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Die deutschen Marineflieger erfüllen nicht nur militärische Aufgaben. Mit zwei speziell ausgerüsteten Dornier Do 228 LM überwachen sie Nord- und Ostsee auf Ölfilme und andere Meeresverschmutzungen. Die als „Pollution Control“ gekennzeichneten Sensorflugzeuge können verdächtige Einleitungen entdecken, dokumentieren und mögliche Verursacher identifizieren. Damit leisten die Besatzungen des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ einen wichtigen Beitrag zum Schutz der maritimen Umwelt.

Ein ziviler Umweltauftrag für die Marineflieger

Die luftgestützte Überwachung von Meeresverschmutzungen ist ein ressortübergreifender Auftrag. Die Flugzeuge werden vom Bundesministerium für Verkehr bereitgestellt, während die Deutsche Marine für ihren Betrieb verantwortlich ist. Geflogen und gewartet werden die beiden Maschinen durch Angehörige des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ auf dem Fliegerhorst Nordholz.

Die Einsatzaufträge kommen vom Havariekommando in Cuxhaven. Als gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Küstenländer koordiniert es das maritime Notfallmanagement auf Nord- und Ostsee. Die Zusammenarbeit mit den Marinefliegern besteht seit 1986 und kann 2026 auf 40 Jahre Luftüberwachung zurückblicken.

Rechtliche Grundlage ist unter anderem das internationale MARPOL-Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe. Ziel der Überwachungsflüge ist es, Verschmutzungen möglichst frühzeitig zu erkennen, ihre Ausbreitung zu beurteilen und mögliche Verursacher festzustellen.

Die Dornier Do 228 LM als „Ölflieger“

Für den Umweltauftrag stehen in Nordholz zwei Dornier Do 228 LM zur Verfügung. Das Kürzel LM bezeichnet die besondere Ausrüstung für die Luftüberwachung von Meeresverschmutzungen. Äußerlich sind die weiß-blauen Flugzeuge an ihrer auffälligen Beschriftung „Pollution Control“ und den unter dem Rumpf angebrachten Sensoren zu erkennen.

Die Besatzung besteht in der Regel aus zwei Piloten und einem Operator. Während die Piloten das Flugzeug entlang der vorgesehenen Überwachungsroute führen, bedient der Operator die Missionsanlage und wertet die verschiedenen Sensordaten aus. Die Do 228 kann bei Tag und Nacht eingesetzt werden und ist unbewaffnet. Bei diesen Flügen handelt es sich nicht um einen militärischen Kampfauftrag, sondern um eine zivile Aufgabe des Umwelt- und Küstenschutzes.

Ihre vergleichsweise niedrige Fluggeschwindigkeit, die guten Tiefflugeigenschaften und die Möglichkeit, lange über einem begrenzten Seegebiet zu operieren, machen die Do 228 für diese Aufgabe besonders geeignet.

Moderne Sensoren erkennen kleinste Verschmutzungen

Ein Ölfilm auf dem Meer ist aus einem Flugzeugfenster nicht immer eindeutig zu erkennen. Lichtverhältnisse, Wind, Wellengang, Algen oder natürliche Strömungen können ein ähnliches Erscheinungsbild erzeugen. Deshalb verfügt die Do 228 LM über mehrere Sensoren, deren Ergebnisse miteinander verglichen werden.

Das Seitensichtradar, auch Side-Looking Airborne Radar genannt, sucht große Flächen neben der Flugroute ab. Öl und andere Stoffe können die kleinen Wellen an der Wasseroberfläche dämpfen. Auf dem Radarbild erscheinen dadurch auffällige, glatter wirkende Bereiche. Das modernisierte Radar erreicht eine Beobachtungsbreite von bis zu 80 Kilometern.

Infrarot- und Ultraviolettsensoren machen Unterschiede zwischen verschmutzten und sauberen Wasserflächen sichtbar. Ein Mikrowellenradiometer unterstützt die Untersuchung der Stärke einer Ölschicht. Der Laserfluorosensor kann bestimmte Stoffe anhand ihrer charakteristischen Reaktion auf Laserlicht unterscheiden. Hochauflösende Kameras liefern zusätzlich Fotos und Videos von der Verschmutzung und von Schiffen im Umfeld.

Die modernisierte Missionsanlage stellt sämtliche Beobachtungen georeferenziert auf einer elektronischen Seekarte dar. Über eine Satellitenverbindung können Daten und Livebilder direkt an das Maritime Lagezentrum des Havariekommandos übertragen werden. Dadurch erhalten die Einsatzkräfte an Land schnell ein aktuelles Bild der Situation. Die Modernisierung der Missionsausrüstung beschreibt das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr ausführlich.

So läuft ein Überwachungsflug ab

Vor dem Start erhält die Besatzung einen Auftrag mit festgelegten Kontrollgebieten. Dabei können planmäßige Überwachungsrouten, Hinweise anderer Behörden oder Satellitenbilder berücksichtigt werden. Auch nach einer Schiffskollision, einem Brand oder dem Untergang eines Schiffes kann die Do 228 gezielt zu einer Einsatzstelle geschickt werden.

Entdeckt das Radar eine verdächtige Fläche, ändert die Besatzung ihren Kurs und untersucht den Bereich mit weiteren Sensoren. Der Operator dokumentiert Position, Ausdehnung und Eigenschaften der Verschmutzung. Gleichzeitig wird geprüft, welche Schiffe sich in der Umgebung befinden und ob eine Spur zu einem möglichen Verursacher führt.

