Sting Ray für die P-8A: Deutschland und Großbritannien vertiefen Zusammenarbeit bei der U-Boot-Jagd
Deutschland und Großbritannien haben ihre Zusammenarbeit bei der Beschaffung britischer Sting-Ray-Torpedos konkretisiert. Am 2. November 2026 unterzeichneten die nationalen Rüstungsdirektoren beider Länder eine Umsetzungsvereinbarung. Die Torpedos sollen künftig auch bei der deutschen P-8A Poseidon zum Einsatz kommen. Gleichzeitig würdigten beide Verteidigungsministerien die gemeinsame Ausbildung deutscher Marineflieger in Großbritannien.
Neue Vereinbarung zur Beschaffung von Sting-Ray-Torpedos
Deutschland und Großbritannien treiben die gemeinsame Beschaffung von Torpedos für die maritime U-Boot-Abwehr voran. Beim zweiten deutsch-britischen Verteidigungsministerrat am 2. November 2026 unterzeichneten die nationalen Rüstungsdirektoren eine Umsetzungsvereinbarung zur Zusammenarbeit bei der Beschaffung des britischen Sting-Ray-Torpedos.
Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der Verteidigungsministerien hervor, die das britische Verteidigungsministerium am selben Tag veröffentlichte.
Die Vereinbarung konkretisiert die bereits bestehende Zusammenarbeit im Rahmen des Trinity-House-Abkommens, mit dem beide Länder ihre militärische Kooperation insbesondere im Nordatlantik und in der Nordsee stärken wollen.
Sting Ray als künftige Bewaffnung der deutschen P-8A
Der Sting Ray ist ein leichter, für die Bekämpfung von U-Booten entwickelter Torpedo. Er wird von Großbritannien eingesetzt und soll nach bisherigen Planungen künftig auch die deutschen Seefernaufklärer vom Typ Boeing P-8A Poseidon ergänzen.
Bereits bei der Vorstellung der ersten deutschen P-8A im November 2025 hatte die Bundeswehr angekündigt, dass mittelfristig britische Sting-Ray-Torpedos zur Bewaffnung hinzukommen sollen.
Die jetzt unterzeichnete Umsetzungsvereinbarung stellt einen weiteren Schritt bei der Vorbereitung dieser Beschaffungszusammenarbeit dar.
Konkrete Angaben zu vorgesehenen Stückzahlen, Beschaffungskosten oder Lieferterminen enthält die aktuelle gemeinsame Erklärung nicht.
Ebenso wurde nicht mitgeteilt, wann eine entsprechende Sting-Ray-Bewaffnung für die deutschen P-8A verfügbar sein wird.
Gemeinsame Ausbildung und Übungen mit der Royal Air Force
Neben der Torpedobeschaffung hoben beide Länder die bereits erreichten Fortschritte bei der Zusammenarbeit ihrer Seefernaufklärer hervor.
Im Jahr 2026 operierten deutsche P-8A Poseidon wiederholt vom britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Lossiemouth in Schottland.
Bei der multinationalen U-Boot-Jagd-Übung Dynamic Mongoose im Mai unterstützte der britische Standort erstmals deutsche P-8A im Rahmen der vereinbarten Zusammenarbeit.
Ein weiterer gemeinsamer Einsatz erfolgte während der Übung Strike Warrior 2026. Dabei trainierten deutsche, britische und französische Seefernaufklärer die maritime Kriegführung im Nordatlantik und in den Gewässern rund um Großbritannien.
Die Zusammenarbeit umfasst unter anderem die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur, den Erfahrungsaustausch zwischen den Besatzungen und die Abstimmung bei multinationalen Operationen.
Nordatlantik bleibt Schwerpunkt der Zusammenarbeit
Die deutsch-britische Kooperation besitzt besondere Bedeutung für die Sicherheit im Nordatlantik.
Dort verlaufen wichtige transatlantische Seewege und Kommunikationsverbindungen. Gleichzeitig spielt die Überwachung von U-Boot-Aktivitäten eine zentrale Rolle für das maritime Lagebild der NATO.
Mit der P-8A Poseidon verfügen sowohl Deutschland als auch Großbritannien über denselben modernen Seefernaufklärertyp.
Die gemeinsame Nutzung dieser Plattform erleichtert grundsätzlich die Zusammenarbeit bei Ausbildung, Einsatzverfahren und technischer Unterstützung.
Das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz baut die deutschen P-8A-Fähigkeiten derzeit weiter auf. Der neue Seefernaufklärer übernimmt die Aufgaben der außer Dienst gestellten P-3C Orion.
Trinity House als Grundlage
Die engere maritime Zusammenarbeit ist Bestandteil des Trinity-House-Abkommens, das Deutschland und Großbritannien im Oktober 2024 unterzeichneten.
Das Abkommen sieht unter anderem eine intensivere Kooperation bei der U-Boot-Abwehr, der Ausbildung von Seefernaufklärungsbesatzungen und der Entwicklung gemeinsamer militärischer Fähigkeiten vor.
Bereits im Mai 2025 hatten beide Länder eine Vereinbarung zur gemeinsamen Beschaffung von Sting-Ray-Torpedos bekannt gegeben.
Die am 2. November 2026 unterzeichnete Umsetzungsvereinbarung führt diese Zusammenarbeit fort und konkretisiert die Beschaffungskooperation.
Bedeutung für die Marineflieger
Für die deutschen Marineflieger ist die Vereinbarung vor allem im Zusammenhang mit der Einführung der P-8A Poseidon von Bedeutung.
Die neuen Flugzeuge verbinden weitreichende Aufklärungssysteme mit der Fähigkeit zur U-Boot-Jagd. Neben modernen Sensoren und Sonarbojen gehören auch Torpedos zu den vorgesehenen Wirkmitteln.
Die angestrebte Zusammenarbeit bei Sting Ray könnte langfristig die Abstimmung mit der britischen P-8A-Flotte unterstützen.
Wie die zukünftige deutsche Bewaffnung im Einzelnen ausgestaltet wird und wann die entsprechenden Systeme verfügbar sein werden, bleibt von weiteren Beschaffungs- und Integrationsschritten abhängig.
Die Vereinbarung vom 2. November markiert damit keinen abgeschlossenen Zulauf von Waffen, sondern einen weiteren Fortschritt in der deutsch-britischen Zusammenarbeit bei der maritimen U-Boot-Abwehr.
Quellen:
- Britisches Verteidigungsministerium, 2. November 2026: Gemeinsame deutsch-britische Erklärung – bestätigt die unterzeichnete Umsetzungsvereinbarung und die Übungen der P-8A.
- Bundeswehr, November 2025: P-8A Poseidon: Neuer Seefernaufklärer in Deutschland gelandet – bestätigt die mittelfristig vorgesehene Sting-Ray-Bewaffnung.
Britisches Verteidigungsministerium, 15. Mai 2025: Frühere Vereinbarung im Rahmen von Trinity House – dokumentiert die bereits 2025 begonnene Beschaffungszusammenarbeit.