Skip to main navigation Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Handwaffen der Marineflieger: damals und heute

Die deutschen Marineflieger werden vor allem mit Flugzeugen und Hubschraubern verbunden. Dennoch sind ihre Angehörigen nicht nur fliegendes Personal, Techniker oder Spezialisten für Sensorik und Wartung, sondern zugleich Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Der sichere Umgang mit Gewehr und Pistole gehört deshalb zur militärischen Grundausbildung. Die Marineoperationsschule nennt Schießausbildung, Geländeausbildung und das Kennenlernen von Gewehr und Pistole ausdrücklich als Bestandteile der Ausbildung von Marinesoldaten.

Eine ausschließlich für die Marineflieger entwickelte Handwaffenfamilie gab und gibt es jedoch nicht. Verwendet wurden grundsätzlich die für die Bundeswehr beziehungsweise die Deutsche Marine eingeführten Waffen. Welche davon tatsächlich ausgegeben werden, richtet sich nach Dienstposten, Auftrag, Ausbildung und Einsatzlage.

Nicht zu den Handwaffen zählen fest oder beweglich in Luftfahrzeugen eingebaute Maschinengewehre, Bordkanonen, Flugkörper, Torpedos und Wasserbomben. Der folgende Überblick konzentriert sich auf tragbare Waffen für Selbstschutz, Wach- und Sicherungsaufgaben sowie die allgemeine militärische Ausbildung.

Die Marineflieger im Kalten Krieg

Nach dem Aufbau der Bundesmarine in den 1950er-Jahren wurden auch die Marineflieger mit den damals üblichen Handwaffen der Bundeswehr ausgestattet. Die Ausrüstung orientierte sich an den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung. Marinefliegerhorste, technische Bereiche, Munitionslager, Radaranlagen und abgestellte Luftfahrzeuge mussten im Verteidigungsfall auch am Boden geschützt werden.

Das Gewehr G3

Das Gewehr G3 prägte über mehrere Jahrzehnte die Handwaffenausbildung der Bundeswehr. Es verschoss die NATO-Patrone 7,62 × 51 Millimeter und war robust, leistungsstark und für große Kampfentfernungen ausgelegt. Sein vergleichsweise hohes Gewicht und der starke Rückstoß entsprachen den Anforderungen der damaligen Landesverteidigung, machten die Waffe aber weniger handlich als spätere Sturmgewehre.

Auch Marineflieger erhielten entsprechend ihrer Verwendung eine Ausbildung am G3. Das Gewehr kam insbesondere bei Wach-, Sicherungs- und Verteidigungsaufgaben sowie in der allgemeinen militärischen Ausbildung zum Einsatz. Es war allerdings nicht die ständig mitgeführte persönliche Bewaffnung jedes Piloten oder Technikers.

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr beschreibt die Einführung des G3 als einen wesentlichen qualitativen Fortschritt beim Aufbau der Bundeswehr.

Die Pistole P1

Als Dienstpistole gehörte die P1 über Jahrzehnte zum Erscheinungsbild der Bundeswehr. Die Selbstladepistole im Kaliber 9 × 19 Millimeter war eine weiterentwickelte Nachkriegsversion der Walther P38.

Sie eignete sich besonders als kompakte Selbstschutzwaffe für Personal, dessen Hauptaufgabe nicht im infanteristischen Kampf lag. Dazu konnten – abhängig vom Auftrag – auch Luftfahrzeugbesatzungen, Kraftfahrer, Wachpersonal, militärische Führer und technische Spezialisten gehören. Eine pauschale Ausstattung sämtlicher Marinefliegerbesatzungen mit der P1 lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Die Maschinenpistole MP2

Die als MP2 beziehungsweise MP2A1 bezeichnete Uzi ergänzte die Bewaffnung der Bundeswehr. Sie verschoss ebenfalls Munition im Kaliber 9 × 19 Millimeter und war deutlich kompakter als das G3. Dadurch eignete sie sich für Verwendungen, in denen nur begrenzter Platz zur Verfügung stand.

Die MP2 gehörte zum allgemeinen Handwaffenbestand der Bundeswehr. Ihre konkrete Ausgabe an Angehörige einzelner Marinefliegerverbände richtete sich nach dem jeweiligen Ausstattungsnachweis. Sie sollte daher nicht ohne einen Beleg aus der betreffenden Einheit als generelle „Pilotenwaffe“ bezeichnet werden.

Das Maschinengewehr MG3

Das 1969 eingeführte MG3 im Kaliber 7,62 × 51 Millimeter diente als Unterstützungswaffe. Im Bereich eines Flugplatzes konnte ein Maschinengewehr beispielsweise für den Schutz von Stellungen, Zufahrten oder besonders wichtigen Anlagen vorgesehen sein.

Das MG3 war keine persönliche Handwaffe von Luftfahrzeugbesatzungen. Es gehörte zur Bewaffnung entsprechend ausgebildeter Sicherungs- oder Wachkräfte. Die Bundeswehr führt das MG3 auch heute noch bei verschiedenen Einheiten, während es schrittweise durch das MG5 ersetzt wird.