Besteht ein konkreter Verdacht, werden das Schiff, seine Position und die Verschmutzung möglichst lückenlos dokumentiert. Die Marineflieger übermitteln ihre Erkenntnisse an das Havariekommando. Dort werden die Daten ausgewertet und an die zuständigen Ermittlungsbehörden weitergegeben. Ob tatsächlich eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit vorliegt, entscheiden anschließend die dafür zuständigen Stellen.

Auch Funde außerhalb deutscher Gewässer bleiben nicht unbearbeitet. Beobachtungen in benachbarten Seegebieten werden aufgrund internationaler Vereinbarungen an die Behörden des jeweiligen Küstenstaates gemeldet.

Unterstützung bei Schiffsunfällen und Ölkatastrophen

Die Do 228 LM dient nicht allein der Suche nach Umweltsündern. Nach einer Havarie liefert sie wichtige Informationen für die Einsatzleitung. Aus der Luft lässt sich erkennen, ob Schadstoffe ausgetreten sind, wie groß ein Ölteppich ist und in welche Richtung er sich bewegt.

Diese Informationen helfen dem Havariekommando dabei, Ölbekämpfungsschiffe und andere Einsatzkräfte gezielt einzusetzen. Wiederholte Überflüge zeigen, ob sich die Lage verändert und ob weitere Küstenabschnitte gefährdet sein könnten. Die Flugzeuge verbinden damit Aufklärung, Beweissicherung und unmittelbare Unterstützung der Gefahrenabwehr.

Bei Übungen wird dieses Zusammenspiel regelmäßig trainiert. So lieferte eine Do 228 bei einer gemeinsamen Ölunfallübung vor Büsum im Juni 2026 Informationen über Ausdehnung und Fließrichtung eines angenommenen Ölteppichs. Das Havariekommando berichtet über die Zusammenarbeit bei der Übung.

Die Bilanz für das Jahr 2025

Die jüngsten Zahlen verdeutlichen den Umfang des Auftrags. Im Jahr 2025 absolvierten die beiden Do 228 insgesamt 472 Einsätze. Dabei wurden 130 Verschmutzungen festgestellt – 109 in der Nordsee und 21 in der Ostsee. Statistisch entdeckten die Besatzungen etwa alle elf bis zwölf Flugstunden eine Verunreinigung.

51 Fälle lagen in deutschen Gewässern. Die übrigen Feststellungen entfielen auf Seegebiete der Niederlande, Dänemarks und Schwedens. Bei 36 Verschmutzungen wurde Mineralöl erkannt; in 94 Fällen handelte es sich um nicht eindeutig bestimmbare Substanzen, beispielsweise mögliche Rückstände aus Tankwaschungen oder Bohrwasser.

In 48 Fällen konnte ein möglicher Verursacher identifiziert werden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von rund 37 Prozent und damit einer deutlichen Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen stammen aus der Bilanz der Luftüberwachung für 2025 und dem Jahresbericht 2025 des Havariekommandos.

Eine größere Zahl entdeckter Fälle bedeutet dabei nicht automatisch, dass die Belastung der Meere stark gestiegen ist. Die modernisierten Sensoren können inzwischen auch sehr kleine Verunreinigungen erfassen, die mit älterer Technik möglicherweise unentdeckt geblieben wären.

Überwachung wirkt auch vorbeugend

Die regelmäßige Präsenz der „Ölflieger“ hat neben der Aufklärung eine abschreckende Wirkung. Schiffsbesatzungen müssen jederzeit damit rechnen, dass illegale Einleitungen aus der Luft entdeckt und dokumentiert werden. Zu Beginn der Luftüberwachung wurde durchschnittlich noch etwa alle vier Flugstunden eine Verschmutzung festgestellt. Heute liegt dieser Wert bei ungefähr elf bis zwölf Stunden.

Diese Entwicklung ist ein Hinweis darauf, dass internationale Vorschriften, bessere Entsorgungsmöglichkeiten in den Häfen und die kontinuierliche Überwachung Wirkung zeigen. Gleichzeitig bleibt die Aufgabe notwendig: Nord- und Ostsee gehören zu den am stärksten befahrenen Seegebieten der Welt. Dichter Schiffsverkehr, Offshoreanlagen und schwierige Wetterbedingungen sorgen dafür, dass das Risiko von Unfällen und unerlaubten Schadstoffeinleitungen bestehen bleibt.

Ein besonderer Beitrag der Marine zum Meeresschutz

Der Umweltschutz aus der Luft zeigt eine weniger bekannte Seite der deutschen Marineflieger. Mit fliegerischem Können, moderner Sensorik und enger Zusammenarbeit mit zivilen Behörden schützen die Besatzungen nicht nur deutsche Gewässer. Sie unterstützen auch Nachbarstaaten, liefern bei Schiffsunfällen ein aktuelles Lagebild und sichern Beweise für die Verfolgung möglicher Umweltverstöße.

Die beiden Do 228 LM sind damit weit mehr als reine „Ölflieger“. Sie sind fliegende Messstationen, Aufklärungsplattformen und ein wichtiger Bestandteil des deutschen maritimen Notfallmanagements. Ihr täglicher Einsatz trägt dazu bei, Verschmutzungen frühzeitig zu erkennen, Verantwortliche zu ermitteln und die empfindlichen Lebensräume von Nord- und Ostsee dauerhaft zu schützen.

Stand: August 2026

Quellenverzeichnis