2004-01 – Das MFG 2 zwischen Einsatzbereitschaft und Abschied
Auf dem Deckblatt steht bereits der Abschiedsgruß. Die Ausgabe +egmont+ 2004-01 zeigt Tornados auf dem Flugplatz Eggebek und verabschiedet sich zugleich von einer Zeitung, die das Marinefliegergeschwader 2 seit 1970 begleitet hatte. Hinter diesem Abschied steht die bevorstehende Auflösung des Verbandes. Sie bestimmt die Gedanken der Führung, die Rückblicke der Staffeln und die Sorgen der Menschen am Standort.
Dabei zeichnet die Ausgabe keineswegs das Bild eines Geschwaders, dessen Aufgaben bereits erledigt wären. Besatzungen werden ausgebildet, Flugzeuge gewartet, technische Verfahren weiterentwickelt und Verlegungen vorbereitet. Gleichzeitig verlassen erfahrene Mitarbeiter ihre Dienststellen, werden Einrichtungen zusammengelegt und Materialabgaben geplant.
Das MFG 2 muss seinen Auftrag weiter erfüllen, während es seine eigene Auflösung vorbereitet. Wie sich diese widersprüchliche Situation anfühlte, wird in den Beiträgen aus nahezu allen Bereichen des Geschwaders greifbar.
Eine große Geschwaderzeitung nimmt vorzeitig Abschied
Der Abschied von +egmont+ fällt nicht mit dem letzten Flug oder der endgültigen Schließung des Standortes zusammen. Die Ausgabe beendet zunächst die vertraute, aufwendig gestaltete große Druckausgabe. Eine kleinere Fassung sollte weiterhin über das Geschwadergeschehen und besonders über die Veränderungen während der Auflösung informieren.
Diese Unterscheidung ist für das Verständnis des Heftes wesentlich. Der Kommodore erklärt, dass sich die bisherige Form aus finanziellen Gründen nicht bis zur Schließung fortführen lasse. Die Redaktion betont zugleich, dass weder mangelndes Engagement noch fehlendes Leserinteresse den Abschied verursacht hätten. Die bevorstehende Auflösung entzog der Zeitung vielmehr ihre langfristige Perspektive.
Deshalb sollte diese Ausgabe besonders umfangreich und farbig werden. Die Redaktion forderte die Einheiten und Teileinheiten auf, ihre Arbeit noch einmal selbst darzustellen. Aus der Geschwaderzeitung wurde damit bewusst ein Erinnerungsstück.
Die Angehörigen sollten später nachlesen können, wozu ihr eigener Arbeitsbereich gehört hatte, welche Menschen ihn geprägt hatten und wie die vielen einzelnen Tätigkeiten zum gemeinsamen Auftrag beitrugen.
Die Fähigkeiten sollen bleiben, der Verband soll gehen
Die Grußworte der Marineführung beschreiben den bevorstehenden Übergang der Marinejagdbomber und ihrer Fähigkeiten zur Luftwaffe. Dabei wird deutlich, dass die Übernahme von Flugzeugen allein nicht ausreichen würde. Benötigt wurden die Erfahrungen der Menschen, die über Jahrzehnte maritime Einsatzverfahren entwickelt, vermittelt und angewendet hatten.
Fliegen über See, das Zusammenwirken mit der Flotte und der Einsatz gegen maritime Ziele waren Fähigkeiten, die durch Ausbildung und praktische Übung gewachsen waren. Sie ließen sich nicht mit einer organisatorischen Verfügung vollständig übertragen.
Für Teile des Personals bedeutete der Übergang eine neue Verwendung in einer anderen Teilstreitkraft. Damit konnten sich Uniform, Dienstgradbezeichnung, Arbeitsort und berufliches Umfeld verändern. Für andere standen Ruhestand, Versetzung oder eine noch ungeklärte Zukunft bevor.
