingungen übertragen?

Dynamic Messenger kann diese Risiken sichtbar machen und Verfahren verbessern. Die Übung ersetzt jedoch weder eine vollständige militärische Erprobung noch nationale Zulassungs-, Beschaffungs- und Einsatzentscheidungen.

Fazit

Dynamic Messenger ist das operative Gegenstück zu REPMUS.
Während REPMUS neue maritime Systeme entwickelt und technisch miteinander verbindet, prüft Dynamic Messenger deren Einbindung in einen multinationalen NATO-Einsatzverband.

Die wichtigste Erkenntnis liegt nicht in der Zahl der eingesetzten Drohnen.
Entscheidend ist, ob Sensoren, Datenverbindungen, Führungsverfahren und Besatzungen als gemeinsames System funktionieren.
Erst dann wird aus einer einzelnen unbemannten Plattform eine militärisch nutzbare Fähigkeit.

Für die Marineflieger ist diese Entwicklung besonders relevant.
Seefernaufklärer, Bordhubschrauber und künftige unbemannte Luftfahrzeuge werden zunehmend mit Sensoren auf und unter Wasser vernetzt.
Dynamic Messenger zeigt, welche technischen und taktischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit daraus ein schnelleres, belastbares und multinational nutzbares Lagebild entsteht.

Quellen:

Stand: September 2026

Autor: Stephan Struck

Alle Onlinequellen wurden zuletzt am 17. September 2026 abgerufen. Für die noch laufende Ausgabe 2026 lagen zu diesem Zeitpunkt keine abschließenden NATO-Ergebnisse vor. Aussagen zur Bedeutung für die deutschen Marineflieger sind eine fachliche Einordnung und behaupten keine öffentlich nicht belegte Teilnahme bestimmter deutscher Luftfahrzeuge.