Der Wechsel zu G36 und P8

Nach dem Ende des Kalten Krieges veränderten sich sowohl die Streitkräftestruktur als auch die Anforderungen an die Handwaffen. Auslandseinsätze, beweglichere Einsatzformen, moderne Schutzwesten und der zunehmende Einsatz optischer Zielhilfen rückten leichtere und flexiblere Waffen in den Vordergrund.

Das G36 als neues Standardgewehr

Seit 1997 gehörte das G36 zur Grundausstattung der Bundeswehr. Mit dem Wechsel vom G3 zum G36 änderte sich auch das Kaliber von 7,62 × 51 auf 5,56 × 45 Millimeter. Das G36 besitzt ein 30 Patronen fassendes Magazin und eine integrierte optische Visierung. Kürzere Varianten erleichtern das Tragen in Fahrzeugen und in beengten Arbeitsbereichen.

Für Marineflieger bedeutete die Einführung des G36 vor allem eine Modernisierung der allgemeinen Schieß-, Wach- und Sicherungsausbildung. Das Gewehr blieb dabei eine streitkräftegemeinsame Waffe und kein speziell für die Marineflieger entwickeltes System.

Die Pistole P8

Die P8 löste die P1 als reguläre Dienstpistole weitgehend ab. Sie verschießt ebenfalls Munition im Kaliber 9 × 19 Millimeter, besitzt aber ein Magazin für 15 Patronen. Die Bundeswehr bezeichnet sie als Nahkampf- und Zweitwaffe vieler Soldaten.

Für Marineflieger kann die P8 abhängig vom Auftrag als kompakte Selbstschutzwaffe vorgesehen werden. Dies gilt insbesondere bei Einsätzen, bei bestimmten Wachaufgaben oder dann, wenn das Mitführen eines Gewehrs aufgrund der Tätigkeit nicht zweckmäßig ist. Eine dauerhafte Bewaffnung des fliegenden und technischen Personals im normalen Friedensflugbetrieb lässt sich daraus nicht ableiten.

Die Maschinenpistole MP7

Die MP7A1 ist eine kompakte vollautomatische Handfeuerwaffe im Kaliber 4,6 × 30 Millimeter. Sie kann mit Magazinen für 20, 30 oder 40 Patronen verwendet werden und ist nach Angaben der Bundeswehr für kurze Entfernungen bis etwa 150 Meter vorgesehen.

Ihre kompakte Bauform macht die MP7 grundsätzlich für Personal interessant, das in Fahrzeugen oder Luftfahrzeugen nur wenig Platz zur Verfügung hat. Die tatsächliche Zuweisung ist jedoch auftrags- und einheitsabhängig. Ein veröffentlichter Nachweis dafür, dass sie bei allen Besatzungen der Marineflieger als reguläre persönliche Waffe geführt wird, liegt nicht vor.

Die Handwaffen der Marineflieger heute

Der heutige Handwaffenbestand, aus dem auch Kräfte der Marine ausgestattet werden können, umfasst insbesondere:

WaffeKaliberBedeutung
Pistole P89 × 19 mmKompakte Nahkampf- und Zweitwaffe
Gewehr G365,56 × 45 mmWeiterhin verbreitetes Standardgewehr während der Umstellung
Maschinenpistole MP7A14,6 × 30 mmKompakte, verwendungsabhängige Bewaffnung
Maschinengewehr MG37,62 × 51 mmBewährte Unterstützungswaffe im auslaufenden Bestand
Maschinengewehr MG57,62 × 51 mmModerner Nachfolger des MG3
Gewehr G95A1/G95KA15,56 × 45 mmNeues Standardsturmgewehr im schrittweisen Zulauf

Diese Aufstellung bedeutet nicht, dass jedes Marinefliegergeschwader sämtliche Waffen in gleicher Zahl nutzt oder dass jeder Angehörige der Marineflieger damit ausgerüstet wird. Die Ausstattung richtet sich nach Auftrag, Einsatzbereitschaft, Dienstposten und Ausbildungsstand.

Das G95 als neues Standardgewehr

Im Dezember 2025 begann die Bundeswehr mit der Auslieferung des G95 an die Truppe. Das neue Standardsturmgewehr wird in den Versionen G95A1 und G95KA1 beschafft und soll das G36 schrittweise ablösen. Beide Varianten verschießen weiterhin die NATO-Patrone 5,56 × 45 Millimeter.

Im Vergleich zum G36 ist das G95 stärker modularisiert. Es verfügt über einstellbare Schulterstützen, moderne Schnittstellen für Optiken und Zubehör sowie eine weitgehend beidseitige Bedienung. Die Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten soll nach Angaben der Bundeswehr die kompaktere Ausführung G95KA1 erhalten.