Bemerkenswert offen räumt der Inspekteur der Marine ein, dass zum Zeitpunkt seines Grußwortes noch nicht für alle Betroffenen Anschlussverwendungen gefunden waren. Hinter der organisatorischen Planung standen somit sehr persönliche Fragen.
Die Beiträge zeigen zugleich, wie die Angehörigen mit der politischen Entscheidung umgingen. Viele hatten für den Erhalt des Verbandes gekämpft und hielten die Auflösung weiterhin für falsch. Dennoch arbeiteten sie an ihrer Umsetzung und an der Weitergabe ihrer Fähigkeiten. Enttäuschung und soldatische Pflichterfüllung bestanden nebeneinander.
Der Tornado verändert auch die Zusammenarbeit
Ein besonders aufschlussreicher Rückblick beschäftigt sich mit der Verbandskultur des MFG 2. Er verbindet die technische Entwicklung mit Veränderungen im Denken und Handeln der Besatzungen.
Der Übergang vom einsitzigen F-104G Starfighter zum zweisitzigen Tornado hatte mehr verlangt als die Beherrschung eines neuen Flugzeugmusters. Im Tornado mussten Pilot und Waffensystemoffizier als Besatzung zusammenarbeiten. Aufgaben, Informationen und Entscheidungen wurden innerhalb des Cockpits geteilt.
Der Verfasser schildert, dass dieser Wandel nicht für alle erfahrenen Starfighterpiloten selbstverständlich gewesen sei. Wer zuvor allein im Cockpit gesessen hatte, musste lernen, die Möglichkeiten eines zweiten Besatzungsmitglieds vollständig einzubeziehen.
Damit beschreibt die Ausgabe eine wichtige Entwicklung der militärischen Fliegerei: Technische Leistungsfähigkeit hing zunehmend davon ab, wie gut Menschen miteinander kommunizierten und ihre Arbeit aufeinander abstimmten.
Die Überlegungen zum Crew Resource Management knüpfen daran an. Klare Verständigung, der Umgang mit Missverständnissen und die Nutzung der Fähigkeiten aller Besatzungsmitglieder werden als Beitrag zur Unfallvermeidung behandelt. Professionalität bedeutete damit auch, das eigene Verhalten und die Zusammenarbeit im Cockpit bewusst weiterzuentwickeln.
Spezialwissen wird zur letzten großen Übergabe
Wie viel Wissen im Geschwader zusammengekommen war, zeigen die Beiträge über die Ausbildung und die Gruppe Taktik und Versuche.
Die 3. Staffel verband seit ihrer Aufstellung 1994 die Ausbildung junger Besatzungen mit der Erfahrung langjähriger Fluglehrer und Spezialisten. Ihr scherzhafter Beiname „Jurassic Park“ verdeckte eine wichtige Funktion: Hier wurde Wissen zwischen Generationen weitergegeben.
Zu ihren Aufgaben gehörten die taktische Erstausbildung Marine, weitere Ausbildungsabschnitte für die Einsatzstaffeln und die Vorbereitung auf anspruchsvollere fliegerische Verwendungen. Im bevorstehenden Übergang erhielt diese Arbeit zusätzliche Bedeutung. Die Staffel sollte dabei helfen, maritime Fähigkeiten an die Luftwaffe zu vermitteln.
Die Gruppe Taktik und Versuche wiederum beschreibt ihre Rolle zwischen Truppe, Industrie und anderen Dienststellen. Ihre Projektliste nennt unter anderem Softwareverbesserungen für den Tornado, Änderungen an Anzeigen, MIDS, Kormoran 2, HARM sowie Vorhaben im Bereich der Laserzielbeleuchtung und gelenkten Bomben.
Diese Aufzählung zeigt, dass das Waffensystem während seiner Nutzung fortlaufend weiterentwickelt wurde. Die Besatzungen mussten neue Möglichkeiten verstehen, Verfahren erarbeiten und Erkenntnisse in die Ausbildung zurückführen.
