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SAR in Nordholz – fliegende Lebensretter der Marine

Am Marinefliegerstützpunkt Nordholz hält die Deutsche Marine eine ihrer wichtigsten Fähigkeiten bereit: den militärischen Such- und Rettungsdienst, international als Search and Rescue – kurz SAR – bezeichnet. Die Besatzungen des Marinefliegergeschwaders 5 stehen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr bereit, um Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen zu retten.

Der SAR-Auftrag der Marineflieger

Der militärische SAR-Dienst ist Teil des nationalen Such- und Rettungssystems für Luftfahrzeuge. Seine Hauptaufgabe besteht darin, nach vermissten oder abgestürzten Luftfahrzeugen zu suchen, deren Besatzungen und Passagiere zu retten und die Überlebenden einer medizinischen Versorgung zuzuführen.

Darüber hinaus unterstützen die Marineflieger die Seenotrettung vor der deutschen Nord- und Ostseeküste. Auch bei schweren Unglücksfällen, Naturkatastrophen oder dringender Eilhilfe können die SAR-Hubschrauber angefordert werden. Damit erfüllt der Dienst sowohl militärische als auch wichtige zivile Aufgaben. Der militärische SAR-Dienst der Bundeswehr

Nordholz als Heimat des SAR-Dienstes

Die fliegenden Besatzungen und Hubschrauber für den maritimen SAR-Auftrag gehören zum Marinefliegergeschwader 5 in Nordholz. Hier werden die Luftfahrzeuge gewartet, die Besatzungen ausgebildet und die anspruchsvollen Rettungsverfahren regelmäßig trainiert.

Die Koordination der Einsätze übernimmt die SAR-Leitstelle See, das Rescue Coordination Centre in Glücksburg. Nach einem Notruf bewertet die Leitstelle die Lage, plant die Such- und Rettungsmaßnahmen und alarmiert die erforderlichen Einsatzmittel.

Zusätzlich verfügt der maritime SAR-Dienst über Bereitschaftsplätze auf Helgoland, Borkum und in Rostock-Warnemünde. Dadurch können große Teile der deutschen Nord- und Ostsee möglichst schnell erreicht werden. Das Marinefliegergeschwader 5 hält diese Fähigkeit laut Bundeswehr rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres bereit.

Der NH90 NTH Sea Lion

Seit 2024 übernimmt der NH90 NTH Sea Lion den SAR-Auftrag vollständig. Der moderne Mehrzweckhubschrauber löste den Sea King Mk41 ab, der fast fünf Jahrzehnte lang als fliegender Lebensretter der Marine im Einsatz stand.

Der Sea Lion erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 324 Kilometern pro Stunde und besitzt eine Reichweite von mehr als 800 Kilometern. Für die Suche über See verfügt er über ein 360-Grad-Seeraumüberwachungsradar sowie Video- und Infrarotkameras. Dadurch kann die Besatzung Schiffe, Rettungsinseln oder Personen auch bei Dunkelheit und eingeschränkter Sicht aufspüren.

Zur Rettung stehen eine leistungsfähige Winde, Rettungsmittel und eine spezielle medizinische Ausstattung zur Verfügung. Bis zu 20 Personen können transportiert werden, bei Flügen über See bis zu 16.

Die Besatzung

Eine SAR-Besatzung des Sea Lion besteht grundsätzlich aus zwei Piloten, einem Operator und einem Notfallsanitäter. Die Piloten führen den Hubschrauber und bedienen einen Teil der Suchsensoren. Der Operator überwacht die Kabine, arbeitet an der taktischen Konsole und steuert die Rettungswinde.

Der Notfallsanitäter kann bei Bedarf zu einer verunglückten Person abgeseilt werden. Dort übernimmt er die Erstversorgung und bereitet den Patienten auf die Aufnahme in den Hubschrauber vor. Abhängig von der Lage kann weiteres medizinisches Personal, beispielsweise ein Notarzt, mitgeführt werden.

Diese Aufgabenverteilung ist besonders bei Dunkelheit, starkem Wind, hohem Seegang oder schlechten Sichtverhältnissen entscheidend. Jeder Handgriff muss sitzen, denn während der Hubschrauber über einem Schiff oder einer Person schwebt, bleibt nur wenig Spielraum für Fehler.

Vom Alarm bis zur Rettung

Nach der Alarmierung erhält die Besatzung alle verfügbaren Angaben über den Notfall: die vermutete Position, Wetterdaten, mögliche Verletzungen sowie Informationen über Schiffe und weitere Rettungskräfte im Einsatzgebiet.

Während des Anfluges wird die Suche vorbereitet. Radar, Infrarotkamera und Sichtbeobachtung helfen dabei, das Ziel zu lokalisieren. Am Einsatzort hält der Sea Lion seine Position über dem Wasser oder einem Schiff. Anschließend werden der Notfallsanitäter, ein Rettungskorb oder eine Rettungsschlinge an der Winde herabgelassen.

Gerettete Personen werden bereits an Bord medizinisch versorgt und anschließend zu einem geeigneten Krankenhaus oder Übergabepunkt geflogen.

Zusammenarbeit auf See

Bei Seenotfällen arbeitet der SAR-Dienst eng mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zusammen. Die Verantwortung für die Koordination der zivilen Seenotrettung liegt bei der Seenotleitung Bremen der DGzRS. Die Marineflieger unterstützen mit ihren Hubschraubern insbesondere dann, wenn eine schnelle Suche aus der Luft, eine Windenrettung oder ein dringender Patiententransport erforderlich ist.

Weitere Partner können das Havariekommando, die Bundespolizei, zivile Rettungsdienste, Feuerwehren sowie deutsche und internationale Schiffe und Luftfahrzeuge sein. Durch gemeinsame Übungen werden die unterschiedlichen Verfahren regelmäßig aufeinander abgestimmt.

Bewährungsprobe vor Helgoland

Wie wichtig diese Zusammenarbeit ist, zeigte sich am 24. Oktober 2023. Nach der Kollision der Frachtschiffe „Verity“ und „Polesie“ südwestlich von Helgoland startete ein Sea Lion am frühen Morgen von Nordholz aus in das Unglücksgebiet.

Die SAR-Besatzung entdeckte einen Überlebenden, der bereits längere Zeit im kalten Nordseewasser trieb, und zog ihn mit einem Rettungskorb an Bord. Insgesamt beteiligten sich mehrere Hubschrauber der Marineflieger sowie weitere Rettungskräfte an der groß angelegten Suche. Der Einsatz war zugleich die erste große Bewährungsprobe des Sea Lion im SAR-Dienst. 

Eine lange Tradition wird fortgesetzt

Mit der Außerdienststellung des Sea King endete 2024 eine fast 50-jährige Epoche der deutschen Marineflieger. Über Jahrzehnte prägte dieser Hubschrauber den SAR-Dienst über Nord- und Ostsee. Seitdem führt der Sea Lion den Auftrag mit moderner Sensorik, leistungsfähiger Navigation und zeitgemäßer medizinischer Ausstattung weiter. 

Der Standort Nordholz bleibt damit ein zentraler Pfeiler der deutschen Such- und Rettungsfähigkeit. Hinter jedem Einsatz stehen hoch qualifizierte Besatzungen, Techniker, medizinisches Personal und Einsatzplaner. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Hilfe auch dort ankommt, wo andere Rettungsmittel an ihre Grenzen stoßen – bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter und weit draußen über dem Meer.

Stand: August 2026

Quellenverzeichnis