Nationaler Sicherheitsrat fordert Ausbau unbemannter Systeme – Bedeutung für die Marineflieger
Der Nationale Sicherheitsrat hat sich am 3. November 2026 mit der Verteidigungsplanung der NATO und dem weiteren Ausbau der Bundeswehr befasst. Ein Schwerpunkt lag auf unbemannten Systemen, Drohnenabwehr und der militärischen Nutzung künstlicher Intelligenz. Die Beratungen sind auch für die deutschen Marineflieger von Bedeutung, die mit der MQ-9B SeaGuardian eine neue Fähigkeit zur maritimen Aufklärung und U-Boot-Jagd aufbauen.
Nationaler Sicherheitsrat berät über die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands
Der Nationale Sicherheitsrat ist am 3. November 2026 unter Vorsitz des Bundeskanzlers in Berlin zusammengetreten. Im Mittelpunkt standen die Verteidigungsplanungen der NATO, der deutsche Beitrag zur Gesamtverteidigung und die weitere materielle Ausstattung der Bundeswehr.
Wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte, betonte das Gremium insbesondere die Notwendigkeit, unbemannte militärische Systeme in allen Einsatzdimensionen weiter auszubauen.
Daneben beschäftigte sich der Sicherheitsrat mit der Drohnenabwehr, der Luftverteidigung und weitreichenden Waffensystemen. Auch die verantwortungsvolle militärische Nutzung künstlicher Intelligenz wurde ausdrücklich angesprochen.
Die Beratungen verdeutlichen den zunehmenden Stellenwert moderner, vernetzter Technologien in der deutschen Verteidigungsplanung.
Unbemannte Systeme als Bestandteil moderner Streitkräfte
Unbemannte Luft-, Land- und Seesysteme übernehmen in modernen Streitkräften eine wachsende Zahl unterschiedlicher Aufgaben.
Sie können beispielsweise zur Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung und Unterstützung bemannter Einheiten eingesetzt werden. Ihre Einsatzmöglichkeiten hängen dabei von den jeweiligen Sensoren, Kommunikationsverbindungen und Nutzlasten ab.
Besonders bei lang andauernden Überwachungsmissionen bieten unbemannte Luftfahrzeuge zusätzliche Möglichkeiten. Sie können über längere Zeiträume eingesetzt werden, ohne dass sich eine Besatzung unmittelbar an Bord befindet.
Der Nationale Sicherheitsrat sprach sich deshalb für einen weiteren Ausbau entsprechender Fähigkeiten in allen militärischen Einsatzdimensionen aus.
Konkrete zusätzliche Stückzahlen, Beschaffungsprogramme oder Liefertermine wurden in der veröffentlichten Erklärung allerdings nicht genannt.
Bedeutung für die MQ-9B SeaGuardian der Marineflieger
Für die deutschen Marineflieger besitzen diese sicherheitspolitischen Schwerpunkte eine besondere Relevanz.
Die Bundeswehr hat am 12. Januar 2026 insgesamt acht unbemannte Luftfahrzeuge vom Typ MQ-9B beim US-amerikanischen Hersteller General Atomics bestellt. Die ersten Systeme sollen ab 2028 zulaufen.
Die MQ-9B werden künftig beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz betrieben.
Im Mittelpunkt ihres vorgesehenen Einsatzspektrums stehen die weiträumige maritime Aufklärung, die Überwachung von Seegebieten und die Unterstützung der U-Boot-Jagd.
Dafür können die unbemannten Luftfahrzeuge unterschiedliche Sensoren mitführen. Neben Radar- und Kamerasystemen sind auch Vorrichtungen für den Einsatz von Sonarbojen vorgesehen.
Die gesammelten Informationen werden an Bodenkontrollstationen übertragen und können für die Erstellung eines maritimen Lagebildes genutzt werden.
Die Beratungsergebnisse des Nationalen Sicherheitsrates unterstreichen die grundsätzliche Bedeutung solcher Technologien. Eine zusätzliche Bestellung oder Änderung des deutschen MQ-9B-Programms wurde jedoch nicht bekannt gegeben.
Drohnenabwehr und Schutz militärischer Infrastruktur
Neben dem Ausbau unbemannter Systeme stellte der Nationale Sicherheitsrat die Verbesserung der Drohnenabwehr in den Mittelpunkt seiner Beratungen.
Militärische Flugplätze, Marinebasen und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen müssen sich zunehmend mit möglichen Gefährdungen durch unbemannte Luftfahrzeuge auseinandersetzen.
Dabei können unbefugte Drohnenflüge nicht nur die Sicherheit des Flugbetriebs beeinträchtigen, sondern auch Risiken für militärische Infrastruktur und vertrauliche Informationen darstellen.