Auch der Simulator in Tarp gehörte zu diesem Gefüge. Dort konnten Abläufe und Notfälle geübt werden, ohne ein reales Flugzeug einzusetzen. Nach damaliger Planung sollte sein Ausbildungsauftrag Mitte 2005 enden; anschließend war der Abbau der Anlage vorgesehen.
Mit der Auflösung gingen somit auch eingespielte Wege der Ausbildung und Zusammenarbeit zu Ende.
Einsatzbereitschaft beginnt am Boden
Die Selbstdarstellungen der technischen Bereiche machen sichtbar, wie viele Fachrichtungen hinter jedem startenden Tornado standen.
Die Wartungs- und Waffenstaffel beschreibt vier Wartungszüge, jeweils zwei im Norden und Süden des Flugplatzes. Sie kontrollierten die Flugzeuge, führten Inspektionen durch und bereiteten die geforderten Rüstzustände vor. Dabei konnten sehr unterschiedliche Bewaffnungen und Außenlasten erforderlich sein.
Diese Vielseitigkeit war ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses des Verbandes. Die Mehrrollenfähigkeit stellte Anforderungen an Besatzungen, Warte, Waffenpersonal und Fachwerkstätten. Wechselnde Aufgaben mussten technisch zuverlässig vorbereitet werden.
Bei Störungen während des Flugbetriebs kam die nichtplanbare Instandsetzung hinzu. Sie arbeitete bei Bedarf mit weiteren Spezialisten zusammen, um Fehler zu finden und die Flugzeuge wieder verfügbar zu machen.
Die Elektronikstaffel hebt die gemeinsame fachliche Grundlage ihrer militärischen und zivilen Mitarbeiter hervor. Innerhalb der Luftfahrzeugelektronik bestanden weitere Spezialisierungen, doch die Angehörigen konnten die Arbeit benachbarter Werkstätten verstehen und sich gegenseitig unterstützen.
Besonders anschaulich wird dies im Bericht eines jungen Mitarbeiters der Waffenelektronik. Er beschreibt den langen Ausbildungsweg, die Verantwortung für die technischen Systeme und den Rückhalt durch erfahrene Kollegen. Zugleich bedauert er, diesen Arbeitsplatz wegen der bevorstehenden Schließung schon bald wieder verlassen zu müssen.
Hier trifft die Auflösungsentscheidung jemanden, der gerade erst seinen Platz in einem anspruchsvollen Beruf gefunden hatte.
Die NATO wird im gemeinsamen Alltag gelebt
Auslandsverlegungen erscheinen in den Rückblicken als selbstverständlicher Bestandteil des Geschwaderlebens. Sie waren militärische Bewährungsproben und zugleich Erfahrungen, die den Zusammenhalt stärkten.
Ein Beitrag zur Verbandskultur erklärt, warum die Zusammenarbeit auf Verlegungen häufig besonders gut funktionierte: Der gemeinsame Auftrag war für alle unmittelbar sichtbar. Menschen unterschiedlicher Arbeitsbereiche begegneten sich häufiger und mussten Probleme direkt miteinander lösen.
Welcher Aufwand hinter solchen Vorhaben stand, zeigt der Rückblick der Nachschub- und Transportstaffel auf LINKED SEAS 2000 in Ovar. Für den Seetransport waren nahezu 100 Container und 90 Fahrzeuge vorzubereiten. Bis zu 750 Soldaten mussten vor Ort versorgt werden.
Unterbringung, Fahrbetrieb, Verpflegung und die Bereitstellung der benötigten Munition gehörten damit ebenso zum Übungserfolg wie die fliegerischen Leistungen.
Auch die Verlegezelle zieht eine umfangreiche Bilanz. Seit ihrer Einrichtung hatte sie mehr als 100 Verlegungen organisiert. Hinzu kamen zahlreiche kurzfristige Rückholaktionen für Flugzeuge, die auf fremden Flugplätzen instand gesetzt werden mussten.
