Die DGzRS – Seenotrettung auf Nord- und Ostsee
Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, kurz DGzRS, ist für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten der Nord- und Ostsee zuständig. Ihre Seenotretter sind rund um die Uhr einsatzbereit, um Schiffbrüchige zu retten, Menschen aus Gefahr zu befreien und Verletzte oder Erkrankte auf See zu versorgen. Dabei spielt es keine Rolle, wodurch eine Notlage entstanden ist oder wer Hilfe benötigt.
Unter dem Leitsatz „Rausfahren, wenn andere reinkommen“ stehen mehr als 1.000 Seenotretter bereit. Die meisten von ihnen engagieren sich freiwillig. Mit rund 60 Seenotrettungskreuzern und Seenotrettungsbooten sichert die DGzRS etwa 3.660 Kilometer deutsche Küstenlinie sowie die angrenzenden Seegebiete.
Entstehung der organisierten Seenotrettung
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es an den deutschen Küsten keinen einheitlich organisierten Seenotrettungsdienst. Gerieten Schiffe in schwere Stürme oder strandeten vor der Küste, waren die Besatzungen häufig auf spontane Hilfe durch Fischer, Lotsen und Küstenbewohner angewiesen. Geeignete Rettungsboote, ausgebildete Mannschaften und feste Alarmierungswege fehlten vielerorts.
Nach mehreren schweren Schiffsunglücken setzten sich engagierte Persönlichkeiten für den Aufbau eines organisierten Rettungswesens ein. Zu ihnen gehörten der Navigationslehrer Adolph Bermpohl, der Rechtsanwalt Carl Kuhlmay, der Oberzollinspektor Georg Breusing und der Journalist Arwed Emminghaus. Im Jahr 1861 entstand in Emden der erste regionale deutsche Verein zur Rettung Schiffbrüchiger.
Am 29. Mai 1865 schlossen sich mehrere regionale Rettungsvereine in Kiel zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zusammen. Seit dem Jahreswechsel 1865/66 befindet sich der Sitz der Gesellschaft in Bremen. Aus den zunächst einfachen Ruderrettungsbooten entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte eine moderne und leistungsfähige Rettungsflotte.
Aufgaben der DGzRS
Die wichtigste Aufgabe der DGzRS ist die Suche und Rettung von Menschen, die auf See in eine unmittelbare Notlage geraten sind. Das Spektrum möglicher Einsätze ist breit. Dazu gehören unter anderem:
- die Rettung von Menschen nach Schiffsunglücken,
- die Suche nach vermissten Seeleuten und Wassersportlern,
- die Bergung von Personen nach einem „Mensch über Bord“-Unfall,
- die Versorgung und der Transport von Verletzten oder Erkrankten,
- Hilfe bei Feuer, Wassereinbruch oder Maschinenausfall,
- das Freischleppen festgekommener Fahrzeuge,
- die Sicherung manövrierunfähiger Schiffe und Boote,
- Einsätze für Fischer, Berufsschifffahrt und Freizeitskipper,
- Hilfe für Surfer, Kitesurfer und andere Wassersportler.
Oftmals verhindert bereits eine frühzeitige technische Hilfeleistung, dass aus einer Panne eine lebensbedrohliche Seenotlage entsteht. Die Besatzungen müssen deshalb sowohl seemännisch als auch medizinisch und technisch besonders gut ausgebildet sein.
Die Rettungsleitstelle See in Bremen
Das operative Zentrum der deutschen Seenotrettung ist die Rettungsleitstelle See in Bremen. International wird sie als Maritime Rescue Co-ordination Centre Bremen, kurz MRCC Bremen, bezeichnet. Die Bundesrepublik Deutschland hat der DGzRS die hoheitliche Aufgabe übertragen, den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Seegebieten zu koordinieren.
Geht ein Notruf ein, bewertet die Rettungsleitstelle die Lage und alarmiert die am besten geeigneten Rettungseinheiten. Falls erforderlich, bindet sie weitere Kräfte ein – beispielsweise Hubschrauber, Handelsschiffe, Behördenfahrzeuge, Feuerwehr, Polizei oder ausländische Seenotrettungsdienste.
Zum MRCC gehört außerdem die Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio. Sie überwacht die internationalen Seenotfrequenzen und führt den Not- und Dringlichkeitsfunkverkehr. Ist die Position eines Havaristen unbekannt, berechnet die Rettungsleitstelle anhand von Wind, Seegang, Strömung und Tide mögliche Suchgebiete.
Seenotrettungskreuzer und Seenotrettungsboote
Die DGzRS betreibt rund 60 Rettungseinheiten, darunter etwa 20 Seenotrettungskreuzer und 40 Seenotrettungsboote.
Seenotrettungskreuzer sind größere, besonders leistungsfähige Spezialschiffe. Sie liegen an strategisch wichtigen Punkten der Küste und sichern vor allem stark befahrene Schifffahrtswege sowie weiter von der Küste entfernte Seegebiete. Die Kreuzer sind in der Regel ständig mit fest angestellten Besatzungen besetzt und besitzen ein Tochterboot. Dieses kann auch in flachen Gewässern, nahe einem Havaristen oder in schwer zugänglichen Küstenbereichen eingesetzt werden.
Seenotrettungsboote sind kleiner, aber ebenfalls außerordentlich seetüchtig. Sie werden überwiegend von freiwilligen Besatzungen gefahren und können bereits wenige Minuten nach einer Alarmierung auslaufen. Viele Rettungseinheiten sind als Selbstaufrichter konstruiert und speziell für Einsätze bei schwerem Wetter entwickelt worden.