Die Einführung erfolgt jedoch stufenweise. Die ersten Waffen wurden Ende 2025 an einen Verband des Heeres übergeben. Eine öffentlich bestätigte, flächendeckende Umrüstung der Marinefliegergeschwader 3 und 5 auf das G95 ist bislang nicht dokumentiert. Für eine sachlich korrekte Darstellung sollte das G95 deshalb als neues Bundeswehr-Standardgewehr im Zulauf bezeichnet werden – nicht bereits als vollständig eingeführte Standardwaffe der Marineflieger.

Damals und heute im Vergleich

BereichFrüherHeute beziehungsweise im Zulauf
StandardgewehrG3, 7,62 × 51 mmG36 sowie schrittweise G95, 5,56 × 45 mm
DienstpistoleP1, 9 × 19 mmP8, 9 × 19 mm
Kompakte WaffeMP2/MP2A1, 9 × 19 mmMP7A1, 4,6 × 30 mm
UnterstützungswaffeMG3, 7,62 × 51 mmMG3 und zunehmend MG5, 7,62 × 51 mm
Visierungüberwiegend mechanische Visierungoptische Visierung und modulare Zielhilfen
SchwerpunktLandesverteidigung und stationärer ObjektschutzLandes- und Bündnisverteidigung, Einsatzfähigkeit und modulare Ausstattung
Zuweisungnach Dienstposten und Auftragweiterhin nach Dienstposten, Ausbildung und Auftrag

Mehr als ein Austausch einzelner Waffen

Die Entwicklung vom G3 zum G36 und künftig zum G95 ist mehr als ein reiner Modellwechsel. Sie zeigt den Wandel von schweren, weitgehend standardisierten Waffen des Kalten Krieges zu modularen Systemen, die sich besser an unterschiedliche Aufträge, Körpergrößen, Schutzausstattungen und Sichtbedingungen anpassen lassen.

Auch die Ausbildung hat sich verändert. Heute steht nicht allein das Schießen auf der festgelegten Bahn im Mittelpunkt. Waffenhandhabung, sichere Abläufe, Entscheidungsfähigkeit und der situationsgerechte Einsatz werden stärker miteinander verbunden. Für Marineflieger bleibt die Handwaffenausbildung dennoch eine soldatische Zusatzbefähigung. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt weiterhin im Flugbetrieb, in der Technik, der Aufklärung, der U-Boot-Jagd, dem Bordflugbetrieb, dem Such- und Rettungsdienst sowie der Unterstützung der Flotte.

Fazit

Die Marineflieger besaßen weder früher noch heute eine eigenständige Handwaffenfamilie. Im Kalten Krieg prägten G3, P1, MP2 und MG3 die Ausbildung und die Sicherung militärischer Anlagen. Später traten G36, P8 und MP7 hinzu, während das MG5 das MG3 schrittweise ablöst.

Mit dem seit Ende 2025 laufenden Zulauf des G95 beginnt die nächste Modernisierungsphase. Bis die neue Waffe auch bei den Marinefliegern nachweislich flächendeckend angekommen ist, bleibt das G36 jedoch ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und Ausstattung. Unverändert gilt: Welche Handwaffe ein Marineflieger tatsächlich führt, entscheidet nicht seine Zugehörigkeit zur fliegenden Truppe allein, sondern der konkrete Auftrag.

Quellenverzeichnis:

  1. Bundeswehr: Grundausbildung an der Marineoperationsschule
    Informationen zur Handwaffen-, Schieß- und Geländeausbildung von Marinesoldaten.
  2. Bundeswehr: Ihre Offizierausbildung bei der Marine
    Darstellung der allgemeinen Grundausbildung einschließlich Handwaffen- und Schießausbildung.
  3. Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr: 70 Jahre Aufstellung der Teilstreitkräfte
    Militärhistorische Einordnung des Aufbaus der Bundeswehr und der Einführung des G3.
  4. Bundeswehr: Militärgerät der Bundeswehr – die Namensgebung
    Erläuterungen zu P1, G36, MG3 und der Systematik deutscher Waffenbezeichnungen.
  5. Bundeswehr: Das Gewehr G36
    Offizielle Beschreibung und technische Angaben zum G36.
  6. Bundeswehr: Die Pistole P8
    Offizielle Beschreibung, Verwendung und technische Angaben zur P8.
  7. Bundeswehr: Die Maschinenpistole MP7
    Offizielle Angaben zu Kaliber, Magazinen und vorgesehener Verwendung der MP7A1.
  8. Bundeswehr: Das Maschinengewehr MG3
    Historische und technische Angaben zum seit 1969 verwendeten MG3.
  9. Bundeswehr: Das Maschinengewehr MG5
    Offizielle Angaben zum MG5 und zur schrittweisen Ablösung des MG3.
  10. Bundeswehr: G95 – das neue Sturmgewehr für die Truppe
    Technische Daten und Beschreibung der Varianten G95A1 und G95KA1.
  11. Bundeswehr: Das Gewehr G95 ist das neue Standardgewehr der Bundeswehr
    Informationen zum Beginn der Auslieferung im Dezember 2025 und zur schrittweisen Ablösung des G36.