Internationale Zusammenarbeit bestand für die Marineflieger deshalb aus weit mehr als gemeinsamen Flugvorhaben. Sie verlangte technische Anpassungsfähigkeit, zuverlässige Organisation und die Bereitschaft, auch unter ungewohnten Bedingungen als Mannschaft zu arbeiten.
Fortschritt zwischen Morsezeichen und digitalen Bildern
Die Entwicklung des Fernmeldebereiches führt besonders deutlich vor Augen, wie stark sich der Dienstalltag verändert hatte.
Der Rückblick reicht von Tastfunk und Fernschreibmaschinen bis zu digitalen Vermittlungsanlagen, Datensystemen und mobilen Kommunikationsmöglichkeiten. Mit der Aufgabe des Tastfunks 1994 war ein vertrauter Klang aus den Dienststellen verschwunden. Informationen wurden inzwischen zunehmend schneller und geräuschärmer verarbeitet.
Die Modernisierung veränderte jedoch nicht nur Geräte. Sie verlangte neue Kenntnisse und andere Arbeitsweisen. Gleichzeitig führten Personalveränderungen und Zentralisierung dazu, dass vertraute Ansprechpartner verschwanden. Seit Januar 2004 wurde die Fernsprechvermittlung dauerhaft aus Glücksburg übernommen.
Ähnlich tiefgreifend war der Wandel im Fotolabor. Aus dem ursprünglich stark auf taktische Aufklärungsbilder ausgerichteten Flottenlabor war ein Dienstleister für zahlreiche Bedarfsträger geworden. Farbfotografie, digitale Bearbeitung und neue Druckverfahren erweiterten das Aufgabenspektrum.
Für das vorangegangene Jahr berichtet das Labor von mehr als 2.300 Aufträgen, rund 100.000 analogen Vergrößerungen und über 20.000 digitalen Prints. Der ursprüngliche Aufklärungsbereich machte inzwischen nur noch einen kleinen Teil der Arbeit aus.
Umso verständlicher wird die Sorge der Mitarbeiter: Ihre Leistungen wurden gebraucht, doch die Zukunft der eingespielten Teileinheit war ungeklärt. Der Beitrag verbindet den Stolz auf das Erreichte mit der offenen Frage, wo und in welcher Form diese Arbeit fortgeführt werden könnte.
Flugsicherheit bedeutet Verantwortung und Erinnerung
Die Abschiedsausgabe blickt auch auf die Verluste des Geschwaders zurück. Der damalige Flugsicherheitsbeitrag nennt für den betrachteten Zeitraum 52 Flugunfälle und 22 tote Kameraden; vier von ihnen galten weiterhin als vermisst.
Diese Zahlen werden ausdrücklich als Erinnerung an persönliche Schicksale verstanden. Für die Angehörigen verbanden sich mit ihnen Namen, Gesichter und gemeinsame Erlebnisse.
Neben dem Rückblick auf Unfälle zeigt das Heft die tägliche Arbeit zur Vermeidung weiterer Unglücke. Wetterberatung, technische Kontrolle, Flugverkehrskontrolle, Feuerwehr und Ausbildung wirkten dabei zusammen.
Die Geo-Informations- und Beratungsstelle beschreibt einen jahrzehntelangen Dienst mit Wettermeldungen, Vorhersagen und Briefings. Ihre Mitarbeiter unterstützten das Geschwader auch bei Verlegungen im Ausland.
Die Fliegerhorstfeuerwehr stellte ihre Einsatzbereitschaft ebenfalls weiterhin sicher. Ihr Beitrag steht unter dem Begriff der „disziplinierten Wehmut“: Der Abschied war absehbar, die Verantwortung für Menschen und Material bestand unverändert fort.