Zur Ausstattung gehören unter anderem leistungsfähige Navigations- und Funkanlagen, Suchscheinwerfer, medizinische Ausrüstung, Feuerlöschsysteme, Schleppvorrichtungen sowie Bergungsplattformen für Personen im Wasser.
Freiwillige und fest angestellte Seenotretter
Die Rettungsflotte wird von rund 800 freiwilligen und etwa 180 fest angestellten Seenotrettern gefahren. Auf den Stationen der größeren Seenotrettungskreuzer sorgen fest angestellte Besatzungen für eine ständige Einsatzbereitschaft. Die kleineren Seenotrettungsboote werden überwiegend von freiwilligen Besatzungen betreut, die in der Nähe ihrer Stationen leben oder arbeiten.
Alle Besatzungsmitglieder müssen regelmäßig trainieren. Zu den Ausbildungsinhalten gehören Navigation, Funkverkehr, technische Hilfeleistung, Brandbekämpfung, medizinische Erstversorgung und das Bergen von Menschen aus dem Wasser. Hinzu kommen Kontroll- und Übungsfahrten, die den Seenotrettern eine genaue Kenntnis ihrer jeweiligen Reviere vermitteln.
Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften
Bei größeren oder besonders schwierigen Notfällen arbeitet die DGzRS eng mit zahlreichen Partnern zusammen. Dazu zählen die Bundespolizei, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, Feuerwehren, Rettungsdienste, das Havariekommando und die Marine.
Eine besondere Bedeutung haben Hubschrauber bei der Suche nach Vermissten, beim Abbergen von Personen und beim schnellen Transport medizinischen Personals. Die Marineflieger können insbesondere bei weit entfernten oder zeitkritischen Seenotfällen wichtige Unterstützung leisten. Die Koordination der beteiligten Kräfte erfolgt grundsätzlich über das MRCC Bremen.
Auch mit den Seenotrettungsdiensten der europäischen Nachbarstaaten besteht eine enge Zusammenarbeit. Notlagen auf See enden nicht an Staatsgrenzen. Deshalb können deutsche Rettungseinheiten in angrenzenden Seegebieten helfen, während umgekehrt ausländische Einheiten Einsätze in deutschen Gewässern unterstützen.
Unabhängig und ausschließlich spendenfinanziert
Eine Besonderheit der DGzRS ist ihre Finanzierung. Die Gesellschaft nimmt für ihre satzungsgemäße Seenotrettungsarbeit keine staatlich-öffentlichen Mittel in Anspruch. Betrieb, Ausbildung, Rettungsstationen und Neubauten werden durch Spenden, Förderbeiträge, Erbschaften und andere freiwillige Zuwendungen finanziert.
Ein bekanntes Symbol dieser Unterstützung ist das kleine Sammelschiffchen, das seit 1875 in Geschäften, Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen zu finden ist. Die freiwillige Finanzierung soll die Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Organisation sichern. Schirmherr der DGzRS ist traditionell der Bundespräsident. Informationen zur DGzRS
Bilanz der Seenotretter
Im Jahr 2025 absolvierten die Besatzungen der DGzRS insgesamt 1.723 Einsatzfahrten und leisteten 3.389 Menschen Hilfe. Dabei wurden 135 Menschen unmittelbar aus Seenot gerettet und weitere 327 aus drohender Gefahr befreit. Außerdem transportierten die Seenotretter 237-mal verletzte oder erkrankte Menschen von Schiffen, Inseln oder Halligen zum Festland.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1865 hat die DGzRS bis Ende 2025 insgesamt 87.770 Menschen aus Seenot gerettet oder aus Gefahrensituationen auf See befreit. Diese Zahlen zeigen die anhaltende Bedeutung eines jederzeit verfügbaren und professionellen Seenotrettungsdienstes. Einsatzbilanz 2025
Bedeutung der DGzRS
Die DGzRS gehört zu den traditionsreichsten und angesehensten Seenotrettungsorganisationen Europas. Ihre Arbeit verbindet freiwilliges Engagement mit moderner Schiffstechnik, professioneller Einsatzführung und internationaler Zusammenarbeit. Berufsschifffahrt, Fischerei, Marine und Freizeitschifffahrt können sich darauf verlassen, dass im Notfall schnelle und fachkundige Hilfe bereitsteht.
Trotz aller technischen Fortschritte bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. Die Seenotretter fahren hinaus, wenn Sturm, Dunkelheit und hoher Seegang andere Schiffe in die Häfen zwingen. Ihr Einsatz steht seit mehr als 160 Jahren für Mut, Verantwortungsbewusstsein und gelebte Solidarität auf See.
Stand: August 2026
- Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: Unsere Aufgabe – maritimer Such- und Rettungsdienst
- Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: Rettungsleitstelle See – Maritime Rescue Co-ordination Centre Bremen
- Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: Historie der Seenotretter
- Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: Seenotretter-Wissen – Zusammenarbeit mit den Marinefliegern
- Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: Seenotretter und Marine-Hubschrauber für verletzten Segler im Einsatz
- Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: Marineflieger retten Schiffbrüchige aus Seenot
- Bundeswehr: Seenotrettung – Sea Lion beginnt mit der Praxis
- Bundeswehr: Erster Großeinsatz des SAR-Hubschraubers Sea Lion
- Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr: Seenotrettung in deutschen Seegebieten
Alle Onlinequellen zuletzt abgerufen am 16. August 2026.