Sea Lion über Hamburg: Marineflieger unterstützen „Red Storm Charlie“
Zwei NH90 NTH Sea Lion der Marineflieger begleiten bei der Großübung „Red Storm Charlie“ militärische Bewegungen im Hamburger Hafen aus der Luft. Am ersten Übungstag flogen die Marinehubschrauber über einer Fähre mit Soldatinnen und Soldaten und unterstützten die Überwachung der anschließenden Truppenverlegung durch die Hansestadt.
Die deutschen Marineflieger beteiligen sich mit zwei Mehrzweckhubschraubern vom Typ NH90 NTH Sea Lion an der zivil-militärischen Verteidigungsübung „Red Storm Charlie“ in Hamburg. Die Übung läuft vom 24. bis 26. September 2026 unter Führung des Landeskommandos Hamburg. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie militärische Kräfte, Behörden, Hilfsorganisationen und Unternehmen bei einer größeren Truppenverlegung zusammenarbeiten.
Am ersten Übungstag waren die Sea Lion deutlich über dem Hamburger Hafen zu sehen. Die beiden Marinehubschrauber begleiteten eine HADAG-Fähre, die Soldatinnen und Soldaten vom Airbus-Gelände in Finkenwerder zum Terminal O’Swaldkai brachte. Dort wurden die Kräfte mit bereits auf dem Seeweg eingetroffenen Fahrzeugen zusammengeführt. Anschließend setzte sich eine Kolonne aus rund 70 militärischen und zivilen Fahrzeugen durch das Hamburger Stadtgebiet in Bewegung.
Marineflieger überwachen Bewegungen aus der Luft
Die Bundeswehr beschreibt den Auftrag der eingesetzten Hubschrauber als Begleitung und Überwachung der Bewegungen aus der Luft. Damit übernehmen die Marineflieger eine wichtige Rolle zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern: Personal trifft per Flugzeug ein, wird mit einer Fähre über die Elbe transportiert und steigt im Hafen auf Fahrzeuge für den Weitertransport um.
Bereits am 22. September hatte ein Sea Lion mögliche Landeplätze im Hafengebiet erkundet und dabei mehrfach am O’Swaldkai aufgesetzt. Während des eigentlichen Übungsbeginns am 24. September landeten die NH90 erneut auf dem Terminalgelände und begleiteten später den Transport auf der Elbe. Für den Donnerstag war Hubschrauberbetrieb bis etwa Mitternacht vorgesehen.
Die Rolle passt zum Aufgabenspektrum des NH90 NTH Sea Lion. Der beim Marinefliegergeschwader 5 in Nordholz stationierte Hubschrauber wird nicht nur im Such- und Rettungsdienst eingesetzt. Er ist ebenfalls für den taktischen Transport von Personal und Material, medizinische Evakuierungen und unterstützende Aufgaben in maritimen Einsatzräumen ausgelegt.
Hamburg als militärische Drehscheibe
Das Übungsszenario geht von einer verschärften Lage im östlichen Bündnisgebiet aus. NATO-Kräfte treffen mit Personal und Material in Hamburg ein und werden von dort in Richtung Osten weiterverlegt. Geübt wird damit ein Teil der sogenannten „Drehscheibe Deutschland“, bei der Häfen, Flughäfen, Straßen, Schienenwege und zivile Infrastruktur für die Aufnahme und Weiterleitung verbündeter Kräfte zusammenwirken müssen.
Hamburg besitzt dafür eine besondere Bedeutung. Der Hafen ermöglicht die Anlandung großer Mengen Material, der Flughafen die Aufnahme von Personal. Straßen- und Schienenverbindungen führen weiter in Richtung Osten. „Red Storm Charlie“ prüft, ob diese Übergänge auch unter erschwerten Bedingungen funktionieren und ob militärische und zivile Stellen ihre Maßnahmen ausreichend aufeinander abstimmen können.