Wie anspruchsvoll diese Übergangsphase war, verdeutlicht die Flugsicherung. Fehlendes Personal konnte bereits zu Einschränkungen des Flugbetriebs führen. Wurde die vorgeschriebene Mindestbesetzung nicht erreicht, musste das Verkehrsaufkommen reduziert werden.
Die Auflösung begann damit lange vor der endgültigen Schließung, in einer Zeit, in der der verbleibende Flugbetrieb weiterhin sicher durchgeführt werden musste.
Die Auflösung wird selbst zum Auftrag
Für die Nachschub- und Transportstaffel würde die Arbeit mit dem letzten Flug keineswegs beendet sein. Ihr Beitrag macht deutlich, dass danach ein erheblicher Teil der materiellen Abwicklung erst noch bevorstand.
Material musste erfasst, geprüft, abgegeben oder ausgesondert werden. Transporte waren vorzubereiten, Restkommandos zu versorgen und Bestände ordnungsgemäß nachzuweisen. Auch eingelagerte Munition erforderte bis zu ihrer Abgabe weiterhin Inspektions- und Erhaltungsarbeiten.
Allein für deren Abtransport rechnete die Staffel mit etwa 100 Lkw-Zügen.
Der S4-Bereich beschreibt die Steuerung dieser Materialabgaben als letzte große Herausforderung. Gleichzeitig schieden Mitarbeiter aus oder wurden versetzt, ohne dass ihre Dienstposten wieder besetzt wurden.
Darin lag eine besondere Belastung: Die Aufträge wurden zunehmend auf die Schließung ausgerichtet, während die personellen Möglichkeiten schrumpften.
Auch Truppenverwaltung und Kasernendienstbereiche blieben gefordert. Haushaltsmittel, Personalangelegenheiten, Bewachung und Versorgung mussten bis zum Ende bearbeitet werden. Für viele Angehörige bestand der letzte Beitrag zum Geschwader darin, dessen geordnete Abwicklung zu ermöglichen.
Tarp und Eggebek verlieren ein Stück ihres Alltags
Die Grußworte aus den Standortgemeinden zeigen, wie eng Geschwader und Region miteinander verbunden waren.
Die Tarper Bürgermeisterin Brunhilde Eberle beschreibt die Soldaten und zivilen Mitarbeiter als Teil der örtlichen Gesellschaft. Sie waren Nachbarn, Vereinsmitglieder und Eltern. Ihre berufliche Zukunft berührte damit unmittelbar das Leben der Gemeinden.
Die Geschwaderzeitung hatte diese Verbindung über Jahrzehnte gepflegt. Wer sie las, begegnete bekannten Namen, erfuhr von Dienstjubiläen und Verlegungen und erhielt Einblicke in einen Arbeitsalltag, der sonst häufig hinter dem Kasernentor blieb.
Auch Eggebeks Bürgermeister Reinhard Breidenbach versteht den Abschied von +egmont+ als Beginn einer ganzen Folge von Verlusten. Mit der Zeitung verschwand ein vertrauter Ort der Begegnung zwischen Aktiven, Ehemaligen und interessierten Bürgern.
Wie konkret diese Veränderungen wurden, zeigt der Beitrag des Friseurstübchens Goldbeck. Für dessen Mitarbeiterinnen bedeutete die geplante Schließung den Verlust eines Arbeitsplatzes, den sie über viele Jahre mit Freude ausgefüllt hatten. Ihre Erinnerungen reichen von wechselnden Frisurenmoden bis zu langjährigen Stammkunden.
Die Offizierheimgesellschaft blickt ebenfalls auf einen gesellschaftlichen Mittelpunkt zurück. Empfänge, Familienessen und private Feiern hatten dort ihren Platz gefunden. Das Ende des Verbandes betraf somit auch Räume, in denen sich berufliche Beziehungen und privates Leben verbunden hatten.