Für Standorte wie den Marinefliegerstützpunkt Nordholz sind wirksame Schutz- und Sicherungsmaßnahmen deshalb von grundlegender Bedeutung.
Die Beratungen des Nationalen Sicherheitsrates stehen in einem übergeordneten sicherheitspolitischen Zusammenhang. Einen unmittelbaren Beschluss zu zusätzlichen Drohnenabwehrsystemen für Nordholz enthält die veröffentlichte Erklärung nicht.
Künstliche Intelligenz in militärischen Systemen
Ein weiterer Schwerpunkt war die verantwortungsvolle militärische Nutzung künstlicher Intelligenz.
KI-basierte Verfahren können unter anderem dabei helfen, große Mengen an Sensorinformationen auszuwerten, auffällige Muster zu erkennen und komplexe Lagebilder aufzubereiten.
Gerade in der maritimen Aufklärung fallen umfangreiche Daten aus Radar-, Kamera- und akustischen Sensoren an.
Die Auswertung dieser Informationen stellt hohe Anforderungen an Personal, Technik und Kommunikation.
Der Einsatz moderner Datenverarbeitung kann dazu beitragen, die Besatzungen und Auswertekräfte bei diesen Aufgaben zu unterstützen.
Welche konkreten Anwendungen die Bundeswehr künftig einführen wird, lässt sich aus der veröffentlichten Sitzungserklärung allerdings nicht ableiten.
Nationale und europäische Rüstungsindustrie im Blick
Der Nationale Sicherheitsrat beschäftigte sich außerdem mit der Leistungsfähigkeit der deutschen und europäischen Verteidigungsindustrie.
Nach Angaben der Bundesregierung wurde insbesondere die Bedeutung einer technologisch innovativen, international wettbewerbsfähigen und kooperationsfähigen industriellen Basis hervorgehoben.
Für die Einführung moderner Waffensysteme spielen neben der eigentlichen Beschaffung auch Ersatzteilversorgung, Wartung, technische Betreuung und die langfristige Weiterentwicklung eine wichtige Rolle.
Dies gilt ebenfalls für die künftige unbemannte Aufklärungsflotte der deutschen Marine.
Die Einführung der MQ-9B erfordert beispielsweise die Ausbildung des Personals, den Aufbau der erforderlichen Bodenkontrollstationen und die Vorbereitung der technischen Infrastruktur in Nordholz.
Weitere Themen: Weltraumsicherheit und Krisenreaktion
Neben den militärischen Beschaffungs- und Fähigkeitsfragen behandelte der Nationale Sicherheitsrat auch die veränderte Sicherheitslage im Weltraum.
Das Gremium beschloss, die deutsche Weltraumsicherheitsarchitektur durch zusätzliche Forschung und Entwicklung zu stärken.
Darüber hinaus befasste es sich mit der Krisenreaktionsfähigkeit der Bundesregierung und den sicherheitspolitischen Herausforderungen durch fortgeschrittene KI-Systeme.
Diese Themen zeigen, dass die nationale Sicherheitsplanung zunehmend unterschiedliche Bereiche miteinander verbindet – von militärischer Verteidigung und digitaler Sicherheit bis hin zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Ausblick: Neue Fähigkeiten für die maritime Aufklärung
Die Sitzung vom 3. November verdeutlicht, welchen Stellenwert die Bundesregierung dem weiteren Ausbau unbemannter militärischer Fähigkeiten beimisst.
Für die Marineflieger ist die Einführung der MQ-9B SeaGuardian bereits ein konkretes Vorhaben, mit dem die maritime Aufklärung und U-Boot-Jagd erweitert werden sollen.
Künftig wird die MQ-9B die bemannten Seefernaufklärer vom Typ P-8A Poseidon ergänzen. Beide Systeme sollen zur Erfassung und Bewertung maritimer Lageinformationen beitragen.
Ob sich aus den aktuellen Beratungen des Nationalen Sicherheitsrates weitere Beschaffungsmaßnahmen oder zusätzliche Fähigkeiten für die Marineflieger ergeben, bleibt abzuwarten.
Fest steht, dass unbemannte Systeme, moderne Sensorik und die Verarbeitung großer Datenmengen in der langfristigen militärischen Planung eine wichtige Rolle spielen.
Quellen:
- Bundesregierung, 3. November 2026: Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates im November 2026 – Primärquelle für die Beratungen und veröffentlichten Ergebnisse.
- Bundeswehr, 12. Januar 2026: Bundeswehr bestellt Drohnen zur Seefernaufklärung und U-Boot-Jagd – bestätigt acht MQ-9B, Nordholz und den geplanten Zulauf ab 2028.
- Bundesregierung, 24. März 2026: Der Nationale Sicherheitsrat – Aufgaben und Zusammensetzung – Hintergrund zur Funktion des Gremiums.