Nach Angaben der Bundeswehr nehmen rund 500 Soldatinnen und Soldaten an der Übung teil. Der Kreis der zivilen Partner ist gegenüber dem Vorjahr auf etwa 60 Organisationen angewachsen. Dazu gehören unter anderem Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Hamburg Airport, Airbus, die Hamburger Hafen und Logistik AG, die Hamburg Port Authority und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Insgesamt sind nach Angaben des Landeskommandos deutlich mehr als 1.500 Menschen beteiligt.
Drohnenangriff, Chemieunfall und Verwundetenversorgung
Die Truppenverlegung ist nur ein Teil der dreitägigen Übung. Weitere Szenarien umfassen einen Drohnenangriff auf einen militärischen Konvoi, einen Chemieunfall, die Sabotage eines Zuges mit militärischen Gütern, Stromausfälle sowie die Versorgung einer größeren Zahl Verletzter. Dabei sollen Führungswege, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung unter realitätsnahen Bedingungen erprobt werden.
Am Donnerstag wurde im Hafen unter anderem der Angriff einer mit einem Sprengsatz versehenen Drohne simuliert. Eine Abfangdrohne machte das Fluggerät mit einem Netz unschädlich. Polizei und Feldjäger trainierten anschließend gemeinsam die Festnahme des mutmaßlichen Drohnenpiloten. Die Übung wurde zugleich von Protesten begleitet; einzelne Versuche, die nächtliche Kolonne zu blockieren, wurden von der Polizei verhindert.
Sea Lion zeigt Fähigkeit jenseits des SAR-Dienstes
Für die Marineflieger bietet „Red Storm Charlie“ die Möglichkeit, den Sea Lion in einem komplexen Umfeld mit zahlreichen militärischen und zivilen Beteiligten einzusetzen. Anders als beim bekannten SAR-Auftrag über Nord- und Ostsee liegt der Schwerpunkt in Hamburg auf der Luftbegleitung, der Beobachtung von Bewegungen und dem Zusammenspiel mit Kräften am Boden und auf dem Wasser.
Gerade der Transport vom Flughafen über die Elbe bis zum Hafen zeigt, welche Bedeutung Hubschrauber für die Verbindung unterschiedlicher logistischer Knotenpunkte besitzen. Sie können Bewegungen aus der Luft überwachen, schnell zwischen Einsatzorten wechseln und bei Bedarf Personal oder Material unabhängig von Straßen und Brücken verlegen.
Die Übung läuft noch bis zum 26. September. An den weiteren Tagen stehen unter anderem ein Chemieunfall, ein Anschlag auf einen militärischen Bahntransport und die Versorgung zahlreicher Verwundeter auf dem Programm. Eine abschließende Auswertung der Beteiligung der Marineflieger liegt daher noch nicht vor.
Quellen
- https://www.bundeswehr.de/de/organisation/operatives-fuehrungskommando-der-bundeswehr/landeskommando/hamburg/uebung-red-storm-charlie
- https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/luft-laerm-elektromagnetische-felder/militaerische-uebung-red-storm-charlie--1217186
- https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/red-storm-charlie-militaerkolonne-faehrt-durch-hamburg,redstormcharlie-128.html
- https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/blog-militaer-uebung-und-proteste-was-bei-red-storm-charlie-passiert,hhtickerredstormcharlie-100.html
- https://www.reutersconnect.com/item/bundeswehr-exercise-red-storm-charlie/dGFnOnJldXRlcnMuY29tLDIwMjY6bmV3c21sX0RQQUFQSVMyNjA5MjRYOTlYNzUxNjIx
- https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/struktur/marinefliegerkommando/marinefliegergeschwader-5
- https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/mehrzweck-hubschrauber-sea-lion-nh-90-nth
Redaktioneller Hinweis
Die Stadt Hamburg bezeichnet die beiden eingesetzten Luftfahrzeuge in ihrer Ankündigung allgemein als NH90. Aktuelle Aufnahmen vom Erkundungsflug und vom ersten Übungstag zeigen die marinegraue NTH-Variante Sea Lion. Eine gesonderte öffentliche Pressemitteilung des Marinefliegergeschwaders 5 zur Übung lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Die abschließende Bewertung der Übung kann erst nach ihrem Ende erfolgen.