Zukunftsfragen reichen bis in die Familien
Am deutlichsten wird die menschliche Seite der Auflösung dort, wo die Beiträge über neue Dienstposten hinausgehen.
Ein Wechsel des Arbeitsplatzes konnte einen Umzug erforderlich machen. Für Familien stellten sich Fragen nach dem Beruf des Partners, nach gewachsenen Kontakten und nach der Möglichkeit, am bisherigen Wohnort zu bleiben. Wer zunächst allein an einen neuen Dienstort ging, musste mit der Trennung vom vertrauten Alltag umgehen.
Der Sozialdienst griff diese Belastungen ausdrücklich auf. Sein Beitrag über Stress nennt die Geschwaderauflösung, notwendige Umzüge, die Trennung von der Familie und die Sorge um den Arbeitsplatz als konkrete Belastungsfaktoren.
Damit erhielt ein Thema Raum, das in einer rein militärischen Leistungsbilanz leicht übersehen worden wäre.
Auch die Vorbereitung auf den Ruhestand wurde als persönlicher Übergang behandelt. Bei einer Veranstaltung von Militärseelsorge und Sozialdienst sprachen angehende Pensionäre, teilweise gemeinsam mit ihren Ehefrauen, über die Zeit nach dem Beruf. Es ging um Tagesgestaltung, neue Aufgaben und Erwartungen innerhalb der Partnerschaft.
Ein Satz aus dem Beitrag der Wetterberatung bringt das Grundgefühl vieler Betroffener besonders knapp auf den Punkt. Der beruhigenden Vorstellung, jeder werde eine passende Anschlussverwendung finden, wird entgegengehalten: „Ja, aber keiner wollte weg!“
Eine neue Stelle konnte Sicherheit schaffen. Die Bindung an das bisherige Geschwader und seine Menschen blieb dennoch bestehen.
Gemeinschaft zeigt sich auch im fortgesetzten Alltag
Trotz des beherrschenden Abschiedsthemas enthält die Ausgabe weiterhin Meldungen über Dienstjubiläen, Flugstunden, Hochzeiten, Sport und soziales Engagement.
Gerade diese Beiträge zeigen, dass das Geschwaderleben noch nicht zum Stillstand gekommen war. Menschen wurden für ihre Arbeit gewürdigt, langjährige Mitarbeiter verabschiedet und persönliche Ereignisse gemeinsam wahrgenommen.
Auch sportlicher Ehrgeiz blieb vorhanden. Bei der Flottillenmeisterschaft im Januar 2004 gewann die Volleyballmannschaft des MFG 2 gegen das MFG 3 mit 3:0 Sätzen. Der Wunsch, noch einmal einen Titel für den eigenen Verband zu erringen, ist im Bericht deutlich zu spüren.
Soziale Verantwortung reichte zugleich über das Geschwader hinaus. Die Instandsetzungsstaffel sammelte bei ihrer Jahresabschlussfeier 1.415 Euro für die Kinder-Herz-Hilfe. Die Spende wurde im Februar 2004 in Kiel übergeben.
Aus der Weihnachtsfeier des Geschwaderstabes kamen weitere 476,50 Euro für die Soldatentumorhilfe Hamburg zusammen. Örtliche Unternehmen hatten die Tombola mit Sachspenden unterstützt.
Diese Meldungen dokumentieren ein weiterhin tätiges Netzwerk aus Soldaten, zivilen Mitarbeitern und Gewerbetreibenden. Selbst in der eigenen unsicheren Situation blieb der Blick für die Bedürfnisse anderer erhalten.
Erinnerung soll nicht mit dem Verband verschwinden
Die Rückblicke auf die Geschichte von +egmont+ erklären, weshalb der Abschied von der Zeitung so schwerfiel.
Die Vorbereitungen hatten im Herbst 1969 begonnen. Als Gründungstag wurde der 1. Februar 1970 festgelegt; der erste Redaktionsleiter erinnert sich daran, die ersten Hefte im April 1970 aus der Druckerei geholt zu haben.
Der ursprüngliche Anspruch ging weit über dienstliche Bekanntmachungen hinaus. Die Zeitung sollte informieren, Diskussion ermöglichen und das gegenseitige Verständnis zwischen Soldaten, zivilen Mitarbeitern und Familien fördern.
2004 blickt die Redaktion auf 34 Jahre und 236 Ausgaben zurück. Besonders gewürdigt werden Ursula Gesk und Ingrid Brömel, deren langjährige Arbeit die Kontinuität der Zeitung gesichert hatte. Hinzu kam Herbert Müller, der über viele Jahre ihre Finanzen betreut hatte.
Die Rückblicke machen deutlich, wie viel persönliche Arbeit hinter jeder Ausgabe stand: Beiträge mussten eingeworben, Texte bearbeitet, Bilder vorbereitet und Anzeigen gewonnen werden. Ein erheblicher Teil dieses Einsatzes reichte über den eigentlichen Dienst hinaus.
Parallel entstanden Überlegungen, wie die Gemeinschaft nach der Auflösung weiterbestehen könnte. Die Marinekameradschaft Tarp lud Angehörige und Familien ein. In den Staffelbeiträgen wird die Interessengemeinschaft „Bruiser Away“ als Verbindung zwischen ehemaligen Marinejetfliegern angesprochen.
Besonders anschaulich ist die Erinnerung an die Räumung des Gebäudes der 1. Staffel. Erinnerungsstücke wurden versteigert und von Ehemaligen gesichert. Ein Findling mit Staffelwappen und ein Anker sollten zunächst privat aufbewahrt werden, bis sich möglicherweise ein gemeinsamer Ort für sie finden würde.
Hier nahm Traditionspflege bereits praktische Formen an, während der Verband noch bestand.
Was es 2004 bedeutete, Marineflieger im MFG 2 zu sein
Die Ausgabe +egmont+ 2004-01 bewahrt das Selbstbild eines Geschwaders, das auf seine Leistungen zurückblickte und zugleich um seine Zukunft trauerte. Wenn die Beiträge den Verband als besonders leistungsfähig beschreiben, halten sie auch fest, was aus Sicht der Angehörigen verloren zu gehen drohte.
Ihre Rückblicke zeigen eine Entwicklung von der Starfighterzeit zur komplexen Tornado-Fliegerei, von stärker getrennten Tätigkeiten zu enger Zusammenarbeit und von örtlich geprägten Abläufen zu routinierten internationalen Verlegungen. Diese Fähigkeiten waren durch Ausbildung, Erfahrung und die gemeinsame Arbeit militärischer und ziviler Fachkräfte entstanden.
2004 Marineflieger im MFG 2 zu sein, bedeutete deshalb, weiterhin Verantwortung zu tragen und gleichzeitig Abschied zu nehmen. Flugzeuge mussten sicher starten, Wissen musste weitergegeben und die Auflösung vorbereitet werden. Daneben stand die Frage, wie das eigene Leben nach dem Geschwader weitergehen würde.
Die wichtigste Aussage dieser Ausgabe liegt in dieser Verbindung: Mit dem MFG 2 ging eine Organisation ihrem Ende entgegen, die für viele Angehörige über Jahre oder Jahrzehnte berufliche und persönliche Heimat gewesen war. Die Menschen sollten ihre Fähigkeiten andernorts einbringen. Was sie gemeinsam erlebt und aufgebaut hatten, wollten sie bewahren.
Quellenhinweis:
Dieser Beitrag basiert auf zeitgenössischen Ausgaben der Geschwaderzeitung +egmont+ des Marinefliegergeschwaders 2.
Die historischen Originalausgaben befinden sich, als PDF-Datei, im privaten Archiv und werden nicht online veröffentlicht.